19.04.08
Das l'Arc in Romainmôtier - Einst Wohnung des Abtes und Pilgerhaus, heute Ort des Austausches, des Nachdenkens, der Begegnung. Eben einige Tage zum Thema "Kultur und Digitalisierung".
Zur Abwechslung einfach ein Link auf mein zweites, berufliches Blog: www.digitalbrainstorming.ch/blog
Konzept und Realisation wie immer Migros-Kulturprozent!
Posted by dominik at 22:35 | Comments (0)
14.02.08
Dominik's Privatradio als Podcast
Etwas scherzhaft nenne ich meine Audio-Aktivitäten "Dominik's Privatradio". Das ist natürlich leicht ironisch gemeint und soll darauf hinweisen, wie leicht es geworden ist, eigene Audio-Inhalte via Internet zu verbreiten oder neudeutsch zu broadcasten. Genau genommen ist das natürlich nicht broad sonndern narrow-cast, weil eben sehr wenige Hörer sich einklinken. Und so funktioniert es:
Am einfachsten ist es, unsere Podcast bei iTunes zu abonnieren. Dieser Link führt direkt in den iTunes Shop, wo man den digital brainstorming Podcast kostenlos abonnieren kann. Unsere Podcast-Liste wird bei jedem Öffnen von iTunes aktualisiert. Heruntergeladen wird aber nur, was ausdrücklich markiert und auch gewünscht wird.
Hier gehts zum Podcast Abo von digital brainstorming im iTunes Shop.
Es gibt auch einen RSS-Feed zu unserem Podcast: Neuere Browser finden ihn direkt und wir werden diesen Link in Zukunft auch prominent auf unserer Seite platzieren.
Was gibts denn zu hören: So kann zum Beispiel das Referat von Claus Pias zur Geschichte des Computerspiels oder ein Interview mit dem Science Fiction Autor Herbert W.Franke gehört werden. Weiterhin möglich ist natürlich, die Files direkt als mp3 Audios herunterzuladen - ohne RSS Feed oder iTunes Shop. Hier gehts zu den Files von Herbert W.Franke , zu Claus Pias und der Geschichte der Computerspiele . Wir werden in Zukunft noch vermehrt Gespräche und Aufnahmen anbieten, die nicht im Kontext der Veranstaltungsreihe digital brainstorming entstanden sind. Zu nennen ist hier etwa ein Interview mit dem österreichischen Künstler und Wort-Verdreher Jörg Piringer.
Nicht als mp3 gibts die schöne Sendung mit Bruno Stanek und Bruno Spoerri, dafür kann die CD der Radiosendung gratis bestellen.
Posted by dominik at 10:10 | Comments (0)
30.01.08
Kybernetik, Bomben, Computergames
Die Geschichte von Computer und Krieg ist eng miteinander verwoben - die ersten Computer entstanden zur Berechnung von Geschossbahnen aber auch im Kontext der Entwicklung der ersten Atombombe. Dass auch die Computergames eine unfriedliche Vorgeschichte hat, erstaunt denn nicht. Eines der Themen des brillanten Medienwissenschafters Claus Pias. Im Kontext der Ausstellung "Pong" vom letzten Jahr hat er dies in einem spannenden Referat dargelegt, das wir hier vollständig online dokumentieren. Das Referat ist ca 45 Minuten lang und 45 MB gross.
Weitere Infos zum Thema gibts auf der entsprechenden Seite von digitalbrainstorming
Posted by dominik at 08:47 | Comments (0)
24.12.07
Kleine Aufmerksamkeit für Medienwissenschafter
Ist vielleicht ein bisschen exotisch - aber doch wunderbar: Das Technomagazin "Futurezone" des ORF liefert als Bonbon zu Xmas ein paar wunderbare Texte zur Computergeschichte - unter anderem zu Norbert Wiener, der den Begriff Kybernetik geprägt hat. Geboren aus Krieg und Artillerie wie wir nicht nur erst seit Kittler wissen...
Alles wunderbar klug und ausführlich zu lesen im Weihnachtseintrag von Futurezone oder auch direkt bei der Tufts University wo sich die kurze Biografie Wieners als PDF findet. Ein ebenso kurzer Text ist seiner Mathematik gewidmet.
Erinnert sei an dieser Stelle an Peter Galison und sein Text über Wiener mit dem Titel "Ontologie des Feindes", der so etwas wie kanonisch geworden ist und leider nicht als PDF im Internet zu finden ist...
Es geht gleich weiter bei Futurezone mit einem ebenso schönen Aufsatz über den Mathematiker und Informationstheoretiker Claude F.Shannon
Und hier gehts zu Sternenjägers Bookshop
Posted by dominik at 12:33 | Comments (0)
18.11.07
Besuch im Roboterlabor
Atelierbesuch bei Daniel Imboden: Seit Jahren baut der Techniker unmögliche Maschinen, seit kurzem auch Roboter. Und hier hat er schon einiges zu bieten: Seine Kreationen sprechen für sich...
Die Robos sind schon ziemlich High-Tech. Langsam aber sicher lernen sie Musik zu machen. Sehr selbständig gehts noch nicht, dafür zieht Daniel im Hintergrund die Strippen und hantiert mit allerlei Gerät. Besonders reizvoll ist ein kleiner Monitor - er zeigt ihm, was der Robo gerade "sieht" und ermöglicht so eine gezielte Interaktion mit dem Zuschauer. Alles make-believe, denn der Roboter ist nicht autonom. Noch nicht...
Aber er kann auch anders uns bastelt aus Elektroschrott witzige Dinge: Zum Beispiel das Sirr-Insekt, in dessen Herz ein Handy-Summer steckt.
Hier die Koordinaten von Daniel Imboden und seiner Dim-Tech in Emmenbrücke
Posted by dominik at 21:16 | Comments (0)
Google's Jagd auf Blogs
Wie lange dauert es, bis Google einen Blog-Eintrag indexiert hat? - Machen wir die Probe aufs Exempel. Wer will raten: Tage? - Stunden? - Minuten? - Nein. Man möge ins Bild klicken und genau hinsehen....
Die korrekte Antwort ist: Sekunden. Beim ersten Abspeichern schon geht ein Signal an Google - weiss der Teufel wie das technisch läuft - und Google verarbeitet das Signal offenbar in Echtzeit.
Toll. Schöne Neue Welt.
Oder doch nicht so?
Posted by dominik at 20:58 | Comments (0)
16.11.07
Historischer Code-Knacker Event: Ein Deutscher knackt das Geheimnis
Das Geheimnis ist keines mehr - einem Deutschen ist als ersten gelungen, das neue Geheimnis der Lorenz-Maschine zu knacken. Hier die Mitteilung von Norbert Ryska vom Heinz Nixdorf Forumsmuseum Paderborn
Hier die geknackte Botschaft
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Achtung: Wer nur Bahnhof versteht möge zuerst den vorgängigen Eintrag lesen.
Oder den Artikel im COMPUTER BILD
Und hier die Mitteilung im Wortlaut
Dear David, lieber Dominik
Hat doch glatt ein Deutscher (!) als erster die Lorenz SZ42 gestern geknackt mit einer selbst programmierten Krypto-Software,die er in ADA geschrieben hat (Ry: gut geeignet für Parallelverarbeitung). Will er demnächst veröffentlichen. See below
Cordially,
Norbert
Norbert Ryska
Geschäftsführer
____________________________
Tel.: +49-5251-306910
Fax: +49-5251-306919
E-Mail: mailto:nryska@hnf.de
http://www.hnf.de
____________________________
______________________________________________________
HNF Heinz Nixdorf MuseumsForum GmbH
Fürstenallee 7
33102 Paderborn
Sitz der Gesellschaft: Paderborn
Registergericht Paderborn, HRB 2190
Geschäftsführer: Norbert Ryska, Dr. Kurt Beiersdörfer
______________________________________________________
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Joachim Schueth [mailto:jo@schlaupelz.de]
Gesendet: Donnerstag, 15. November 2007 19:48
An: tony.sale@tnmoc.org; Ryska, Norbert
Betreff: Decrypt of 18:00 UTC transmission
Hello Tony and Mr. Ryska,
with practice, I am getting faster...
Decrypt of the 18:00 UTC transmission:
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Wheel settings at beginning of text shown:
26 10 23 11 10 27 37 27 33 11 10 54
Again, these settings will be somewhat out of phase relative to the official starts and correspond to the start of the shown plaintext.
It was somewhat confusing that the AFSK shift is reversed when transmission switches from plain to cipher.
The crypto part is in fact the shortest operation in the overall reception and decihering process. The runtime of the program that revealed the above settings was less than 46 seconds on a 1.4 GHz CPU. But I fully acknowledge the fact that Colossus was an ingenious construction and a powerful machine at its time. It may be a bit unfair to put it in a competition with modern computers...
I will put the software I am using (written in Ada) on my homepage soon for anybody who may be interested.
Thanks for a nice day,
best regards,
Joachim
Posted by dominik at 08:50 | Comments (0)
14.11.07
Historisches Code-Knacker Event: Colossus knackt Lorenz
Ein historischer Code-Knacker Event findet in diesen Tagen in England und Deutschland statt - der Anlass erinnert an eine der grossen Leistungen der britischen Abwehr im Zweiten Weltkrieg und feiert die Rekonstruktion des Computer-Vorläufers "Colossus" aus tausenden von Elektronenröhren. Als Operations-Basis dienen nicht ganz zufälligerweise das Heinz Nixdorf ForumMuseum in Paderborn und die historische Stätte Bletchley Park zwischen Oxford und Cambridge. Dort ist übrigens die rekonstruierte Colossus-Maschine auch zu besichtigen wer jetzt findet, das Ganze sei auch etwas schräg, etwas spleenig, der hat wohl nicht Unrecht...
Ein Ziffern-Rallye nennen die Briten diesen Anlass und er läuft folgendermassen: In Paderborn werden eine Reihe von Funksprüchen mit der Lorenz Schlüsselzusatzmaschine SZ 42 verschlüsselt und per Amateurfunk gesendet. In Bletchley Park, werden die Funksprüche abgefangen und mit Hilfe der Colossus-Maschine entschlüsselt. Männiglich ist gespannt wie lange das dauert.
Das Ganze ist technisch nicht ganz banal: Hier geht es für einmal nicht um das Entschlüsseln eines Funkspruchs aus einer Rotor-Maschine wie der Enigma. Die Lorenz-Maschine war vielmehr ein Verschlüsselungsgerät für einen Fernschreiber der im so genannten Baudot-Code arbeitete, einem 8bit Code.
Hintergrund des kleinen Events ist die Rekonstruktion der Colossus-Maschine durch den britischen Ingenieur Tony Sale. Ein Unternehmen, das sich über mehr als 10 Jahre hinzog und an sich schon eine historische Leistung darstellt: Denn die Colossus-Maschine läuft jeden Tag und ist auch zu besichtigen.
Die Chiffriergeräte-Ausstellung im Heinz Nixdorf Museumsforum von Paderborn ihrerseits ist eine der weltweit schönsten ausgestellten Sammlungen dieser Art und das Kind des dortigen Direktors Heinz Ryska, der ein besonderes Herz für solche Maschinen besitzt und es immer wieder fertig bringt, Codeknacker und Historiker von Weltrang nach Paderborn zu bringen.
Der Schreibende hat selber einen langen Aufsatz über die Rekonstruktion von Colossus verfasst
Alle Infos zum historischen Anlass sind in diesem Papier zusammengefasst.
Hier gehts zum britischen Computer-Museum und hier zum Heinz Nixdorf Forumsmuseum in Paderborn
Posted by dominik at 07:19 | Comments (0)
30.09.07
DIY Kamikaze Orchestra
Eine mehr als ungewöhnliche Vorstellung im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Thema Home Made und Do-it-yourself. Die ad hoc Gruppe "DIY Kamikaze Orchestra" tritt auf mit einer Gruppe von Leuten, die während einer Stunde live vor den Augen des Publikums eine Installation zusammenlötet. So chaotisch es aussieht: Jeder weiss genau was er zu tun hat und es gibt sogar einen Plan für alles. Und alles tönt ganz wunderbar und nach exakt einer Stunde ist das Kunstwerk fertig, der Spuk beendet. Verdienter Applaus. Wann gibts die nächste Vorführung?
Das Publikum ist begeistert - und bleibt keine Sekunde auf den Stühlen sitzen, man steht rund um den Tisch der lötenden Gesellen - und Gesellinnen: Mindestens eine Frau unter den Bastlern wurde gesichtet. Zunächst mal ist gar nichts zu hören, aber schon nach einigen Minuten: Der Taktgeber der Installation - ein kontinuierliches Tropfen des Wassers, aufgefangen von einem Tonauabnehmer.
Später mischen sich dann allerlei andere Töne darein - und es entsteht eine einigermassen wilde Mischung von Geräuschen und Klängen. Mit grösster Ernsthaftigkeit und Konzentration löten derweil die einzelnen Mitglieder - hier ensteht ein Schwingkreis, dort gar ein Sender.
Ein Teammitglied macht sich mit einem Telefonbuch und Alufolie zu schaffen. Frage: Was gibt das. Antwort: Ich bastle mir gerade einen Kondensator. Aha. Woher hast Du das originelle Rezept? - Aus dem Internet.
Aha.
Wunderbar, hier von ganz nah zu sehen, der Plan für das Ganze. Geordnetes Chaos. Strukturiertes Vorgehen. Der Plan für die Performance umfasst mehrere Seiten - schön von Hand gezeichnet. Schön analog. Nix Computer und so. Könnte allein schon als Kunstwerk durchgehen. Schade, dass ich kein Exemplar mitgenommen habe.
Mehr dergleichen: www.homemade-labor.ch Dort bloggt Miss Gunst noch viel ausführlicher zu diesem Thema.
Posted by dominik at 11:09 | Comments (1)
22.09.07
Internet als Massenmedium
Es ist noch nicht lange her, da war die Aussage "Das Internet ist kein Massenmedium" von allen Medien-Auguren zu hören. Sie haben nicht Recht erhalten, diese Propheten. Harte Zahlen liefert die jüngst erschienene Ausgabe der Media-Perspektiven von ARD/ZDF mit einer Reihe von Studien. Ob allerdings das so genannte Web 2.0 hält, was es verspricht, ist offen.
63 Prozent der Deutschen über 14 sind regelmässig online - in der Schweiz ist der Anteil sogar noch etwas höher. Die grössten Zuwachsraten werden im Moment bei den älteren Menschen und bei den Frauen beobachtet. Besonders wichtig: Multimediale Inhalte, also Audio und Video, werden immer beliebter, wenn auch vorab bei den Jüngeren. Das zeigen die neusten Zahlen von ARD und ZDF
Die Zeitungen in der Schweiz melden gleichzeitig leicht gestiegene Leserzahlen. Paradox. Aber der Zuwachs geht zu Lasten der neuen Gratiszeitungen. Damit ist etwas Interessantes passiert: Zwar haben sich Leser und Inhalte nicht einfach sang und klanglos ins Internet verschoben - aber das Internet prägt eine neue Konsumhaltung: Schnell, umsonst und kurz muss Information sein.
Wie gehts weiter - was ist die Zukunft von Radio und TV? - Es braucht nicht viel Phantasie um die Antwort zu finden: Die Zukunft der elektronischen Medien liegt im elektronischen Internet - dort können diese Medien ihren grössten Wettbewerbsnachteil wettmachen, ihren flüchtigen Charakter.
Aber auch sie werden nicht lange allein bleiben: Ein interessanter Hinweis kommt aus unerwarteter Ecke: Das Verbier Festival hat dieses Jahr erstmals - mit Millonenaufwand seine Konzerte online übertragen. Neue Player haben problemlos Zugang zum Medium und auch zum Hörer. Umsonst ist es allerdings nicht, hier präsent zu sein - der Aufwand für diese profesionelle Übertragung soll eine Million Franken betragen haben und die Künstler haben auf zusätzliche Entschädigungen verzichtet...
Und was ist mit Web 2.0: Blogs, Podcast, Mitmachseiten, Wiki undsofort. Zunächst einmal ist der Begriff ein Etikettenschwindel, denn das Web war auch vor der Erfindung von Web 2.0 ein "Mitmach-Medium". Nur ist es dank einer Reihe von neuen Applikationen wie Blogs, und Wikis noch einfacher geworden.
Als Blog-Autor bin ich natürlich Partei: Aber mir scheint doch, dass hier etwas passiert, das ein genaueres Hinschauen lohnt. Es war vielleicht noch nie so einfach, eine Vielzahl von Stimmen zu hören. Nur brauchts dazu auch Musikgehör. Oder konkret: Es braucht nicht nur Zeit, sondern auch etlichen kritischen Verstand die Spreu vom Weizen zu trennen.
Schöne neue Medienwelt. Oder um es im Jargon des Tages-Anzeigers zu sagen: Wir bleiben dran...
Posted by dominik at 08:10 | Comments (0)
25.04.07
Wikipedia: Zitieren verboten
Mit der Verfügung ?Don?t cite Wikipedia? machte vor einigen Monaten eine amerikanische Universität von sich reden. Dass das populäre Nachschlagewerk auch unter hiesigen Wissenschaftern zu diskutieren gibt, zeigt eine Tagung, die kürzlich an der Universität Basel stattgefunden hat.
Die verschiedenen Nachschlagewerke von Wikipedia gehören heute zu den am meisten aufgerufenen Internetseiten und sind auch Wissenschaftern beliebt. Unter dem Titel ?Wikipedia in den Wissenschaften? organisierte der Basler Historiker Peter Haber in Zusammenarbeit Institut für Medienwissenschaft der Universität Basel zu einer Tagung, die gleichzeitig Auftakt eines medienpraktischen Kurses bildet, bei dem Studentinnen und Studenten während eines Semester selber Artikel verfassen und die Weiterentwicklung der von ihnen angefangenen Artikels beobachten.
Maren Lorenz, Historikerin aus Hamburg, wurde ihrem Anspruch ?kein gutes Haar? am Projekt Wikipedia zu lassen, gerecht, auch wenn sie selber einräumte, von diesem Projekt fasziniert zu sein. Wikipedia ist für sie nicht zitierbar, da eine Informationsseite schon beim nächsten Mausklick verändert sein kann. Ihre wichtigste Kritik: Es gibt bei Wikipedia keine einheitlichen Qualitätskriterien. Standards einzuhalten ist auch aus quantitativen Gründen bei über 500 neuen Einträgen pro Tag in der deutschen Ausgabe nicht möglich. Damit ist Wikipedia nur ein Beitrag zur Reizüberflutung. Die Historikerin hat nach einigen Versuchen, selber Einträge zu verfassen, das Feld geräumt: ?Bei Meinungsverschiedenheiten, auch Edit-Wars genannt, gewinnt jener, der den längeren Atem hat.? Aus historischer Sicht, so die Referentin, dominiert eine sehr traditionelle, männliche Geschichtsauffassung, die politische und militärische Prozesse ins Zentrum rückt.
Auch der Schweizer Historiker und Didaktiker Jan Hodel, hält Wikipedia Artikel für nicht zitierbar ? findet Verbote, wie sie das amerikanische Middlesbury College in Vermont kürzlich ausgesprochen hat, aber ?wissenschaftlich fragwürdig, didaktisch unsinnig und kaum durchsetzbar?. Problematisch ist für ihn Wikipedia als Historiker auch aus grundsätzlichen Überlegungen: Fakten werden zu Fetischen, nach Zusammenhängen und Prozessen wird nicht gefragt. Dennoch plädiert Hodel für einen unverkrampften Umgang mit Wikipedia: ?Viele Dozenten schimpfen über Wikipedia, dabei benutzen sie das Online-Nachschlagewerk selber.? Was Not tut, ist ein kritischer Umgang. Gerade hier spielen die Dozenten eine wichtige Rolle und sollten ihre Erfahrungen im Umgang mit Quellen weitergeben. Hodel erachtet es als sinnvoll, Wikipedia-Artikel kritisch zu lesen und auch selber Artikel zu verfassen, um so ? im Sinn einer handlungsorientierten Medienpädagogik ? Einsicht in die Produktions- und Konstruktionsprozesse von Wikipedia-Wissen zu erhalten.
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich von Wikipedia mit einem traditionellen Nachschlagewerk: Andreas Ineichen und Susanne Schär Pfister vom Historischen Lexikon der Schweiz zeigten den langen Weg eines Lexikoneintrags auf. Wird bei Wikipedia jeder Artikel und jede Änderung augenblicklich online publiziert, so durchläuft ein Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz ? von einem der rund 2500 Vertrags-Autoren verfasst ? zehn Instanzen bis zu seiner Publikation. Weil Korrekturen und Aktualisierung Arbeit bedeuten und damit Zeit und Geld kosten, müssen sie ? anders als bei Wikipedia ? priorisiert werden. Konkret: Nicht alle können umgesetzt werden. Das Historische Lexikon der Schweiz ist damit in den Augen der beiden Referenten ein langsames Medium, was aber nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Wie aktuell es trotzdem ist zeigen die Einträge in der Online-Ausgabe, die Artikel mit Bezug zum Zeitgeschehen vorstellen. Hier sind zur Zeit Hinweise auf die Artikel Migrationspolitik, Sport, Bundesratswahl und Bildungsverfassung aufgelistet. Die Lexikon-Redaktoren wiesen darauf hin, dass der Druck auf die Redaktion durch Wikipedia gestiegen ist. Zwar kennt das Historische Lexikon durch den mehrstufigen Weg ein System der Qualitätssicherung, aber ?man darf da nicht zu streng sein, denn für viele Themen findet man heute fast keine Autoren mehr?. Und weiter räumten sie ein: Jedes Lexikon betreibt die gelegentlich kritisierte ?Entwurzelung des Wissens? und verhindert die Einsicht in den Konstruktcharakter unseres Wissens. Der Vorwurf, in Wikipedia sei vor allem zusammenhangloses Quizwissen zu finden, trifft auf das Historische Lexikon der Schweiz damit ebenso zu, wie auf andere, ähnliche Nachschlagewerke.
Die abschliessende Diskussion zeigte einmal mehr die Notwendigkeit der vertieften Auseinandersetzung mit Wikipedia: Wenn es stimmt, dass heute ganze Zeitungsredaktionen ihr Hintergrundwissen von Wikipedia beziehen, dann ist das tatsächlich problematisch. Geschichtliches Wissen ? auch dies eine Aussage aus der Diskussion ? droht verloren zu gehen, im Zug eines Phänomens das der Leiter des Instituts für Medienwissenschaft, Georg Christoph Tholen, bildhaft als ?gespreizte Gegenwart? bezeichnete.
Das Phänomen Wikipedia steht für eine weitere aktuelle Tendenz des Internets: Qualitativ hochstehendes Wissen, etwa aus internationalen Fachzeitschriften und wissenschaftlichen Quellen in allen Wissenschaftsbereichen ist fast nur für Geld zu haben. Tatsächlich geben auch Schweizer Hochschulen und Forschungsinstitution Millionen aus, um Studierenden und Dozenten Zugang zu diesen wissenschaftlichen Quellen zu geben. Daraus nun gleich einen neuen digitalen Graben zu konstruieren, wäre falsch: Alle diese Online-Quellen sind heute für jeden zugänglich, nur muss er oder sie sich dazu in eine wissenschaftliche Bibliothek bemühen. Gesichertes Wissen ist allerdings letztlich auch hier nicht zu finden, denn dies existiert schlicht nicht. Vielleicht, so könnte man philosophisch folgern, ist Wikipedia nichts Anderes, als ein Spiegel unserer Wissensgesellschaft: Was heute gilt, ist morgen falsch und das Morgen liegt nur einen Mausklick von heute entfernt?
Tagung vom 20. April, 2007, Universität Basel, Historisches Seminar und Institut für Medienwissenschaft, Leitung Prof. Dr. Christoph Tholen, Dr. Peter Haber
Kurzversion publiziert in der NZZ vom Freitag 27.April 2007
Druckversion mit zusätzlicher Tabelle: Wikipedia und HLS im Vergleich
Wissenschaftliche Datenbanken ? zugänglich via öffentliche Bibliotheken von Universitäten, ETH und Fachhochschulen:
ETH: www.ethbib.ethz.ch/bibliothek.html
Universitäten: http://lib.consortium.ch
Fachhochschulen: www.kfh.ch Siehe dort unter "Datenbanken"
Posted by dominik at 21:23 | Comments (0)
01.03.07
Colossus knackt den Nazi-Code
Faszination Computergeschichte: Colossus heisst der wohl erste Röhrenrechner der Geschichte. Und kolossal ist dieser Colossus in der Tat: Mitten im Krieg 1942 entwickelt mit 1500 Röhren bestückt. Wie so vieles im geheimnisumwitterten Bletchley Park wurde Colossus nach dem Krieg zerstört. Der Ingenieur Tony Sale hat es an ebendiesem Ort wieder auferstehen lassen. Die Neue Zürcher Zeitung druckt heute am 2.März 2007 im Informatikteil einen Text von mir - dem hier einige Bilder und eine noch etwas ausführlichere Version beigesellt werden.
Der Herr der Dinge - der Meister der Colossus-Rekonstruktion: Tony Sale. Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes MI5 - und heute umtriebiger Organisator. Seine Rekonstruktion begannt mit einingen Fotos und Skizzen. Erst ein Aktenfund Mitte der 90er Jahre brachte ihn auf die richtige Spur. Hätte er aber nicht alles Material zu seinem Projekt gefunden, so wäre die Arbeit nie zu vollenden gewesen. Dazu zählen zum Beispiel die 1500 Elektronen-Röhren. Hier half ein Radio-Aufruf. Originalton Tony Sale: "Wir sind mit Röhren eingedeckt".
Bletchley Park: Ein Landhaus - mit einer intererssanten Geschichte: Rund um dieses Haus arbeiteten im Zweiten Weltkrieg gegen 10 000 Leute; beschäftigt mit der Entschlüsselung der verschiedensten Codes. Berühmt geworden ist das Haus durch die Entschlüsselung der deutschen Chiffriermaschine Enigma. Aber dies war nur einer unter vielen erfolgreichen Hacks dieser ungewöhnlichen Truppe.
Immer noch im Originalzustand: Das Haus, wo alles begann. Eine Baracke - ein Glück, das sie die Zeit überdauert hat und nun Teil eines einzigartigen, lebendigen Museums ist.
Raffinierter als die Enigma, wenn auch weniger bekannt: Die Telex-Verschlüsselungsmaschine genannt "Schlüsselzusatzmaschine SZ 40"
Download ausführlicher, illustrierter Text - 300 kb Hires-Qualität
Weitere Texte von Dominik Landwehr zum Thema Kryptografie
Posted by dominik at 07:00 | Comments (0)
19.01.07
Zufalls Spuren - Die Zeichenspinnen von Lars Vaupel
Unter dem Titel "Zufalls Spuren" sind zur Zeit (18.1.07 - 2.3.07) die Zeichenspinnen von Lars Vaupel im Cabaret Voltaire zu sehen. Lars Vaupel ist ein Künstler aus Hamburg, der immer wieder solche Maschinen baut und auch bei verschiedenen Maschinenkunst-Gruppen wie etwa F18 oder BBM mit dabei ist.
Unbeirrbar bewegen sich die beiden Apparate über das weisse Zeichenpapier - einmal in runden, einmal in geraden Bewegungen. Stossen sie auf Widerstand wie etwa die Begrenzung der Zeichenfläche, so drehen sie sich etwas und fahren dann zurück. Immer wieder berühren sie sich und auch das führt zu einem Richtungswechsel.
Dann und wann verhakeln sie sich ineinander und bewegen sich dann gemeinsam über die weisse Fläche, die schon nach kurzer Zeit mit einer Vielzahl von Kurven und Linien gefüllt ist und im Lauf der Tage immer dichter und dichter wird. Die verhakelten Zeichenspinnen kommen zwar immer wieder voneinander los - aber das kann manchmal Stunden dauern. Der Versuch ist gross, von Hand einzugreifen und ihnen zu "helfen".
Interessant die Reaktionen des Publikums: Überraschung, Staunen, Faszination. Manchmal bilden sich vor dem Schaufenster sogar kleine Trauben von Menschen. Die Zuschauer sehen in den Spinnen etwas Belebtes, reagieren mit Emotionen auf sie. Dabei sind es doch nur zwei Apparate, die unbeirrbar und still ihre Kreise ziehen, tagein, tagaus...
Am Samstag dann das Werkstattgespräch mit Lars Vaupel und Stefan Doepner: Zur Überraschung von uns Organisatoren hatten sich rund 30 Leute angemeldet - darunter Lehrlinge, Gymnasiasten, Studentinnen und Studenten, Lehrer und auch Pensionierte. Ein wundeerbares Publikum: 3 Stunden zuhören, diskutieren, fachsimpeln... à suivre! Und auch die neugierigen Blicke der Zaungäste von draussen oder aus dem Café haben der Sache sicher genutzt.
Hier noch einige biografische Informationen zum Künstler:Geboren 1962 in Hamburg, Studium der Elektrotechnik. Arbeitet als Programmierer und freier Künstler in Hamburg. Lars Vaupel kam über die Gruppierung "Freunde der Mechanik und Musik" zum Institut f18 und gehört zu dessen Mitbegründern. Er beschäftigt sich mit der technischen Seite der Installationen und entwickelte diverse Steuerungen, so auch für das Exoskeleton von Stelarc. Vaupel gestaltet aber auch eigene Projekte.
Und weil sie so schön sind zum Schluss noch eine Nahaufnahme der famosen Spinnen
Hier gehts zur Seite der wackeren Roboter-Künstler von f18 und hier zu BBM für die Lars Vaupel auch tätig ist. BBM heisst soviel wie "Beobachter der Bediener von Maschinen"
Weitere Informationen: Falls Informationen nicht sofort sichtbar im Archiv unter "Zufalls Spuren" oder "Zeichenroboter" suchen
Posted by dominik at 09:36 | Comments (0)
27.12.06
300 CD's zu Weihnachten
Drei DVD hab ich meiner Tochter Anna zu Weihnachten geschenkt - "1000 Meisterwerke der klassichen Musik", fast 300 CD's. So weit so gut. Letztes Jahr hab ich für mich das Hörwerk von Elias Canetti - 22 Stunden - gekauft. Selbstverständlich ist das phantastisch und gibt doch zu denken.
Nein, Einwände wie "Qualität geht doch vor Quantität" gelten hier nicht mehr. Hier hat nun die Quantität definitiv in Qualität umgeschlagen, wenn auch nicht unbedingt in Bezug auf die Qualität der Musik oder der Töne. Darum gehts mir nicht. Sondern zunächst einfach mal um das Staunen darüber, dass sowas geht. Ich gehöre noch zur Generation der Jäger und Sammler: Sei es privat oder beruflich - vor 30 Jahren war doch vieles anders. Das Angebot war knapp und die Mittel auch. Nachschlagen konnte man nur in Lexika und die Suche nach einem speziellen Buch oder einer speziellen Musik gestaltete sich oft schwierig. Dafür gabs hilfreiche Geister, die vieles wussten und einem manch hilfreichen TIpp geben konnten.
Schön zu wissen, dass es doch einen Parameter in dieser Geschichte gibt, der sich nicht geändert hat: Die Zeit, die zur Verfügung steht. Die ist immer noch dieselbe. Und sie ist klein, gemessen an dem, was zur an Angeboten da ist.. Wenn der iPod (ich hab keinen) meldet, wie Minuten, Stunden, Tage man Musik oder sonstige Töne nun vorführbereit sind, dann bin ich zunächst einmal einfach erschlagen ob der grossen Zahl.
Und der Streit über den illegalen Download von einzelnen Songs wirkt da schon fast anachronistisch. Wer wird sich in Zukunft noch einen Song downloaden, wenn man ganze Musik-Bibliothken herunterladen kann...
Link zu den 1000 Meisterwerken als MP3
Link zum Hörwerk von Elias Canetti
Posted by dominik at 23:11 | Comments (0)
20.11.06
Schweizer sind zu faul um Ingenieure zu werden. Wirklich?
Die Schweizer sind zu faul um das harte Studium in den Ingenieurwissenschaften durchzustehen. Damit erklärt sich die Weltwoche kürzlich den Mangel an Ingenieuren in der Schweiz. Das Argument ist nun doch etwas kurz gegriffen, denn gearbeitet wird hierzulande weissgott nicht zu wenig sondern zu viel, Workoholic zu sein gilt gar als schick. Es gibt andere, wichtiger Gründe: Ingenieure haben ein Looser-Image, die Schweiz eine lange Tradition der Technikfeindlichkeit.
Ingenieure sein hiess in der Nachrkiegsschweiz während Jahrzehnten, Maschinen-Ingenieur zu sein. Die stolzen Erben von Alfred Escher und Brown Boveri ritten auch nach dem Zweiten Weltkrieg auf einer Erfolgswelle. Schweizer Turbinen, Schiffsmotoren, Getriebe wurden in die ganze Welt exportiert. Der Niedergang kam schleichend und zog sich über mehrere Jahrzehnte hin - letztlich war er aber das grösste Grounding in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte, wie der Industriearchäologe Hans-Peter Bärtschi etwa festhielt. Die Schweizer Maschinenindustrie sorgte zwischen 1970 und 2000 praktisch ausschliesslich für negative Schlagzeilen. Heute sind die grossen Namen der Schweizer Industrie nur noch Hülsen für Gebäude und da und dort für dünne Nachfolge-Firmen: Sulzer, Escher-Wyss, Maag. Nur gerade Asea Brown Boverie ABB konnte sich - nicht ohne Schmerzen und Transformationen - halten.
Grosstechnologie in den 70er Jahren - auch das sei nicht vergessen - war unter anderem die Atomkraft. Und hier gab es ein gewaltiges Image-Problem. Sie stand im Ruf unbeherrschbar, schädlich zu sein. Dass die Technologie hinter den so genannten Alternativ-Energien mindestens ebenso neu, spannend, herausfordernd und letztlich gewinnbringend sein konnte, diese Idee galt in den 70er und 80er Jahren allenfalls bei Linken, Grünen und sonstigen alternativen Vögeln.
Nun wäre dieser Wandel allein noch nicht problematisch - hätte man es hierzulande nicht versäumt, nach Technologien Ausschau zu halten, die in die Lücke springen konnten. Der aufstrebenden Computertechnologie gab man keinen Kredit. Zwar bauten zwischen 1954 und 1959 der Elektroingenieur Professor Eduard Stiefel zusammen mit seinen damaligen Mitarbeitern und späteren ETH-Professoren Heinz Rutishauser und Ambros Speiser einen wissenschaftlichen Computer: die ERMETH. Aber kaum einer glaubte hierzulande an das kommerzielle Potential der Datenverarbeitung. Computer, so die gängige Schlussfolgerung, sind gut für die Wissenschaft aber Geld verdienen kann man damit auch in Zukunft nicht. Als der Informatik-Pionier Niklaus Wirth Mitte der 70er Jahre mit den Ideen für einen Personal Computer mit einer benutzerfreundlichen Schnittstelle aus Kalifornien zurück kam, war es bereits zu spät: Ein Schweizer Computer namens Lilith wurde zwar gebaut - er war aber bald obsolet, nachdem Apple anfangs der 80er Jahre mit seinem revolutionären Gerät den Weltmarkt erobert hatte.
Es gab wohl bis in die späten 80er Jahre in der Schweiz nicht jene technologiefreundlichen Millieus, die so typisch für die Westküste der USA sind.
Mehr zum Thema:
Computer Made in Switzerland sind eine Rarität: Museum für Kommunikation 2001.
Industrie-Archäologie: Arias Industriekultur
Science & Technology Studies in der Schweiz:
Technikgeschichte an der ETH Zürich
Posted by dominik at 07:05 | Comments (0)
23.10.06
Kein digitaler Graben in der Schweiz - Beobachtungen aus dem Projekt "ThinkQuest".

Über 3000 Jugendliche haben zwischen 1998 und 2005 beim Schweizer Internet Wettbewerb ThinkQuest mitgemacht; von den 500 Projekten, die in diesem Zusammenhang entstanden sind, ist noch der grösste Teil online und unter www.thinkquest.ch zu finden. Ein erfolgreiches Projekt - trotzdem ein nachdenklicher Rückblick. Der Schreibende war in der erwähnten Zeit auch Projektleiter von ThinkQuest in der Schweiz.
Der Artikel erschien in der Sonderausgabe der Publikation "Bildung Schweiz" zur Worldidac im Oktober 2006.
Download file
Die Zeitschrift "Bildung Schweiz" wird vom Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) herausgegeben. Weitere Artikel aus diesem Sonderheft
Und hier geht es zur Seite des Wettbewerbs ThinkQuest
Posted by dominik at 13:48 | Comments (0)
08.10.06
All You Need is Love - Free Hugs - später Beatles-Tribut

"Free Hugs" ein Kultvideo, das zur Zeit auf Youtube zu sehen ist, scheint wie ein später Tribut an die 7oer und das "All you need is love". Und siehe da: Es funktioniert - und für einen kurzen Moment ist die Utopie der 7oer und der Hippie-Welt zurück.
Sehr viel mehr gibts in diesem Fall nicht zu sagen. Stattdessen möge man sich einfach das Video anschauen.
Free Hugs - auf Youtube unter /www.youtube.com/watch?v=vr3x_RRJdd4
Glaubt man den Informationen des Autors, so war "Free Hugs" ursprünglich einfach eine Aktion eines Künstlers in Sidney. Sie erinnert darin ein bisschen an das wunderbare, inszenierte Foto mit den beiden schwulen Polizisten, die Hand in Hand über die Quaibrücke in Zürich spazieren. Zu Reichmuth zeigt Zürcher Stadthaus eine Ausstellung.
"Free Hugs" ist offenbar mittlerweile zu einem Selbstläufer geworden, natürlich gibts eine Website dazu und natürlich sind Nachahmer gesucht...
Posted by dominik at 11:23 | Comments (0)
30.09.06
Schule, Robotik, Kreativität
Robotik und Schule hiess ein Workshop, der am Samstag 30.9.in Bern stattfand und von rund 50 Lehrkräften besucht wurde. Die Organisatoren hat auch uns eingeladen, weil sie die Aktivitäten die wir im Rahmen des Migros-Kulturprozents veranstalten, vorstellen wollte. Hier nun die Präsentation als etwas grosses (3 MB) PDF Dokument
Technik und Krerativität - Projekte des Migros Kulturprozent.
Dazu auch den Text vom 11.9.2005: Von der Notwendigkeit Roboter zu bauen.
Posted by dominik at 18:35 | Comments (0)
09.09.06
Home Made Soundelectronics - Buch erschienen

"Home Made Sound Electronics" heisst unser Buch, das zu unserem Projekt mit dem gleichen Namen erschienen ist. Herausgekommen ist es anfangs August im Christoph Merian Verlag im Basel und am 8.September gabs die erste ausführliche Besprechung davon in der Neuen Züricher Zeitung
"Virtuosen des Lötkolbens" ist der Titel der NZZ Besprechung - tatsächlich ist man ja etwas befangen, wenns um die Vorstellung eines eigenen Werkes geht. Deshalb hier als erstes Mal den Link zum NZZ-Artikel
Und in der Ankündigung des Verlages heisst es zum Buch:
Hardware Hacking ist die Kunst banale Alltags-Elektronik in Geräte umzubauen, die überraschende Geräusche produzieren. Dahinter steckt die Do-it-yourself Methode als ein künstlerisches Prinzip, das immer mehr Anhänger findet. Im Buch kommen wichtige Exponenten dieser Methode zu Wort, darunter der aus Chicago stammende Musiker und Autor Nicolas Collins oder der Schweizer Künstler Norbert Möslang. Der Elektronik-Musik-Pionier Bruno Spoerri erklärt in seinem Beitrag die Bedeutung des Do-it-yourself Prinzips in der Geschichte der elektronischen Musik.
Eine Reihe von Projekten können mit wenig Aufwand nachgebaut werden: So etwa der Klanggarten von Andres Bosshard, bekannt vom Klangturm der Schweizer Landesausstellung expo.02. Das Buch vermittelt Laien und Profis gleichermassen Hintergründe für das Verständnis zeitgenössischer Musik und gibt Anregungen zu eigenen Experimenten. Auf der beiliegenden DVD öffnen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler Einblick in ihre Klangwelten
Posted by dominik at 10:12 | Comments (0)
02.09.06
Das Fernsehen ist tot. Wirklich?

Wieder einmal ist das Ende von etwas da. Diesmal das Ende des Fernsehens. Der Spiegel schreibt "Das Fernsehen ist tot" und das renommierte Magazin Technology Review widmet der Frage gleich eine ganze Titelstory - dort heisst es dann ziemlich kryptisch: "IP - TV: Die Neu-Erfindung des Fernsehens". Man neigt in solchen Fragen zur Vorsicht, nicht erst seitdem Francis Fukuyama anfangs der 90er Jahre etwas voreilig das Ende der Geschichte verkündet hat. Nun, was ist dahinter. Sternenjäger betreibt Forschung im Familienkreis.
Es ist noch nicht allzu lange her, da war die Frage nach dem Fernseh-Konsum gewissermassen die Gretchenfrage und wer intellektuell und bildungsmässig etwas auf sich hielt, schaute kein TV, ja besass nicht einmal ein derartige Teufelskiste. In der Postmoderne dürfen auch Gebildete fernsehen. So auch Sternenjägers Familie.
Beginnen wir mal mit den Alten, wo am wenigsten Aufregendes zu erwarten ist. So ist es. Sternenjäger-Vater zappt gestern und heute. Hin und wieder schiebt er eine DVD rein. Und hat einen Harddisk-Video-Rekorder angeschafft. Ein tolles Teil. Aber so richtig integriert ist es nicht. Schön aber, dass man von Pferdewettkämpfen DVD brennen kann. Sternenjäger-Gattin guckt wenig TV. Zappt nicht. Dafür schiebt sie noch lieber eine DVD rein. Was denn? - Zum Beispiel "Pride and Prejudice".
Jetzt zu den Teenagern: Sternenjäger-Tochter guckt, was Teenager halt so gucken: Zum Beispiel "Verliebt in Berlin". Oder am Samstagabend "Asterix und Obelix". Sternenjäger-Sohn: Er braucht keinen TV. Denn er hat seinen PC. Den nutzt er immer weniger häufiger für Spiele und immer mehr für Filme. Die werden an LAN-Parties "rübergezogen" oder aus dem Netz heruntergeladen. Das dann regelmässig zu einer Internet-Breakdown im Haus führt.
Fazit oder ein bisschen verallgemeinert: Erstens spielt der Konsum von DVD wohl eine grössere Rolle als früher der Konsum von Video-Kassetten. Das merken auch die Kinos. Kein Wunder - bei den Kinopreisen in der Schweiz. Zweitens könnten die neuen Harddisk-Videorekorder das Fernseh-Verhalten arg verändern. Zum Beispiel indem der Konsument die Werbung überspringt. Falls er denn nicht zu faul dazu ist. Drittens werden immer mehr Filme am PC geschaut und auch via Internet heruntergeladen. Und was ist mit live-TV, oder eben IP-TV? - Da hab ich eine Mattscheibe. Im Moment noch nicht so relevant, mindestens in unserem Haushalt.
Und was heisst das für die Zukunft des Fernsehens, wie wir es kennen - vor allem für das hochsubventionierte öffentlich-rechtliche Fernsehen? - Mir scheint, es tut sich was. Aber man darf die Trägheit des Gewohnten nicht unterschätzen.
Ach ja - Wolfgang Coy, Kulturwissenschafter und Informatiker kam in etwas anderem Kontext schon mal zu einem ähnlichen Schluss: "Dass etwas geschieht, ist unbestritten. Was geschieht, wird allerdings sehr verschieden interpretiert." Und: "So wie es aussieht, müssen wir uns also auf lange Zeit in einer Folge von Beta-Versionen der Informationsgesellschaft einrichten. Wir können und wollen nicht zurück, und wir wissen doch nicht wirklich wo es hingeht. Und wir wissen nicht einmal sicher, ob das Ganze die Mühe wert ist. Henry David Thoreau hat vort 150 Jahren in Walden eine ähnliche Situation beschrieben. "We are in greate haste to construct a magnetic telegraph from Maine to Texas; but Main and Texas, it may be, have nothing important to communicate."
Wolfgang Coy: Internetgesellschaft Version 0.9 Beta. In: Peter Gendolla. Wissensprozesse in der Netzwerkgesellschaft. Frankurt 2005. Transcript Verlag.
Fernsehen ist tot. Spiegel Online vom 31.8.2005
Technology Review 09/2006 : Die Neuerfindung des Fernsehens.
Posted by dominik at 21:05
22.07.06
HOME MADE Workshop in Romainmotier

HOME MADE SOUND ELECTRONICS - heisst der Titel unseres zweijährigen Projekts. Heute am 22.Juli ging der Sommerworkshop im Gästheaus des Klosters von Romainmôtier zu Ende. Das Bild, das hier zu sehen ist, zeigt einen der vielen "Sonnensänger", eine Konstruktion des Tübingers Uwe Schüler.
Die Resultate der Woche wurde am Samstagnachmittag gezeigt - noch mehr Bilder davon gibts auf dieser Foto-Galerie.
Posted by dominik at 20:52 | Comments (0)
16.07.06
Enigma-Simulation an der Hyperkult-Tagung

Die Chiffriermaschien Enigma wird seit vielen Jahren nicht nur diskutiert, beschrieben, gesammelt und analysiert - sondern auch simuliert und zwar auf die verschiedensten Arten. Ich hatte an der Hyperkult-Tagung von Lüneburg vom 13.-15.Juli 2006 Gelegenheit meine Gedanken zu diesem Thema vorzutragen - der Vortrag ist als Videostream auf der Tagungs-Site wiedergegeben.
Die Tagungs-Fragen waren auch die Leitfragen für das Enigma-Referat.
In welcher Weise verändert der Computer als universelle Simulationsmaschine das Wissen und die Erkenntnisweisen der Wissenschaften? In welcher Weise verändert die Simulation das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft?
Die These meines Enigma-Referates lautete:In der Welt der Simulationen geht es nicht nur um das Verständnis der kryptografischen Mechanismen und Algorithmen sondern um die Konstruktion einer Wirklichkeit - um die Fiktion eines sauberen Krieges, bestimmt von einem komplizierten, aber letztlich berechenbaren Räderwerk von Maschinen.
Mein Referat unter dem Titel "Re-Encating Enigma" lässt sich als Videostream auf dem Netz anschauen oder herunterladen
Hier gehts zur Tagungs-Site und hier direkt >zum Video-Stream
Hier schiesslich gibt es ein Abstract meines Referates
Weitere Texte und Hinweise zum Thema Enigma gibt es unter www.peshawar.ch/research
Posted by dominik at 07:45 | Comments (0)
02.04.06
Ästhetik des Widerstands

Es ist ein Kalauer, ich weiss es, aber ich kann's mir nicht verkneifen: Dieses Foto zeigt einen Widerstand und es hat als Nahaufnahme eine gewisse Ästhetik. Also hab ich's "Ästhetik des Widerstands" genannt. Und warum ist es ein Kalauer?
Ganz einfach: Eines der wichtigsten Bücher der 70er Jahre ist der Roman "Ästhetik des Widerstands" von Peter Weiss. Es geht in diesem Buch um die politischen und ästhethischen Erfahrungen der Jahre 1917 - 1945.
Mein Bild hat damit gar nichts zu tun und der Titel ist nur ein Wortspiel, eben ein Kalauer. Sorry Mister Weiss. Ich hoffe, das Bild gefällt ihm trotzdem. Das genannt Buch von Peter Weiss hab ich nicht gelesen, dafür war und ist mir sein Text "Abschied von den Eltern" lieb und teuer.
Wer jetzt noch mehr über Peter Weiss wissen möchte, den muss ich an die Buchhandlungen verweisen. Oder auf einige Texte im Internet, so etwa auf den kurzen Text von Barbara Basting
Und hier gehts zum Wikipedia Eintrag über Peter Weiss.
Posted by dominik at 15:29 | Comments (1)
31.03.06
Nachdenkliche Töne von Douglas Rushkoff
Er ist einer der grossen Trend-Gurus der 90er Jahre und als erster den Begriff des "Viralen Marketing" geprägt. In der neuesten Nummer der Zeitschrift "gdi_impuls" gibt es sich nachdenklich und plädiert für eine neue Renaissance der alten Werte. Und übrigens: Rushkoff führt ein lesenswertes Weblog.
Rushkoff beginnt mit einem Paukenschlag - es geht nicht mehr länger darum, den Wandel vorauszusehen:"Die Welt wird sich nicht drastisch wandeln. Der Wandel ist längst vollzogen. Genauer gesagt, stecken wir mittendrin. Wir brauchen keine Trendscouts, es genügt, wenn wir Augen und Ohren aufmachen".
Ging es früher, namentlich in den 90ern darum, für den Wandel bereit zu sein, sich flexibel anzupassen, so plädiert Rushkoff heute für eine andere Haltung:
"Unglücklicherweise denken die meisten von uns, Veränderung sei etwas, womit man Schriftt halten müsse. Auf die enorme Kraft des kulturellen Wandelns reagieren Organisationen oft panisch. Sie legen einen impulsiven Drang an den Tag, rasch zu reagieren...wenn unser Boss gleichermassen von einem Filmstudio oder einer Turnschuhfirma kommen kann, wei kann man dann von uns erwarten, dass wir erkennen, was an unserer Firma einzigartig und sinnvoll ist"
Es braucht eine neue Haltung - Rushkoff nennt sei eine neue Renaissance, Erneuerung vom Kern her. Es geht für ihn um die Rücküberoberung der individuellen Kreativität, der Inhalte. Rushkoff spricht von einer neuen Autorenkultur, die dem Einzelnen einen neuen Spielraum gibt.
Interessant die etwas gar affirmativ geratene Wendung gegen Schluss: Auch die Warenwelt wird sich danach ausrichten. Was zählt ist der soziale Wert der Produkte. Produkte sind Medien, Mittel zum Zweck, ein Medium um mit anderen in Kontakt zu treten, soziale Munition.
Zum Weblog von Douglas Ruhskoff
Posted by dominik at 09:01 | Comments (0)
20.03.06
Kultur und Digitalisierung
Welche Folgen hat der Siegeszug der Digitalisierung auf die Kultur und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Kulturförderer?
Was ist mit Digitalisierung gemeint? - Eine tiefgreifende Innovation mit mehreren, miteinander verbundenen Komplexen: Computertechnik, Netzwerke und die daraus entstandenen Medien. Sie sind gleichzeitig technische Systeme und soziokulturelle Praktiken.Diese Innovation findet in einem besonders sensiblen und gewissermassen ?besetzten? Feld statt ? nämlich auf jenem der Produktion von Code und Symbolen, kurz der
Kommunikation. Und es ist gleichzeitig das Feld der Kultur, denn jegliche kulturelle Äusserung des Menschen, sei es Sprache, Ton, Geste und Bild ist eine kommunikative Äusserung
Posted by dominik at 09:04 | Comments (0)
10.03.06
Pong - Mehr als Computerspiel Nostalgie - Gespräch mit Andreas Lange

Ich war im Gymnasium in Zürich und es war Mitte der 70er Jahre, als die ersten Computerspiele in Bars, Restaurant und Spielhallen einzogen. Furchtbar simpel - zwei Balken und ein Punkt. Dazu ein Geräusch, das entfernt an Pingpong erinnert. Ein Gespräch mit dem Pong-Spezialisten Andreas Lange. (6 Minuten)

Scheinbar einfach und bescheiden, aber Beginn einer neuen Ära. Und heute im Museum. Aber nicht nur das: Pong - Urtyp aller Computerspiele ist zu einem Kultobjekt geworden und gleichzeitig zum Gegenstand einer künstlerischer Auseinandersetzung. Dokumentiert wird das in der Ausstellung "Mythos Pong" des Berliner Computerspiele-Spezialisten Andreas Lange.
Unsere Bilder zeigen zwei dieser Installationen: Zum einen eine Interpretation von Pong in einem dreidimensionalen Gitter. Gespielt wird mit einem Joystick - damit lässt sich eine Fläche in einer Ebene verschieben und der Ball auf die andere Seite reflektieren. Die andere Installation ist ziemlich selbsterklärend: Die ausgelegten Gemüse reflektieren den virtuellen Pingpongball.

Ich habe mich in der Stuttgarter Ausstellung, die im Würtenbergischen Kunstverein am Schlossplatz zu sehen ist, mit Andreas Lange, dem Initianten der Ausstellung unterhalten.
Download file Interview mit Andreas Lange (6MB - 6 Minuten)
Posted by dominik at 20:45 | Comments (0)
13.12.05
Neue und alte Medien und ihre Verheissungen

Ein Bild aus dem Jahr 1982: Die wichtigsten Arbeitsinstrumente aus meinem damaligen journalistischen Alltag: Telefon, Notizpapier, Schreibmaschine.
Und etwas verschämt macht sich schon die neue Welt breit in der Form eines Piepsers, der mindestens im Haus Erreichbarkeit garantierte. Und heute: Umfassende Teilhabe am grenzenlosen Wissen des grenzenlosen Netzes...das ist natürlich ironisch gemeint. Und trotzdem klingt etwas an, was mit Heilsversprechen und Heilshoffnung zu tun hat. Und genau dies ist auch das Thema der Arbeit von Jochen Hörisch: Das Heilsversprechen der neuen Medien
"Das Heilsversprechen der neuen Medien lautet nicht länger, daß wir in ferner oder näherer Zukunft dieser oder jener Erlösungserfahrung teilhaftig werden können ? sondern vielmehr, daß eben hier und
jetzt eine Kommunikation statthat, die die Grenze zur Kommunion überschreitet."
Abgedruckt in: Jochen Hörisch: Gott, Geld, Medien. Frankfurt 2004. Suhrkamp. Mit freundlicher Genehmigung des Autors kann der Text auch gleich hier heruntergeladen werden.
Ich denke genau darüber nach, als ich gefragt werde: Wie hat das Internet meinen Alltag verändert. Eine erste provokative Antwort: Gar nicht. Ich muss immer noch aufstehen morgens, Kinder wecken, Frühstück machen, zur Arbeit gehen (mit dem Zug), mich bei der Arbeit freuen, ärgern oder, was seltener vorkommt: langweilen.
Wenn ich genauer hinschaue, dann siehts anders aus: Einen grossen Teil meiner im Büro verbringe ich mit Mail. Oder anders ausgedrückt: Mit asynchroner Kommunikation. Und mit Telefonaten. Zielgenau dank Handy. Meine Produktivität, so würde ich mal behaupten, ist grösser als vor 20 Jahren. Nebenbei checke ich die Abfahrtszeiten der Züge - der Fahrplan ist viel dichter geworden, reserviere Hotels und Flüge und schreibe SMS.
Und dann und wann die Frage: Was ist wirklich wichtig? - Die Frage wird wichtiger, grösser mit steigendem Alter. Der Spaziergang allein oder zu zweit an der frischen Luft wichtiger.
Posted by dominik at 21:14
13.11.05
Gedanken über fotografischen Realismus

DRI ist ein neues Schlagwort im Bereich der digitalen Fotografie. Ein einfaches Verfahren, das hyper-realistische Bilder ermöglicht. Einmal mehr Anlass für die Frage, was denn aus einem dokumentarischen Verständnis von Fotografie "erlaubt" ist.
DRI steht für "digital range increase" - gemeint ist damit ein Verfahren, welches den Kontrastumfang eines Digitalbildes vergrössert. Denn harte Kontraste sind der Feind der digitalen Bilder. Das Verfahren besteht vereinfacht gesagt darin, dass Bilder, die mit verschiedenen Einstellungen "übereinandergelegt" werden. Dabei wird für jeder Bereich der Fotografie mit der optimalen Belichtung wieder gegeben.
DRI ist Art Fotomontage. Das so entstandene Foto gibt aber seinen Montage-Charakter mindestens einem ungeübten Auge nicht preis. Und dies weckt die alte Frage, ob denn ein derartig entstandenes Foto noch "realistisch" sei. Gefragt wird mitunter, ob dieses Verfahren aus dokumentarischer Sicht "erlaubt" sei und verwiesen wird immer wieder auf die manipulativen Eingriffe in die Bilder etwa der sowjetischen Geschichte.
Die Diskussion ist interessant. Sie zeugt von einem Verständnis der FOtografie, die meiner Ansicht nach völlig falsch ist. Fotografie wird hier verstanden als getreues Abbild der Wirklichkeit. Dieser naive Realismus ist aber falsch und unhistorisch. Ein Foto ist genau so ein Artefakt wie ein gemaltes Bild. Ein Konstrukt und zwar lange bevor irgendwelche Eingriffe am Bild selber vorgenommen werden.
Als (Amateur) Fotograf bin ich immer wieder mit der Frage konfrontiert: Wie will ich etwas darstellen. Ich vermeide bewusst den Begriff "abbilden", denn meine Abbildung ist immer schon eine Darstellung. Ein einfaches Beispiel: Ich habe im rumänischen Tirgu Mures eine alte Ziegelei fotografiert. Die Ziegelei hat eine schreckliche Vergangeneheit: Sie war nämlich der Sammelplatz für die Juden aus jener Gegend, die noch spät im Jahre 1944 nach Auschwitz deportiert wurden. Natürlich ist davon heute nichts mehr zu sehen, es gibt auch keinen Gedenkstein, nicht einmal eine Tafel, die darauf hinweist. Ich habe das Problem ganz einfach gelöst, indem ich ein Stück Stacheldraht der Umzäunung mit ins Bild gerückt habe. Nun hat das Foto plötzlich einen Symbolwert. Man weiss zwar nicht, was hier passiert ist, aber man ahnt es...
Ein anderer Gedanke: Es mag heute eine gewisse Einigkeit über den Kunstcharakter der Fotografie geben. Dennoch wäre es interessant den anderen Diskurs einmal genau zu verfolgen und zu analysieren: Fotografie als Realität...
Erklärungen zum DRI finden sich unter anderem auf der Seite von www.digitalkamera.de
Posted by dominik at 11:15 | Comments (0)
02.11.05
Das Internet - eine grosse Erzählung, ein Mythos
Welches sind denn die wichtigsten technologischen Trends und Entwicklungen der nächsten Jahre? Gibts eine Antwort auf diese Frage, die nicht banal ist?
Man kann die Frage ganz einfach beantworten und jede Technologie-Zeitschrift, die etwas auf sich hält, wird einige Antworten bereit halten. Man könnte aber auch anders fragen: Internet und Digitaltechnik sind nicht nur Technologien, sondern auch grosse Mythen der Gegenwart. Grosse Geschichten, die immer wieder erzählt und weiter gesponnen werden. So gesehen könnte man sich fragen: Was wird denn da genau für eine Geschichte erzählt? Im Rückblick - im Bezug auf die Gegenwart und auch auf die Zukunft.
Zu den anregendsten Texten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, gehören jene des Literatur- und Kulturwissenschafters Bernhard Debatin:
"Das Internet dient als Projektionsfläche für alle möglichen politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und individuellen Wünsche und Ängste. "
In: Metaphern und Mythen des Internet.
http://www.uni-leipzig.de/~debatin/German/NetMet.htm
Und weiter müsste gefragt werden: Welche Sprache wird dabei verwendet, welche Metaphern benutzt und ganz besonders, welche impliziten Annahmen werden getroffen.
Ein Beispiel dafür ist die Idee des digitalen Grabens, des vielzitierten Digital Divide. Es wird impliziert, dass es einen solchen Graben gibt und dass nur jene, die diesseits des Grabens sind, den Anschluss an die Gesellschaft von morgen finden werden. Das wiederum dient dann als Herleitung einer Reihe von kompensatorischen Massnahmen, die in irgendeiner Form mit Computer Literacy zu tun haben...und natürlich entsprechende Aktionen auslösen.
Der Gedanke sei hier abgeschlossen: Ich denke, es ist ein lohnendes Unterfangen, diesen grossen und kleinen Erzählungen der Gegenwart nachzugehen. Tut man es, dann erscheint die Rede über Computer, Technologie und Internet als etwas Anderes, als ein Diskurs im Sinn von Michel Foucault.
Der Journalist, dem ich dies heute morgen erzählte - er fragte mich nach den Trends der nächsten Jahre - war von dieser Antwort etwas überrascht...
Posted by dominik at 20:02 | Comments (0)
11.09.05
Von der Notwendigkeit, Roboter zu bauen
Von der Notwendigkeit, selber Roboter zu bauen, bin ich natürlich selber hunderprozentig überzeugt. Aber wie ist es mit den Raketen? Es geht in diesem Text aber um mehr als nur Roboter und Raketen , es geht auch um sowas wie die Ethik des Experiments. Das Foto links ist kein Fake, sondern ein berühmtes Originaldokument aus den 20er Jahren...
Posted by dominik at 00:42 | Comments (0)
27.08.05
Bloggende Trendforscher
Trendforscher sind sich einig: Das Blog is the future. Aber: Es bleibt leider bei der Feststellung. Wo zum Teufel sind die bloggenden Trendforscher geblieben? Meine Folgerung: No Sex, no fun, no blug - ergo no Trends und keine Trendforschung...
NZZ am Freitag, 24.August 2005: Auf dem zehnten «Trendtag» in Hamburg waren sich Zukunftsforscher und Autor Howard Rheingold sowie die Trendforscher Peter Wippermann (Trendbüro Hamburg) und David Bosshard (Gottlieb-Duttweiler-Institut Zürich) in einem Thema einig: Web-Logbücher (Blogs) sind ein interessantes, zukunftsträchtiges Phänomen. Diese im Internet entstandene neuartige Form elektronischer Kommunikation, eine Mischung aus Tagebuch, Kolumne, Leserbrief und Presseschau, bietet Amateuren die Möglichkeit, ihre private Sicht der Dinge einem Millionenpublikum mitzuteilen. Die Leser können das Veröffentlichte sofort mit eigenen Kommentaren anreichern.
Und weiter:
Es gibt inzwischen viele hunderttausend Leute rund um die Welt, die Online-Tagebücher publizieren. Das sei eine publizistische Macht, findet Stefan Glänzer von Weblog-Service 20six auf dem «Trendtag». Für ihn ist Blogging «das schnellst- wachsende Internetphänomen der letzten fünf Jahre». Auch wenn Trendforscher Peter Wippermann die Investitionen von 60 Millionen Dollar für die Blogging-Industrie verglichen mit den 19,9 Milliarden Dollar, die vor Jahren in die Dotcoms geflossen sind, als «gar nichts» taxiert, findet er doch, dass Blogging für die Unternehmenskommunikation genutzt werden müsse. David Bosshard fordert: «In einer wachsend unverständlichen Welt ist der persönliche Kommentar eines Unternehmenschefs in einem Blog wichtiger als irgendein Strategiepapier.»
Wunderbar. Ich freue mich. Wo aber sind die Bloggs der Unternhmen der zitierten Herren. Ich warte. Oder sind sie gar kostenpflichtig? -Hey folks, what are ye waiting for, just go for it, the future is now! Yeaap!
Posted by dominik at 23:34 | Comments (2)
03.07.05
Mein Technik-Museum
Projekt für einen Text. Er soll "Mein Technikmuseum" heissen und eine Art Technik-Biografie erzählen. Ich habe im Lauf meines Lebens eine Vielzahl von technischen Gerät benutzt. Einige haben sich im Lauf von nur wenigen Jahren stark verändert - andere haben sich kaum verändert. Toaster, Mixer und Autos gehören in diese Kategorie. Radios, Musikabspielgeräte und Computer in die zweite Kategorie. Und übrigens: An meiner Hand trage ich eine Omega Speedmaster Professional. Eine ganz besondere Uhr, die weder über ein Automatikgetriebe noch über ein Quarwerk verfügt. Dafür wurde sie von der Nasa als erste weltraumtaugliche Uhr zertifiziert.
Eine unvollständige Liste der Geräte aus meinem Technikmuseum:
- Das Röhrenradio meiner Mutter. Baujahr ca 1958
- Ein Detektor Radio - selber gebaut ca 1968 (!)
- Eine Flip-Flop Schaltung aus dem Jahr 1970
- Plattenspieler mit Philips Röhrenradio (mono) ca 1966
- das este Transistor Radio unserer Familie - ca 1969
- Ein Kassettenrekorder, ebenfalls Ende 60er Jahre
- Rechenschieber "Faber Castell" 1974
- Taschenrecher Marke Corvus - HP Kopie - mit umgekehrter poln.Notation - 1977
- Mechanische Schreibmaschine "Scheidegger" - ca 1975
- Der erste Homecomputer: Eine Variante des C64 - der sx 64 - 1982
- Spiegelreflex Kamera "Corvina" 1974
- Sony Diktiergerät 1981
- Profi-Tonbandgerät Nagra III von Kudelski mit Sennnheister Mikrophon - benutzt - war 1980 noch im Gebrauch. 1985 stillgelegt...
- Chrifriergerät CD57 von Crypto aus dem Jahre 1958 - ein Geschenk aus dem jahr 2002
- Das Telefon und seine Entfesselung....
Posted by dominik at 15:50 | Comments (0) | TrackBack
11.06.05
Die Zukunft des Internet

Fragt ein Journalist vor einigen Tagen, wie ich die Zukunft des Internets beurteile. Anlass für einige grundsätzliche Überlegungen.
Soll man ganz weit ausholen und antworten: Ja, natürlich, enorm. Oder ganz nah denken? - Ich habe für letzteres entschieden: Das Internet hat mein Leben weniger verändert, als ich auf den ersten Blick denke. Ich muss am Morgen aufstehen, Zeitung holen, Frühstück machen, Kinder wecken und in die Schule schicken, dann auf den Zug gehen, Sitzungen machen, leiten, Papiere schreiben, mich ärgern oder freuen, Aktivitäten vorbereiten, kürzere und längere Reisen unernehmen, Dinge ansehen, Leute treffen, Berichte, Papiere, Protokolle schreiben, Papier, Papier, Papier....
Aber dann eine andere Überlegung: Ich habe 1979 meine ersten Gehversuche im Journalistmus gemacht und ab 1980 fürs Radio gearbeitet. Das kleine Bild oben stammt aus jender Zeit - und hier gibts eine ganze Sammlung von Bildern von damals....
Die wichtigsten Arbeitsintrumente waren: Telefon, Telefonverzeichnis (Amtsbücher, Telefonbücher), eine mechanische Hermes Schreibmaschine und als begehrtes High-Tech Gadget ein Sucher, wie man sie damals in Spitälern verwendete. Das Handy war zwar erfunden, nur hiess es damals Autotelefon und war alles andere als handlich sondern sperrig und teuer und erlaubten nur Gespräche von einer Maximallänge von drei Minuten. Auch der Computer war erfunden aber den PC gabs noch nicht....
Es stimmt wohl, die Arbeit hat sich verändert. Der Alltag der Kommunikation hat sich verändert. Enorm und grundlegend. Unvergessen der Moment und die ungläubige Begeisterung, als ich zum ersten Mal online einen Bibliothekskatalog einsehen konnte. Keine Frage: Meine grenzenlose Neugier wird jeden Tag aufs neue genährt und nie gestillt, denn je grösser die Versuchungen sind, desto grösser die Gefahr darin zu verweilen....ich fresse mich täglich durch einen Zuckerberg und kann nie davon satt werden...
Der Alltag selber? Es ist wohl auch eine Frage der Wahrnehmung. Was ist in meinem Leben wirklich wichtig? Aus dieser Sicht hat sich mein Alltag nicht verändert. Wichtig sind: Beziehungen, Familie, Kinder, Gesundheit...
Und wieder die Provokation: Das Internet ist eine grosse Geschichte. Wir reden unentwegt darüber, lesen darüber, hören uns Geschichten an, werten jede auch noch so nutzlose Erfindung als grossen Fortschritt und kaufen, kaufen, kaufen. Immer wieder überlege ich: Wie klein wäre mein Verlust und wie gross der Gewinn in Bezug auf Zeit und Geld, wenn ich aus Prinzip immer nur das zweit, dritt oder viertneuste benutzen würde....
Internet und Digitalisierung: Eine grosse Verheissung. Und grosse Verheissungen können selten eingelöst werden: Die Verheissungen der Luftfahrt und Raketentechnik ausgedrückt in diesen wunderbaren, farbigen Science-Fiction Bildern wo die Häuserschluchten mit Miniaturflugzeugen gefüllt sind. Die Verheissungend er Atomenergie: Unendlich viel Energie zum Nulltarif. Und nun die Verheissungen des Internets: Unendliches Wissen, totale Konnektivität...geradezu religiöse Ideen.
Wunderbar deshalb auch einmal mehr Jochen Hörisch zu lesen. In seinem Aufsatz "Das Heilsversprechen der neuen Medien" etwa lesen wir: "Das Heilsversprechen der neuen Medien lautet nicht länger, dass wir in ferner oder näherer Zukunft dieser oder jener Erlösungserfahrung teilhaftig werden können - sondern vielmehr, dass eben hier und jetzt eine Kommunikation statthatt, die die Grenze zur Kommunion überschreitet" Und weiter
"...die neuen Medien sind, rein technologisch betrachtet, rein, leicht und schwerelos. Säße Luther auf der Wartburg an der Workstation, um die Bibel zu übersetzen, so hätte er kein Tintenfaß in Reichweite, um es auf den Teufel zu werfen, zu dessen Aufgaben es bekanntlich gehört, für Druckfehler zu sorgen. Siehe, die neuen Medien machen alles neu. Sie befreien uns von den schmutzigen Aspekten, die die traditionellen Medienströme kennzeichneten ? von der Druckerschwärze, vom eucharistischen Blutstrom und auch von der anrüchigen Materialität des pecunia-olet-Geldstroms. Die neuen Kommunikationsverhältnisse sind immateriell. Pixel sind weitgehend frei von Erdenschwere. Ton- und Lichtschwingungen tragen zur Leichtigkeit des Seins entschieden bei. Wir lösen uns zusehends vom Erdenrest. Ob wir damit auch erlöst sind, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht müssen wir nur dran glauben. Wir werden, da das Medium die Botschaft ist, alle dran glauben müssen.
"Das Internet ist eine gute Story". Interview von Thomas Nötting mit Dominik Landwehr. in: Werben & Verkaufen. Innovation 3/2005. S.34
Jochen Hörisch: Die Heilsversprechen der neuen Medien. In: Ders.: Gott, Geld Medien. Frankfurt 2004. Edition Suhrkamp 2363.
Der Text von Hörisch basiert auf einer Rede, die er am 17.Juni 1999 am Deutschen Kirchentag gehalten hat und der Text ist - oh Wunder - auch integral online zu finden.
Posted by dominik at 16:19
05.04.05
HOME MADE - ein Bastel Projekt für Tüftler und andre
HOME MADE heisst unser neuestes Projekt. Es geht darin um selber gemachte elektronische Musik Instrumente und richtet sich an Tüftler, Freaks und alle, die damit etwas anfangen können. Hier der offzielle Pressetext. Lesenswert auch das Weblog, das von Verena Kuni betreut wird.
HOME MADE ? elektronische Musikinstrumente selber gemacht
Do-it-yourself Musik als Workshop und Klangtag in Romainmôtier (NE)
Selbst gemachte elektronische Musikinstrumente stehen im Mittelpunkt eines Workshop und einer öffentlichen Präsentation im L?arc im mittelalterlichen Städtchen Romainmôtier. Das Projekt HOME MADE ? Labor für Musik und Medien ? präsentiert wichtige Exponenten der Do-it-yourself Szene, zeigt ihre historischen Wurzeln und reflektiert über die Bedeutung dieses Phänomen. HOME MADE (www.homemade-labor.ch) wird vom Migros-Kulturprozent konzipiert und realisiert.
Do it yourself! ? Gerade in der elektronischen Musik eine immer wieder neu zu entdeckende Notwendigkeit! ? Künstlerinnen und Künstler, Musiker und weitere neugierige Zeitgenossen bauen eigene Musikinstrumente oder verändern bestehende Geräte, knacken den hartnäckigsten Maschinen-Code und erweitern ihr elektrisch-elektronisches, magnetisches Sound-Können. Die Resultate sind vielfältig, manchmal einleuchtend, manchmal quer, oft überraschend und in jedem Fall klingend.
Im Rahmen des Projekts HOME MADE ? Labor für Musik und Medien ? sind zwei verschie-dene Aktivitäten geplant: Am so genannten Klangtag vom Sonntag, 29.Mai, demonstrieren und erkunden die Künstler zusammen mit dem Publikum ihre Instrumente. In der darauf folgenden Woche (31. Mai bis 2. Juni) besteht an einem Workshop die Möglichkeit einer vertieften Auseinandersetzung. Dort werden auch eigene kleine Musikinstrumente und ?installationen geschaffen.
Für HOME MADE konnte eine Reihe bekannter Künstlerinnen und Künstler verpflichtet werden: Andres Bosshard, Schöpfer des Klangturms der Landesausstellung expo.02; Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth, die mit ihrer interaktiven Klanginstallation ?instant city? schon an verschiedenen Festivals zu sehen waren; der Bürgerkunst-Aktivist Uwe Schüler aus Tübingen; der Hardware-Hacker Norbert Moeslang und die Zürcher Sound-Tüftler Elixir mit ihren elektro-akustischen Erfindungen. Bruno Spoerri, Pionier der elektronischen und computergenierten Musik der Schweiz, wird mit der Demonstration historischer Musikinstrumente wie Theremin, Lyricon und Very Nervous System eine weitere Attraktion schaffen; Verena Kuni vom Institut für Medienwissenschaften der Universität Basel setzt sich mit der theoretischen Dimension des Phänomens auseinander.
Klangtag und Workshop finden im L?arc in Romainmôtier statt. Konzept und Realisation Migros-Kulturprozent.
Hinweise für die Medien
Bildmaterial in hoher Auflösung und weitere Angaben zu den beteiligten Künstlern finden Sie unter
www.homemade-labor.ch
Pressevertreter sind herzlich willkommen. Zusätzliche Möglichkeiten für Interviews, Foto- und Videotermine stehen in der Zeit vom 23. bis 28. Mai in Romainmôtier zur Verfügung.
Verantwortlich für die Gesamtkoordination ist Dominik Landwehr, Migros-Genossenschafts-Bund, Direktion Kultur und Soziales, Telefon 044 277 20 83,
dominik.landwehr@mgb.ch
Presstext als PDF zum Download
Posted by dominik at 09:12 | Comments (0)
15.03.05
Medien, Kunst, Technologie
Der Kulturbetrieb tut sich schwer mit den neuen Formen der künstlerischen Auseinandersetzung mit Medien und Technik. Peter Weibel, Siegfried Zielinski und auch andere reflektieren darüber - ihre Gedanken liefern unserer Arbeit wichtige Anstösse.
John Perry Barlow
"Ganz am Anfang steht schlicht die Angst, sich wie ein Einwanderer an einem Ort zu fühlen, wo die Kinder bereits zu Hause sind - und wo man selber immer hinterherhinkt, weil Andere die Technik schneller entwickeln, als man selbst sie lernen kann. Ich bezeichne das als Lernkurve des Sisyphus. Damit kommen nur diejenigen gut klar, denen Verwirrung und Vieldeutigkeit nichts ausmachen."
Peter Weibel:
?Zwischen Museen und Medien entsteht per se eine Opposition. Das Museum ist nämlich ein Diskurs des Ortes, der Präsenz, der Lokation, die Medien hingegen sind ein Diskurs der Ortlosigkeit, der Absenz, der Dislokation.?
Peter Glotz
Meine Grundthese läuft, knapp zusammengefasst, darauf hinaus, dass die "digitale Technologie" zu einer neuen Entwicklungsphase marktwirtschaftlicher Ordnung führen wird. Diese neue Wirtschaftsordnung erzwingt eine "beschleunigte Gesellschaft", die den Lebensrhythmus der Mehrheit radikal verändern wird. Für eine Übergangszeit werden heftige Kulturkämpfe zwischen Be- und Entschleunigern die früheren Industriegesellschaften erschüttern."
Und:
"Deshalb plädiere ich dafür, Geistesgegenwart, Anpassungsfähigkeit, Reaktionsschnelligkeit, experimentelle Gesinnung und Beweglichkeit höher zu bewerten als auf dem europäischen Kontinent und vor allem in Deutschland üblich ist."
In:Die beschleunigte Gesellschaft. Kulturkämpfe im digitalen Kapitalismus
Villém Flusser:
"Diese Geometer aus der Bronzezeit sind die geistigen Vorfahren der sogenannten Computerkünstler: Sie erzeigten nicht Abbilder von Gegebenem, sondern fertigten Entwürfe für noch nichts Verwirklichtes, sie "projezierten alternative Welt"....Wenn man die gegenwärtig entstehenden alternativen Welten ihrem Wesen erfassen will, dann ist das Betrachten solcher uralten Tontafeln keine schlechte Methode."
In: Medienkultur.
Siegfried Zielinski
"Die künstlerische Besetzung der technischen und medialen Welten benötigt Orte, an denen das ... Chaos gepflegt wird, an denen die Tätigkeiten der Mischung und der Entmischung, des Zerlegens und des Zusammenfügens als Aktivitäten verstanden werden. In den Zeiten der Vormoderne nannte man solche Orte alchemistische Labors."
In: Archäologie der Medien
Posted by dominik at 21:06 | Comments (3)
07.03.05
Musik mit Elektro-Schrott: Hardware Hacking
Hardware Hacking mit dem US Amerikaner Nic Collins aus Chicago. Nick Collins ist offenbar eine Grösse auf diesem Gebiet und hielt sich anfangs März in Zürich auf.


Er wirkt, wie viele amerikanische Universitäts-Lehrer, wie der nette Junge von nebenan und man glaubt ihm kaum, dass er sich schon seit 30 Jahren professionell mit diesem Gebiet befasst. Diesem Gebiet - damit meint er den Umbau von allerlei elektronischem Gerät in ein Musikinstrument - oder mindestens in ein Gerät, das Töne von sich gibt.
Eindrücklich dann am Abend im Kunstraum Walcheturm das Konzert, bei dem auch der Schweizer Hardware Hacking Aktivist Norbert Moeslang dabei war. Moeslang ist in seinem ersten Beruf übrigens Geigenbauer...
Eine ausführliche Bildersammlung zum Kurs und auch zum anschliessenden Konzert habe ich in meinem Fotoalbum abgelegt. Und natürlich gibts auch eine offzielle Webpage zu diesem Anlass, der übrigens von einem initiativen Studenten der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich organisiert wurde. Ein interessantes Interview in englischer Sprache mit Nicolas Collins gibts hier. Und ein deutscher Eintrag hier im Klangmuseum
Nicht gefunden habe ich seine offizielle Webpage. Vielleicht hat er gar keine...mit Google findet man aber sofort hunderte von weiteren Einträgen...
Posted by dominik at 16:23 | Comments (0) | TrackBack
