30.12.11
Genial und geheim: Zum 100.Geburtstag von Alan Turing
Paderborn liegt von der Schweiz aus gesehen nicht um die nächste Ecke und die Zugreise dorthin dauert 7-8 Stunden. Trotzdem lohnt sich der Weg: In Paderborn ist das grösste Computermuseum der Welt, das Heinz Nixdorf Museumsforum und dieses Museum steht im kommenden Jahr ganz im Zeichen des genialen Mathematikers Alan Turing.
2012 jährt sich der Geburtstag des genialen Mathematikers Alan Turing zum 100. Mal. Turing gilt als einer der wichtigsten Denker des 20.Jahrhunderts. Turing hat wichtige Beiträge zur Entwicklung des Computers geleistet, gleichzeitig ist er eine wichtige Figur in der Schwulenbewegung. Zahlreiche Anlässe ehren den grossen Mathematiker.
Alan Turing hat eine zentrale Rolle bei der Entschlüsselung der deutschen Chiffriermaschine Enigma gespielt. Bereits vor dem Krieg hatte er mit seinem Aufsatz "On computable numbers" eine der theoretischen Grundlagen des Computers definiert. Der nach ihm benannte Turing-Test wird auch heute noch verwendet um die Problematik der so gennanten Künstlichen Intelligenz (Artificial Intelligence) zu umschreiben.
Alan Turing hat nie ein Geheimnis aus seiner Homosexualität gemacht. Er hat sich 1954 mit knapp 42 Jahren in tiefer Verzweiflung das Leben genommen, nachdem man ihn gewzungen hatte, sich einer chemischen Kastration zu unterziehen. Erst 2010 hat sich der britische Premierminister Gordon Brown posthum bei Alan Turing entschuldigt. Er tat dies mit dem Worten "You deserved so much better!".
Der 100.Geburtstag von Alan Turing wird naturgemäss vor allem in seinem Heimatland gefeiert, wo zahlreiche Symposien und Kongresse stattfinden. Das Jubiläum wird auch in Deutschland zum Thema: Das Heinz Nixdorf Museumsforum in Paderborn (D) hat ein ungewöhnliches Format gefunden und begeht den Jahrestag in 10 Etappen mit einer kleinen Sonderausstellung und einem spannenden Rahmeprogramm.
Die erste Etappe vom 11. Januar bis zum 12.Februar ist der Chiffriermaschine Enigma gewidmet: Enigma und die Atlantik-Schlacht heisst die erste Inszenierung. Im Rahmen der Ausstellung werden zahlreiche Exponate zu sehen sein, dazu gehört etwa die berühmte Marine-Enigma mit vier Rotoren.
Alle Einzelheiten zum Programm finden sich auf der Webseite des Museums. Dort lässt sich auch eine 32seitige Broschüre mit dem Programm ausdrucken
Hier gehts zu den Turing-Anlässen des Heinz Nixdorf MuseumsFormum
Das internationale Turing-Jahr steht unter dem Motto "There isn't a discipline in science that Turing has not had an impact upon" und hier gehts zur Website des Turing-Jahrs.
Unsere Illustration zeit übrigens das Cover der Turing-Biographie von Andrew Hodges. Hodges Biografie gilt als eine der besten Wissenschafter-Biografien überhaupt und ist in zahlreichen Ausgaben erhältlich. Hier gehts zur Turing Page von Andrew Hodges
Posted by dominik at 08:20 | Comments (0)
03.12.11
Das schönste Museum der Welt
Mit Superlativen soll man bekanntlich vorsichtig und vor allem sparsam umgehen. Aber beim Naturhistorischen Museum in Wien ist der Superlativ berechtigt: Es ist für mich das schönste Museum der Welt...
Spiegelsymmetrisch zum Kunsthistorischen Museum angelegt - und doch wird es gerade von den Leuten dort gerne übersehen. Dabei ist es ein Museum, wie es kaum ein zweites gibt: Gebaut am Ende des 19.Jahrhunderts zeigt es die Welt der unbelebten und belebten Natur noch weitgehend in der selben Ordnung an wie damals. So sind die Säle säuberlich nummeriert und künden etwa im Hochparterre von der Fülle der Welt der Mineralien. Jeder Saal ist einem Thema gewidmet und jeder Saal zeigt an der Decke die passenden Gemälde mit den Landschaften, aus denen die jeweiligen Minerale stammen.
Sie stammten aus aller Herren Ländern und Kontinenten, die Mineralien im Museum - aber doch vor allem auch aus dem eigenen Reich, der Donaumonarchie. Sie ist untergegangen - aber die Beschriftungen im Museum haben überlebt.Wer weiss denn heute, wo Galizien ist. Nein, nicht in Spanien... im Osten von Wien. Teil von Österreich, wie die sorgsam mit Tusche ausgefüllte Beschriftung ausweist.
Weniger schwierig ist es mit den Flugsauriern. Sie sind gross und allseits bekannt und keiner sucht hier nach einem Schild...
Gut versteckt findet sich dort übrigens eines der aufregensten Zeugnisse der Kunstgeschichte: Die Venus von Willendorf, eines der ersten Zeugnisse künstlerischen Schaffens des Menschen. Es stammt aus der Altsteinzeit und wurde in der Nähe von Wien gefunden. Zu sehen ist die kleine Kalkstein-Skulptur in einer Tresor-Vitrine im Hochparterre.
Erstaunlich, wenn auch weniger alt, ein Edelstein-Strauss. Geschenk der Kaiserin Maria Theresia an ihren Gemahl Kaiser Franz Stephan
Ein Tipp: Man besuche das Kunsthistorische Museum in der Dämmerung - wenn die Lichter in den Holzvitrinen die Säle erhellen und die Besucher nur als vorbeihuschende Schatten wahrzunehmen sind...
Sicher ist: Allein dieses Museum ist eine Reise nach Wien wert. Schön, dass viele Familien mit Kindern dort sind. Aber warum eigentlich diese merkwürdige Aufteilung: Die Kunst den Erwachsenen, die Natur den Kindern.
Hier gehts zum Link des Naturhistorischen Museums Wien www.nhm-wien.ac.at
Posted by dominik at 16:58 | Comments (0)
17.04.11
Nachdenken über (deutsche) Geschichte: Die geretten Götter von Tell Halaf
"Die geretteten Götter von Tell Halaf" heisst eine Ausstellung, die noch bis zum 14.August 2011 im Berliner Pergamon-Museum zu sehen ist. Sie ist mehr als bemerkenswert, diese Schau über die Auferstehung einer im Krieg zerstörten Sammlung von Skulpturen aus Syrien.
Wer Kunst und Alltagsgegenstände aus der Vorzeit erhalten will, belässt sie am besten im Boden. Dies jedenfalls besagt eine archäologische Binsenwahrheit. Eine etwas zynische Einleitung zu einem kurzen Bericht über eine Ausstellung in Berlin, die sehr nachdenlich stimmt. In jahrelangen aufwendiger Puzzle-Arbeit ist es gelungen, die durch den Krieg zerstörte Kunstsammlung von Max von Oppenheim zu rekonstruieren und wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. ![]()
Sein in den 20er Jahren in einer alten Fabrikhallte in Berlin-Charlottenburg eröffnetes Tell Halaf Museum brachte es bald zu internationaler Berühmtheit und wurde auch von bekannten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie etwa Agatha Christie oder Samuel Beckett besucht und beschrieben. Max von Oppenheim - ein Spross der bekannten jüdischen Bankiersfamilie - war erst Diplomat, widmete sich aber schon bald seiner Leidenschaft: Der Archäologie und dem Orient. In Charlottenburg bewohnte er eine Wohnung, die er im orientalischen Stil einrichtete.
Es kam wie es nicht hätte kommen müssen: Das Museum wurde im Krieg bombardiert, das Löschwasser tat sein Übriges und die eindrücklichen Basaltfiguren, in tausend Stücke zersplitter, schienen hoffnungslos verloren. Immerhin hatte man damals genug Geistesgegenwart und entsorgte sie nicht mit dem übrigen Schutt. Und tatsächlich liess sich ein Teil der Sammlung aus den tausenden von Stücken wieder zusammensetzen. Das Resultat ist nun zu besichtigen. Die Figuren haben nur wenig von ihrem Reiz eingebüsst.
Die Berliner Ausstellung ist eine doppelte Schau: Eine Schau zum Thema der syrischen Kunst und eine zweite, vielleicht noch wichtigere, zum Thema Vergangenheits-Bewältigung. Denn jede noch so aufwendige Inszenierung kann die vorgängige Zerstörung dieser Werke nicht vergessen machen.
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Zur Website "Die geretetten Götter"
Zur Website "Das Tell Halaf Projekt"
Posted by dominik at 12:34 | Comments (0)
26.02.11
Luang Prabang – Stadt der Mönche
Luang Prabang liegt im Norden von Laos. Die Stadt ist seit 1995 Unesco Weltkulturerbe und damit kultureller und spiritueller Mittelpunkt des Landes.
Der Weg hierher will verdient sein: Wer nicht mit dem Flugzeug von Bangkok einfliegt hat eine zehn bis zwölfstündige Busfahrt von Hauptstadt Vientiane hinter sicher. So geht es auch uns: Wir treffen gegen 20 Uhr ein. Müde zwar – aber der Charme der Stadt lässt uns sofort auf eine kleine Entdeckungsreise gehen. Die Hauptstrasse erscheint uns wie eine sorgfältig aufgebaute Theaterkulisse mit ihren Läden und Restaurants. Hier ist nichts von der Hetze und der tropischen Hitze Bangkoks zu spüren. Die Innenstadt ist vom Autoverkehr verschont und lädt geradezu zum Flanieren ein.
Beim Frühstück dann ein grossartiger Blick auf Fluss und Hügel: Vor uns der Menam Khan – ein Nebenarm des Mekong – die sorgfältig gepflegten Gärten, das üppige Grün und die Hügel – das alles entzückt.
Rund 100 000 Einwohner leben hier. Die Stadt ist seit 1995 Weltkulturerbe und der Tourismus ist offensichtlich eine der Haupteinnahmequellen der Region. Neubauten sieht man im Stadtzentrum nicht – daran ist wohl der Unesco-Schutz schuld. Es mag sein, dass sich die Innenstadt dadurch auch verändert hat, das dürfte aber in Italien, Spanien oder Frankreich kaum anders sein.
Die Stadt wird vom Wasser bestimmt: Vom Mekong - eigentlich Menam Kong - und dem Menam Khan. Zur Regenzeit - etwa Juni bis Oktober - führen die Flüsse Hochwasser. Der Weg in die ländlichen Gebiete ist ohne Allradfahrzeug schwierig. Aber das Wasser nährt das Land - die Gärten entlang der beiden Flüsse legen eindrücklich Zeugnis davon ab.
Fisch spielt auf dem Speisezettel von Laos eine wichtige Rolle. Und es sind ausschliesslich Süsswasserfische, das meiste wohl Weissfische, Karpfenartige. Immer wieder sehen wir Fischer, kleine und grosse Fischerboote..
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Luang Prabang ist die Stadt der Klöster und der Mönche: Über 30 Tempel liegen auf Stadtgebiet. Und sie lassen sich alle zu Fuss oder mit dem Fahrrad erreiche. Die Tempel in der Innenstadt sind sorgfältig renoviert und werden offensichtlich auch gepflegt. Eine wunderbare Ruhe liegt hier auf dem Gelände. Gäste sind offensichtlich willkommen. Nicht alle Tempel sind so gut erhalten, etwas ausserhalb der Innenstadt finden wir Gebäude, die eine Renovation vertragen könnten.
Jeden Morgen sind die Mönche beim traditionellen Sammeln der Gaben der Bevölkerung zu beobachten. Das Hotelpersonal macht uns schon am ersten Abend darauf aufmerksam, nicht ohne uns auch einige Körbe mit Reis für den nächsten Morgen zu verkaufen. Wir nehmen an der Zeremonie im Morgengrauen teil. Wer sich beteiligt und etwas geben will kniet auf eine der Bambusmatten. Und schon bald taucht die Kolonne der Mönche auf. Wie viel sind es? –
Sicher sind es Dutzende, am Schluss sicher zwei bis dreihundert. Sie werden reichlich beschenkt und unser Reis kommt erscheint angesichts der vielen Gaben etwas karg: in den Körben der Einwohner liegen Bananen, aber auch Süssigkeiten. Die Läden rund um die Klöster verkaufen auch fertige Gabenkörbe, oft sind dort auch Produkte zur Körperpflege dabei. Bald wird klar: Die Gaben übersteigen den Bedarf bei weitem. Am Strassenrand knien auch Strassenkinder, andere gehen mit grossen Schachteln und Säcken neben den Mönchen. Ein guter Teil der Gaben wandert so weiter. Eine eigene Ökonomie des Gebens von der in unserem Fall nicht nur die Mönche, sondern auch die Hotelangestellten und die Strassenkinder profitieren.
Der Reiz von Luang Prabang liegt wohl in ihrer Kleinräumigkeit, in ihrer Lage zwischen Mekong und Menam Khan, ihrem angenehmen Klima. Ein wichtiger Teil ist auch die Architektur den über 30 buddhistischen Tempeln und mit ihren typischen zweigeschossigen Häusern.
Das setzt sich auch ausserhalb der denkmalgeschützten Innenstadt fort. Hier ist zwar deutlich mehr Betrieb. Das beliebteste Verkehrsmittel scheint das Kleinmotorrad zu sein, dazu Busse oder Pickups.
Gewöhnliche Personenwagen sehen wir kaum. Hier sind die Hotels auch schon mal grösser, einige sind noch im Bau. Wir erlauben uns eine Tour durch eines der grössten und eben fertig gestellten Fünfstern Hotels. Luxuriös, der Ausblick vom Schwimmbad auf dem Hügel ist eindrücklich – doch wer Atmosphäre sucht und gerne spaziert ist bei uns am Fluss wohl besser bedient.
Eine kleine Tour mit dem Fahrrad führt uns ganz zur Stadt hinaus. Nach nur einer halben Stunde Fahrt sind wir allein auf einer Naturstrasse im Tal des Flusses Menam Khan. Immer wieder stossen wir auf Wegweiser zum Grab von Henri Mouhot. Der französische Naturforscher (1826-1861) ist hier 1861 gestorben - ein Denkmal erinnert an ihn. Seine Reisberichte werden uns anderswo noch beschäftigen.
Hier liegen – gut angeschrieben – zwei Elefanten-Camps. Elefanten gehören zu Südostasien und sind heute eine Touristen-Attraktion. Sie waren vor der Mechanisierung wichtige Hilfen – beim Holzfällen. Benutzt wurden sie aber auch als Transportmittel, wie wir aus vielen alten Reiseberichten wissen.
Kaum eine Stadt, die nicht Elefanten-Ausflüge anbietet. In der Regel gehört dazu ein mehrstündiger Ritt durch den Urwald, einige der Camps bieten aber auch gemeinsame Badefreuden an. Manche Elefantenführer lassen ihre Gäste auch schon mal vorne auf dem Hals sitzen. Gewöhnlich werden die Gäste aber auf einem Holzsitz transportiert, der auf dem Elefantenrücken angebracht ist. Das Schaukeln ist bestimmt gewöhnungsbedürfig. Ausflüge mit dem Elefanten sind nicht ohne Risiko: Im Februar 2011 wurde in Phuket eine Schweizer Touristin von einem Elefantenbullen zu Tode getrampelt. Zwei Elefantenbullen stritten sich offenbar um ein Weibchen und ihre Führer verloren die Kontrolle über sie.
Nach drei kurzen Tagen geht’s weiter, zurück nach Vientiane. Diesmal im Minibus. Das ist etwas teurer, dafür dürfen wir halten wenn es uns gefällt. Abschied von Luang Prabang - die Hügel im Nebel hätten wir nicht erlebt, wenn wir das Flugzeug genommen hätten…
Posted by dominik at 10:39 | TrackBack
20.02.11
Vientiane – Grenzstadt am Mekong (Reisnotizen Laos/Thailand 3)
Vientiane ist für uns ein Lieu de Passage, wir besuchen die Stadt ohne grosse Erwartungen und werden höchst positiv überrascht.
Nur gerade 350 000 Menschen leben in der Hauptstadt von Laos. Entsprechend gemächlich wirkt der Alltag hier auf uns. Verkehrschaos ist ein Fremdwort. Überhaupt sieht man auf den Strassen der Stadt wenig Personenwagen. Auf dem Weg nach Luang Prabang werden wir dann gar keine PWs mehr sehen sondern nur noch Busse und Kleinlastwagen, hier Pickups genannt.
Die Stadt hat ein koloniales Flair. Die Bauten in der Altstadt stammen offensichtlich aus der französischen Kolonialzeit.
Im Kontrast dazu die hässlichen Einheitsbauten wie man sie überall in Asien sieht. Und nicht zu übersehen: Der Kulturpalast. Laos ist auch heute noch kommunistisch.
Immer wieder stossen wir auf Fahrzeuge und Informationen der Mines Adisory Group. Eine NGO die sich mit Minenräumung befasst. Laos hält den traurigen Rekord das am meisten bombardierte Land der Welt zu sein und auch heute noch liegen tonnenweise unexplodierte Bomben in den Feldern. Im Schnitt einmal pro Tag gibt’s damit ein Unglück, lesen wir auf einer Informationsbroschüre.
Wer sich für Textilien interessiert ist hier richtig: Nicht ganz zufällig finden wir mitten in der Stadt in einem prächtigen alten Haus auf ein faszinierendes Projekt, das erst 1991 begonnen wurde: Laotische Frauen produzieren nach ihren traditionellen Methoden Tücher – mit traditionellen aber auch mit leicht modernisierten Mustern. Gegründet wurde es von der US Amerikanerin Carol Cassidy.
Vientiane ist entlang dem Mekong gebaut und auf dem hohen Flussdamm lässt sich abends trefflich flanieren. Der Damm ist nötig, denn während der Regenzeit ist das Niveau einige Meter höher. Der Fluss hat Niedrigwasser. Verführerisch wäre eine Weiterfahrt per Boot: Reiseführer und auch das Schweizer Aussenministerium raten von solchen Fahrten ab. Zu gefährlich. Und auch wir nehmen also den Bus.
Mines Advisory Group - Lao Pages
Carol Cassidy - Lao Textiles.
Posted by dominik at 11:26 | Comments (0)
Thanaleng Train Station – oder es fährt ein Zug nach nirgendwo (Reisnotizen Laos/Thailand 3)
Laos hat nur eine Zuglinie. Und auch die ist nur gerade drei Kilometer lang und führt vom thailändischen Nong Khai über den Mekong zu einen Ort namens Thanaleng.
Nong Khai. Endstation. Wenn der Hauptbahnhof in Bangkok verschlafen wirkt, wie soll man denn die Bahnstation von Nong Khai beschreiben?
Immerhin eine grössere Stadt im Nordosten Thailands am Mekong gelegen…Ruhig, oder besser: Sehr ruhig, so sehen das auch die Wasserbüffel, die neben den Gleisen grasen und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen.
Eigentlich wollen wir nach Vientiane, das gleich auf der anderen Seite des Mekongs liegen müsste. Der Empfehlung unseres Reisführers und auch verschiedener Internetseite folgend setzen wir unsere Fahrt nach Laos gleich hier mit dem Zug fort und nehmen die Internationale Linie Nong Khai – Thanaleng.
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Es sind nur drei Wagen aber der Zug wartet geduldig, bis auch der letzte Reisende den Zoll passiert hat. Dann geht’s über den Mekong, entlang von Reisfeldern. Nach wenigen Minuten ist Schluss.
Wir sind am Ziel angelangt: Thanaleng Train Station. Eine Zugstation in der freien Natur. Hier gibt’s keine Anschlusszüge. Wie sollte es auch – wir haben eben die einzige Zugverbindung in Laos benutzt. Für das Visa sind laut unseren Informationen 32 Dollar fällig, wer kein Passfoto hat zahlt zur Strafe nochmals einen Dollar. Die Beamten untersuchen unsere Pässe und lassen uns passieren. Heute ist das Visa gratis. Ob das nur für Schweizer gilt erfahren wir nicht.
Nein in Vientiane sind wir nicht. Hier ist nur Steppe, hin und wieder ein paar Palmen und Reisfelder. Kein Problem: Taxis warten und in einem kommunistischen Land muss offenbar nicht um Preise gefeilscht werden. 40 Minuten sind es von hier ins Stadtzentrum von Vientiane.
Posted by dominik at 10:21 | TrackBack
Mit dem Zug unterwegs nach Laos (Reisenotizen Laos/Thailand 2)
Der schnellste Weg nach Luang Prabang führt über den Flughafen Bangkok. Wir wählen einen langsameren und fahren mit Zug und Bus.
Die Fahrt beginnt am Hauptbahnhof von Bangkok, der Hua Lamphong Station. Thailand ist definitiv kein Eisenbahnland und im Bahnhof gebaut von einem italienischen Architekten zu Beginn des 20.Jahrhunderts scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Nur gerade 14 Gleise, eine Handvoll Snack-Läden und ein einziges Restaurant. Nur gerade 130 Züge mit 60 000 Passagieren verkehren hier jeden Tag. Thailand ist – im Vergleich etwa zu Indien, definitiv kein Eisenbahnland.
Und doch: Der etwas verschlafen wirkende Bahnhof hat seine eigene Magie. Die Haupthalle ist blitzblank und sauber. Viele Passagiere warten auf dem Boden. Wagen und Lokomotiven sind alt und das gilt besonders für unseren Schlafwagen: 2nd Class Non Airconditioned. Nicht aus Sparksamkeit, sondern aus Angst vor unterkühlten Abteilen wählt der kluge Reisende in Thailand die günstigste Variante. Für rund 8 Franken fahren wir eine Nacht von Bangkok bis Nong Kai, an die laotische Grenze. Mit Rollmaterial, das definitiv schon bessere Zeiten gesehen hat...dafür schön langsam..
Die Wagen sind geräumig, Sitzreservationen klappen und schon bald rollen wir zur Stadt hinaus. Oder vielleicht wäre der Begriff schaukeln besser. Es geht schön langsam, immer wieder haben wir Einblicke in die beliebten Nachtmärkte und da und dort Einsicht in die Wohnzimmer in den einfachen Quartieren, die wir durchfahren.
Bald lassen wir die Stadt hinter uns. Eine Angestellte taucht auf, zwar kann sie kein Englisch und wir zuwenig Thai aber es ist doch bald klar: Ob wir essen möchten? - Gleich nebenan ist ein Speisewagen und das Essen würde auch zu unseren Plätzen gebracht. Nicht nötig, dafür kreuzen wir an, was wir zum Frühstück wünschen. Das kostet ein paar Franken. Der nächste Angestellte bringt die Betten in Position. Eins oben, eins unten, vorne einen Vorhang.
Schlafen kann ich nicht und bin schon bald im Speisewagen. Hier ist Partystimmung. Ein grosser Lautsprecher ist in Position gebracht. Ein einziger Platz an einem Vierertisch ist frei. Dort treff ich einen Briten, der offenbar so etwas wie ein Profi-Traveller ist, ein Deutscher und einen Thai. Man tauscht sich aus, so gut es eben geht. Dann bleibt der Zug stehen. Lok ist kaputt. Macht nichts meint unsere Bahnangestellte. Ersatz aus Bangkok ist unterwegs, dauert nur zwei Stunden. Das Warten tut der Stimmung keinen Abbruch. Ob wir jetzt ein paar Stunden später ankommen – egal. Die Ersatzlok trifft nach einer Stunde ein und wir schaukeln weiter.
Die weitere Fahrt verläuft ereignislos. Statt zu schlafen lese ich ein Kapitel im Buch „The Piano Tuner“ von Daniel Mason. Die Reise eines Klavierstimmers von London bis an die thailändische Grenze von Burma am Ende des 19.Jahrhunderts. Er reist mit Schiff und Zug…fast wie wir…
Posted by dominik at 09:34 | TrackBack
19.02.11
Bangkok: In 20 Jahren von 10 auf 20 Mio Einwohner…(Reisenotizen Thailand/Laos 1)
Mehr als 20 Jahre sind es her seit unserem letzten längeren Aufenthalt in Bangkok. Die Stadt ist heute kaum mehr wiederzuerkennen.
Symbolisch dazu dieses Bild. Hochhäuser im Kontrast zum Königspalast, fotorgrafiert aus der Hochbahn Sky Train, mit der die Stadt das ständig wachsende Verkehrschaos zu bekämpfen sucht…
Wir landen auf dem erst 2006 eröffneten neuen Flughafen Bangkok Suvarnabhumi, der heute 45 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigt – er arbeitet im 24 Stunden Betrieb und allein ein Blick auf die Destinationen zeigt, dass wir hier in einer anderen Welt sind: Im Minutentakt landen Maschinen aus Kuala Lumpur, Hongkong, Singapur, Taipei, Tokio, Djakarta, Delhi…
Noch neuer als der Flughafen ist die Zugverbindung in die Innenstadt: Eine neue Zugverbindung – Railway Link genannt bringt uns innerhalb von 20 Minuten in die Innenstadt, nur wenige Stationen weiter wäre Bangkok HB, Hua Lampong.
Zu Fuss wären es von hier – Makkasan Station - etwa 20 Minuten in Hotel. Bei 30 Grad feuchter Hitze und unserem Gepäck für drei Wochen wenig zu empfehlen, zumal es bis zur nächsten Kreuzung keine Gehsteige gibt. Ich erinnere mich – 1988 war mir bewusst geworden, dass ein Gehsteig in einer Stadt keine Selbstverständlichkeit ist.
Wohl vertraut ist das Verkehrschaos. Kaum geht die Fahrt los stecken wir auch schon im Stau. Das Hotel kommt bald in Sicht – aber wir sind leider auf der falschen Strassenseite. Also noch weitere 15 Minuten Geduld.
Die Stadt hat seit unserem letzten längeren Aufenthalt einen unwahrscheinlichen Wachstumsschub erlebt und ihre Bevölkerungszahl von 5 auf 10 Millionen verdoppelt. Man stelle sich etwas ähnliches in der Schweiz vor….Zählte die Stadt damals vielleicht ein Dutzend Hochäuser so sind es heute wohl hunderte. Das zeigt schon ein erster, überwältigender Blick aus dem Hotelfenster.
Bangkok Strassen haben 24 Stunden Stau.
Und trotzdem gibt es auch ernsthafte Versuche, so etwas wie ein Nahverkehrssystem auf die Beine zu stellen: Dazu zählt neben dem erwähnten Bahnverbindung zum 30 km entfernt gelegenen Flughafen ein kürzlich eröffnete Metro-Linie sowie der am Sukhumvit verkehrende Sky Train, eine Hochbahn ,die ständig ausgebaut wird.
Dort an der Geschäftsstrasse Sukhumvit entdecken wir auch den Erawan Schrein. Wohl bekannt damals 1988 –die buddhistische Kultstätte existiert in den 50er Jahren und wurde gebaut um einer Serie von Unglücksfällen beim Bau des Erawan Hotels Einhalt zu gebieten.
Gab es 1988 einige Warenhäuser wie etwa den Central Department Store, dazu eine Handvoll Supermärkte wie etwa da Foodland so ist die Anzahl der Einkaufszentren mindestens für einen Touristen nicht zu überblicken. Ihre Dimensionen sind gigantisch und können es mit den US Kolossen aufnehmen. Wir besuchen das Siam-Paragon nicht ohne Wehmut: Hier stand früher das Hotel Siam Intercontinental mit seinem botantischen Garten…
Das Siam-Paragon beherbergt den grössten Food-Court von Bangkok und das grösste Aquarium von Südostasien. Im Siam Paragon finden wir mehr Luxusuhren-Läden als an der Zürcher Bahnhofstrasse: Rolex, Breitling, Audemar-Piguet, Cartier…alle sind sie da. Zwar sehen wir keine Kundschaft, aber Läden dieser Art leben bekanntlich nicht vom Massengeschäft. Die Luxus-Läden sind auch ein Hinweis auf die Bedeutung von Bangkok als grösste Wirtschaftsmetropole von Südostasien.
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m vertrauten Ort ist auch das Hauptquartier des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), in einer Seitenstrasse der Hauptachse Sukhumvit. Die zweigeschossigen einfachen Barackenbauten wirken merkwürdig anachronistisch in dieser Hochhauslandschaft. Auch noch zu finden ist das Restaurant Heidelberg, das schon vor 20 Jahren auf die Anwesenheit zahlreicher Deutscher hingewiesen hat. Explosionsartig vermehrt haben sich rundherum die Bar und Entertainment-Betriebe mit eindeutiger Ausrichtung. Und unter den verwahrlosten Menschen an der Strasse würden sich zunehmend auch Westeuropäer finden. Wer meint, die IKRK Delegation habe nach der Repatriierung der kambodschanischen Flüchtlinge nach 1989 (sie kamen ab 1979), keine Arbeit mehr, täuscht sich: Der Süden des Landes ist – von der internationalen Aufmerksamkeit kaum beachtet – sehr unruhig und immer wieder kommt es zu Übergriffen von muslimischen Separatisten. Im Westen des Landes suchen immer wieder Flüchtlinge aus Burma Aufnahme .
Auch die Lage an der kambodschanischen Grenze im Westen ist alles andere als ruhig: Just während unseres Aufenthaltes anfangs Feburar 2011 ereignet sich rund um den Khmer Tempel von Preah Vihear ein Schlagabtausch zwischen thailändischen und kambodschanischen Truppen mit einigen Toten – mehrere Thai Dörfer mit 15 000 Einwohnern werden vorübergehend evakuiert. Der Tempel steht genau auf der Grenze zwischen den beiden Ländern, er ist seit 2008 unter Unesco Schutz. Seine exponierte Lage führt immer wieder zu Auseinandersetzungen. Auslöser war diesmal offenbar die Verhaftung einer Gruppe von Thais durch die kambodschanischen Behörden.
Nur scheinbar ruhig ist auch die innenpolitische Lage. In Thailand stehen sich zwei Gruppen gegenüber: Die ländlich ausgerichteten Rothemden mit ihrem Anführer Thaksin Shinawatra und die urban orientierten Gelbhemden. Der ehemalige Ministerpräsident Thaksin wurde trotz seines Wahlsieges 2006 abgesetzt und musste das Land verlassen. In der Folge kam es zu anhaltenden Protesten seiner Anhänger – unter anderem zu einer wochenlangen Blockade des neuen Flughafens.
Der Konflikt ist heute alles andere als beigelegt. Das beweisen nicht nur die Anhänger Thaksins, die auch heute noch im Regierungsviertel campieren. Spricht man mit Menschen in Bangkok so hört man die Befürchtung, dass der Konflikt nur vertagt sei. Die grosse Frage, die über dem Land lastet ist nämlich jene nach der Nachfolge des thailändischen Königs Bumiphol Adulyadej
Ein versöhnlicher Eindruck aus der Stadt zum Schluss:Bangkok wurde ursprünglich entlang des Chao-Phraya Flusses und seiner Kanäle, der sog.Klongs gebaut. Am Fluss liegen heute die grossen Luxushotels wie das Oriental, Shangrila – aber die Klongs haben ihren alten Charme erhalten.
Wer den Weg hierhin findet erlebt Alltag der Familien am Wasser und spaziert an Küchen und Wohnzimmern vorbei – ein Leben, das sich in einer anderen Zeit und auf einem anderen Planeten abzuspielen scheint.
Zur Zukunft Thailands ein lesenswerter Artikel aus dem Economist vom März 2010. Tx to Urs Boegli
Posted by dominik at 10:59 | TrackBack
16.02.11
Der Zauber von Laos
Der Zauber von Laos ist für mich in diesem Bild eingefangen. Fotografiert ist es in den Bergen zwischen Vang Vieng und Luang Prabang auf der Fahrt unterwegs zürick nach Vienti
ane. Wir waren sehr früh am Morgen aufgebrochen und konnten dadurch die Morgendämmerung erleben. Sie dauert, wie in allen tropischen Ländern nahe des Äquators, nur kurz. Es war kühl an jenem Morgen und ohne Pullover hielt man es nicht länger als ein paar Minuten aus...
Es lohnt sich übrigens, auf das Bild zu klicken - es ist dann in einer grösseren Auflösung von 2000 mal 1000 Pixel zu sehen. Fotografiert hab ich übrigens mit der neuen, kleinen Lumix GF1
Posted by dominik at 04:28 | Comments (0)
22.08.10
Swat-Valley - Pakistan 1988
Flutkatastrophe in Pakistan - besonders betroffen der Nordwesten und das Swat Tal. Schlagzeilen dieser Tage. Wenig zuvor kam es am gleichen Ort zu massiven Kämpfen gegen die Taliban. Meine Gedanken sind oft in dieser Gegend, wo ich 1988/89 für ein Jahr als IKRK Delegierter arbeitete
Temperaturen von 45 Grad und mehr waren in den Monaten April-Oktober in Peshawar, wo wir lebten, an der Tagesordnung. Kaum auszuhalten. Hin und wieder fuhren wir deshalb für ein paar Tage ins nahe Swat Valley, drei bis vier Autostunden von Peshawar entfernt. Hier war das Klima erträglich und die Landschaft erinnerte ein wenig an die Schweiz. Ein wenig...
In Peshawar war es damals praktisch 12 Monate im Jahr trocken. Stürme gab es, aber es waren meist Sandstürme. Nur im Winter kamen die Temperaturen in einen erträglichen Bereich.
Anders im nahen Swat-Valley: Regen und auch Schnee waren dort in der kühlen Jahreszeit häufig und trugen auch dazu bei, das Tal fruchtbar zu machen. Und die Schweizer Entwicklungshilfe hatte weit oben im Tal ein Projekt zur Waldentwicklung- und Nutzung laufen.
Richtig viel Regen erlebten wir im Frühjahr 1989 - hier eine Strassenszene aus Mingora einem der grössten Orte im Swat-Valley
Das Tal und seine Bewohner sind in der Erinnerung eingebrannt. Und vielleicht werde ich das Tal ja einmal wiedersehen.
Posted by dominik at 11:42 | Comments (0)
11.08.10
Kinofernsehen „Eidophor“ und andere Schweizer Medienerfindungen
Es ist noch nicht lange her, da war Medientechnik aus der Schweiz Weltspitze: John Steinbeck schrieb seine Texte auf einer Hermes Baby aus dem Jura, die Beatles nahmen ihre Songs mit Studer Tonbandgeräten aus Regensdorf und die Eidophor Projektoren aus demselben Ort wurden sogar in der Sowjetunion geschätzt. Heute ist dieses Geschäft fest in japanischen und amerikanischen Händen und die Geräte aus der Schweiz - auch wenn viele davon heute noch funktionieren – sind nur noch bei Liebhabern und Sammler geschätzt,.
Schwarzenburg im Kanton Bern: Die Umgebung ist idyllisch und ländlich: Sanfte Hügel, Bauernhöfe, grüne Weiden, Kühe. Das eingezäunte eingeschossige Gebäude blickt auf eine lange Geschichte zurück und war bis 1998 Kurzwellensender. Heute dient das Gebäude dem Museum für Kommunikation Bern als Depot; es beherbergt wohl die grösste Sammlung von alten Mediengeräten der Schweiz.
Der Raum, in den uns der Museumskurator Rolf Wolfensberger führt, gehört dem Fernsehen. Hier lagern Studiokameras, Magnetband-Aufzeichnungsgeräte, auf einem Holzgestell entdecken wir ein Testbild aus den 60er Jahren, und ganz zuhinterst stehen vier voluminöse Kasten, die mit dem Namen „Eidophor“ angeschrieben sind. „Die Geräte kamen nach dem Konkurs der Herstellerfirma Gretag und der Auflösung des firmeneigenen Museums im Jahr 2004 hierher. Sie sind ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Fernsehens und der Projektoren, und deshalb sind wir froh, dass wir sie hier behalten dürfen“, erklärt uns Wolfensberger.
Der Begriff Eidophor steht für die Grossprojektion von Fernsehbildern: Im Zeitalter des Public Viewing eine Selbstverständlichkeit. Während Jahrzehnten stammten die besten und leistungsfähigsten Projektionsgeräte aus der Schweiz. Ihre Geschichte hat die Zürcher Historikerin Caroline Meyer in einer kürzlich veröffentlichten Dissertation aufgearbeitet.
Erfunden wurde der Eidophor vom Zürcher ETH Professor Fritz Fischer (1898-1947). Die Patentschrift wurde 1939 hinterlegt und 1944 anerkannt. Sein Verfahren basiert auf einem Ölfilm, der von einem Kathodenstrahl im Hochvakuum abgetastet und dabei minimal verformt wird. Das projzierte Bild entsteht indem der Ölfilm von einer Lichtquelle beleuchtet wird.
„Kompensationsprojekt“ für die Schweizer Industrie
Fischer erkannte die Bedeutung des audiovisuellen Sektors, so die Historikerin Meyer; er bedauerte schon in den 30er Jahren, dass die Schweiz die Entwicklung auf diesem Gebiet verpasst hatte. Fischer schlug die Schaffung eines „Kompensationsprojekts“ vor, um mindestens in einem Gebiet selber an die Spitze der Forschung zu gelangen. Die Vision dahinter war bestechend: Eidophor sollte Teil eines weltweiten Verbundes werden und die elektronische Verteilung von Kinofilmen ermöglichen. Dieses Kinofernsehen würde aktuelle Filme schnell und günstig auch in entlegene Gebiete bringen. Das Projekt wurde zunächst von der Eidgenossenschaft gefördert und ging dann an den Zürcher Ingenieur Dr.Edgar Gretener (1902-1958) und seine gleichnamige Firma. Die Perspektiven waren so überzeugend, dass sogar ein Hollywood Studio einstieg: Die 20th Century Fox beteiligte sich zunächst am Projekt.
Die Vision des Kinofernsehen scheiterte – unter anderem an der mangelnden Bildqualität aber auch an der Frequenzzuteilung für die Signalübertragung. Der Rückzug der 20th Century Fox machte den Weg frei für neue Nutzungsperspektiven: Sie wurde im Firmen-TV gefunden. Die Basler Pharmafirma Ciba kaufte die mittlerweile in Gretag AG umgetaufte Firma von Edgar Gretener und nutzte das Verfahren für die publikumswirksame Inszenierung von Fernsehbildern an Kongressen und Tagungen und vermietete das System an Dritte. Ein früher Höhepunkt für Eidophor war sein Einsatz an der Expo 64; 1970 integrierte Ciba erstmals Satellitenübertragungen in Präsentationen, die mit Eidophor gezeigt wurde. Eidophor tauchte im Sport auf, an Universitäten und auch im militärischen Kontext. Sogar in einem sowjetischen Raumfahrtszentrum soll das Verfahren eingesetzt worden sein. Dabei war Eidophor bei weitem nicht das einzige derartige Verfahren auf dem Markt. Es lieferte aber lange die besten Bilder, allerdings zu einem hohen Preis. Und es war dann auch die Konkurrenz durch günstigere Systeme, die zum Ende von Eidophor führten.
Revox Tonbändgeräte – das Mass aller Dinge
Ebenfalls in Regensdorf, nur wenige hundert Meter weiter als die Gretag, war eine weitere Firma angesiedelt, die Mediengeschichte schrieb: Studer Revox. Anders als Edgar Gretener war der Firmengründer Willi Studer (1912-1996) kein Ingenieur, sondern Radioelektriker.
Studer sah seine Chancen als Hersteller von Tonbandgeräten anfangs der 50er Jahre. Der Erfolg stellte sich schnell ein: Schon 1958 zählte sein Firma 120 Angestellte. 1980 war die Firma auf 1600 Angestellte angewachsen. Willi Studer bediente anspruchsvolle und zahlungsfähige Amateure mit Produkten der Marke Revox. Legendär ist etwa das Tonbandgerät A77, das 1977 zum ersten Mal geliefert wurde. Weit wichtiger waren aber die Profi-Geräte, die unter dem Namen Studer vermarktet wurden. Abnehmer waren die Radio- und Fernsehstudios weltweit, bekanntester Kunde waren wohl die Londoner Abbey Road Studios, wo die Platten der Beatles und zahlreicher weiterer Popgrössen aufgenommen wurden.
Die Krise kam Ende der 80er Jahre. Auch der Verkauf an Motor-Columbus konnte das Lebenswerk von Willi Studer nicht retten. Heute ist ausser dem Firmennamen wenig geblieben: Unter dem Namen Studer produziert die US Firma Harman hochwertige Mischpulte. 2009 verlegte Harman die Produktion ganz nach England. Unter dem Namen Revox werden heute Audioprodukte für den Heimbereich verkauft, die wenig mit den Tonbandgeräten von damals zu tun haben. Firma und Geräte sind Geschichte. Viele Geräte dürften aber auch heute noch in Betrieb sein. Die Firma hat treue Anhänger – einer davon gründete 2005 gar ein Studer Revox Museum, das allerdings 2009 bereits wieder schliessen musste.
Schreibmaschinen und Filmkameras aus dem Jura
Vom zürcherischen Regensdorf in den Waadtländer Jura: Hier wurden nicht nur Musikautomaten und Uhren hergestellt, sondern auch Mediengeräte, die die Welt eroberten. Erwähnt man den Namen Paillard – lange der grösste Arbeitgeber in der Region von Yverdon, so erntet man bei den meisten Deutschschweizern nur Kopfschütteln. Ist aber von einer Hermes Baby Schreibmaschine die Rede, von einer Bolex-Filmkamera oder von einem Thorens-Plattenspieler, dann hellen sich die Gesichter auf…
Die Familie Paillard stammte ursprünglich aus St.Croix, wo Moïse Paillard bereits 1814 ein Uhrmacheratelier gründete und sich bald einen Namen als Hersteller von Musikdosen machte. Ende des 19.Jahrhunderts weitete man die Produktion auf Walzenphonographen, Grammophone und Schreibmaschinen aus, später kamen auch Radioapparate dazu. Paillard & Cie SA wurde 1920 gegründet. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges in den 70er Jahren des 20.Jahrhunderts beschäftigte Paillard 8000 Personen weltweit, 6000 davon in Yverdon und Umgebung.
Viel davon ist auch hier nicht übrig geblieben: Wer Yverdon in Richtung Lausanne verlässt, passiert im Industriegebiet die Niederlassung von Bolex. Auf einer Etage eines Geschäftshauses kümmern sich je nach Saison drei bis fünf Techniker um Bolex-Filmkameras, die heute noch in Betrieb sind. Das sind offenbar weltweit noch einige. Und für diesen Markt werden in Yverdon auch heute noch Kameras hergestellt: mit 20 Stück pro Jahr hält sich die Produktion aber in bescheidenem Rahmen. Kein Vergleich zu früher; Insgesamt dürften im Lauf der Jahre einige hunderttausend 16mm Kameras die Werke von Paillard-Bolex verlassen haben.
Paillard hatte die 16mm Technologie 1930 vom Exilukrainer Jacques Bogopolsky aus Genf übernommen. Die 16mm Filmkameras waren in der Filmproduktion ein echter Fortschritt und wurden schnell zum Standard für Dokumentarfilm und Fernsehen – sie lieferten brauchbare Qualität zu einem Bruchteil des Preises der 35mm Technologie. Sie waren handlich, gerade beim Dokumentarfilm ein entscheidender Vorteil. Der Kundenkreis war gross und international, so dass sich sogar die Herstellung einer englischsprachigen Kundenzeitung mit Tipps und Tricks zum Filmen für Amateure und Profis lohnte. Unter den Kunden fanden sich illustre Namen: Marlene Dietrich, Mahatma Gandhi, Aga Khan und Antoine de St. Exupéry sollen mit Bolex-Kameras gefilmt haben.
Schreibmaschinen waren das zweite Standbein von Paillard. Ein eigentlicher Verkaufshit war die Reiseschreibmaschine Hermes Baby. Der „Laptop der 60er“ Jahre wurde die sechs Zentimeter dicke Maschine auch schon genannt. Das Schriftbild konnte es kaum mit teureren Maschinen aufnehmen, dafür war die Hermes Baby klein, leicht und billig. Und die Liste der Autoren, die auf einer Hermes-Baby schrieben, liest sich mindestens so eindrücklich wie bei Bolex: Ernest Hemingway, John Steinbeck, Friederike Mayröcker, Max Frisch und auch eine gewisse Emmi Creola alias Betty Bossi - sie alle sollen ihre Texte auf dieser Maschine verfasst haben. Der Zürcher Pop-Literat Dieter Meier hat der Hermes Baby gar ein Gedicht gewidmet: „In ihren glänzend grünen Strapsen/Steht Baby auf dem Arbeitstisch/Auch heute wird sie mich verflapsen/Wenn ich betrübt von dannen zieh“.
Überlebt hat aus dem Paillard Imperium neben Bolex auch der Name Thorens. Thorens war ursprünglich ein selbständiges Unternehmen, das ebenfalls in St.Croix ansässig war. 1937 kam es zur Firma Paillard. Unter dem Namen Thorens stellte Paillard fortan hochwerte Grammophone her . Unter HiFi-Enthusiasten genossen die teuren Geräte einen ähnlichen Ruf wie die hochwertigen Revox-Tonbandgeräte. Die Firma wurde allerdings bereits 1966 wieder selbständig und ist heute ein Nischenanbieter für zahlungskräftige High-End Liebhaber.
Warum sind diese Firmen verschwunden?
Was hat zum Niedergang dieser Firmen geführt? – Die Gründe dafür sind vielfältiger, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Eidophor zum Beispiel, war ein extrem aufwendiges und teures Verfahren und bediente einen ausgesprochenen Nischenmarkt. „Es hat nicht an Versuchen gefehlt, das Verfahren weiter zu entwickeln“, sagt ein ehemaliger Ingenieur der Gretag. Aber letztlich war Eidophor ein singuläres Projekt, dessen Zeit auf dem Weltmarkt zu Ende ging. Eidophor lieferte während Jahrzehnten unbestritten die besten Bilder – wenn auch zu einem hohen Preis. „Eidophor war nie richtig rentabel“, meint unser Gewährsmann.
Komplexer liegen die Dinge bei Studer-Revox: „Es war die Kollision zwischen dem Siegeszug der Digitaltechnik und einer fehlenden Nachfolgeregelung, die Studer-Revox das Genick gebrochen hat“, sagt Roger Lagadec, 1979-85 Product Manager bei Studer-Revox. Willi Studer war ein Mann der analogen Technik. Er verstand sich auf die mechanisch aufwändige Kontrolle von Gleichlaufschwankungen und konnte sich nicht vorstellen, dass diese Dinge einmal nicht mehr gefragt sein würden.
„Niemand verstand die Brisanz und Brutalität der Moore’schen Kurve, welche die Preise für Digitalschaltungen alle 18 Monate halbierte und den Einsatz billiger Mechanik ermöglichte“, sagt Lagadec. Innerhalb von zehn Jahren hatten sich die Preise für Audiogeräte pulverisiert – genau so lange war aber der Investitionszyklus für Profi-Technik aus dem Hause Studer. Konkurrent Sony, für den Lagadec nach 1985 arbeitete, konnte unbegrenzte Mittel in die Entwicklung der digitalen Audiotechnik investieren. Aber auch Sony gelang es nie, auf diesem Markt profitabel zu werden.
Patriarchalische Strukturen waren einer der Hauptgründe für den Untergang der Waadtländer Firma Paillard. „Der Erfolg der Firma ging letztlich auf zugekaufte Erfindungen zurück. Man verstand sich nicht aufs Entwickeln“, sagt der Neuenburger Historiker Thomas Perret.
Die Geschichte stellt diesen Schweizer Firmen kein gutes Zeugnis bei der Bewältigung der Technologie-Entwicklung aus. Immerhin, es gibt auch ein Gegenbeispiel: Der Exilpole Stefan Kudelski (geboren 1929) baute in Lausanne unter dem Namen Nagra jahrzehntelang mobile Tonbandgeräte, die bei Film, Fernsehen und Radio weltweit eingesetzt wurden. Kudelski wurde dafür in Hollywood mehrmals mit einem Oscar geehrt. Eine Variante des Gerätes – das Mini-Nagra – fand auch Eingang in die Welt der Geheimdienste. Anders als Willi Studer fand Stefan Kudelski in seinem Sohn André einen fähigen Nachfolger. Dieser erkannte Ende der 90er Jahre, dass die Jahre der Firma als Hersteller von Tonbandgeräten gezählt waren und etablierte sich in der Folge mit Spezialprodukten für den Zugang zu Pay-TV. Zwar gehören Audiogeräte – nicht zuletzt aus Respekt vor der Geschichte – noch zur Kudelski-Gruppe. Sie machen knapp ein Prozent des Firmenumsatzes aus.
Dominik Landwehr
Ein Teil der Geräte aus der Sammlung ist im Museum für Kommunikation in Bern zu sehen. Die Sammlung in Schwarzenburg kann auf Voranmeldung besucht werden.Kontakt: Museum für Kommunikation BernCaroline Meyer: Der Eidophor. Ein Grossbildprojektionssystem zwischen Kino und Fernsehen 1919-1999. Chronos Verlag. www.chronos-verlag.ch
Der Artikel erschien in leicht gekürzter Form unter dem Titel "Swiss Made für Kulturtäter" am 11. August 2010 in der Neuen Zürcher Zeitung. Hier gehts zum NZZ Artikel
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08.08.10
Unesco-Weltkulturerbe Tösstal
Weltkulturerbe Tösstal ! – Eine Schnapsidee? – Nein, der Vorschlag ist ganz ernst gemeint. Allerdings ist er nicht auf meinem Mist gewachsen. Aufgebracht hat diese Idee Peter Baumgartner, der stellvertretende Leiter der Denkmalpflege des Kantons Zürich. „Das Zürcher Oberland hat das Potential zum Unesco Weltkulturerbe“, sagte der Denkmalpfleger in einem Zeitungsinterview. Von mir stammt nur die Zuspitzung – aber das Zürcher Oberland ist ja im weitesten Sinn auch Teil des Tösstal…
Peter Baumgartner hat das ernst gemeint und ich finde, diese Idee ist unterstützenwert. Das zeigt allein ein kurzer Blick auf die denkmalgeschützten Industriebauten in unserer Gegend. Der Industrie-Archäologe Hanspeter Bärtschi hat sie am letzten Kulturapéro der Kulturkommission Zell im Mai noch einmal deutlich vorgestellt: Da sind zum Beispiel die Kraftwerk-Anlagen entlang der Töss und die kunstvoll angelegten Wasserwege, besonders deutlich in Kollbrunn. Die alten Spinnereien, oder das ganze Ensemble von Anlagen im Neuthal, dort sind ja seit kurzem auch die Webmaschinen der Sulzer-Rüti ausgestellt. Erschlossen sind diese Anlagen mit der Bäretswil-Bauma Dampfbahn. Dass den Gemeinden an den Industriebauten liegt zeigt zum Beispiel das Engagement für die Erhaltung der alten eisernen Brücke in der Au bei Kollbrunn. Sie konnte erhalten und renoviert werden, dank dem gemeinsamen Einsatz von Kanton und Gemeinde.
Auf der Unesco Liste des Weltkulturerbes stehen heute über 800 Anlagen „Es sind Zeugnisse vergangener Kulturen, künstlerische Meisterwerke und einzigartige Naturlandschaften, deren Untergang ein unersetzlicher Verlust für die gesamte Menschheit wäre“ heisst es dazu auf der Website der Unesco (www.unesco.ch) . In der Schweiz gehört die Altstadt von Bern, die Klöster von St. Gallen und Müstair, das Aletschgebiet, aber auch die Innenstadt von La-Chaux-de-Fonds und Le Locle sowie die Kunstbauten der Albulabahn dazu.
Industriebauten als Weltkulturerbe? – Ja- unbedingt. Wer letzte Zweifel ausräumen will, dem sei eine Reise ins Ruhrgebiet empfohlen. Eine der eindrücklichsten Bauten, die es dort zu besichtigen gibt, ist die Zeche Zollverein in Essen. Es ist ein Steinkohlebergwerk, das 1847 bis 1987 in Betrieb war. Mit Hilfe unterirdischer Verbindungsanlage wurde hier die Kohle von zahlreichen Zechen der Umgebung gesammelt, gewaschen und in über 300 Koksöfen zu Koks verarbeitet, ein Ausgangsprodukt für die Stahlproduktion.
Bis Mitte der achtziger Jahre hat die ganze Region des Ruhrgebiets ihr Auskommen in der Kohle- und Stahlindustrie gefunden. Dann war innerhalb von wenigen Jahren Schluss. Vom Trauma des abrupten Endes hat sich die Region bis heute nicht erholt. Dass das Ruhrgebiet dieses Jahr Kulturhauptstadt ist, ist bestimmt auch ein Versuch, über dieses Trauma hinweg zu kommen.
Das Ende der Schweizer Textil- und Maschinenindustrie kam nicht von einem Tag auf den anderen. Es zog sich über 30 Jahre hin. Das ist vielleicht auch ein Grund, dass es von der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen wurde. Im Ruhrgebiet spielten sich in den 80er Jahren dramatische Szenen ab. Allein der Apell von Arbeitern, Gewerkschaften und Politikern nutzte nichts. Die riesigen Anlagen wurden still gelegt. Ein Teil davon gar demontiert und nach China verschifft.
Im einem Bergwerk des Ruhrgebiets zu arbeiten war kein Schleck. Und auch die Fabrikarbeit im Tösstal war hart. Armut, Hungersnöte und Kinderarbeit gehörten vor allem im 19.Jahrhundert dazu. Wäre es nicht besser, das alles zu vergessen? – Nein meine ich. Auch der kantonale Denkmalpfleger ist dieser Meinung „Schutzobjekte müssen nicht zwingend schön sein“. Die Erhaltung von Industriedenkmälern fördert das breite Verständnis für Geschichte. Und ohne Kenntnis der Geschichte, gibt’s auch kein Verständnis für die Gegenwart.
Erschienen in der Zeitung "Tössthaler" als Kolumne "Standpunkt" am Samstag 7.August 2010
Hier gehts zur Seite der Schweizer Unesco Weltkulturerbe-Stätten
Posted by dominik at 12:01 | Comments (0)
29.07.10
Winterthur-Eidberg - 28-Juli 2010
Panaorama Winterthur-Eidberg. Eigentlich war es Test für die neue Funktion der Sony Nex-5 gedacht, aber die Bilder sind so nett geworden, dass ich sie hier publiziere
Posted by dominik at 10:41 | Comments (0)
24.07.10
Ruhrgebiet-Exkursion: Impressionen aus der Kulturhauptstadt 2010
Hier brauchts nur wenig Kommentare: 4 Tage Essen, Duisburg, Bochum - kurz: Eine Exkursion zur Kulturhauptstadt 2010. Mit einer leichten Schlagseite für die Denkmäler der Industriekultur. Gerade hier: Die Kokerei der Zeche Zollverein Essen by night.
Ebenfalls bei der Zeche Zolllverein - Werbung in luftiger Höhe...
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Stahlwerk Heinrichhütte Hattingen. Blick von oben
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Und im Kohlebunker des Stahlwerks..
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Kokerei Zollverein Essen. Ventil bei einem der 301 Koks-Öfen
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Landschaftspark Duisburg Nord - auch hier ein Stahlwerk, Blick vom Hochofen 3
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Hafenkran im Binnenhafen Duisburg
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Treppenhaus im kürzlich eröffneten Ruhrmuseum der Zeche Zollverein Essen
Villa Hügel - der Sitz der Familie Krupp
Posted by dominik at 20:49 | Comments (0)
18.07.10
Hermann Oberth und die Rakete aus Siebenbürgen - Rumänien 2010 (9)
Sonne Mond und Sterne – in der Uhr des mittelalterlichen Turmes von Sighişoara. Die himmlischen Allegorien haben wohl auch den Physiker Hermann Oberth inspiriert, der anfangs des 20.Jahrhunderts hier lebte. Sein 1923 veröffentlichtes Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ gilt als Grundlagenwerk für die Raumfahrt.
Die siebenbürgische Kleinstadt Sighişoara (deutsch Schässburg) - 1280 zum ersten Mal erwähnt und seit 1999 unter Unesco Weltkulturerbe – wird gewöhnlich mit Vlad Tepes in Verbindung gebracht. Der walachische Woiwode gilt gemeinhin als historisches Vorbild für Bram Stokers Romanfigur Dracula. Liegt vieles zum Leben des Woiwoden, der seine Feinde gerne gepfählt haben soll im Dunkeln, so sieht es bei einem anderen ebenfalls historisch verbürgten Bewohner des Städtchens anders aus. Die Rede ist von Hermann Oberth, der seine Jugend hier verbracht hat.
Als Hermann Oberth am 25.Juni 1894 im nahen Hermannstadt – heute Sibiu – geboren wurde, gehört Siebenbürgen zu Österreich-Ungarn, genau so wie das noch weiter östlich gelegene Galizien oder die Bukovina. Nach dem Ersten Weltkrieg war alles anders und Siebenbürgen gehört fortan zum jungen Staat Rumänien. Das sollte für den Physiker Folgen haben…
Die Biographen von Oberth berichten, wie er schon als junger Mann physikalischen Phänomenen nachstudierte. Besonders fasziniert war er offenbar von der Idee, mit einem Hilfsmittel die Erdanziehungskraft zu überwinden. Schon 1907 war ihm klar, dass Jules Vernes Ideen von einer Riesenkanone, die einen Menschen zum Mond schiessen würde, physikalisch unmöglich war.
Aber mit einer Rakete wäre das zu schaffen und genau darum geht es in seinem 1922 unter dem Titel eingereichte Dissertation „Die Rakete zu den Planetenräumen“. Die Uni Heidelberg lehnte die Arbeit ab – es fehlte offenbar an Kompetenz sie beurteilen zu können. Ein Jahr später wurde sie an der Universität Klausenburg angenommen und im gleichen Jahr auch als Buch publiziert.
Seine vorsichtig formulierten Prämissen erwiesen sich bald als wegweisende Gedanken für die Entwicklung der Raumfahrt.
• Prämisse 1: Beim heutigen Stand der Wissenschaft und der Technik ist der Bau von Maschinen, die höher steigen können, als die Erdatmosphäre reicht, wahrscheinlich.
• Prämisse 2: Bei weiterer Vervollkommnung können diese Maschinen derartige Geschwindigkeiten erreichen, dass sie nicht auf die Erdoberfläche zurückfallen müssen und sogar imstande sind, den Anziehungsbereich der Erde zu verlassen.
• Prämisse 3: Derartige Maschinen können so gebaut werden, dass Menschen (wahrscheinlich ohne gesundheitlichen Nachteil) mit emporfahren können.
• Prämisse 4: Unter gewissen wirtschaftlichen Bedingungen kann sich der Bau solcher Maschinen lohnen. Solche Bedingungen können in einigen Jahrzehnten eintreten.
Hermann Oberth war nicht allein – In Russland kam Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski (1857-1935) zu ganz ähnlichen Ergebnissen; In den USA kam diese Rolle Robert Goddard (1872-1944) zu.
Oberth studierte in München und Heidelberg und kam nach dem Studium zurück nach Siebenbürgen. Er lebte in Medias; als Gymnasiallehrer – und widmete sich weiter der Raketenforschung. In den 20er Jahren stiess er zum Verein für Raumschiffahrt und war an Raketenexperimenten am Tegeler See in Berlin beteiligt. Dort dürfte er auch den jungen Wernher von Braun kennengelernt haben.
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(Oberth ist rechts neben der aufgestellten Rakete. Der junge Mann am rechten Bildrand ist Wernher von Braun. Weitere Personen: Klaus Riedel im weissen Kittel, Rudolf Nebel ganz links)
Oberth wirkte damals als Berater für das Ufa-Filmprojekt „Die Frau im Mond“ von Fritz. Er legte grössten Wert auf die physikalische Richtigkeit der Raketen- und Weltraumszenen und hatte den Auftrag für die Lancierung des Filmes eine richtige Rakete steigen zu lassen. Das Projekt misslang – und die Ufa weigerte sich am Schluss gar, die aufgelaufenen Kosten zu bezahlen. Oberth soll sie aus eigenem Sack berappt haben…
Währendem Wernher von Braun sich bald schon in den Dienst der Armee begab – und sich nicht scheute, dazu auch der SS beizutreten – musste der „Ausländer“ Oberth nach Rumänien zurück. 1941 gelang es seinem Schüler Wernher von Braun Oberth ins Raketenforschungszentrum nach Peenemünde an die Ostsee einzuladen. Allerdings war er – aufgrund seines rumänischen Passes – von der kriegswichtigen Forschung an der geheimen Raketenwaffe ausgeschlossen.
Man könnte das auch anders sehen: Sein rumänischer Pass bewahrte ihn vor einer weiteren Kompromittierung und einer Mitarbeit an der Raktenwaffe A4, später V2 für „Vergeltungswaffe“ genannt.. Sein Schüler Wernher von Braun hatte ja zeitlebens alle Mitverantwortung an dieser Waffe abgelehnt. Die V2 war die erste ferngesteuerte Raketenwaffe. Sie wurde von Zwangsarbeitern in Peenemünde und im berüchtigen Konzentrationslager Mittelbau Dora in Thüringen gebaut. Eine Tatsache, die dem ehrgeizigen Ingenieur Wernher von Braun unmöglich entgangen sein kann. Ob Hermann Oberth zeitlebens jemals mit dieser Frage konfrontiert wurde, weiss ich nicht. Auch seinen russischen Biograf der Ingenieur Boris Rauschenbach scheint sie nicht interessiert zu haben.
Die Verbindung mit Wernher von Braun sollte sich später noch einmal auswirken – 1955 bis zu seiner Pensionierung 1958 konnte Oberth im Raketenzentrum Huntsville in den USA arbeiten.
Noch vorher, 1948, soll Hermann Oberth auch eine Zeitlang in der Schweiz gelebt und für die Schweizer Armee Gutachten zum Thema Fernlenkwaffen verfasst haben.
Oberth kehrt nach seiner Pensionierung in den USA nach Feucht bei Nürnberg zurück, wo er sich nach dem Zweiten Weltkrieg niedergelassen hatte. Dort stirbt er 1989 im Alter von 95 Jahren.
Sigishoara hält Oberth in hohen Ehren: Es gibt eine Oberth-Strasse und einen Oberth-Platz und im mittelalterlichen Turm-Museum ist ihm ein kleiner Raum gewidmet. Auf dem Weg zum Turm entdecken wir auch ein in die Wand eingelassenes Denkmal mit einer Hermann Oberth Büste. Auch die Stadt Mediaş gleich neben Sighişoara feiert ihren Bewohner und hat ihm zu Ehren eine Rakete vor seinem Wohnhaus aufgestellt. Oberth konnte hier einige Jahren mit bescheidener Unterstützung des rumänischen Staates forschen. Ermöglicht hatte dies der König selber, der dem jungen Forscher eine Audienz gewährte
Bildnachweis: Alle Bilder Dominik Landwehr Winterthur 2010. Mit folgenden Ausnahmen:
- Das sw-Bild mit Wernher von Braun ist der Monografie "Wernher von Braun" von Johannes Weyer entnommen. Hamburg 2003.
- Buchtitel "Die Rakete zu den Planetenräumen"
- Handschriftlicher Auszug aus Oberths Disseration: Oberth Museum Sigishoara/Feucht
- Ufa- Filmplakate.
Hermann Oberth Museum Feucht
Posted by dominik at 17:49 | Comments (0)
17.07.10
Sovata und das Geheimnis der Heliothermie - Rumänien 2010 (7)
Sovata ist ein Heil- und Kurbad bei Tirgu Mures. Das Wasser im kleinen See hat eine merkwürdige Eigenschaft: An der Oberfläche ist es kühl, unten ist es heiss. (1./2.Juli.)
Kühl ist vielleicht etwas untertrieben: Gemäss Tafel im Eingangsbereich des Bades hat das Wasser heute an der Oberfläche bereits 28 Grad. Dann wird’s in schnellen Schritten wärmer: In zwei Metern Tiefe werden bereits 40 Grad gemessen, in drei Metern Tiefe dann 46 Grad. Dahin kommen wir mit unseren Füssen nicht und Tauchen empfiehlt sich hier wohl nicht.
Der See ist eingezäunt, wer baden will, muss die offizielle Badeanstalt benutzen: Sie besteht aus einer Holzkonstruktion, die an die Badeanstalten aus dem 19.Jahrhundert erinnert, ein zweiter Trakt stammt wohl aus den 50er Jahren – beides ist renoviert und macht einen einladenden Eindruck.
Ein merkwürdig paradoxes Schwimmerlebnis – sucht man sonst mit dem Körper möglichst nahe der warmen Oberfläche zu bleiben, ist es hier genau umgekehrt: Immer wieder stochern wir mit den Füssen und geniessen die wohlige Wärme – um uns dann wieder im kühleren Wasser an der Oberfläche treiben zu lassen.
Heliothermie, Wärmegewinn durch Sonnenschein heisst das Stichwort für das Naturphänomen. Das Gestein hier ist äusserst salzhaltig – wenige Kilometer nebenan ist ein 2000 Meter starker Stalzstock. Der See entstand erst im 19.Jahrhundert als die Decke einer Doline einstürzte. Das Wasser in der Senke war salzig – das Regenwasser bildet einen Deckel und Schutzschild und scheint zu verhindern, dass die Wärme wieder nach draussen entweicht. Ähnliche Seen gibt es auch anderswo in Rumänien, so etwa in der Nähe von Sibiu (Ocna Sibiului).
Sovata ist ein alter Kurort – davon zeugen die Holzbauten, die wohl zu Beginn des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Ein Teil wird renoviert, ein Teil scheint dem Verfall preisgegeben zu sein.
Und über allem thronen die Kurhotels der Danube-Gruppe. Hässliche sozialistische Zweckbauten, aber auch sie offenbar renoviert.
Posted by dominik at 10:21 | Comments (0)
12.07.10
Rumänien 2010 (6): Holzkirchen in Maramures
Die Kirchen Siebenbürgens, die weltberühmten Kirchenburgen im Innern des Karpatenbogens sind aus Stein, nur die Dächer sind aus Holz. Die Kirchen der Maramures sind aus Holz. Im Bild die Kirche von Ieut im Iza-Tal.
Kirchen sind aus Stein, gebaut für eine Ewigkeit – oder mindestens eine halbe Ewigkeit. Die Holzkirchen der Maramures sind ganz anders. Sie liegen oft neben den Dörfern und sind von Ferne nicht sofort zu erkennen.
Sie sind ganz anders als alles, was wir von Kirchen kennen und entstanden bereits im 14.Jahrhundert. Die schlanken, fragilen Türme die zum Himmel streben scheinen so zerbrechlich – nicht gebaut für die Ewigkeit, auch nicht für eine halbe Ewigkeit. Ein Blitz, ein Funke und sie könnten verbrennen, verschwinden. Das ist so ein radikal anderer Gestus. Vorsichtig, fragil, fragend. Ein leises Gebet.
Überraschung auch im Innern der Holzkirchen: Der dunkle Innenraum ist klein, fast familiär und bietet Platz für eine Handvoll Leute. Überall erkennen wir eine Dreiteilung: Einen Vorraum, den Hauptraum und dahinter, abetrennt durch die Ikonenwand, die Ikonostase, der heilige Raum, den nur der Pope betreten darf.
Eindrücklich die Malereien, die aufs nackte Holz aufgetragen sind. Immer wieder erkennen wir dieselben Motive aus der Geheimen Offenbarung der Apostels Johannes mit den Engeln der Apokalypse, die am Ende der Zeiten kommen und die Schrecknisse über uns ausgiessen.
Daneben ein Motiv aus dem Alten Testament – die Vision des Elias aus dem Buch des Propheten Jesaias. Er sieht Elias wie er auf einem Wagen fährt in den Himmel fährt Er hat Räder aus Feuer und wird gezogen von beflügelten Pferden. Der Pferdewagen – ein Motiv, das an den Alltag der Menschen hier erinnert.
Wer hat diese Kirchen gebaut? Wer hat sie verziert und bemalt? – Es waren keine Architekten mit klingenden Namen; Wohl eher unbekannte Handwerker.
Die Hölle und der Teufel sind weitere beliebte Motive. In der Kirche von Poienele Izei sogar besondrs drastisch: Die Szenen aus dem Jahr 1783 zeigen wie die Teufel die Menschen in der Hölle unten schinden. Jede Berufsart scheint hier eine speziell grausame Behandlung zu erhalten. Der Höllenschlund empfängt sie mit glühenden Nüstern. Der sündige Schmid wird mit einem Blasbalg a tergo aufgeblasen, eine Engelmacherin wird gewzungen ein Kind zu essen und ein Lügner wird an seiner Zunge aufgehängt. Ein weiterer Mensch wird um einen Pfahl gebogen…
Die detailliertesten Angaben zu den Holzkirchen haben wir übrigens im Führer „Rumänien und die Republik Moldau“ von Joscha Remus und Hans Gerd Spelleken aus der Reihe „Reise Know How“ gefunden. Letzter Stand 2006.
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Aus diesem Buch erfahren wir auch, dass die wohl älteste Holzkirche des Landes nicht in der Maramures Region liegt, sondern in Nadasa, zwischen Reghin und Sovata und der Zufall will es, dass unser Weg genau dort vorbei führt…für ihren Bau soll kein einziger Holznagel verwendet worden sein.
Mehr zum Thema Holzkirchen auf den Seiten des rumänischen Tourismus-Servers.
Posted by dominik at 07:15 | Comments (0)
Rumänien 2010 (5): Das Reiseland der Ostdeutschen
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Rumänien ist auch heute noch ein beliebtes Reiseland bei den Ostdeutschen. Diese Feststellung kriegen wir gelegentlich zu hören und egal ob sie stimmt oder nicht: Das Foto aus Iernut ist eine ironische Illustration dieser Behauptung.
Interessant ist die Argumentation, die zu dieser Feststellung führt: Viele Ostdeutsche hätten vor der Wende in Rumänien ihren Urlaub verbracht und hätten das Land in guter Erinnerung gehalten. Heute, 20 Jahre nach der Wende, wo sie die Welt gesehen und ihre Reisewünsche erfüllt hätten, würden sie wieder an diese guten Erinnerungen denken...
Si non e vero... Ich habe auch gegenläufiges zu hören gekriegt: So hätte Rumänien ausserhalb der Retortenstädte am Schwarzen Meer nur wenig Touristen aus der DDR angezogen und jene, die gekommen waren, hätten aufgrund der katastrophalen Versorungslage mehr schlechte als gute Erinnerungen...
Posted by dominik at 07:04 | Comments (0)
11.07.10
Rumänien 2010 (4): Obcina - der Mann mit der Geige
Der Mann mit der Geige am Zaun – ein Bild, das im Gedächtnis haften bleibt. Eine Musik-Geschichte aus der Maramures.
Wir treffen den Mann mit der Geige auf unserer Wanderung nach Obcina. Eine Alp auf 1000 Meter, hoch über dem Vischau-Tal. Keine Strasse führt zu diesen entlegenen Höfen im äussersten Norden Rumäniens, dahinter ist irgendwo die Grenze zur Ukraine. Strom und fliessendes Wasser gibt’s hier rkeines, nur die Netze der modernen Mobilkommunikation, die reichen bis hierher.
Es ist eine ukrainische Volksgruppe aus Rumänien, die hier den Sommer verbringt: Die Ruthenen. Eine Handvoll Familien lebt in Obcina. Der Mann mit der Geige heisst Ivan Cin und ist hier geboren – seit einer Kinderlähmung ist er leicht behindert und kann die harte Arbeit mit den Tieren, dem Heu, den schweren Lasten nicht leisten. Sein Lehrer erkannte seine Musikalität schon früh und förderte sie mit den Mitteln, die es hier gab. Notenlesen hat Ivan nie gelernt. Er spielt nach Gehör, die melancholischen Weisen, die hier zur Tradition gehören. Nur allzu gerne wäre er ein richtiger Musiker geworden – in der Stadt und hätte so die Welt des Orchesters kennengelernt. Das lag nicht drin, er musste bleiben.
Ivan freut sich sichtlich über den Besuch unserer Gruppe und beginnt sein Konzert mit einigen Maultrommel-Klängen. Eine seiner Spezialitäten. Er soll die kleinsten Maultrommeln weit und breit herstellen und überlässt uns ein paar davon für 5 Leu das Stück. Das ist etwa ein Euro.
Und dann holt er seine Geige und beginnt das Konzert – Tänze sind es, die er uns spielt. Zuerst einen rumänischen, dann einen ruthenischen. Schwer für uns, einen Unterschied auszumachen. Das Instrument hält er nicht am Kinn, sondern an der Brust. Immer wieder dreht sich sein Kopf weg von der Geige, die Augen geschlossen. Und was wir hören, tönt ganz anders als das, was wir glauben als rumänische Volksmusik zu kennen. Auf den oberen Saiten eine Melodie, die unteren Saiten werden immer wieder leer mitgestrichen. Die Fiddel-Tradition der Schweizer Volksmusik klingt hier irgendwie an. Die Hühner neben scheinen die Musik zu kennen und gackern ganz aufgeregt, als er zu spielen beginnt. Ein merkwürdiges und eindrückliches Konzert.
Kristina – eine schwedische Lehrerin mit Schweizer Wurzeln holt ihre Blockflöte und spielt „S Vreneli ab em Guggisberg“. Kein Schweizer Volkslied ist in den letzten Jahrzehnten häufiger interpretiert worden, immer wieder auch von Popmusikern wie Stephan Eicher. Die Volksweise in Moll soll ihre Wurzeln im Balkan haben und ist nach gängiger Auffassung vor langer Zeit mit Zigeunern in die Schweiz gekommen. So schliesst sich der Kreis und das Fremde wird plötzlich zum Bekannten. Genau so wie uns die Bilder der Kinder auf der Bank vor der Hütte an an Fotografien eines Paul Senn und anderer Fotografen an Reportagen aus der Schweiz der 30er Jahre erinnern.
Ivan erzählt von seinem Leben – wie er jeweils zur Weihnachtszeit von Haus zu Haus geht und überall eine Stunde lang zum Tanz aufspielt. In seinen beiden Westentaschen, so berichtet er, hat er jeweils eine Schnapsflasche. Nicht zum Trinken – im Gegenteil: Dorthin schüttet er den Schnaps, der ihm gereicht wird. Betrunken kann er nicht spielen, das sei nicht möglich.
Geld will er nicht für sein Ständchen – Björn Reinhard, unser Gastgeber hat das wohl direkt mit ihm geregelt. Und ihm einen Film in seinem Maramures-Filmarchiv gewidmet.
Wir verabschieden uns und setzen unsere Wanderung fort. Aber die Klänge der Violine gehen mit uns – nicht nur im Kopf: Ivan begleitet uns eine Stück durch die Blumenwiese und bleibt schliesslich am Zaun stehen. Ein Bild, das nicht zu vergessen ist.
Möchten Sie auch dorthin? - Fragen Sie Björn Reinhard! Direkt mit diesem Link
Posted by dominik at 09:13 | Comments (0)
06.07.10
Rumänien 2010 (3): Die Wassertalbahn
Mit der Dampfbahn ins Wassertal - auf den Spuren von Holzfällern und Waldjuden
Sie verdankt ihre Rettung dem Berner Fotografen Michael Schneeberger verdankt. Er hat sich in den frühen 90er Jahren in die Rettung dieser Bahn regelrecht festgebissen hat und die Besitzer – eine Holzfirma im Ort – überzeugt, die Transportbahn weiterzuführen und nebenbei als Touristenattraktion zu nutzen. Die Bahn dürfte mittlerweile Dutzende von Arbeitsplätzen geschaffen haben – nicht nur für Betrieb und Unterhalt, sondern auch für Beherbergung und Verpflegung der Touristen, die vor allem im Sommer zahlreich in die Gegend kommen.
So präsentieren wir uns um halb ach am Kartenschalter und nehmen zwei Tickets in Empfang. Im Hintergrund eine Fototapete mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Und aus der Schweiz stammt auch ein Teil des Rollmaterials. WAB heisst es auf den Wagen – die Abkürzung steht nicht etwa für Wassertal-Bahn sondern für Waldenburger Bahn, was eine Regionalbahn im Kanton Baselland ist. Kaffee gibt’s gleich nebenan. Die Bilder an der Wand erinnern uns an etwas – es sind Kopien aus Roman Vishniacs epochalem und traurigen Fotoband „A lost world“ – der letzten Dokumentation jüdischen Alltags, gut möglich, dass Vishniac auch in Oberwischau war.
Pünktlich um halb neun fährt der Zug ab oder besser: ruckelt er davon. Lange im Schrittempo, später ein wenig schneller. Vorsicht ist angezeigt. Die Geleise sind in einem schlechten Zusand. Man hörts auch und wer die Gleise näher anschaut sieht mehre krumme als gerade Linien.
Wir staunen über die vielen Häuser, Siedlungen und Pensionen uns nach dem Dorfausgang begegnen. Waldwirtschaft und Tourismus scheinen sich hier gut zu ergänzen. Später wird es einsamer. Mit dem Wasser ist im Wassertal nicht zu spassen, das ist uns bald klar: Immer wieder stossen wir auf Spuren von früheren Überschwemmungen. Seit dem letzten Unwetter ist erst ein Jahr vergangen und wer die Schäden an den Gleisen sah und davon hört, kann kaum glauben, dass dieses Jahr wieder Züge rollen. Schlimm wars auch 2008 – und wohl auch davor.
Nur etwa die Hälfte der einstigen Strecke ist nach dem jüngsten Umwetter noch befahrbar. So ist denn in Paltin Schluss uns nach einem Picknick kehrt der Zug um, die Lok wird vorgefahren und nun geht’s talabwärts. Der Zug hat keine hydraulischen Bremsen, dafür auf jedem Wagen einen Bremser. Dass es ihn braucht werden wir bald heftig erfahren.
Plötzlich geht ein Ruck durch den Wagen, ein infernalisches Geräusch ist zu hören und wir werden durchgeschüttelt wie auf einer Jahrmarkt-Attraktion. Doch warum fährt der Zug immer noch weiter? – Nach einer Schrecksekunde ist klar: Ein Wagen – offenbar der unsere – ist entgleist. Die heftigen Schüttelbewegungen stammen von den Eisenrädern, die auf die Holzschwellen schlagen.
Es gelingt den Zug zum Halten zu bringen. Wir reiben uns die Augen – unsere Begleiter sind ganz ruhig und holen einen grossen, kurbelbetriebenen Heber. Eine halbe Stunde dauert die Aktion und offenbar gehört die Aktion zur Routine der Bahnangestellten.
Und hier gehts zur Wasertalbahn
Posted by dominik at 20:38 | Comments (0)
05.07.10
Rumänien 2010 (2) - Ein fernes Land
Eine Reise nach Rumänien ist auch heute – 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus – „nach der Revolution“, wie man hier sagt – eine Reise in ein fernes Land.
Für unsere Reise in den Norden des Landes wählen wir dieses Mal einen Flug via München nach Cluj. Die Industrie- und Universitätsstadt am Rand von Siebenbürgen empfängt uns mit einer brandneuen und fast vollkommen unbelebten Ankunftshalle. Pfützen am Boden weisen darauf hin, dass der Neubau noch einige Mängel hat. Das alte Flughafengebäude nebenan – es stammt wohl aus den 50er oder 60er Jahren und ist baugleich im Tirgu Mures, Timisoara und wohl auch anderswo zu finden – scheint zur Zeit unbenutzt. Unsere Lufthansa-Maschine aus München ist das einzige Flugzeug, später landet noch ein Maschine aus Palma. Wer reist hierher: Rumänen, die im Ausland leben; im Gespräch lässt eine ältere Frau erkennen, dass sie wohl zu den Siebenbürger Sachsen gehört und für einige Tage zurück in die alte Heimat kommt.
Das Mietauto scheint uns auf den ersten Blick etwas gross – aber das ist auf den hiesigen Strassen mehr Vor- als Nachteil. Danch geht’s zum Zentrum: In der Innenstadt ein Treffen mit Bianca B; sie lehrt an der hiesigen Universität deutsche Literatur. Ihr Interesse gilt offenbar den rumänischen Dichtern deutscher Sprache und so reden wir bald über Eginald Schlatter und sein Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Siebenbürger Sachsen; Herta Müller wird offenbar erst seitdem sie 2009 den Literaturnobelpreis erhalten hat, auch als rumänische Autorin gefeiert. Und natürlich landen wir auch bei Florescu, dessen Buch „Der blinde Masseur“ wir kennen. Biancas spezielle Aufmerksamkeit gilt Paul Celan – auch er wird in Rumänien offenbar wenig gelesen. Dessen Heimatstadt Czerrnowitz war einst Teil von Österreich-Ungarn, später Teil der fragwürdigen Blüte von Gross-Rumänien, heute liegt es in der Ukraine. Staatszugehörigkeiten und Landesgrenzen sind schnell kompliziert in Mitteleuropa. Von Grossrumänien träumen auch noch – oder heute wieder – die Nationalisten. Dass einer der unseligsten Exponenten der ultranationalen Partei Romania Mare – Grossrumänien, ein gewisser Herr Funar – nach dem Umsturz ausgerechnet in der weltgewandten Universitätsstadt Cluj zum Bürgermeister gewählt wurde, erstaunt uns.
Was hat das Riesenhandy auf dem Platz der Einheit verloren? - Die Antwort erfahren wir später...
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Der grosse Platz vor der Michaels-Kathedrale von Cluj wird gerade als Ankunfts-Platz für ein Auto-Rally benutzt. Viel Publikum vermag das laute Spektakel aber nicht anzuziehen und die Hochzeitsgäste aus der Kirche verlassen nach einem raschen Fotohalt fluchtartig den Platz. Der Regen macht die Stadt, mit der österreichisch-ungarischen Vergangenheit nicht gemütlich, auch wenn es mittlerweile Dutzende von Kaffehäusern und Bierschenken gibt.
Zwei Tassen Kaffee später geht’s auf den Weg, wir möchten bis gegen Abend in Viseu de Sus ankommen. Stundenlanger Dauerregen ist unser Begleiter. Man hat uns gewarnt vor dem „Karpatenregen“. Wenige Kilometer nach dem Ortsausgang von Cluj bleibt unser Blick an einem Schild hängen, das den Weg zu einem Nokia-Werk weist. Jetzt verstehen wir auch den Sinn einer merkwürdigen Skulptur auf dem Platz der Einheit: Ein Nokia-Handy zusammengesetzt aus lauter alten Mobiltelefonen. Tatsächlich hat Nokia vor ein oder zwei Jahren seine Zelt in Deutschland abgebrochen und ist – unter lautem Protest – nach Rumänien gezogen. Das Glas ist immer halbleer oder halbvoll, alles eine Sache der Perspektive.
Für die Rumänen in diesem Fall ein Segen und warum dies so ist wird uns gleich einige Kilometer weiter vorgeführt: Wir passieren eine riesigen, zerfallenden Industriebau. Was hier hergestellt wurde ist nicht mehr ersichtlich. Und gleich nebenan passieren wir ein landwirtschaftliches Kombinat von dem nur noch der unterste Teil der Mauern zu sehen ist.
Nach einer Stunde verlassen wir die Hauptstrasse und biegen in eine Passtrasse ein, die uns von Siebenbürgen nach Maramures bringt. Nun wird’s richtig ländlich. Die Bauernhäuser erinnern uns an den Besuch des Freilicht-Museums von Lemberg vor einem Jahr. Die meisten der Bauernhäuser stammten aus Transkarpatien. So heisst diese Gegend von Maramures jenseits der Grenze zur Ukraine…
Um sieben Uhr treffen wir in Viseu de Sus – zu Deutsch Oberwischau – ein. Der Ort war einst ein Schnittpunkt der Kulturen. Hier lebten Rumänen, Ungaren, Zipser-Deutsche, Ruthenen und viele Juden. Dazu kamen die Huzulen – ein mythischer (oder mystifzierter?) ukrainischer Stamm und die nicht minder sagenumwobenen Waldjuden, unter ihnen offenbar etliche Räuber und Wegelagerer.
Der rumäniendeutsche Volkskundler Claus Stephani hat in den 70er und 80er Jahren des 20.Jahrhunderts die Bewohner dieser Gegend befragt und ihre Geschichten festgehalten. Eines seiner Themen war auch das Verschwinden der jüdischen Kultur, der Holocaust. Eines seiner Bücher war auch der Auslöser unserer Reise. 1990 konnte ich für ein halbes Jahr für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Siebenbürgen, genauer in Tirgu Mures (heute Targu Mures…) arbeiten. Claus Stephanis dtv-Bändchen „Frauen im Wassertal“ war damals eines der wenige Bücher, das auf dem Buchmarkt zu kaufen gab. Stephani befragte Frauen aus verschiedenen Generationen und zeichnet ein einmaliges Bild des Alltags in diesem entlegenen Ort am Ostrand der Karpaten auf. Seitdem sind mir Oberwischau und das Wassertal ein Begriff.
20 Minuten Fahrt über einen holprigen Feldweg zum Gästehaus „Poarta Muntilor“ von Florentina und Björn. Ihre Geschichte ist bewegend und gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte im besten Sinn: Björn, ein Bühnenbildner aus der ehemaligen DDR, kam als Kind jeweils in diese Gegend. Nach der Wende zog es ihn, diesmal für etwas länger, wieder zu seinen Kindheitserinnerungen. Im Weintal – Val Vinului bei Oberwischau lernte er seine Florentina kennen. Seit zehn Jahren führen die zwei ein Gästehaus, das seinesgleichen sucht: Eine sorgfältig renovierte Gruppe von einfachen Häusern, Bauernkaten haben sie umgebaut. In einem Obstgarten steht ein Holzpavillon.
Wir bewohnen eine stattliche Wohnung mit einem Balkon und Sicht auf Pavillon und Obstgarten und gleich nebenan plätschert ein Bach uns sanft in den Schlaf und würde der Regen wirklich tagelang anhalten, liesse es sich hier ganz trefflich auch ohne Spaziergänge und Ausflüge sein. Florentina kocht auf Wunsch Frühstück und Abendbrot. „Leicht modernisierte rumänische Küche“ hab ich das nach unserem ersten Besuch genannt, der Begriff hat den beiden so gut gefallen, dass sie ihn offenbar nun in ihren Wortschaft aufgenommen haben. Wein gibt’s im Weintal keinen eigenen. Dafür jede Menge Schnaps: Zuica, selbstgebrannter Zwetschenschnaps, Rumäniens Universal-Lebensmittel für gute und vor allem weniger gute Zeiten. Eine bauchige Vorratsflasche unter dem Tisch lässt erahnen, dass Bedarf gross ist und bis im Herbst noch einige Gäste erwartet werden.
Unter den Gästen ist ein hiesiges Geschwisterpaar. Die beiden Kinder stammen aus einer ruthenischen Bauernfamilie die den Sommer jeweils in Obcina, einer Alp über dem Tal verbringt. Ihr Vater ist vor kurzem von einem Zug überfahren worden, als er auf der falschen Seite ausstieg, er wurde gevierteilt, erzählt Björn. Unsere Gastgeber unterstützen Mutter und Grossmutter und nehmen die beiden in den Sommerferien zu sich. Der 11jährige Junge träumt von einem Fahrrad und Björn möchte ihm gern eines beschaffen. In Frage kommt aber nur ein besonders robustes Mountain Bike, denn von hier nach Obcina hats im besten Fall einen holprigen Waldweg. Ein Schweizer Informatiker – auch er ein Gast – sei vom Schicksal der beiden so berührt gewesen, dass er für die beiden regelmässig einen Geldbetrag überweist.
Posted by dominik at 07:22 | Comments (0)
04.07.10
Rumänien-2010 (1) - Unterwegs
Unterwegs in Siebenbürgen: zwischen TÎrnaveni und Iernut in Siebenbürgen.
Fotografiert am 3.Juli 2010. Später mehr
Posted by dominik at 22:10 | Comments (0)
06.06.10
Schokolade-Kuchen: Das Rezept
Ein kleines, privates Geheimnis: Das Rezept zum besten Schokolade-Kuchen der Welt.
Es stammt von Angie Kleinert, die seit einigen Jahren das Restaurant "Zur Frohen Aussicht" bei Päffikon ZH führt.
200 gr Butter
250 gr dunkle Schoggi
Zusammemnschmelzen, nicht kochen
Auf die Seite stellen:
6 Eier
250 gr Zucker
Einen Schuss Grand Marnier oder Orange Brandy, ich nehme meistens Cognac
Zusammen schaumig rühren
2 Päckli Vanillezucker
150 gr Mandeln und 3 gehäufte EL Maizena
50 Minuten bei 170 Grad backen. Ich gebe fmeistens noch 10 Min dazu.
Angie hat mir gesagt, ursprünglich wäre das Rezept mit geschlagenem Eiweiss gewesen. Sie hätte dann gemerkt, dass es keinen Unterschied macht. Der Kuchen ist so schnell zubereitet, dass sie manchmal im Lauf einer Einladung einen zweiten bäckt…
En guete
Posted by dominik at 13:12 | TrackBack
03.01.10
Verspätete Neujahrsgrüsse
Fotografiert noch im alten Jahr - auf dem Hörnli im Tösstal (ZH)
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30.12.09
Die Frauen von Appenzell
Der Kanton Appenzell - genauer der Halbkanton Appenzell Innerrhoden - geniesst einen zweifelhaften Ruf: Viel Folklore, viel Rückständigkeit, heisst es. Hier kam das Frauenstimmrecht erst 1990. Zu fragen wäre aber, wie die Stellung der Frauen hier wirklich war. Roland Inauen, Direktor des Museums Appenzell und Vorsteher des Kulturamtes des Kantons Appenzell Innerrhoden erklärt uns das mit einer Bildergeschichte.
Der Bauernschrank aus dem Jahre 1880 zeigt einen Alpabzug - wenn Ende Sommer die Sennen mit ihrem Vieh von der höher gelegenen Alp ins Tal ziehen. Ein wichtiger Moment im Jahr, um den nicht zuletzt deshalb viel Brauchtum entstanden ist.
Bemerkenswert an dieser Darstellung ist für Inauen, dass hier eine Frau abgebildet ist: "In späteren Jahren wäre dies nicht mehr so gemalt worden - weil Frauen in der Viehaltung und in der Alpwirtschaft keine Rolle mehr spielten". Sie hatten ihr Auskommen in der Handstickerei gefunden.
Und die Appenzeller Handstickerei genoss seit dem Ende des 19.Jahrhunderts weltweit einen eizigarten Ruf: "Die Appenzellerinnen haben dieses Handwerk zu einer Kunst perfektioniert, die ihresgleichen sucht. Jede Stickerin beherrschte von den über 100 bekannten Stichen nur gerade eine Handvoll - diese aber in hoher Perfektion. Die Stickereien entstanden in Arbeitsteilung und wurden von einer Frau zur anderen weiter gereicht. Ein einzelnes Taschentuch konnte schon mal Preise von 500 Franken und mehr erreichen - und das zu Beginn des 20.Jahrhunderts", erklärt Inauen. Die hohe Qualität dürfte auch der Grund gewesen sein, dass hier die maschinelle Stickerei, wie sie etwa im nah gelegenen St.Gallen gepflegt wurde, keinen Fuss fassen konnte.
Leisten konnten sich das selbstredend nur die ganz Reichen dieser Welt. Unter den Kunden der Appenzeller Stickerinnen war zum Beispiel das russische Zarenhaus.
Reich wurden die Familien darob zwar nicht - aber es kam mit dieser Arbeit doch Bargeld ins Haus - und es waren die Frauen, welche dieses Geld verwalteten. Und selber solche reich verzierten Textilien zu haben, konnten sich die Frauen nicht leisten - mit einer Ausnahme: Der traditionellen Tracht. An einem Kleid wurde jahrelang genäht.
Die Appenzeller Tracht strahlt eine zeitlose Schönheit aus zeitgenössischen Mode-Designerinnen und Designer lassen sich von ihr inspirieren.
Posted by dominik at 10:48 | Comments (0)
03.12.09
John Lennon, das Minarett-Verbot und Weihnachten
Was haben das Lied "Imagine" von John Lennon, das Minarett-Verbot und Weihnachten miteinander zu tun tun? - Die kleine Betrachtung erscheint als "Standpunkt" im Tössthaler vom Samstag 5.Dezember und wird wohl nicht allen gefallen. Grund genug um weiterzulesen
„Imagine“ – so heisst eines meiner Lieblingslieder. Geschrieben hat es John Lennon. Es gehört heute zu den Evergreens und wird gerne am Radio gespielt. Haben Sie schon mal hingehört? – „Stell dir vor, es gibt kein Himmelreich, keine Hölle unter uns, über uns nur Himmel. Stell dir vor, es gibt keine Länder, nichts wofür man morden oder sterben müsste und auch keine Religion.“ Müsste ich meine Einstellung zum Thema Religion auf den Punkt bringen, dann würde ich es mit dem Song von John Lennon tun.
Trotzdem mag ich Weihnachten. Einmal weil ich damit schöne Erinnerungen verbinde – Erinnerungen an meine eigene Kindheit und Erinnerungen an die Zeit als unsere Kinder klein waren. Und weil ich in dieser Zeit ein bisschen nachdenklicher bin als sonst.
Und weil ich weiss, dass dieses Fest vielen Leuten um mich herum etwas bedeutet. Diese Gefühle zu respektieren finde ich eine Selbstverständlichkeit. Und genau deshalb hat es mich tief erschreckt, als ich am letzten Sonntagnachmittag hörte, dass eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer für ein Verbot von Minaretten gestimmt hat. Am Stammtisch, so lese ich diese Woche in den Zeitungen, hätte man schon vorher merken können, wie die Stimmung ist. Schlimm finde ich, dass viele heimlich dafür gestimmt haben und sich nicht trauten, öffentlich dazu zu stehen.
Religiöse Freiheit gehört für mich zu den Grundrechten unseres Landes und unserer Demokratie. Genau so wie die Rede- und Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit, das Recht auf die Unversehrtheit des Lebens, die Niederlassungsfreiheit…. Eine Einschränkung dieser Freiheiten empfinde ich als unwürdig, ja mehr noch, als unerträglich.
Warum ist mir als nichtreligiöser Mensch auch die Religionsfreiheit so am Herzen? –
Der Grund ist einfach: Ich denke an die Zeit des Nationalsozialismus. An die Verhetzung, Verfolgung und schliesslich an die systematische und kaltblütige Ermordung von sechs Millionen Juden. Aus der Geschichte haben wir gelernt, dass auch dieses entsetzliche Kapitel der Geschichte klein und harmlos angefangen hat. Mit Ideen, Vorstellungen, mit Verschwörungstheorien woran die Juden alles schuld seien. Und mit dem Sturm auf deren religiöse Symbolen und Stätten in der Kristallnacht am 9.November 1938.
Der Vergleich hinkt, werden Sie sagen. Vielleicht. Aber wir sollten lernen genau hinzuschauen und hinzuhören. Gibt es wirklich eine Islamisierung in unserem Land? – oder ist das nicht einfach ein Wort, das sich ein trojanisches Pferd in unser Bewusstsein frisst und eine bestimmte Vorstellung transportiert – in einer Wirklichkeit, die aber ganz anders aussieht. Ich selber habe noch gar nichts von dieser sogenannten Islamisierung gespürt. Der Begriff der Islamisierung erinnert mich an ein anderes hässliches Wort aus jener dunklen Zeit, als man von „Verjudung“ sprach.
Ist es richtig, einer Minderheit ihr religiöses Symbol zu verbieten. Und warum gerade den Muslimen? – Warum nicht den Hindus, die Buddhisten, die orthodoxen Christen? – über Religionsfreiheit, so hat ein deutscher Politiker gesagt, kann man nicht abstimmen. Warum hat man denn diese Abstimmung zugelassen? – Wenn man über Religionsfreiheit abstimmen kann, dann kann man auch über andere Grundrecht abstimmen. Ich möchte nicht, dass eine solche Abstimmung zugelassen wird. Verfassungsgemäss garantierte Grundrechte können nicht einfach so handstreichartig abgeschafft werden.
Wer wie die SVP beginnt Grundrechte in Frage zu stellen, betreibt eine Politik der Verhetzung. Die Partei ist ehrlich genug zu sagen, dass sie nötigenfalls auch die Europäische Menschenrechtskonvention aufkünden will. Das bedeutet, dass diese Partei die Menschenrechte nicht mehr respektieren will. Täusche ich mich, wenn ich glaube, dass auch die Menschenrechte einmal zu den gemeinsamen Werten gehört haben, die unser Land und alle Parteien respektieren und achten?
Solche Entwicklungen machen mir Angst. Dagegen gilt es zu kämpfen. Noch kann ich nicht glauben, dass eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer wirklich Minarette verbieten will. Weihnachten ist eine gute Gelegenheit darüber nachzudenken.
Das eingangs erwähnte Lied „Imagine“ von John Lennon endet übrigens mit den folgenden Worten: „Stell dir vor, alle Menschen teilen sich die Welt. Du wirst vielleicht sagen ich bin ein Träumer aber ich bin nicht der Einzige. Ich hoffe du wirst dich uns eines Tages anschließen. Und die Welt wird eins sein".
Frohe Festtage.
Posted by dominik at 22:13 | Comments (0)
15.11.09
Dresden. Semper Oper
Dresden, Samstag 14.November 2009 - Strassenbahn-Haltestelle Semper Oper; 12.40
Und kurz zuvor gleich nebenan im Zwinger von Dresden, einer grosszügigen Schlossanlage, wo heute das Porzellan-Museum ist.
Posted by dominik at 09:31 | Comments (0)
01.11.09
Herbststimmungen
Spiegelungen in einem Teich im Heitertal zwischen Kollbrunn und Elgg
Der Nebel steigt - und wird in einer Stunde ganz weg sein, mindestens hier auf dem Eidberg bei Winterthur
Posted by dominik at 12:04 | Comments (0)
31.10.09
US 2009: Unterwegs am Hoover Dam
Nächtliches Licht-Bild des Hoover Dams an der Grenze zwischen dem US Bundesstaaten Arizona und Nevada.
Unterwegs vom Grand Canyon nach Las Vegas. Kurz nach dem EInnachten taucht der Hoover Dam auf, vom See ist kaum etwas zu sehen. Das Bauwerk wird nachts erleuchtet und bildet zusammen mit einem Viadukt, der gerade gebaut wird und ebenfalls beleuchtet wird, eine surreale Kulisse.
Gebaut wurde der Hoover Dam in den 30er Jahren - nicht zuletzt als Arbeitsbeschaffungsmassnahme. Die gleichen Ingenieure wirkten in den 50er Jahren an einem grossen Entwicklungshilfeprojekt in Afghanistan mit.
Posted by dominik at 09:50 | Comments (0)
25.10.09
Zufällige Entdeckungen auf dem Basler Dreispitz-Areal
Magie war das Thema des diesjährigen Fesitvals der elektronischen Künste Shift in Basel. Das Festival fand zum dritten Mal auf dem so genannten Dreispitz-Areal statt: Ein Industrie-Areal, ein LKW und Zug-Terminal, das überraschende Enteckungen ermöglichte. Still und verloren auf einem Abstellgleise entdeckten wir zum Beispiel diesen TEE-Zug.
TEE steht für Trans-Europa-Express und ein Liebhaber der elektronischen Musik denkt hier zunächst mal an den gleichnamigen Song und auch das Album der deutschen Elektronik-Pioniere "Kraftwerk" aus dem Jahre 1977. Wer wie der Schreibende Jahrgang 58 ist, darf aber für sich in Anspruch nehmen, mit dem Zug noch gefahren zu sein. Und so ist es denn. In den 60er Jahren staunten wir im Zürcher HB den roten Zug an, einmal bin ich mit ihm in den frühen 80er Jahren von Mailand nach Zürich gefahren, damals war er bereits in die Jahre gekommen. Heute muss man sagen: Wieviel schöner ist dieser Zug als die schnöden und schnittigen ICE, TGVs...
Nächste Entdeckung auf dem Dreispitz-Areal: Muntionskisten. Munitionskisten? - Naja, so schauen sie an und verdienen deshalb eine nähere Inspektion. Doch keine Munition drin - aber dafür Kunst und was für welche. Spuren der Reichstag-Installation von Christo und Jean-Claude aus dem Jahre 1995. Das ist doch schon eine Zeit her...
immer wieder prominent ins Bild rücken die Tankwagen- und Züge. Sie haben eine eigene Ästhetik, der man sich kaum entziehen kann
Posted by dominik at 12:55 | Comments (0)
09.10.09
USA 2009: Grand Canyon - Abendstimmung am South Rim
Posted by dominik at 06:31 | Comments (0)
USA 2009: On the road
Andere Dimensionen - auch beim Fahren
500 km in einem Tag - nicht besonders viel. Aber, dass wir in dieser Zeit nur zweimal abbiegen mussten und uns während des ganzen Tages kaum mehr als 20 Autos begegnet sind, das erstaunt doch ein wenig. Kein Handy-Empfang. Dafür ein Satellitenradio mit 150 Stationen, mindestens 10 davon nur Rock. Boneyard Rock - ever heard that? - Nun, offenbar ein spezielle Art von Metall.
Man gewöhnt sich daran. Nur gleich neben dem Armaturenbrett des geradezu grotestk überdimensionierten Mietwagens (Tank fasst 100 Liter) ein kleines Schild mit der Aufschrift "powered by Microsoft" prangt - das irritiert.
Posted by dominik at 06:25 | Comments (0)
07.10.09
USA 2009: Herbstblatt aus dem Gran Canyon
Ein herbstliches Blatt
gefunden am North Rim des Gran Canyon...
Posted by dominik at 05:21 | Comments (0)
05.10.09
USA 2009 - Nationalpark-Tour
Abendstimmung im Zion National Park am 4.Oktober 2009
Ankunft in Las Vegas - und gleich weiter, wir sehen nur wenig von der totalen Künstlichkeit - dann Wüste und nach 3 Stunden eine Verwandlung: Der Zion National Park mit seinen eigentümlichen Felsformationen und dem Grün im Tal...
Posted by dominik at 03:46 | Comments (0)
13.09.09
Bergün, Val Tuors und Palpuogna-See
Im Val Tuors bei Bergün, Sonntag 13.9.2009
Eindrücke vom Palpuogna-See, Samstag 12.09.2009
Posted by dominik at 22:08 | Comments (0)
16.08.09
Strassenbahn in Lemberg
Nicht mal ein besonders gelungenes Bild. Aber aus irgend einem Grund bleibt mein Blick beim Durchschauen meiner Bilder hier hängen.
Posted by dominik at 16:32 | Comments (0)
13.08.09
Kwass: Die Alternative zu Süssmost und Cola
Keine Frage: Das ukrainische Nationalgetränk ist eine tolle Alternative zum Schweizer Klassiker Süssmost. Und natürlich auch zu Cola.
Toll: Die Ukraine hat ein ausgeklügeltes Distributions-System. Es basiert auf handlichen Tankwagen à 5000 - 10000 Litern, die an strategisch wichtigen Plätzen aufgestellt werden. Keine Automaten, nein, die Tanks sind bemannt respektive in der Regel befraut und günstig ist das Vergnügen auch: 2 Deziliter kosten jeweils 1.25 Gribna. Das ist ungefähr 10 Rappen.
Was aber ist Kwass: Ein ganz leicht alkoholhaltiges säuerlich schmeckendes Getränk, das aus Roggenbrot zubereitet wird.
Die Wikipedia schreibt über Kwass:
Der Kwas (veraltet auch Quas[1]; russ. квас) ist ein altes russisches kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk, welches durch Gärung aus den Grundzutaten Wasser, Roggen und Malz gewonnen wird. Kwas ist heute überwiegend in Russland und der Ukraine, aber auch in anderen Ländern Osteuropas verbreitet. Obwohl meist aus Brot (oder Zwieback) hergestellt und deshalb auch unter dem Begriff "Brotgetränk" bekannt, gibt es auch andere Rezepturen, zum Beispiel Kwas aus Birnen oder anderen Früchten oder Beeren.
Das Wort Kwas wurde urkundlich erst im Jahr 989 erwähnt und bedeutet so viel wie „saurer Trank“ oder „Gegorenes“, da Kwas einen leicht säuerlichen Geschmack hat. Die Farbe des Getränkes ist mit der eines Malzbieres vergleichbar. Kwas enthält in der Regel 0,05-1,44% Alkohol und hat, bedingt durch Anwesenheit von bestimmten Milchsäurebakterien, eine verdauungsfördernde Wirkung. Der Milchsäuregehalt beträgt rund 0,18-0,48%.
Es wird im Sommer in vielen Teilen Russlands und der Ukraine auf der Straße aus Tankwagen angeboten, typischerweise gelb angestrichen und mit der Aufschrift „Kwas“. Auch ist in Russland industriell hergestellter, in Plastikflaschen abgefüllter Kwas weit verbreitet.
Das Getränk ist auch in Polen, in den baltischen Staaten und im Kaukasus bekannt. In Litauen unter dem Namen (Duonos) Gira, in Lettland als Kvass und in Estland unter Kali. In Deutschland nennt man Kwas manchmal Brotbier, dabei sollte man beachten, dass im russischen Brotbier (хлебное пиво) Bier und nicht Kwas bezeichnet.
Im Jahr 2007 wurden in Russland 860 Mio. Liter Kwas konsumiert
Einen Schöhheitsfehler hat die Sache: Unter meinen Freunden und Bekannten bin ich der Einzige, der das wirklich mag. Schade.
Posted by dominik at 07:25 | Comments (0)
10.08.09
Odessa - Mauer Codes
Mauer-Codes in Odessa. Nur Weniges ist für westliche Augen lesbar. So zum Beispiel diese Taxi-Werbung. Oft kann man nur Vermutungen anstellen.
So zum Beispiel bei diesem ebenfalls mit einer Schablone aufgesprayten Lenin-Logo mit den Worten "Lenin schiv - Lenin lebt". Gewiss, der Name und vielleicht auch die Gedanken von Lenin leben noch, es ist ja erst 20 Jahre her, seitdem man seine Denkmäler entfernt hat - und auch die nicht überall. Aber wie lebt Lenin in den Köpfen der Menschen? - Wir wissen es nicht.
Rätselhaft wird es bei der nächsten Mauer Spur. Sterne - ein Komet, der Weihnachtsstern? - Alles bleibt offen
Posted by dominik at 07:59 | Comments (0)
09.08.09
Ukraine Sommer 09: Zwischen Lviv und Czernowitz
Der Zug ruckelt mit 35 Stundenkilometer durch die Landschaft -
- irgendwo zwischen Lviv (Lemberg) und Czernowitz. Im Gang ist immer ein Fenster offen - die Bilder die enstehen sind oftmals mehr Zufall als Absicht.
Und hier noch mehr Bilder als Dia-Schau (Achtung: Pause auf 3 Sekunden und Bildgrösse auf 1280 einrichten)
Posted by dominik at 20:34 | Comments (0)
25.07.09
Klassenfoto 1967
Einmal im Jahr kam der Fotograf - und die Klasse stellte sich auf, zuhinterst Fräulein Kölliker, die ich vom ersten Schultag an verehrte. Zehntausende solcher Fotos hat er gemacht, der Fotograf Walter Haagmanns und sein Vater - und der Lehrmittelverlag des Kantons Zürich hat die Fotos vor einigen Jahren online gestellt. Hier nun das Bild
Und hier ein Ausschnitt - grösser gehts bei der Auflösung nicht.
Und hier gehts zum Klassenfotoarchiv des Lehrmittelverlags des Kantons Zürich
Posted by dominik at 17:04 | Comments (0)
21.06.09
Türkenbund
Ein Türkenbund - fotografiert im Wald ob Zel (ZH) im Tösstal. An schattigen Plätzen sieht man diese schöne Pflanze hier öfters.
Die Pflanze gehört zu den Lilien und ist offenbar überall in Europa anzutreffen. Schöner Artikel zum Türkenbund in der Wikipedia.
Beliebt ist die Pflanze beim Rotwilld - was auch hier überall zusehen ist: Immer wieder treffen wir auf abgefressene Stauden.
In Blüte stehen auch die Kornblumen
und an schattigen Plätzen nicht zu übersehen diese wilden Rosen
Auch in der Makrofotografie helfen professionelle Instrumente. Währenddem die Bilder oben mit einer kleinen Fuji-Kompaktkamera gemacht wurden, sind die beiden letzten Fotos mit einer Nikon D-300 und dem 105mm Makro-Nikkor fotografiert.
Eine Akelei (merkwürdiger Name...)
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Posted by dominik at 17:08 | Comments (0)
20.06.09
Book out now: HOME MADE ELECTRONIC ARTS
Freude herrscht: Unser neues Buch ist nun erschienen und ab sofort erhältlich. Es heisst HOME MADE ELECTRONIC ARTS: Piratensender, Krachgeneratoren und Videomaschinen.
Eine ausführliche Beschreibung samt Leseproben gibts natürlich online - und zwar unter digitalbrainstorming. Und alle sind zur Vernissage am kommenden Samstag, 27. Juni im Museum für Gestaltung Zürich eingeladen. Beginn 12.30.
Aber es dürfte sich lohnen, das Programm des ganzen Tages anzuschauen: Am Vormittag Workshops mit ganz unterschiedlichen Themen - zum Beispiel Papier-Roboter falten mit Verena Kuni oder ferngesteuerte Kleinstroboter löten mit dem Lausanner Informatik-Pionier Jean-Daniel Nicoud. Am Nachmittag allerlei Demos, es geht vor allem um die Beiträge von Jugendlichen für den Medien- und Roboterwettbewerb bugnplay.ch.
Zurück zum Buch: Eben meldet Google Alerst eine Erwähnung in zwei Szene-Blogs. Bei den Agentinnen Zürich, die nach eigenen Angaben "Ermittlungen der besonderen Art" machen und im bei Fleury-Art. Danke an die fleissigen und schnellen Blogerinnen und Bloger.
Und übrigens: Das Buch kostet 19 Franken. Bei Ex Libris gibts es aber für 13.30 Franken, also mit 30% Rabatt.
Gilt natürlich auch für die übrigens Bücher.
Posted by dominik at 10:09 | Comments (0)
24.05.09
Playground Buch nun als PDF online
Die gelbe Kugel - Teil der Installation "ikit", die 2003 im Park im Grünen in Rüschlikon herumrollte. Eine Robotik-Installation des Hamburger Rotobik-Kunst-Kollektivs von f18 um Stefan Doepner. Das Bild stammt aus dem Buch "Playground Robotics - Die Hamburger Robotik-Künstler f18 und ihre Schweizer Freunde", das 2004 im Basler Merian Verlag erschienen ist. Das Buch ist nun als PDF online
Im Klappentext des Buches heisst es
Die Kreaturen, die sich im Playground Robotics tummeln, sind nicht high tech: Oft sehen sie aus, als wären sie eilends aus Blechstücken zusammen geschweisst und mit einigen billigen Elektronikteilen zum Leben erweckt worden. Ihre Aktionen sind manchmal zielgerichtet, öfters aber eher zufällig und chaotisch. Im Zentrum dieses Bildbandes stehen die Schöpfungen des ‹Instituts f18› – eine Gruppe von jungen Künstlern aus Hamburg, die den Grenzbereich von Technik, Wissenschaft, Kunst und Unterhaltung erkunden. Mit Textbeiträgen u.a. zur Geschichte der Zeichenroboter und einer Einführung von Rolf Pfeifer.
Posted by dominik at 10:03 | Comments (0)
26.04.09
Die Madonna von Auch - Südfrankreich Reisenotizen 2009
Die Madonna mit Jesuskind in der Kathadrale von Auch - eine wunderbare mittelalterliche Holzskulptur. Sie zieht den Blick der Zuschauer auf sich - auch deshalb, weil sie vor dem Chor sehr schön aufgestellt und angeleuchtet ist.
Ein paar Versuche zeigen schnell, welches der beste Blickwinkel für den Fotografen ist - und das Resultat überzeugt. Hier zeigt die Nikon d300 einmal mehr ihre wahre Stärke: Kein Rauschen, hohe Kontraste auch bei hoher Empfindlichkeit (2000 Asa). Und die hohe Auflösung erlaubt auch das Hervorholen von Details im Bild
In der nächsten Vergrösserung zeigen sich die Schäden der Skulptur - Beobachtungen, die sich von blossen Auge sehr viel schwerer machen lassen ...
Posted by dominik at 16:09 | Comments (0)
Flüchtige Eindrücke - Südfrankreich Reisenotizen 2009
Und wieder sind es zufällig, fast beiläufig entstandene Bilder einer Reise, die im Gedächtnis haften bleiben: Der Regen auf den Autoscheiben von Marseillan, der Blick auf die Felder in der Gascogne oder eine Fassade mit einer Leuchtreklame im Städchen Auche...
Posted by dominik at 13:01 | Comments (0)
28.03.09
Impressionen Reggae Night - m4music 2009
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Phenomden an der Reggae Night - m4m 2009 am 27.März
Elijah - ebenfalls am gleichen Anlass...
Posted by dominik at 10:07 | Comments (0)
02.03.09
Reisenotizen Thailand 4 - im Wat Chalong
Der Wat Chalong - einer der rund 30 buddhistischen Tempel der Insel Phuket. Der Tempel ist dem Andenken zweier Mönche gewidmet - und wie alle thailändischen Tempel sehr farbenfroh. Das ist allerdings nicht der Hauptgrund für diesen Eintrag.
Der Eintrag gilt einem runden Geburstag. Das erste Bild entstand Ende Februar 2009. Das untere 20 Jahren früher, in einem anderen Tempel im Nordosten von Thailand. Zu sehen sind beide Male dieselben Personen.
Posted by dominik at 09:51 | Comments (0)
Reisehnotizen Thailand 2 - Red Light
Ein besondere Art von Rotlicht - der Schein einer roten Neonröhre bei einem Verkaufsstand - hier gibt es ausschlesslich getrocknete Tintenfische zu kaufen. Getrocknet - und vorher plattgewaltzt. Das macht sie so durchsichtig.
Und gleich nebenan ein Bild, das vielleicht die Faszination dieses Landes ein bisschen erklärt: Eine Verkäuferin, die sich auf einem Motorrad an der lärmigen Hauptstrasse ausruht. Kein Widerspruch in diesem Land.
Posted by dominik at 09:14 | Comments (0)
Reisenotizen Thailand 1 - Uber den Wolken
Fast 10 000 Kilometer sind es von Europa nach Südoastasien. Solche Flüge mögen Routine sein - für mich sind sie es nicht
Der Hinflug nach Thailand ist nachts. Also gibt es kaum etwas zu sehen. Draussen ist Nacht. Drinnen wird das Nachtessen serviert. Man döst - und wird nach nur zehn Stunden erlöst und findet sich in einer anderen Welt. Warme, feuchte Tropenluft. Es ist kaum zu glauben. Traumwandlerisch die ersten Stunden.
Der Rückflug dann am späten Vormittag. Der Sonnenstand ändert sich während des zwölfstündigen Fluges kaum. Wir fliegen mit der Sonne. Hin und wieder Hinweise des Piloten: Unter uns liegt Südindien - wir sehen nur Wolken. Dasselbe über Pakistan. Dann plötzlich lichtet sich die Wolkendecke, eine zerklüftete Gebirgslandschaft. Weit am Horizont ein kegelförmiger Berg. Vielleicht einmal ein Vulkan. Es ist der höchste Berg Irans, erfahren wir aus dem Lautsprecher. Der 5761 hohe Damavand, unweit von der Hauptstand Teheran und nur 60 km vom kaspischen Meer.
Vom kaspischen Meer ist nur ein Küstenausschnitt zu sehen. Danach wieder Wolken. Es geht über Georgien, über das Schwarze Meer - Rumänien, Ungarn, Österreich...
Nein, ich kann mich nicht daran gewöhnen, würde gerne mehr sehen, als nur Küsten-Konturen, Berge und Wolken. Meine kleine literarische Entdeckung der letzten Tage "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann mit den Geschichten des Mathematikers Carl Friedrich Gauss und dem Universalgelehrten Alexander von Humboldt. Haben die beiden nicht mit ihren Werken auch den Grundstein für die heutige Art des Reisen gelegt, die wir gerne modern nennen...
Posted by dominik at 08:52 | Comments (0)
15.02.09
Peter Zeindler zum 75.Geburtstag
Kein Schweizer Autor hat hat sich tiefer mit den Geheimnissen und dem Innenleben von Spionen befasst als Peter Zeindler. In diesen Tagen feiert er seinen 75.Geburtstag. Mit 20 Minuten Podcast des Autors.
Nie hat Peter Zeindlich sich als Sachverständiger für Spionage aufgespielt, obwohl er längst mehr weiss über das Innenleben der Spione - nicht nur im Kalten Krieg. Er hat sich nie als Historiker dafür interessiert, sondern immer als Schriftsteller und aus einer subektiven, einfühlenden Perspektive geschrieben.
Beispielhaft vorgeführt hat Peter Zeindler dies in seiner Rede, die er zum Thema "Mythos Enigma" am 11.November 2008 in Basel gehalten hat. Die Rede ist als Podcast nachzuhören. Ein wichtiger Ausschnitt hier aber schriftlich.
"Spione, wenn sie sich auf feindlichem Territorium bewegen, leben ja meistens auch nicht ihre eigene Biographie, sondern meistens leben sie scheinbar die Biographie einer andern Person weiter, eines Menschen, der entweder nicht mehr lebt, eines normalen oder gewaltsamen Todes gestorben oder irgendwo untergetaucht ist. Ich persönlich habe im Zusammenhang mit meiner Schreibarbeit Spione kennen gelernt – selbstverständlich erst dann, als sie nicht mehr als Agenten tätig waren. (Auch hinter Sembritzki steht ja letztlich auch eine real existierende Person, die für den BND gearbeitet hat) Diese Spione haben auf ihren Missionen nur deshalb überlebt, weil es ihnen gelungen ist, die Legende, die ihnen verpasst worden ist, diese fremde Biographie, mit Leben zu erfüllen, ja selbst in so heiklen Situationen noch, wenn sie sich verliebten und heirateten und der Frau, mit der sie zusammenlebten, nicht ihr wirkliches Leben erzählten, sondern die Biographie eines Fremden, so wie Oedipus’ Mutter ihren eigenen Sohn als Gatten geliebt hat. Und man kann sich ja auch fragen, hat die Frau, die mit einem solchen Mann zusammenlebte, den Mann geliebt, dessen Biographie, dessen Identität sie zu kennen glaubt oder den Mann dahinter, der er ursprünglich war: das Geheimnis, dem sie nachspürte und dessen Lösung wohl auch das Ende der Beziehung bedeuten würde, ein ganzes Stück der eigenen Biographie der Frau in Frage stellen würde – Hier in dieser extremen Situation spiegelt sich die Ambivalenz menschlichen Daseins: Ich bin all das, was du siehst, und alles, was du fürchtest dahinter.“ hat Canetti geschrieben. Das gilt für Iokaste, Oedipus’ Mutter und Gattin und es gilt für die Ehefrauen von unenttarnten Spionen. *
Und hier gehts zu seiner Basler Rede, die als Podcast.
(Aufnahme + Foto Dominik Landwehr - dlandwehr at bluewin.ch)
Posted by dominik at 18:43 | Comments (0)
02.02.09
Der Chaos-Wissenschafter Otto E.Rössler
Wir treffen ihn zufällig bei einem Do-it-yourself Workshop im Rahmen der Transmediale in Berlin - aber sofort hat er Zeit für uns: Der Wissenschafter Otto E.Rössler.
Charmant, liebenswürdig, bescheiden und witzig: Da sitzt ein älterer Herr an einem Tisch, der mit mit diversen elektronischen Bauteilen voll ist. Die Ambiance scheint ihm zu behagen und im Gespräch erfahren wir, dass der vielseitige Wissenschafter auch einmal ein Radiobastler war.
Otto E.Rössler wurde 1940 geboren, hat ursprünglich Medizin studiert und sich unter anderem mit Evolution, Mathematik und Chaostheorie befasst. Zuletzt machte er 2008 von sich reden. Rössler äusserte die Befürchtung, dass das grosse CERN Experiment die Welt verschlingen könne. Kaum eine Zeitung, eine Radio- oder TV-Station, welche diese Befürchtuntg nicht kolportierte ...
Hier gehts zum Interview mit Otto E.Rössler - Gespräch Dominik Landwehr
Posted by dominik at 21:55 | Comments (0)
Ein Wasserspreicher für die Klangkunst
So was gibts wohl nur in Berlin: Eine Hörgalerie in einem stillgelegten Wasserturm.
Die Hörgalerie Singuhr - zunächst in einer Kirche, deren Spieluhr im Zweiten Weltkrieg weggebombt wurde, nun hier am Prenzlauer Berg. Wunderbar, auch wenn es bei unser Besichtigung eiskalt ist und wir bald ins nächste Kaffee flüchten...
Carsten Seiffarth - der Initiant - erklärt uns Hintergrund und Geschichte und stellt gleich noch zwei seiner Projekte vor: Eins mit dem Berliner Tüflter Martin Riches, der eine mechanische Sprechmaschine erfunden hat und eins, in dem der Musiker Frank Bretschneider den DDR-Syntesizer "Subharchord" spielt.
Die Hörgalerie Singuhr
Bezugsquelle für die Singuhr-DVD: Edition RZ
Und hier gibts noch mehr Bilder
Posted by dominik at 21:23 | Comments (0)
24.12.08
Weihnachtsgruss von J.S.Bach
Keine Weihnachten ohne Weihnachts-Oratorium von J.S.Bach. Und keine Weihnacht ohne Schmunzeln ob der barocken Texte
Herrscher des Himmels erhöre das Lallen
Lass Dir die matten Gesänge gefallen
Wenn Dich Dein Zion mit Psalmen erhöht
Posted by dominik at 22:13 | Comments (0)
19.12.08
Reisenotizen Ukraine: Pater Robert Hotz hilft seit 40 Jahren
Angewidert vom Marketing-Overkill der grossen Hilfswerke zur tränenseeligen Weihnachtszeit? - Hier die Alteernative: Seit 40 Jahren wirkt der Zürcher Jesuitenpater Robert Hotz in der Gegend von L'viv - dem ehemaligen Lemberg - in der Westukraine.
Wir haben die Gelegenheit, den 80jährigen Zürcher Jesuiten - in unserem BIld mit zwei Ärzten - für ein paar Stunden zu begleiten und erleben einen charismatischen Mann am Werk. Er weissl wovon er spricht: Seit 40 Jahren leitet er das Ostreferat der Schweizer Jesuiten, man müsste wohl sagen, er ist das Ostreferat. Spricht fliessend kalt und warm ukrainisch und russisch. In Lemberg ist er ein angesehener Mann, der eine Reihe von Titeln hält: So ist er nicht nur Ehrenbürger der Stadt sondern auch Ehren-Professor der dortigen medizinischen Fakultät.
Wir besuchen eine Reihe von Kliniken und sind berührt vom Schicksal der Kinder der Tschernowitz-Liquidatoren, die wir in einer Spezialklinik in Lemberg treffen. Es spricht für das Feingefühl des Jesuitenpaters und seiner Aerzte, dass wir die Bilder aus der Klinik nicht veröffentlichen dürfen. Nur soviel - ich habe mehr als einmal leer geschluckt, als mir die Ärtzin vor der Tür die Diagnosen mitgeteilt hat.
Ein kleines Wunder, wie Pater Hotz es schafft, all diese Aktivitäten zu finanzieren: Bis vor kurzem hat ihm sein Schweizer Netzwerk geholfen. In diesen Tagen erreicht uns sein Weihnachtsbrief, der von einem dramatischen Spenden-Einbruch berichtet.
NZZ Artikel und Radio-Interview geben guten Einblick in seine Tätigkeit. Und im Sinn einer persönlichen Empfehlung - Lemberg ist eine Reise wert und das Geld bei Pater Hotz in guten Händen.
NZZ Artikel vom 1.Juli 2008 "Helfen in Lviv" von Ulrich Schmid
Hilfsaktion Westukraine - Homepage von Pater Robert Hotz
Die Jesuiten - Ostreferat Zürich
DRS 3 Focus mit Pater Robert Hotz vom 15.12.2008
Posted by dominik at 09:05 | Comments (0)
29.09.08
Die letzte Synagoge von Czernowitz - Reisenotizen Ukraine
108 Synagogen und Bethäuser soll es in Czernowitz zur Jahrhundertwende gegeben haben. Einige besonders markante Bauten sind heute noch zu besichtigen. Aber nur eine davon dient auch heute noch als Gotteshaus
Rabbi Noach will gerne mit uns reden. Nur ist er gerade am Handy. Das dauert. Es geht offenbar um eine Reisegruppe, die stecken geblieben ist. In der Ukraine, das haben wir schon nach kurzer Zeit gelernt, können fast alle logistischen Probleme mit dem Handy gelöst werden, vorausgesetzt man kennt die richtigen Leute. Währendem wir warten redet ein hagerer Mann mit jugendlichem Aussehen auf uns ein. Er ist offenbar meschugge.
Nun hat der Rabbi Zeit. Und währenddem im Nebenraum weitere Besucherinnen eintreffen, erklärt er uns einiges aus seiner Geschichte: Sein Vater hat in der Zeit des Zweiten Weltkrieges in der Roten Armee gedient und ist so dem Holocaust entronnen. Viele der hier ansässigen Juden – man spricht von etwas über 1000 – teilen dieses Schicksal. Einige sind auch aus Israel zurückekehrt.
Die Besucher im Nebenraum – in der überwiegenden Mehrheit Frauen – sind keine Juden. Der Rabbi geniesst erfüllt hier die Funktion eines Lebensberaters und hört den Menschen zu. Gerne hätten wir mehr über die Sorgen erfahren…doch wir lassen den Rabbi seine Arbeit tun…
Posted by dominik at 20:53 | Comments (0)
Czernowitz: Stadt der Jugend - Reisenotizen Ukraine
Ein Blick in einen Innenhof in Czernowitz: Zwei Burschen, noch keine 20, posieren bereitwillig vor einem bunten Graffiti. Überhaupt: In Czernowitz dominiert die Jugend. Da mögen Wolken und Regen sich noch so trostlos mit dem Grau der Häuser und dem Dreck der Strasse mischen. Wer sich umschaut blickt in junge Gesichter. Ähnliches ist uns übrigens auch anderswo im Osten Europas widerfahren, sei es in Tirgu Mures, Budapest oder Bukarest, in Zagreb ebenso wie in Szeged.
Kurz vor der Turnstunde sprechen wir mit einer Gruppe von Jugendlichen, die sich für die Krankenpflege ausbilden lassen. In sicherer Entfernung vom Radio-Mikrophon des Kollegen bittet ein etwa 17jähriger Jugendlicher um ein Foto: Die Bitte erfüllen wir gerne und seine Breakdance-Pose im städtischen Stadion von Czernowitz ist vom Foto her bestimmt ein Höhepunkt unserer Reise.
Wovon träumen die Jugendlichen: Schwer, unter den strengen Augen der Lehrerin ehrliche Antworten zu kriegen. Alle möchten eine Praxis eröffnen und den Armen in ihrer Stadt helfen. Sie wissen wovon sie sprechen. Unsere Blicke fallen kaum in die Schattenräume der heutigen Ukraine.
Tatsächlich ist es die Armut oder die fehlende Perspektiven, welche viele zur Emigration veranlasst. Die ukrainischen Prostituierten, die in Westeuropa auftauchen, bilden nur die Spitze eines Eisberges. 2005 arbeiteten rund 40 000 Czernowitzer im Ausland; die Männer häufig aus dem Bau, die Frauen meist als private Pflegerinnen in Italien und Spanien, schreibt etwa der hiesige Journalist Bohdan Zahajskij. Zerrissene Familien und Kinder, die zwar Geld aber keine Fürsorge der Eltern hätten, seien das Resultat davon, erklärt uns unsere Führerin Tanja B.
Noch eine Beobachtung zum Thema Jugend: Immer wieder sehen wir Hochzeits-Zeremonien. Hier eine festlich geschmückte pompöse Stretch-Limousine, gemietet für diese wichtigen Stunden, dort eine Gruppe von herausgeputzten jungen Leuten, mit dabei riesige, symbolstarke Brote, die eher an Kuchen als an Laibe erinnern. Olga, unsere Lemberger Übersetzerin und Führerin meint lakonisch dazu: „Sie gehen ins Kino, danach heiraten sie. Danach kommt die Scheidung und dann gehen sie wieder ins Kino…“
Posted by dominik at 20:28 | Comments (0)
28.09.08
Beim Wunderrabbi von Sadagora - Reisenotizen Ukraine 6
Eine Viertelstunde Autofahrt vor Czernowitz – die Industrie-Ruinen sind auch bei Regen keine Augenfreude – liegt der Vorort Sada Gora, auch Sadgora genannt. Hier lebte einst ein chassidischer Wunderrabbi, von seinen Anhänger auch Zaddik genannt. Für uns war der Zaddik nicht mehr zu sprechen. Wir kamen einige Jahrzehnte zu spät. Uns bleibt die Aufgabe, die Spuren zu deuten, Spuren im Gelände, Spuren in der Literatur.
Das Haus des Wunderrabbi von Sadagora liegt gleich neben der Strasse und ist einigermassen erhalten. Ein Backsteinbau mit Türmchen und Erkern, der mehr an einen Bahnhof als an eine Synagoge erinnert. Der Bau musste denn auch mehr profanen als sakralen Bedürfnissen genügen und vor allem Raum für den nicht abreissenden Strom von Besuchern bilden, die der Rabbi empfing.
Leopold von Sacher Masoch besuchte Sadagora 1857 und beschreibt in seinem Buch „Geschichten aus Galizien“ das das kleine Dorf und das Leben am Hof des Wunderrabbis ganz nüchtern
“Sadagora war damals eine kleine Stadt, die fast nur von Juden und Armeniern bewohnt war. Enge Strassen voll Schmutz, Strassen mit dunklen Winkeln, in die niemals ein Sonnenstrahl drang. Kleine Häuser, aus Holz erbaut, mit Kalk beworfen, mit Schindeln gedeckt… Mitten in der kleinen Stadt ein grosser Platz und auf diesem das Haus des Zadik… Vor dem Haus stand eine Menge von Menschen, die sich alle still verhielt oder ganz leise miteinander sprachen, und eine Anzahl Wagen aller Art, Schlitten mit kostbarer Decken von Pelzwerk….
Endlich wurde ein grosser, schwerer Vorhang beiseite geschoben, und wir traten in das grosse Zimmer, in welchem der Zadik die Bittsteller zu empfangen pflegte. An der Wand gegenüber dem Eingang stand ein alter türkischer Diwan, auf dem der Zadik lag. Neben ihm befand sich ein kleines Tischen, auf dem ein in Leder gebundenes Buch lag. An den anderen Wänden waren noch einige Stühle, ein kleiner Schrank, ein Ofen in dem ein mächtiges Feuer brannte, sonst nichts. Der Zadik war ein kleiner, magerer Mann mit weissem Haar und langem weissem Barte. Sein Gesicht war sanft und intelligent….
Es klingelte, die Wächter stürzten herein, und der Zadik befahl, die Leute der Reihe nach einzulassen, jedes Mal zehn zugleich. Es war interessant, die Bittsteller zu beobachten, welche jetzt vor Ehrfurcht eintraten, den Zadik demütig grüssten und in der Nähe der Türe stehen blieben. Da war ein reicher Jude im Pelz mit seinem kranken Kinde, das erbärmlich schrie. Ein anderer im geflickten Talar, welcher unausgesetzt seufzte, ein dritter, reich gekleidet, sehr dick, mit einem roten Gesicht, das wie der Vollmond glänzte. Zwei polnische Bauern in ihren Schafspelzen, eine Armeniern, ein Soldat in weisser Uniform, ein Mennonit, ein deutscher Kolonist und eine hübsche, furchtsame Frau in jüdischer Tracht, die sich hinter einer anderen versteckte.“
Das Wirken der chassidischen Wunderrabbis wird auch heute nicht überall gleich beurteilt. Die Historikerin Irene Stratenwerth beispielsweise sieht diese als Beleg für Rückständigkeit.
Weiter geht’s zum jüdischen Friedhof, wo auch das Grab des Wunderrabbis liegt. Der Regen hat nicht nachgelassen. Die Grabsteine sind versteckt im nassen, hohen Gras, Holundersträuche wachsen wild und Äste beugen sich unter der Last der dunklen Beeren. Niemand pflückt sie, keiner mäht das Gras. Anders als auf dem Czernowitzer Friedhof verstehen wir die Grabinschriften – sie sind in Hebräisch – nicht mehr und begnügen uns mit dem Bewundern der Symbolik und der Ornamente. Fische sind hier öfters zu sehen. Das Grab des Wunderrabbis ist von weit zu sehen – es liegt in einem Haus mit blauem Dach.
Posted by dominik at 16:25 | Comments (0)
Geburtsstadt des Tenors Joseph Schmidt - Ukraine Reisenotizen 5
Zu den grossen Künstlern, die mit der Stadt Czernowitz verbunden sind, gehört der Tenor Joseph Schmidt (1904-1942)
Es war im alten Flughafen von Bukarest im Jahr 1990. Ich war dort als IKRK-Delegierter und wartete mit einem Vertreter der rumänischen Armee auf Gäste. Im Lauf des Gesprächs fragte mich der rumänische Offizier, ob ich wüsste, dass der rumänische Tenor Joseph Schmidt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz gestorben sei. Ich wusste es nicht, hatte den Namen bisher noch nie gehört.
In Czernowitz erinnert ein Stern – nachts von unten beleuchtet – auf dem Theaterplatz an den grossen Tenor. Und im Kino – in der einstigen Synagoge – ist ein Gedenktafel zu finden.
1904 kam Joseph Schmidt in Dawideny bei Czernowitz zur Welt. Als Tenor erlebte er eine triumphale Karriere in den 30er Jahren – nicht zuletzt dank dem Titelsong zum Film „Ein Lied geht um die Welt“. Seine Flucht aus Deutschland führte über mehrere Etappen in die Schweiz, wo er 1942 ankam und ins Internierungslager von Girenbad im Zürcher Oberland verbracht wurde. Eine vermeintlich harmlose Erkältung erwies sich als schwere Erkrankung, die am 16.November 1942 zu seinem Tod führte. Schmidts Grab ist im jüdischen Friedhof Friesenberg in Zürich-Wiedikon.
Posted by dominik at 15:18 | Comments (0)
Czernowitz - einst mehrsprachiger Kosmos - Reisnotizen Ukraine 4
In Czernowitz wird heute ukrainisch und russisch gesprochen und auch geschrieben. Die einstige Bevölkerung wurde im Zweiten Weltkrieg ermordet, deportiert und vertrieben. Das alte Czernowitz war anders
Ein halbes Dutzend Völkerschaften hat hier gelebt, schreibt der Czernowitzer Literaturhistoriker Peter Rychlo und zitiert Rose Ausländer:“
Der Spiegekarpfen
in Pfeffer versulzt
schwieg in fünf Sprachen.
Um welche Sprachen handelte sich? – Deutsch, Ukrainisch, Rumänisch, Polnisch, Jiddisch. Bei den Zeitungen kam noch eine sechste Sprache, das Hebräische dazu und um das alles zu bewätigen waren drei Schriftsysteme gängig: Lateinisch, Kyrillisch und Hebräisch.
Czernwowitz war – wenn auch nur in der kurzen Zeit seit der Mitte des 19.Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg – die Stadt von Literatur, Musik und Kunst.
Zu den Namen, die mit dieser Stadt verbunden sind zählen neben Paul Celan und Rose Ausländer auch Schriftsteller mit heute weniger bekannten Namen wie etwa Selma Meerbaum-Eisinger, Alfred Margul Sperber, Immanuel Weissglas, Alfred Gong, Alfred Kittner, der Sänger Joseph Schmitt war aus dieser Stadt, der Psychologe Wilhelm Reich aus der Region.
Alfred Gong beschrieb die Stadt rückblickend im 1963 veröffentlichten Gedicht „Topografie“ als Stadt, in der zu Semesterbeginn die jüdischen von den rumänischen Studenten verprügelt wurden. Und weiter:
Sonst war Czernowitz eine gemütliche Stadt;
die Juden sassen im „Friedmann“ bei Fisch und Piroggen
Die Ruthenen gurgelten in Schenken und Schanzen
Die Rumänien tranken vornehmlich im „Lukullus“
(wo, wie man annehmen darf, auch der junge Gregor von
Rezzori ab euben Viertel Cotnar mässig nippte.)
Den Volksgarten nicht zu vergessen, so sich sonn- und
Feiertäglich Soldaten und Dienstmädchen bei vaterländischen
Märschen näherkamen. Wochentags schwänzten hier
Gymnasiasten und –innen ihre Gymnasien.
(Man konnte gelegentlich hier dem Schüler Paul Celan mit Trakl unterm Arm
Zwischen Büschen begegnen.)
Peter Rychlo: Czernowitz als geistige Lebensform. Die Stadt und ihre Kultur. In:Helmut Braun (Hg.): Czernowitz. Die Geschichte einer untergegangenen Kulturmetropole. Berlin 2006. Ch.Links Verlag.
Rose Ausländer: Wir pflanzen Zedern. Gedichte. Frankfurt a.M. 1993.
Posted by dominik at 14:52 | Comments (0)
27.09.08
Czernowitz und Paul Celan - Reisenotizen Ukraine 3
Cernowitz putzt sich heraus, soweit das mit den bescheidenen Mitteln der Stadt möglich ist. Die Herrengasse, einstige Flanier- und Einkaufsmeile soll schon im Oktober im alten Glanz wieder auferstehen. Viele der Häuser an dieser Strasse sind bereits in den letzten Jahren renoviert worden. In einer Seitengasse liegt das Haus, in dem Paul Celan 1920 zur Welt kam. Wir fotografieren die Gedenktafel und werfen einen Blick ins Treppenhaus. - Paul Celan geboren 1920 in Czernowitz, gestorben 1970 in Paris, gehört zum Mythos Czernowitz.
Wie kann man mit den Mitteln der Sprache, das Unfassbare beschreiben? - Wenn es einen Dichter gibt, der eine Antwort auf diese Frage liefert, dann ist es Paul Celan mit seiner "Todesfuge"
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz
In seiner Rede zum Bremer Literaturpreis schrieb beschrieb Paul Celan 1958 seine Heimat mit folgenden Worten:
“Die Landschaft, aus der ich – auf welchen Umwegen! Aber gibt es das denn: Umwege? -, die Landschaft, aus der ich zu Ihnen komme, dürfte den meisten von Ihnen unbekannt sein. Es ist die Landschaft, in der ein nicht unbeträchtlicher Teil jener chassidischen Geschichten zu Hause war, die Martin Buber uns allen auf Deutsch wiedererzählt hat. Es war, wenn ich diese topografische Skizze noch um einiges ergänzen darf, das mir, von sehr weit her, jetzt vor die Augen tritt – es war eine Gegend, in der Menschen und Bücher lebten“.
Paul Celan: Der Meridian und andere Prosa. Frankfurt 2002. Suhrkamp.
Materialien zur Die Todesfuge im Celan-Projekt
Posted by dominik at 20:53 | Comments (0)
Unterwegs zwischen Lemberg und Czernowitz - Reisenotizen Ukraine
Ein unscharfes, verwaschenes Bild, fotografiert durch die Frontscheibe unseres Autos auf dem Weg von Lemberg nach Czernowitz.
Wir fahren durch ein Dorf, nach dessen Namen wir wohl nicht mal gefragt haben. Der Regen macht die Fahrbahn spiegelglatt. Am Horizont eine Häuserzeile, dahinter zwei goldene Kuppeln. Kein gutes Foto und doch ein stimmiges Bild – stimmig, weil es die leichte Verwirrung des eben erst Angekommenen spiegelt. Erste Eindrücke sind unscharf, Bilder verwischen sich in der Erinnerung.
Die Lukoil-Tankstelle in der Einöde, an der wir in der Abenddämmerung Benzin tanken, scheint eigenartig unwirklich. Flaches, dünn besiedeltes Land, schlechte Strassen, LKW’s. Dann fällt die Nacht. Stunden später meldet Tanja, unsere ukrainische Begleiterin, wir hätten nun die Kaffee-Tee-Grenze überquert, die Grenze zwischen Galizien und der Bukowina. Gehört Kaffee zu Galizien und Tee zur Bukowina? – Oder ist es genau umgekehrt?
Posted by dominik at 20:13 | Comments (0)
14.09.08
Grosses Kino auf dem Land : Roadmovie zeigt Schweizer Film „Der Freund“ in Rikon
Aktuelles Schweizer Filmschaffen im ganzen Land zeigen – das ist das Ziel des Kinoprojektes „Roadmovie“. Am Donnerstag 25.September macht das mobile Kino im Tösstal Station mit seinem Kinotag – eingeladen von der Kulturkommission Zell. Höhepunkt des Tages ist die Vorführung des preisgekrönten Films „Der Freund“ von Micha Lewinsky um 20.15 Uhr im Oberstufenschulhaus Rikon.
Fernsehen, Video und zuletzt die DVD haben zwar den Film in die gute Stube gebracht. Richtiges Kino ist aber doch etwas anderes – vor allem wenn dabei richtiges Zelluloid auf eine grosse Leinwand projiziert wird. Und genau das ist das Rezept des mobilen Kinoprojektes Roadmovie, das übrigens gerade deshalb auch von vielen grossen Kulturinstitutionen wie dem Bundesamt für Kultur oder dem Migros-Kulturprozent gefördert wird.
Höhepunkt des Filmtages im Tösstal ist natürlich die öffentliche Vorführung eines grossen Schweizer Filmes. Die Auswahl fiel der Kulturkommission der Gemeinde Zell nicht schwer: Für den Film „Sternenberg“ hatte Micha Lewinsky das Drehbuch verfasst (Regie führte dort Christoph Schaub) und so war man natürlich gespannt den ersten Film zu sehen, bei dem Lewinsky Regie führt. Sein Film „Der Freund“ ist eben herausgekommen und hat beim Schweizer Filmpreis 2008 den Preis für den besten Spielfilm erhalten, mit Philipp Graber wurde ausserdem das beste schauspielerische Nachwuchstalent ausgezeichnet.
Und darum geht’s: Im wirklichen Leben wären Emil und Larissa wohl nie ein Paar geworden - sie, die von allen umschwärmte Sängerin; er, ein schüchterner Aussenseiter. Eines Tages bittet die junge Frau Emil um einen besonderen Gefallen: er soll sich als ihr Freund ausgeben. Als Larissa einige Tage später stirbt, nimmt Emils Leben einen tragisch-komischen Lauf. An welches Publikum hat der Regisseur dabei gedacht? – „Ich dachte erst, es ist ein Film für junge Leute. Ich habe aber gemerkt, dass auch ältere Leute den Film gerne sehen und von der Geschichte berührt sind. Ich glaube, das ist kein Film für Leute, die im Kino am liebsten ganz viele Explosionen sehen, aber für Leute, die sich gern berühren lassen, die gerne lachen und weinen im Kino.“ – Eine wichtige Rolle spielt im Film die Musik und die junge Schweizer Sängerin Sophie Hunger berührt mit ihrem Titelsong „Very very close to heaven“ sofort das Herz des Publikums. Kostproben davon gibt’s übrigens im Kinotrailer im Internet.
Für die öffentliche Vorführung scheut die Crew von Roadmovie keinen Aufwand: Drei Personen reisen an und bringen eine professionelle, 35mm Projektion mit perfektem Kino-Sound nach Rikon. Und damit die Kino-Atmosphäre im verdunkelten Gemeindesaal im Oberstufenschulhaus perfekt wird, gibt’s eine richtige Kino-Bar geführt von einer Schulklasse.
Kleiner Wermutstropfen bei der ganzen Sache: Allzu gerne hätte man den Regisseur Micha Lewinsky im Tösstal gesehen: Der Sohn des Schriftstellers und Drehbuch-Autors Charles Lewinksy, gehört zu den interessantesten Figuren des Schweizer Kulturlebens. Schon vor seinen Filmprojekten hat er mit originellen Aktivitäten von sich reden gemacht, die schnell ein Publikum gefunden haben: Zu nennen ist hier in erster Linie die CD-Reihe „Ohrewürm“ mit Schweizer Popmusik für Kinder und Erwachsene von Dodo Hug bis Sterneföifi, die wohl den den meistverkauften CD’s gehört. Vor zehn Jahren erfand Micha Lewinsky ein Konzept zur Förderung von jungen Kulturschaffenden: „Kulturbüro“ nannte er die Idee und das Migros-Kulturprozent gab ihm die Chance, die Idee gleich in seiner engeren Heimat, der Stadt Zürich, umzusetzen. Just in diesen Tagen feiert das Zürcher Kulturbüro sein zehnjähriges Jubiläum und mit dem Basler Kulturbüro konnte vor einigen Wochen die vierte derartige Institution eröffnet werden. Und warum kommt Lewinsky nicht ins Tösstal? Er dreht nämlich gerade einen neuen Film – eine romantische Komödie unter dem Titel „Die Standesbeamtin“. Vielleicht erhört der junge Regisseur ja den Ruf aus dem Tösstal und ist im nächsten Jahr einmal Gast an einem Kulturapéro… und wer weiss, vielleicht schafft es doch noch ein Crew-Mitglied und berichtet den filminteressierten Tösstalern bei einem Glas Wein von den Freuden und Leiden des Schweizer Films.
Es bleibt aber nicht beim Abendprogramm, denn die Roadmovie-Crew reist schon am Vormittag an und gestaltet mit rund 100 Schülerinnen und Schülern aus Rikon und Kollbrunn einen richtigen Kino-Nachmittag mit Kurzfilmen und Gesprächen. Zum Hintergrund schreibt Roadmovie: „Die ersten Erfahrungen im Kinosaal sind entscheidend für die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer von heute - denn sie sind das Publikum von morgen und deshalb sind sie für Roadmovie auch besonders wichtig. Wir bieten Primarschülerinnen und -schülern ein lebendiges Kinoerlebnis und führen nicht nur Kurzfilme vor: Eine Begleitperson unterstützt das Gespräch über die Filme und beantwortet Fragen. Und das Surren des 35mm Projektors im Saal regt die Kinder ohnehin schon zu allen möglichen Fragen an, über Filme, Kino und Geräte.“
Dominik Landwehr
Roadmovie-Kinotag in Rikon,
Donnerstag, 25. September 2008 20.15 Uhr Oberstufenschulhaus Rikon
Eintritt frei, Kollekte
www.tösstal.ch – www.derfreund.ch – www.roadmovie.ch
Copyright Bild: www.derfreund.ch
Posted by dominik at 16:55 | Comments (0)
Wie macht man aus Steinen Gold...
Wie macht man aus Steinen Gold? - Ein alter Traum. Die Firma Flumroc in Flums, Herstetller von Dämmaterial hat das geschafft.
Die Firma Dachcom aus Schaan (FL) hat mich eingeladen, zum Thema "sagenhaft" etwas zu sagen. Das Resultat ist hier zu finden. PDF Dokument (640 KB)
Posted by dominik at 15:24 | Comments (0)
21.07.08
Basler Zeitung:Aktenzeichen Enigma gelöst
Die Basler Zeitung berichtet am 17.Juli ausführlich über das Buch "Mythos Enigma".
Vielen Dank Natalie Baumann. Und für alle jene, die die BAZ nicht haben, gibts hier den Artikel Download file
Posted by dominik at 11:15 | Comments (0)
17.07.08
Kant und die Astronomie - zum Tag der Astronomie am 6.September 2008
Am 6.September ist der Schweizerische Tag der Astronomie. Anlass für etwas Philosophie.
Nachdenken über das wunderbare Zitat von Kant
"Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir"
http://www.astroinfo.ch/
http://www.astronomie.ch/
Posted by dominik at 20:42 | Comments (0)
16.03.08
Herbert W.Franke: Science Fiction auf der Puppenbühne
Science Fiction und Puppenspiel. Geht das zusammen? - Um es vorwegzunehmen: Es geht und sogar wunderbar. Der Beweis liefert das Puppentheater von Bad Tölz, das seit einigen Monaten ein exklusives SF-Stück auf dem Spielplan hat: Der Kristallplanet von Herbert W.Franke.
Exklusiv und nur einmal im Monat - dafür ist der Autor gleich selber dabei. So auch am vergangenen Freitag: Der liebenswürdige Herbert W.Franke trägt zuerst zwei seiner Kurzgeschichten vor - das macht mit der Welt dieses Science Fiction Autor etwas vertrauter und erhöht die Spannung.
Die Inszenierung ist superb: Susanne Päch, Partnerin von Franke und gleichzeitig auch Initiatorin dieses Experiments freut sich. Darin steckt ziemlich viel High-Tech. Video-Animationen und jede Menge Mix-Media.
Herbert W.Franke und Susanne Pech erzählen im Sternenjäger-Gespräch, wie es zum Theater kam. Audio mp3: 12 Minuten, 10 MB
Mehr Infos zu Herbert W.Franke und dem Tölzer Puppentheater auf der Seite von art-meets-science:
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Wolkenkuckucks-Heim
Gesehen am 15.3.2008 in Bad Tölz
Posted by dominik at 17:19 | Comments (0)
07.03.08
In Memorian: Joseph Weizenbaum (1923 - 2008)
Am Radio erreicht uns heute die Botschaft, dass der Computer Pionier Joseph Weizenbaum kürzlich verstorben ist. Weizenbaum war ein High-Tech Dissident. Ich hatte Gelegenheit, ihn im letzten Sommer an der ETH Zürich zu treffen. Zum ersten und letzten Mal.
"Kurs auf den Eisberg" hiess sein Buch, das uns 1987 (!) beschäftigte. Computer waren damals trotz allem noch kein wirklich grosses Thema, das Internet schon gar nicht, es trat erst 5 Jahre später in mein persönliches Blickfeld.
Die Begegnung mit ihm vor einem Jahr: Quicklebendig, witzig. Seine Ansichten fand ich allerdings etwas überholt: Stimmt es wirklich, dass auch heute noch die grössten Computerprojekte im Dienste der Rüstung stehen? - Ich glaube nicht. Trotzdem, ein grosser Moment.
Beim Mittagessen dann sassen wir einander gegenüber und ich habe - mit seinem Einverständnis und wohl auch seiner Freude - ein paar Fotos aus nächster Nähe machen dürfen. Der Gelehrte erhielt vom Veranstalter - der ETH Zürich - einen schönen, silbernen Caran d'Ache Kugelschreiber und stellte fest, dass dies bereits das zweite derartige Schreibgerät in seinem Besitz war...und zum Beweis hielt er die beiden Kugelschreiber hoch!
Weitere Fotos von Prof. Joseph Weizenbaum. Fotografiert am 10.Juli 2007 an der ETH Zürich.
Reproduktion bitte mit folgendem Hinweis:
Foto Dominik Landwehr Migros-Kulturprozent Zürich
Wikipedia-Eintrag zu Weizenbaum
Und hier gehts zum Nachruf in der ZEIT vom 14.3.2008
Posted by dominik at 10:02 | Comments (0)
27.01.08
Wort-Verdreher Jörg Piringer zu Gast bei Dominiks Privatradio
Wort-Verdreher ist eigentlich ein Schimpfwort: "Du verdrehtst mir die Worte im Munde" sagen wir gelegentlich, wenn wir uns missverstanden fühlen. Beim österreichischen Künstler Jörg Piringer ist es anders. Er dreht und verdreht die Wörter nämlich wirklich. Und zwar in alle Richtungen. Schlimmer noch: Er dehnt sie - optisch und akustisch und verschmutzt sie. Ja, richtig gelesen. "Verschmutzen" heisst eine Funktion in einem seiner Computerprogramme. Grund also, um weiterzulesen. Wie das genau geht, erklärt er in unserem 20minütigen Gespräch
Jörg Piringer weilte zu einem Workshop mit Kindern und Jugendlichen in Zürich - eingeladen vom Migros-Kulturprozent und zeigte, was man unter Textverarbeitung auch noch verstehen könnte: Sprachspiele der besonderen Art, viele davon ganz einfach: Etwa dann, wenn ein kleines Programm Buchstabenfolgen "verschmutzt" indem er zufällige Buchstaben einfügt.
Piringer bietet auf seiner Webpage eine Vielzahl von Programmen und Beispielen aus seiner Tätigkeit an. Und hier hat er eine Reihe von Ressourcen und Links zusammengestellt, zu dem auch sein selber entwickeltes Wort-Verdrehungsprogramm gehört.
Der vielseitige Österreicher ist übrigens nicht nur Sprachkünstler, sondern auch Mitglied des Gemüse-Orchesters: Eine Formation, die mit selbst geschnitzten Gemüse-Instrumenten zeitgenössische Musik macht.
Zur Zeit ist Piringer übrigens Atelier-Gast in der Stadtmühle Willisau.
In Zürich entstand auch das rund 20minütige Gespräch mit dem Künstler, das Dominik Landwehr führte.
Posted by dominik at 10:01 | Comments (0)
10.12.07
Ziemlich durchgeknallt: Die Erbschaft von Duttweiler
Innovationsmanagement - ein staubtrockenes Wort. Wie füllt man den Begriff mit Leben? - Zum Beispiel mit Geschichten und Beispielen aus der Praxis. Der Text enstand auf Einladung einer Wirtschaftspublikation, die von der Zürcher Kommunikationsberaterin Manuela Stier herausgegeben wird.
Artikel allein (2 Seiten
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Gesamte Publikation zum Thema Innovationsmanagement
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Und hier gehts zu den Seiten der Herausgeberin Manuela Stier
Posted by dominik at 11:48 | Comments (0)
08.12.07
Reinhören: Science Fiction mit Herbert W.Franke
Er ist der bekannteste Science Fiction Autor deutscher Sprache. Zu seinem 80.Geburtstag organisierte sich der Autor eine Lesereise und machte auch in der Schweiz Halt. Sternenjäger dokumentiert diesen Anlass mit ausführlichen Tonbeispielen
Herbert W.Franke ist ein Mensch mit einer erstaunlichen Vielseitigkeit, denn er hat sich nicht nur als Schriftsteller einen Namen gemacht, sondern auch als Physiker und Höhlenforscher. Zudem besitzt er eine der umfassendsten Sammlungen zur Geschichte der Computergrafik. Und er hat einen langen Atem mit seiner rund 50jährigen Präsenz in der Öffentlichkeit. In einer Zeit, wo andere Autoren allenfalls ein Gesamtwerk herausgeben schreibt er neue Bücher.
Die Audiobeispiele belegen eindrücklich, die Präsenz, Aktualität und Frische dieses erstaunlichen Mannes. Zu hören sind hier vier Kurzgeschichte à je 10 Minuten sowie ein Interview von rund 45 Minuten Länge.
Die Aufnahmen enstanden im Rahmen der Veranstaltungsreihe "digital brainstorming", welche das Migros-Kulturprozent seit rund zehn Jahren in verschiedenen Schweizer Städten veranstaltet. Moderator ist Dominik Landwehr alias Sternenjäger. Die Urheberrechte liegen beim Autor.
Hier gehts zur Übersichtsseite mit allen Audio-Files von Herbert W.Franke sowie allen weiteren Links
Tages-Anzeiger vom 7.12.2007 Titel: Lieber schreibt er über Roboter als über intergalaktische Krieger
Und hier gehts zu Sternenjägers Bookshop
Posted by dominik at 11:10 | Comments (0)
08.11.07
Rumänien-Reisenotizen: Das einsame Karussell
Wie ein Bote aus vergangenen Zeiten steht es noch da: Das Karussel beim Zoo von Tirgu Mures. Es gehört zu den Kinder-Attraktionen des Erholungsgebietes auf dem Cornesti-Plateau, so wie die stillgelegte Eisenbahn. Wir staunen, es auch 17 Jahre nach dem Umsturz und unserem Aufenthalt hier noch vorzufinden.
Das einsame Karussell - woher kommt dieser eigenartige, melancholische Charme? - Die Hilflosigkeit des handgemalten Schriftzuges der rumänischen Fluggesellschaft TAROM; die Hand versucht nicht einmal die Gestalt des wirklichen Schriftzuges nachzuahmen, der Begriff allein muss genügen. Die Vorstellungskraft wird ohnehin gefordert.
Die Helden des Karussels tragen russische Namen: Gagarin 1961 lesen wir hier an der Seite und hier war offenbar eine andere, eine geschicktere Hand am Werk. Er strahlt, der russische Kosmonaut, auch heute noch.Das Karusell hat die Wirren der Umbruchzeit überstanden und trotzt den Versuchungen der neuen Konsumwelt.
Denn weit draussen vor der Stadt entstehen plötzlich Einkaufszentren von amerikanischem Zuschnitt mit ganz neuen Attraktionen. Noch bleiben die Besucher dort aus, es fehlt am Geld um an jener Welt wirklich partizipieren zu können. Und dann und wann an schönen Sommernachmittagen dreht das Karussell seine Runden, hoch oben auf dem Plateau von Cornesti über der rumänischen Kleinstadt Tirgu Mures.
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03.11.07
Reisenotizen Rumänien: Die orthodoxe Kirche von Tirgu Mures und der Nationalismus
Eine bemerkenswerte Darstellung aus dem Passionsweg von Christus in der orthodoxen Kathedrale des siebenbürgischen Tirgu Mures. Der sakrale Bau gehört wohl nicht zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Siebenbürgen. Die Codes der Bilder zu lesen erfordert jedoch eine grosse Vertrautheit mit der Geschichte der Region und der zufällige Gast übersieht das Bild im Eingangsbereich des Sakralbaus schnell.
Die Häscher von Jesus tragen Kostüme, die sie als Ungaren ausweisen, Jesus demgegenüber ist im Kleid des rumänischen Bauern dargestellt. Damit erhält das Bild in der Eingangshalle der Kirche eine klare nationalistische Dimension - ausgerechnet in einer Gegend, in der die Spannungen zwischen ungarischen und rumänischen Volksgruppen nach dem Umsturz eine gefähliche Dimension annahmen. Bei einem unserer wenigen Besuche in jener Zeit wurden wir auch Zeuge einer nationalistischen Kundgebung, angeführt durch einen orthodoxen Popen.
Der Nationalismus hat hier tiefe Wurzeln und auf Transylvanien ist nicht nur durch die Donaumonarchie auch mit der Geschichte Ungarns tief verbunden. Aber die Ursachen reichen tiefer: Anders als weite Teile des Balkans war Tranylvanien nie unter ottomanischer Herrschaft und die Region nahm teil an der europäischen Aufklärung.
Die religiöse Freiheit, die damals proklamiert wurde, war allerdings relativ, wie Robert D.Kaplan bemerkt: Die grosse Masse der rumänischen, orthodoxen Bauern, kamen nicht in den Genuss der Auswirkungen der neuen Ideen: Sie waren ganz unten im sozialen System, dessen Spitze von Ungaren und den seit dem Mittelalalter hier ansässigen Siebenbürger Sachsen eingenommen wurde.
Es darf darum nicht erstaunen, dass Rumänien nicht so beeindruckt ist von der "Fortschrittlichkeit" Transylvaniens, bemerkt Kaplan. Er mag da Recht haben.
Dass die orthodoxe Kirche keine architektonische Perle ist hat ebenfalls seine Gründe: Transylvanien ging erst nach dem Ersten Weltkrieg und den Verträgen von Trianon an Rumänien. Zu den deutschen und ungarischen Namen der Städte gesellten sich nun die rumänischen und Tirgu Mures - einst Neumarkt und Marosvasarhely - trägt seinen Namen noch keine 100 Jahre. Die neuen Herren setzten nun alles daran, Kirchen zu bauen, welche die ungarischen und deutschen übertrafen.
Und heute: Zu sagen, der Nationalismus - einst auf beiden Seiten gehegt und gepflegt - sei kein Thema mehr, wäre wohl etwas verfrüht optimistisch. Immerhin: Bei unserem flüchtigen Besuch ist er kein Thema mehr, mindestens kein Top-Thema. Und dass die Kinder unserer Bekannten von damals gerade beide einen Partner in der anderen Volksgruppe gefunden haben, freut uns besonders. Gerade diese gemischten Heiraten haben eine Tradition.
Robert D.Kaplan: Balkan Ghosts. A Journey trough History.New York 1993. St.Martins Press. S.150/151
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02.11.07
Reisenotizen Rumänien: In der Teleki Bibliothek in Tirgu Mures
Wer um Himmels Willen war Teleki? - Und wie kommt diese enorme Biblothek mit Literatur aus Barock und Aufklärung in die siebenbürgische Kleinstadt?
Zunächst bleibt einfach mal festzustellen: Allein die Bibliothek und die andauernden Bemühungen um Erhaltung und Erschliessung sind eine Reise nach Transylvanien wert und die Vorstellung mehr als ein halbes Jahr hier gelebt zu haben - 1990 gleich nach dem Umsturz - ohne die Bibliothek und ihre Forscherinnen und Forscher kennengelernt zu haben, schmerzt etwas. Noch ist Zeit, Versäumtes Nachzuholen. Und vielleicht ist die Vorstellung, damals etwas versäumt zu haben, nichts anderes als ein grossartiger Vorwand, immer wieder hierher zu reisen.
Zu finden ist sie einfach, denn gross ist Tirgu Mures nicht und das Stadtzentrum ist in 20 Minuten auch bei grossen Fussgängermassen leicht durchquert. Nur wenig ausserhalb des engsten Stadtkerns befindet sich die Bibliothek und Besucher und Forscher werden mit offenen Armen empfangen und nicht ohne Stolz durch die gut erhaltenen und gepflegten Räume geführt. Einige Bücher liegen aufgeschlagen hier, das eine oder andere kennen wir: Georgius Agricola: De re metallica libri XII zum Beispiel, 1556 ein Jahr nach dem Tod des Naturwissenschafters erst erschienen. Viele andere bekannte Namen, darunter Erasmus von Rotterdam - aber auch viel uns unbekannte Namen in ungarischer Sprache.
Rückfrage beim Leiter der Bibliothek: Haben SIe ein Werk von Ludwig Lavater - den Zürcher Pfarrer, dessen Gespenstergeschichten der Harry Potter des 16. und 17.Jahrunderts sind. Er holt sichtlich tief Luft, der Bibliothekar: Ein Buch von Lavater, fragt er in bestem Deutsch: 30 Werke haben wir hier und wir haben alle Titel schon vor Jahren nach Genf gemeldet. Nun, wir interessieren uns nicht für die gelehrten theologischen Ausführungen des Zwingli-Nachfolgers, sondern eben nur für dessen Gespenstergeschichten. Und sie sind hier, in einer lateinischen Ausgabe vertreten. Wunderbar.
Bleibt noch die Klärung, wer Teleki war: Sámuel Teleki de Szék (1739-1822) gehörte zur gebildeten Oberschicht und war Kanzler des damaligen Transylvaniens. Seine ursprüngliche Sammlung umfasste 40 000 Bände - die Bibliothek wuchs später mit anderen Beständen zu den heutigen 200 000 Bänden. Verbunden mit der Bibliothek ist ein weiterer Name: János Bolyai (1802 - 1860), der dem nahegelegenen ungarischsprachigen Gymnasium den Namen gab und an den eine kleine Ausstellung in der Bibliothek erinnert. Bolyai war Mathematiker und machte einige bemerkenswerte Entdeckungen auf dem Gebiet der nicht-euklidischen Mathematik. Wenn Mathematik die zweidimensionale Ebene verlässt, gelten andere Regeln...
Mehr Infos zur Teleki Bibliothek
...und zu Janos Bolyai in der Encyclopedia Britannica und in der Wikipedia
Und mehr zu Ludwig Lavater über den ich 1983 meine Lizentiats (Magister) Arbeit verfasst habe. In Gedenken an meinen 1995 verstorbenen Professor und Lehrer Rudolf Schenda
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Posted by dominik at 20:54 | Comments (0)
28.10.07
In der Hortobagy Steppe im Nordwesten Ungarns
Die Hortobagy Steppe vor Sonnenuntergang - die Pferde weideten erst einige 100 Meter von uns entfernt und kaum hatten wir zweimal geguckt kam Bewegung in die Gruppe: Feierabend, von der Weide in den Stall - Fotografenglück des Zufalls...
Oben und unten in der Hortobagy Steppe, im Nordwesten Ungarns. Was von der Strasse aus wie eine Touristenfalle aussieht - mit Imbiss und Souvenir-Ständen - entpuppt sich beim zweiten und dritten Hinsehen und vor allem bei einem ausgedehnen Spaziergang als Naturschönheit erster Güte...Wir besuchen die erst die ausgedehnten Pferdestallungen - man entrichtet einen kleinen Obulus - dafür darf man danach überall hineingehen.
Danach gehts ganz nach draussen. Welche Weite hier herrscht - unterbrochen nur hie und da von Hecken oder einer ausgetrockneten Bachsenke. Genau diese Unregelmässigkeiten, so weiss Doris, machten diese Steppe als Lebensraum so kostbar. Sprachs - und guckt wieder ins riesige Swarosky-Fernglas. Atemberaubend...
In der Zwischenzeit sinkt die Sonne immer mehr zum Horizont, der in waagrechter Linie vor uns liegt. Und in der Dämmerung sehen wir sie noch besser: Die Kraniche. Erst entdecken wir sie nur am Horizont, wenig später überall. in ungleichmässigen V-Formationen; sie verlangsamen ihren Flug und gehen zu Boden. Hier im Schutz der kargen Steppenpopulation finden sie Schutz und Nahrung auf ihrem erstaunlichen Zug in den Süden.
Hier gehts übrigens zur Homepage des Parkes, der sich eigentlich korrekterweise mit einem Akzent schreibt: So: Hortobágy
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Posted by dominik at 18:58 | Comments (0)
Ungarn-Reisenotizen: Minarett mit Kreuz
Man staunt: Ein Minarett als Wahrzeichen einer christlichen Stadt. Gesehen in der ungarischen Stadt Eger, etwa ein Autostunde nordöstlich von Budapest. Das Minarett statt aus der Zeit der türkischen Herrschaft. Überraschend bei allem, dass es stehen geblieben ist. Und es inspiriert woh jede Generation wieder aufs Neue.
Einsam steht es da, das Minarett in Eger. Wer schwindelfrei ist kann sich durch die schmale Wendeltreppe im Innern des Turmes nach oben zwängen - oben angekommen gibts nur einen Gedanken: Schnell wieder runter, denn hier der Turm kaum noch einen Meter dick und die Plattform auf der wir stehen misst vielleicht 20 Zentimeter.
Reivzoll ist er trotzdem, der kleine Turm, dem man sicherheitshalber ein Kreuz verpasst hat. Nur damit keiner auf die Idee kommt....Kontrast zum idiotischen Schweizer Wahlkampf im Herbst 2007. Die dümmste Parole hab ich in diesen Tagen in Basel gefunden: Rot-Grün will Minarette.
Zurück zum Minarett von Eger: im Jahr 1596 wurde die Stadt von den Türken erobert und bliebt dannach fast 100 Jahre unter osmanischer Herrschat. In dieser Zeit wurde eifrig gebaut und es entstanden Moscheen und Bäder. Das Minarett dürfte der letzte noch erhaltene Bau aus dieser Zeit sein. Er gilt als das das nördlichste historische Bauwerk der Osmanen.
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Posted by dominik at 17:55 | Comments (0)
27.10.07
Reisenotizen Rumänien: Schlaflos in Maramures
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Tut einer eine weite Reise, so erzählt er gerne einmal, er sei am Ende der Welt gewesen. Und wer in Viseu de Sus - Oberwischau in der rumänischen Maramures Region war, verfällt nur allzu gerne auf diese Formel. Zu den letzten Ufern aufzubrechen ist einer der Mythen der Moderne, denn vielleicht gibts diese letzte Ufer längst nicht mehr. Kein Ort, wo Google-Earth nicht hinguckt, kein Ort, wo das Handy nicht funktioniert...oder doch mindestens ein Satellitentelefon, das der gewiefte Reisende stets mit sich führt...
Björn Reinhard, der seit anfang 90er Jahre mit seiner Frau dort lebt und eine höchst ungewöhnliche Pension führt, mag den Vergleich vom Ende der Welt nicht mehr hören. Ein Blick auf die Karte zeigt schnell: Maramures ist genau so wie Lemnberg oder Tschernowitz in der geografischen Mitte von Europa. Und trotzdem....
Trotzdem ist es weit nach Oberwischau. Eine Tagreise zum nächsten grossen Flughafen - Budapest oder Bukarest - reicht nicht, es sei denn, man ist ein robuster (Miet)-Autofahrer. Alle anderern nehmen sich besser zwei Tage Zeit, zumal es unterwegs auch einiges zu sehen gibt. Und man lasse sich nicht von Strassenkarten täuschen: In den Karpaten kommt man kaum mehr als 50 Kilometer pro Stunde vorwärts, was immerhin eine sehr genaue Kalkulation erlaubt.
Wie kommt jemand darauf, hier Fuss zu fassen? - Die neugierige Frage ist erlaubt und die Antwort eine schöne (Liebes)Geschichte: Björn stammt aus dem ehemaligen Ostdeutschland und hat als Kind hier immer Ferien gemacht. Das dürfte - Irrtum vorbehalten - auch nicht gerade die populärste Ferienregion des Ostens gewesen sein. Wer damals hierher kam, muss auch schon seine Gründe gehabt haben und gerne eigene Wege gegangen sein. Jene Zeit ist ihm noch sehr präsent und gerne berichtet er auch, wie man mit Kaffee, Zigaretten und Pfeffer sein Reisebudget aufbesseern und sogar eines der begehrten und teuren Flugtickets kaufen konnte.
Nach der Wende zog es den Mecklenburger wieder hierher - hat er seine Florentina schon als Kind gekannt? - Man möchte es fast meinen. Jedenfalls sind die zwei ein Paar und führen die vielleicht ungewöhnlichste Pension, die ich jemals besucht habe. Denn kein Wegweiser zeigt den Weg hierher - aber seine Internetseite gibt erschöpfend Auskunft. Wer die Unterkünfte im Tal gesehen hat, wird nicht viel erwarten.
Und dann die grosse Überraschung: Drei Häuser, umzäunt von einem grossen Gartenzaun, und man wähnt sich im Paradies. Eine perfekte Wohnung, behaglich eingerichtet, erwartet uns. Bücher und BIlder sind im Überfluss vorhanden und dass ein Fernsehgerät samt DVD Spieler bereit steht, hat einen besonderen Grund: Björn Reinhard ist ein passionierter Videofilmer mit einem ethnografischen Blick, mit vielen Geschichten im Kopf, die nur darauf warten, erzählt zu werden. Und er hat etwas, wovon alle träumen: Zeit. Seine Filme sind ethnografische Studien, die vlelleicht nicht allen filmografischen und wissenschaftlichen Kriterien stand halten mögen - aber gerade dadurch unverwechselbar sind.
Noch etwas: Übernachten kann man im Weintal mit oder ohne Verpflegung: Die Küche von Florentina sollte man sich nicht entgehen lassen. Traditionelle rumänische Kost, ganz sanft modernisert und nicht ganz so schwer wie anderso. Und mit etwas Glück gibts Palatschinken von der Grossmutter, die nur einige Schritte entfernt wohnt. Ruhe ist hier garantiert. Gut zu Fuss sollte man sein - und keine Angst vor Wanderungen ohne Wegweiser. Wenn plötzlich zwei zähnefletschende Hunde vor einem stehen, hat man möglicherweise doch den falschen Weg erwischt...
Links und rechts des Weges immer wieder Zäune aus geflochtenen Weiden. Sie sehen solide aus und dürften mehr
als einen Winter überdauern. Immer wieder dieses Staunen, diese wilde Exotik. Das ist der urbane Blick, wer hier lebt, empfindet das bestimmt nicht so.
Und Björn zeichnet seine Dokumente in einer Zeit des Wandels auf: Denn nach dem Eintritt des Landes in die Europäische Union dürfte sich auch hier im Norden des Landes manches bald ändern. Wie lange werden die wenigen Ruthenen-Familien mit ihren Schafen noch Jahr für Jahr auf ihre Alp nach Opcina ziehen oder dort gar überwintern? - Wie lange wird das Pferd noch das wichtigste Transportmittel der Talbewohner sein? - Und wann beginnt der Alternativ-Tourismus die Gegend noch mehr zu entdecken?
Trotzdem: So schnell wirds wohl nicht gehen - denn noch ist der Weg dorthin weit. Und wer es trotzdem versuchen will findet auf den Seiten von Björn reichlich Informationen
Mehr Infos auch von dlandwehr at bluewin.ch
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Posted by dominik at 17:51 | Comments (0)
Rumänien-Reisenotizen: Ungleichzeitigkeiten
Ungleichzeitigkeiten - man könnte es auch Widersprüche, Kontraste nennen. Unser ständiger Reisebegleiter in Rumänien. Längst ist die Moderne im hintersten Ecken dieses Landes angekommen. Auto und Handy sind das Symbol davon.
So etwa hier in Ernei im Val Lapusna bei Reghin (Sächscih-Regen): Es gibt eine Kirche, eine Schule und ein Magazin Mixt für jene Lebensmittel, die man nicht selber herstellt. Denn Milch, Fleisch, Gemüse und Früchte hat hier jeder selber, auch wenn die Auswahl nicht riesig und saisonal schwankend ist. Aber es gibt einen Vodafone-Laden wie in fast jedem Dorf und nicht selten hats dort eine lange Schlange von Leuten.
Pferdefuhrwerke und Handy - warum ist das in unseren Augen ein Widerspruch? - Vielleicht einfach, weil wir das Pferdefuhrwerk mit der Vergangenheit, mit Tradition und das Handy mit Gegenwart, Zukunft, mit technischem Fortschritt verbinden. Man könnte vielleicht sagen, wir laden diese Dinge mit zusätzlichen Bedeutungen auf.
Die Leute hier sehen es wohl wesentlich nüchterner: Das Pferdefuhrwerk ist immer noch das günstigste Nahverkehrsmittel, zudem zweckmässig und auch geeignet um grosse Lasten zu transportieren. Das Handy ist ein mobiles Telefon, das im Gegensatz zum maroden rumänischen Telefonnetz immer funktioniert.
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Posted by dominik at 13:39 | Comments (0)
Rumänien-Reisenotizen: Aufgemalte Turmuhren
Beobachtung in zwei kleinen Dörfern in der Nähe von Reghin (Sächsisch-Regen) im rumänischen Siebenbürgen. Beide Ortschaften besitzen stattliche Kirchen mit einer kleinen Turmuhr. Beim näheren Hinsehen stellt sich heraus, dass nicht nur die Turmuhr gemalt ist, sondern auch deren Zeiger. Die Uhr erfüllt also ihre eigentliche Funktion gar nicht. Warum ist das wohl so? Und erfüllt die Uhr ihre Funktion wirklich nicht?
Aufgemalte Turmuhren - das Bild ist so schön, dass man unwirklich an Walter Benjamins Denkbilder erinnert wird. Einfach Erklräungen sind schnell zur Hand: Armes Dorf, wenig Geld, Wunsch es anderen gleich zu tun. Möglich. Frage an einen Bewohner der Gegend: Warum ist da keine richtige Uhr drin. Antwort: Weil die genaue Zeit irrelevant ist. Auch das ein möglicher Ansatz. Aber warum dann die Uhr, dann könnte man es auch lassen - schliesslich gibt es auch Kirchen ohne Uhren, man denkt etwa an die Holzkirchen in der Maramures Region.
Vielleicht gibts noch eine andere Erklärung: Die Turmuhr ist ein kulturelles Muster - ein Zeichen. Es besteht aus einem Kirchturm und einer Uhr und das Zeichen hat seine Bedeutung unabhängig vom mechanischen Funktionieren der Uhr. Denn vielleicht dient die Turmuhr nicht nur zum Anzeichen der genauen Zeit sondern ist vielmehr eine Erinnerung an das ständige Verfliessen der irdischen Zeit im Kontrast zu einer anderen Zeit.
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Posted by dominik at 12:37 | Comments (0)
26.10.07
Rumänien-Reisenotizen: Das Geburtshaus von Elie Wiesel in Sighet
Der weite Rückweg von Viseu de Sus nach Budapest führt über Sighet, heute Sighetu-Marmatiei. Wir parken das Auto im Stadtzentrum und machen uns auf die Suche nach dem Geburtshaus von Elie Wiesel. Es ist schnell gefunden: Ein stattliches, eingeschossiges Bürgerhaus, wie es hier Dutzende gibt. Was soll man an einem solchen Ort denken?
Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Vielleicht muss man Orte wie diesen hier zunächst einfach einmal besuchen, verweilen, anschauen. Das Wenige, was hier ist, zur Kenntnis nehmen. In diesem Fall ein einfaches Haus, mit bescheidensten Mitteln in eine Gedenkstätte umgewandelt. Draussen eine Tafel, die mehr verbirgt als enthüllt. Nicht der Nobelpreis macht diesen Ort wichtig. Aber muss das gesagt werden?
In diesem Haus wurde der Schriftsteller Elie Wiesel am 30.September 1928 geboren - im ganzen Distrikt lebten damals 30 000 Juden, allein in Siget über 3000. 1944 - so spät, ist man versucht zu sagen - begannen die Nazis die Juden aus dem damalige Ungarn, zu dem auch Siget gehörte, zu deportieren. Elie Wiesel überlebte die Konzentrationslager der Nazis und legt in seinen Büchern Zeugnis ab von der Vernichtung der europäischen Juden.
Man muss solche Orte besuchen. Auch wenn man die Bilder von Roman Vishniac kennt, so fällt es doch schwer, sich das Leben in dieser ungarischen Stadt in den 30er Jahren vorzustellen. Und zu begreifen, was hier passiert ist, warum es passiert ist, was wäre, wenn es nicht geschehen wäre.
Woher die Scheu darüber nachzudenken, darüber zu reden? - Es gibt Gründe: Die Furcht, nicht die angemessenen Worte zu finden. Geschichte lebt aber nur, wenn sie immer wieder neu erzählt wird, in unserer Sprache, mit eigenen Worten.
Holocaust-Überlende aus Rumänien. Texte und Bilder von Dominik Landwehr aus dem Jahr 1997
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Posted by dominik at 21:45 | Comments (0)
24.10.07
Rumänien-Notizen: Die dunkle Seite Europas
Notizen von einer Reise durch Ungarn und Rumänien - mit dem Ziel Maramures, jene Grenzregion in den nördlichen Karpaten. Landschaften, Traumlandschaften. Sind das nur Projektionsflächen für unsere Sehnsüchte? - Zeit und Raum zum Nachdenken. Es gibt nicht nur urbane Landschaften, es gibt auch ein ländliches Europa, das nichts mit dem Tösstal, dem Jura oder dem Engadin zu tun hat... Zum Auftakt einfach ein Zitat des österreichsischen Autors Rüdiger Wischenbart.
"Manchmal wird ein Professor in die Karpaten geschickt, bis ins hintere Transylvanien, um nachzusehen, was es mit dem Wesen der Nacht auf sich hat. Er soll sie erforschen, sich erkundigen und schliesslich Holzpflöcke anspitzen, um die Brut zu bändigen. Aber wir wissen, dass einer dabei auch immer der Schönen verfällt, die sich in der beglückenden Nacht über ihn beugt und ihre Zähne in ihn schlägt, so dass er, ohne zu ahnen wie ihm geschieht, den Keim Transylvaniens zurück in seine, in unsere Welt trägt. " Rüdiger Wischenbart: Die Karpaten. Die dunkle Seite Europas. Wien 1992.
Im Bild zu sehen: Rund um die Siedlung Obcina bei Viseu de Sus im rumänischen Maramures Distrikt. Hier leben vorwiegend Ruthenen, ein ukrainischer Volksstamm.
Mehr dazu auf den Seiten von Bjorn Reinhard
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Posted by dominik at 21:17 | Comments (0)
30.09.07
Nahreisen: Nächtliche Klangreise durch eine hyperreale Stadt
Eine nächtliche Klangreise durch eine hyperreale Stadt: Daniel Keller, Freiraumplanung Grün Stadt Zürich, und Andres Bosshard, Klangkünstler, führen durch Zürich-West in eine hyperreale, nächtliche Welt voller Geräusche und Leben. Eine Akvittät im Rahmen der Veranstaltungsreihe Nahreisen.
Die Exkursion beginnt unter der Hardbrücke-Unterführung, einst ein postindustrielles Niemandsland und Denkmal aus den 60er Jahren, heute Kulisse für das Ausgehpublikum am Samstagabend mit Kinos wie Abaton, Schiffbau-Theater, Mucsical-Hall, Clubs und Restaurants in Gehweite. Eine dynamische Gegend, dieses Zürich-West und hier wird vielleicht die Zukunft der Stadt gemacht: In den nächsten Jahren wird (weiter) gebaut, was das Zeug hält: 30 000 Arbeitsplätze sollen am Schluss hier zu finden sein, dazu Wohnungen für Tausende von Menschen.
Aber noch ist das Zukunftsmusik und wir stehen auf dem Gelände der einstigen Maschinenfabrik Maag. Die Werkgeräusche sind verstummt und nur ein markantes Gebäude mit runden Kanten wie ein Schiffsbug soll stehen bleiben.
Dann gehts durch abenteuerliche Wege weiter, über Gleise, vorbei durch ein Niemandsland - kontinuierlich verändern sich die Geräusche: Der Bass-Booster der Party von eben wird leiser, hin und wieder flitzt ein Zug vorbei, darunter das Grundrauschen der Stadt, hin und wieder ein Flugzeug.
Und doch kling sie nicht überall gleich, die nächtliche Stadt - und erstaunlich, wie plötzlich das Ohr vor einer mächtigen Hauswand ein wenig Ruhe findet - kein Surround-Sound mehr, jetzt schon mehr Amphitheater, man blickt nach vorn.
Abschluss im nächtlichen Technopark mit einer kleinen Klanginstallation von Christian Weber am Kontrabass und Andres Bosshard mit einem Sputnik-Satelliten, gezogen von drei überdimensionierten Ballonen schickt er sein Piepsen aus der Höhe...
Posted by dominik at 10:08 | Comments (0)
28.09.07
Zum Sputnik-Jubiläum: Radiosendung mit Bruno Spoerri und Bruno Stanek
Eigentlich ist es ein Zufall: Im Frühjahr kurvten wir in der Veranstaltungsreihe digital brainstorming mit dem Duopack Bruno Spoerri und Bruno Stanek durch die Schweiz, redeten über die Geschichte der Raumfahrt und die Entwicklung der elektronischen Musik in der selben Zeit. Unser Gespräch setzte beim Sputnik-Jubiläum ein - ein Datum, das natürlich beiden Gesprächspartnern in Erinnerung geblieben war. Thomas Adank von Radio DRS produzierte aus unserer kleinen Show eine Radiosendung und die passt natürlich nun bestens in Sputnik-Jubiläum. Zu hören am 3. Oktober, 22.35-24.00 auf DRS 2j. Und. Wer mag kann bei uns auch eine Gratis-CD der Radiosendung bestellen.
Die Idee zu dieser Produktion entstand zufällig: Im Sommer 2005 besuchte der Schreibende den Musiker Bruno Spoerri in seinem Studio in Oetwil am See - eine wahre Fundgrube in Sachen Geschichte der elektronischen Musik. Bruno Spoerri hat einige alte Synthesizers "Vintage" Geräte sorgfältig aufbewahrt und so lassen sie sich heute auch noch spielen - daneben auch das eine oder andere Gerät, das er im Lauf seiner langen Karriere als Musiker angertigt hat oder hat anfertigen lassen.
Daneben jede Menge Platten, fein säuberlich geordnet und sortiert. Und da fiel unser Auge auf die Produktion "Mars einfach - 1.Klasse bitte" aus dem Jahre 1972. Spoeri hatte damals für eine Sprechplatte mit dem Weltraum-Publizisten Bruno Stanek Musik gemacht. Raumfahrt, Science Fiction und elektronische Musik gehören einfach zusammen!
Dort dann also die Idee: Man müsste die beiden heute zusammenbringen - die Idee wurde im Frühjahr 2007 umgesetzt und hat auch beim Radio Anklang gefunden. Enstanden ist eine 80minütige Zeitreise, die mit dem Sputnik Schock im Jahre 1957 beginnt.
Von der Produktion gibts übrigens eine CD, die man hier bestellen kann: dominik.landwehr at mgb.ch
Zur Mars-Illustration:
Ludek Pesek (1919-1999), international bekannter Space Artist mit Wohnsitz in der Schweiz, hatte diese Illustration unter dem Titel ?Anflug über einer Mars-Stadt im Abendlicht? speziell für die Platten-Produktion von 1972 gemalt.
Weitere Infos auf der Seite Spacearts
Posted by dominik at 11:31
16.12.06
Die Himmelsscheibe von Nebra
Die Himmelsscheibe von Nebra - eine der wichtigsten archäologischen Funde der letzten Zeit - und die Sternwarte Eschenberg Winterthur haben mich kürzlich zu einer Betrachtung inspiriert, die im Tössthaler vom 16.Dezember abgedruckt wurde.
Es ist schon einige Jahre her, dass ich die Sternwarte auf dem Winterthurer Eschenberg besucht habe. Kalt war es an jenem Winterabend im Januar ? gut verpackt standen wir auf der Beobachtungsplattform dieses Gebäude, das viel mehr an ein Einfamilienhaus als an eine Sternwarte erinnert. Zwei Instrumente standen uns zur Verfügung ? ein traditionelles Fernrohr mit Okular ? hier konnte ich die Ringe des Saturn mit eigenen Augen sehen ? und daneben ein modernes Gerät, dessen Bilder auf dem Bildschirm eines Laptops zu sehen waren. Mit diesem Gerät macht sich Markus Griesser, Leiter der Sternwarte nächtens auf die Jagd ? seine Spezialität sind Kleinplaneten, Asteroiden. Der Besuch hat mich nachhaltig beeindruckt und seither gehöre ich zu den Gönnern der Sternwarte Eschenberg. Und jedes Mal, wenn Markus Griesser und seine nächtliche Arbeit wieder in der Presse erwähnt werden ? und das ist gar nicht so selten der Fall ? bin ich auch ein klein bisschen stolz; nur meine weiteren Besuche auf dem Eschenberg lassen noch auf sich warten.
Die Suche nach Kleinplaneten und weiteren Himmelserscheinungen beeindruckt mich, aber ist nicht der wichtigste Grund für meine Sympathie für diese Winterthurer Institution. Sie wurzelt vielmehr in der Bewunderung für die Sternengucker, die Astronomen. Mit ihnen teile ich das Staunen über Himmel, Mond und Sterne. Und vielleicht bedauern auch sie, dass sich dieses Staunen heute nur noch selten einstellt. Am ehesten noch bei einem winterlichen Spaziergang in den Bergen, wo man dann ganz ohne Instrumente nicht nur Mond und Sterne, sondern vielleicht auch noch die Milchstrasse sehen kann.
Eine ganz ähnliches glückliches Staunen erlebte ich kürzlich beim Besuch der Ausstellung "Der geschmiedete Himmel ? Religion und Astronomie vor 3600 Jahren", im Historischen Museum von Basel. Nicht nur die gezeigten Funde sind spektakulär, auch die Präsentation im Keller des Museums: Hier herrscht natürliches Dunkel ? nur die Objekte in ihren Vitrinen werden beleuchtet. Und der Besucher wird nicht durch eine Überfülle von Exponaten erschlagen, stattdessen zeigt man ihm ausgewählte Stücke, versehen mit den notwendigen Erklärungen. Im Zentrum der Ausstellung steht der bedeutendste archäologische Fund der letzten Zeit, die so genannte Himmelsscheibe von Nebra: Ein Bronzescheibe von 32 Zentimeter Durchmesser und zwei Kilo Gewicht, darauf sind Sonne, Mond und eine Hand voll Sterne zu sehen, ganz unten zudem zwei Bögen. Die Sterne, so erfahren wir, sind wohl die Plejaden, das Siebengestirn. Astronomen und Archäologen haben Gründe zur Annahme, dass das bronzezeitliche Fundstück den Bauern geholfen hat, den richtigen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte zu bestimmen. Die goldenen Bögen symbolisierten vielleicht Barken. Diese Schiffe, so spekuliert man heute, hätten nach der bronzezeitlichen Auffassung die Sonne in der Nacht über den Ozean zurück zu ihrem Ausgangspunkt transportiert.
Zur Himmelsscheibe von Nebra gehört eine Entdeckungsgeschichte, die sich liest wie ein Krimi: Die Bronzescheibe wurde nämlich 1999 von Amateuren auf dem Mittelberg bei Nebra in der Nähe von Halle gefunden und auf dem Schwarzmarkt angeboten. In Hilton Hotel von Basel gelang es der Polizei die Verkäufer in eine Falle zu locken und das kulturhistorisch einmalige Fundstück zu beschlagnahmen. So kommt die Ausstellung heute an einen Ort zurück, der mit der Geschichte dieses Objekts eng verbunden ist!
Beim Besuch der Ausstellung gehen mir ähnliche Gedanken durch den Kopf wie bei der Sternwarte: Ich empfinde eine grosse Hochachtung für die kulturellen und vorwissenschaftlichen Leistungen der Menschen in der Bronzezeit, deren Schlüsse einzig auf Beobachtung basierten. Und eine merkwürdige Verbundenheit: Himmel und Erde, Sonne Mond und Sterne waren dieselben wie heute, 3600 Jahre später. Und wer sich Instrumente wie Dolche und Messer oder Schmuck- und Kultstücke ? zum Beispiel eine Bernsteinkette, die im bündnerischen Savognin gefunden wurde genauer anschaut kommt nicht umhin zu sagen: Formen und Farben sprechen uns auch heute an. Vielleicht waren die Menschen jener Zeit gar nicht so anders als wir. Vielleicht gibt es doch so etwas wie Ideen und Empfindungen, die allen Menschen zu allen Zeiten gemeinsam waren!
Die Ausstellung von Basel und die Sternwarte Eschenberg vermitteln neben Information auch Inspiration und geben vielleicht Motivation für eine kleine Exkursion in der nächsten Zeit. Die Sternwarte Eschenberg ist jeweils am Mittwochabend für das Publikum geöffnet (19.30 ? 21.30 Uhr). Mit etwas Glück lässt sich dort am 3./4. März eine totale Mondfinsternis beobachten. Spektakuläres gibt es gemäss Website der Sternwarte auch am 7.August: Da bedeckt der noch fast halbvolle, abnehmende Mond die Plejaden. Mehr dazu gibt?s im Internet unter www.eschenberg.ch
Die Ausstellung "Der geschmiedete Himmel" im Historischen Museum Basel in der Barfüsserkirche ist noch bis zum 29.Januar zu sehen. Der grossformatige Katalog mit dem gleichen Namen? ein richtiger Prachtband mit grossen Bildern und leicht verständlichen Erläuterungen ? kann an der Ausstellung oder via Buchhandel bezogen werden. Preis 34.90 CHF. Nähere Infos zur Ausstellung gibt?s auch da im Internet unter www.hmb.ch. Eine umfangreiche Darstellung zum Thema der Sternenscheibe von Nebra findet sich übrigens auch in der deutschsprachigen Wikipedia.
BILDLEGENDE
Hortfund von Nebra (D), Nachstellung der Fundsituation: Himmelsscheibe, Schwerter, Armringe, Beile um 1600 v. Chr. Foto: J. Lipták, Landesmuseum für Vorgeschichte Halle
Posted by dominik at 19:27 | Comments (0)
03.11.06
Der Blogger als Text Jockey (TJ) - Interventionen zur SGKW Tagung
3.November 2006. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Kulturwissenschaft. Der Sternenjäger ist eingeladen, die Themen zu kommentieren. Vorgestellt und eingeführt vom Kulturvermittler Heinz Nigg: Der Blogger als TJ - als Text-Jockey. Und er war nicht allein...
Vor den Texten einige kurze Erklärungen: Die Schweizerische Gesellschaft für Kulturwissenschaft ist eine lose Gruppe von Geistes- und Sozialwissenschaftern jener Disziplinen, die mit dem Begriff der Kulturwissenschaft belegt werden. Zu diesem (weiten) Feld gehören unter anderem Geschichte, Literatur(en), Soziologie, Ethnologie, Volkskunde, Medienwissenschaften etc. Die Jahrestagung 2006 fand im Cabaret Voltaire im Zürcher Niederdorf statt und war dem Thema Wissenskulturen gewidmet.
Schön, dass gerade zwei Blogger kommentierend anwesend waren - neben dem Sternenjäger auch Stefan M.Seydel ("SMS"), der mit seinem rebell.tv immer wieder interessante Akzente setzt und von der NZZ auch schon der "originelleste Mediendissident" genannt wurde.
Die untenstehenden Interventionen müssen auf dem Hintergrund der Referate respektive der Zusammenfassungen (siehe oben) gelesen werden.
INTERVENTION 1 Kunst und Raum
Shopping als Kulturvermittlung. Wie unterscheiden sich Einkaufszentrum und Museum? ? Man kann das Einkaufszentrum doch auch als Museum und das Museum als Shopping-Meile erleben.
Die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem verschieben sich. Auch im urbanen Raum. Weil der öffentliche Raum von Werbung und Marketing dominiert wird, verweigern sich Künstler sich zunehmend. Tun sie das wirkklich? Oder gibt es nicht gerade eine neue Generation von Künstlern, die solche Zusammenhänge geradezu suchen?
Warum diese Schwierigkeit? Shopping als kommerzielle Aktivität wird offenbar als Gegensatz zur künstlerischen Aktivität empfunden.
Ein ähnliches Feld bildet Kunst und Tourismus: Es gibt Berührungsängste und Missverständnisse. Aber umgekehrt ist Kunst ja längst ein Standortfaktor im Tourismus-Marketing.
Künstlerische Inverventionen können auch in anderen Systemen als im Kunst-Kontext funktionieren. Denn längst gibt eine Symbiose von Kunst und Tourismus: Kirchner in Davos, Segantini im Engadin?Dada in Zürich (?!)
Zum Thema Kunst und Öffentlichkeit gehört auch der Umgang mit den Medien. Öffentlichkeit wird über Medien hergestellt. Deshalb muss man viele Anlässe auch nicht mehr besuchen. Man hat?s ja am TV gesehen. Publikumsschwund ist deshalb nur ein scheinbarer Schwund.
Referate:
Philipp Meier/Adrian Notz
Das Cabaret Voltaire und der Dadaismus
Michael Hiltbrunner
Kunst und Öffentlichkeit
Peter Spillmann
Kunst und Tourismus
INTERVENTION 2: Wissen als Speicher ? Wissen als Prozess ? Wissen wird ausgehandelt
Ein Blick auf zwei zentrale Aspekte der Wissensvermittlung: Einmal über die Schulbuchillustration und einmal via architektonische Gestaltung. In beiden Fällen werden nonverbal Werte und Konzepte vermittelt.
Schulbuchillustration: Werte: Dankbarkeit, Grossmut, Hilfe, Respekt etc.
Referent: Diese Werte waren wohl gar nicht so schlecht und würden sich auch heute gut machen.
Verhältnis von Text und Bild hat sich verändert. Von der traditionellen Literatur-Illustration bis zu einer starken Eigenständigkeit, erst ab 80er Jahren.
Wissensräume ? Bibliotheks-Architektur: Die Ordnung des Wissens macht Wissen erst möglich. Anordnungen im Raum bilden Struktur und Speicher und schaffen so einen nicht-diskursiven Rahmen. Zentrale Referenz Borges: Die Bibliothek von Babylon.
Die Wissensproduktion einer traditionellen Enzyklopädie: Das Internet spielt eine wachsende Rolle. Rückkoppelungsprozess. Die digitale Herausforderung ? Wikipedia, Google, Digitalisierung von Bibliotheken. Eine mögliche Antwort: Wir sind fasziniert, überrascht, überfordert ? aber wir wissen es nicht. Kaum haben wir eine Entwicklung begriffen, müssen wir uns mit der nächsten befassen.
Fritz Franz Vogel
Die Schweizerische Schulbuchillustration
Wissensspeicher und Enzyklopädie
Andras Schwab und Peter Erismann
INTERVENTION 3: Kollektiv/Wissen 2
Was leistet Medium Ausstellung? ? Im Museum werden aus Objekten Sehenswürdigkeiten. Dahinter verbirgt sich ein komplexer Akt der Herstellung.Objekte sind zwar Zeugnisse ? sie sind auch Generatoren und Akteure. Sie sind nicht nur einer Erzählung untergeordnet sondern Ausgangspunkt einer eigenen Erzählung. Eine Ausstellung bietet die Chancen, diese Geschichten mit Objekten zu erzählen. Beispiel ist ein Objekt der Schmerz-Ausstellung Berlin: Eine Meditations-Figur von Christus, die sich öffnen lässt und Blick auf die Eingeweide frei gibt.
Fun Studies. Fiktionalität als Prinzip. Die Parodie auf den Wissenschafts-Jargon zeigt wie stark auch im Feld der Kulturwissenschaften ein Jargon zur lästigen Attitüde werden kann. Zu fragen wäre, wo ist der Fachjargon notwendig zur Beschreibung? Welche Bedeutung hat er sonst noch? Er wirkt auch als identitätsstiftendes Merkmal.
Was verbindet die beiden Referate? Sprachkritik zum Beispiel. Oder das Interesse an den Objekten der Gründerin der Fun-Studies, der verehrten Sarah Fessel. Die Brille der Sarah Fessel erzielte Höchspreise an einer Versteigerung bei Sotheby?s.
Referenten
Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp
Wissen und Zeigen
Sonja Keller
Fun Studies. Parodie im Feld der Kulturwissenschaften.
INTERVENTION 4: Tanz/Film/Praktiken
Nicht nur die Tanzwissenschaft war bisher ein marginales Gebiete, auch andere Wissenschaften, die sich mit performativen Praktiken befassen. Das ändert sich zunehmend ? mit dem Erstarken von performativen Praktiken, sprich der (Neu)Entdeckung des Tanzes, des Filmes, dem Siegeszug des Pop seit den 70er Jahren. Die Auseinandersetzung mit diesen performativen Praktiken bedingt auch eine Reflektion auf das Medium Sprache. Sprache kann auch als performativer Akt verstanden werden.
Barfusstanz: Einblicke in Motivationen und die inneren Bilder dieser (urbanen) Tanz-Praxis. Für diese Analyse bedient sich die Autorin aber wieder des Mediums der Sprache. Tiefenhermeneutische Methode.
Rochade-Video: Video-Arbeit mit Jugendlichen. Es wäre interessant die unterschiedliche Bedeutung des Mediums Sprache im Unterschied zum letzten Projekt anzuschauen: Sprache ist auch das Medium der Reflektion aber auch das Medium, in welchem das Video ausgehandelt wird.
Schräge Schweiz: low Budget Produktion ?Schweigen der Männer? von 1997. Betrachtung von sprachlicher und bildlicher Ebene ? souveräner Umgang mit (Bild) Zitaten und schrägen Dialogen. Die Selbst-Bezogenheit, Umgang mit der Identität ist dominant im Schweizer Film.
ReferentInnen
Silvia Heinzmann
Tanz als soziale Interaktion
André Affentranger
Rochade. Ein prozessorientiertes Videoprojekt an Basler Schulen
Marcy Goldberg
Die schräge Schweiz. Ein selbstkritisches Bild der Schweiz im Film.
Posted by dominik at 09:51 | Comments (0)
08.02.06
Chamosch besucht den chinesischen Taikonauten E-cho Ho Hi
Eine absurde Weltraum-Story flimmert in diesen Tage über Bildschirm und Netze: Die internationale Weltraumstation setzt einen ausgedienten Weltraumauszug aus und verwandelt ihn in einen temporärern Satelliten. Der Schweizer Klangkünstler Andres Bosshard schreibt dazu diese kleine Szene.
In astrophysischer Wildbahn, Chamosch besucht den chinesischen Taikonauten E-cho Ho Hi
A
Asteroiden sweeps und Kometensirren im radiophonen Vordergrund
Klangumgebung: Solarwinde und Radiopulsarfelder durch die der Hörer mit Beinahe-lichtgeschwindigkeit hinurchfliegt
B
Die Stimme von Palizdar Umram Chamosch gibt seinem beglückten Erstaunen Ausdruck:
heute morgen klingen die Kometen aber besonders schön!!!?
Die akustische Raumtiefe kommt kurz ins Spiel, wir hören Chamosch?s fliegenden Raumgleiter eine Kurve fliegen
C
Chamosch:Herr E-cho Ho Hi, als chinesischer Taikonat untersuchen sie hier in 24 Lichtjahren Entfernung im extrasolaren Orbit t-366 klingende Sonnenwinde, sirrende Kometenschweifs und die beschleunigenden Rthythmen von fernen Pulsaren?
...Astrosonophile Umgebung mit schnurzend pfeifenden glirrkilsibilischem Klangfeld
D
E-cho Ho Hi:Die Astrosonotelamatik wiederlegt die allgemeine Vorstellung eines stillen unendlich schwarzen Weltalls, meine Damen und Herren hier ist echt was los!?....astrosonosche Konvulsionen...
E
Unterbrechung
.....gemorphtes Handyklingeln....
Chamosch nimmt den Hörer ab: ?Palizdar Umram Chamosch.....???
.....astroakustisches Flüstern aus dem Handy, entfernt an Sprache erinnernd....
Chamosch erkennt plötzlich seine eigene Stimme (etwa doppelt so schnell aber nicht gepitched) ??Herr E-cho Ho Hi, als chinesischer Taikonat untersuchen sie hier in 24 Lichtjahren Entfernung im extrasolaren Orbit t-366?? .
F
Chamosch zum chinesischen Taikonauten E-cho Ho Hi:? es ist unglaublich! Aber wie kann meine Stimme mir selber anrufen??
E-cho Ho Hi: ?Bitte werfen sie das Handy sofort nach hinten, wir rasen sonst in den emergenen Zeitstrudel der uns schon fast vollständig erreicht hat!.....????
Seine Stimme spiralmorpht und verechohundertfacht sich
G
Chamosch zum Radiohörer: Oh! unser Taikonaut wird immer transparenter!
Lassen wir ihn in seiner astrophonen Forscherruhe alleine ?
ich hoffe sie bald wieder begrüssen zu dürfen, Ihr sehr ergebener Palizdar Umram Chamosch, genannt Jean-Jacques le bruiteur auch Hans-Jakob der Stille.?
......astrotelepatische sounds, entweder Fade oder Abspann: Kometensirren
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Und hier gehts zur Seite www.suitsat.org, denn die Geschichte mit dem Raumanzug als Satellit ist nicht erfunden...
Posted by dominik at 22:44 | Comments (0)
06.11.05
Im Sturzflug zum Mond

Wer kennt schon die Namen der Mondtopografie - der Krater, der Berge, der trockenen Ozeane. Auf der Vorderseite - und auf der abgewandten Seite des Mondes? - Ich jedenfalls nicht, aber das könnte sich bald ändern.
Grund dafür ist eine neue Software: Mit ihr rücken wir dem Traum vom Flug auf den Mond für Jedermann ein Stück näher. Entwickelt hat das Programm die Nasa und natürlich hab ich es gleich ausprobiert. Runterladen, installieren und los gehts. Weil ich nur einen einzigen Ort kenne, hab ich gleich den angesteuert: Das Mare Tranquilitatis. Dort wo Neil Armstrong und Buzz Aldrin am 20.Juli 1969 den ersten Mondspaziergang gemacht hatten...
Download der Software, die den klangvollen, romantischen Titel: Worldwind trägt - und übrigens ähnliche Flüge auch auf den blauen Planeten zulässt, ganz ähnlich wie Google Earth...
Posted by dominik at 16:30 | Comments (0)