24.12.08
Weihnachtsgruss von J.S.Bach
Keine Weihnachten ohne Weihnachts-Oratorium von J.S.Bach. Und keine Weihnacht ohne Schmunzeln ob der barocken Texte
Herrscher des Himmels erhöre das Lallen
Lass Dir die matten Gesänge gefallen
Wenn Dich Dein Zion mit Psalmen erhöht
Posted by dominik at 22:13 | Comments (0)
19.12.08
Reisenotizen Ukraine: Pater Robert Hotz hilft seit 40 Jahren
Angewidert vom Marketing-Overkill der grossen Hilfswerke zur tränenseeligen Weihnachtszeit? - Hier die Alteernative: Seit 40 Jahren wirkt der Zürcher Jesuitenpater Robert Hotz in der Gegend von L'viv - dem ehemaligen Lemberg - in der Westukraine.
Wir haben die Gelegenheit, den 80jährigen Zürcher Jesuiten - in unserem BIld mit zwei Ärzten - für ein paar Stunden zu begleiten und erleben einen charismatischen Mann am Werk. Er weissl wovon er spricht: Seit 40 Jahren leitet er das Ostreferat der Schweizer Jesuiten, man müsste wohl sagen, er ist das Ostreferat. Spricht fliessend kalt und warm ukrainisch und russisch. In Lemberg ist er ein angesehener Mann, der eine Reihe von Titeln hält: So ist er nicht nur Ehrenbürger der Stadt sondern auch Ehren-Professor der dortigen medizinischen Fakultät.
Wir besuchen eine Reihe von Kliniken und sind berührt vom Schicksal der Kinder der Tschernowitz-Liquidatoren, die wir in einer Spezialklinik in Lemberg treffen. Es spricht für das Feingefühl des Jesuitenpaters und seiner Aerzte, dass wir die Bilder aus der Klinik nicht veröffentlichen dürfen. Nur soviel - ich habe mehr als einmal leer geschluckt, als mir die Ärtzin vor der Tür die Diagnosen mitgeteilt hat.
Ein kleines Wunder, wie Pater Hotz es schafft, all diese Aktivitäten zu finanzieren: Bis vor kurzem hat ihm sein Schweizer Netzwerk geholfen. In diesen Tagen erreicht uns sein Weihnachtsbrief, der von einem dramatischen Spenden-Einbruch berichtet.
NZZ Artikel und Radio-Interview geben guten Einblick in seine Tätigkeit. Und im Sinn einer persönlichen Empfehlung - Lemberg ist eine Reise wert und das Geld bei Pater Hotz in guten Händen.
NZZ Artikel vom 1.Juli 2008 "Helfen in Lviv" von Ulrich Schmid
Hilfsaktion Westukraine - Homepage von Pater Robert Hotz
Die Jesuiten - Ostreferat Zürich
DRS 3 Focus mit Pater Robert Hotz vom 15.12.2008
Posted by dominik at 09:05 | Comments (0)
13.12.08
Auf den Mond schiessen
So kurz vor Weihnachten und nur wenige Tage nach der glorreichen Wahl von Ueli - auch er stammt aus dem Zürcher Oberland - erscheint im Tössthaler meine Kolumne "Auf den Mond schiessen".
Die Weihnachtszeit ist anstrengend. Alle reden von Liebe. Was machen wir mit jenen Menschen, die uns nerven in dieser heiligen Zeit? – Hier mein Vorschlag: Wir schiessen sie auf den Mond. Technisch kein Problem mehr, seitdem Wernher von Braun in den 20er Jahren am Tegeler See in Berlin seine Rakete hat steigen lassen.
Und wer macht den Anfang? – Hier meine persönlichen Favoriten: Herr Locher und Herr Brauer, dazu den PR-Laferi aus Zürich, ja genau den Herrn Rülpser. Auch die Flughafen-Rita, die schiessen wir auch auf den Mond. Den Papst und last but not least Mister W von ennet dem Teich. Auch Minister Steinknacker wäre ein Kandidat. Dazu noch ein paar private Favoriten, deren Namen ich hier nicht enthülle.
Der Flug vergeht reibungslos und schnell und schon bald sind diese Herrschaften als Gruppe mit Dame auf dem Mond angekommen. Lassen wir sie auf der hellen Vorderseite, dann können sie auch hin und wieder auf den blauen Planeten runterschauen. Meine erste Frage: Sind sie dort allein? – Oder treffen sie dort auf andere. Zum Beispiel auf den kleingewachsenen Österreicher oder den Georgier mit dem buschigen Schnauz. Blödsinn, die sind nicht dort, die sind in der Hölle und dort gehören sie auch hin. Mond und Hölle sind nicht dasselbe. Den Mond gibt’s – die Hölle, naja, da bin ich leider nicht so sicher. Man soll die Dinge nicht durcheinander bringen.
Auch wenn sie jetzt weit weg sind, neugierig bin ich schon, was sie dort miteinander anfangen. Beginnen wir doch mit der Flughafen Rita. Für sie sieht es schon ziemlich öd aus. Es landen einfach zu wenig Flugzeuge dort, zudem kommen sie nicht von Süden, Norden oder Osten, sondern schlicht von oben. Vielleicht wäre das ein Lösungsansatz? Senkrechtstarter. Das solls doch geben. – Gespannt bin ich natürlich auch was Locher und Brauer auf dem Mond treiben. Genau, sie denken aus sicherer Distanz über Ausländer nach. Davon gibt’s auf dem Mond bestimmt nicht jede Menge. Bleiben die grünen Männlein vom Mars, dazu ET und ein paar weitere Aliens aus dem Weltall. Jetzt hör ich eben von einem Konflikt. Locher will unbedingt Chef spielen: „Ich hab am meisten Erfahrung als Unternehmer und Politiker“. Der Mann im Mond nimmt es gelassen: „Trink dieses Mond-Bier, dann geht der Anfall schnell vorbei“.
Und der Papst? – Auch für ihn gibt’s nicht allzu viel zu tun. Homosexualität und Abtreibung sind (noch) kein Thema. Dafür findet er schnell einen Draht mit dem Mann im Mond. Der freut sich zuerst über die Gesellschaft und sagt traurig, seit dem Lied der Popgruppe „Die Prinzen“,hätte niemand mehr an ihn gedacht. Ja sie wissen schon, das Lied mit dem Refrain“ Manchmal wird der Mann im Mond für seinen treuen Dienst belohnt. Und wenn du ihn ganz lieb anschaust dann holt er die Laterne raus.“ Minister Steinknacker versteht immer noch keinen Spass: „Bin sicher, hier verstecken sich jede Menge Steuerflüchtlinge“, knurrt er.
Dafür hat der Mann im Mond eine Idee, wie die Gruppe wieder zurück auf die Erde kommt. „– ihr habt ja keine Ahnung, was da alles rumfliegt neben Euren Mondraketen. Ich hab einen Freund im Tösstal, den Billy Meier, der kennt sich mit sowas aus“. Und so kommt es denn, dass in den frühen Morgenstunden, wenige Tage vor Weihnachten, am Sitzberg ein helles Licht aufleuchtet, das nur ein paar Füchse und Rehe sehen. Dann gibt’s Kaffee und Gipfeli bei Billy Meier, der ein etwas enttäuscht aussieht. „Ich habe mir die Ausserirdischen ein bisschen anders vorgestellt“.
Billy Meier lädt den Verein in seinen Offroader – auf dem Sitzberg liegt nämlich schon über ein Meter Schnee – und bringt sie in Rämismühle auf den Sechsuhr-Zug nach Winterthur. Nur der Papst fällt ein bisschen auf. Aber so richtig hinschauen tut keiner: „Halt wieder so einer, der jetzt als Weihnachtsmann herumläuft“, denken die Leute.
Keiner schaut ihnen nach. Und so sind sie alle wohlbehalten wieder da vor Weihnachten und wir müssen weiter mit ihnen leben.
Download Standpunkt vom 13.12.08 als PDF
Posted by dominik at 17:09 | Comments (0)
29.09.08
Die letzte Synagoge von Czernowitz - Reisenotizen Ukraine
108 Synagogen und Bethäuser soll es in Czernowitz zur Jahrhundertwende gegeben haben. Einige besonders markante Bauten sind heute noch zu besichtigen. Aber nur eine davon dient auch heute noch als Gotteshaus
Rabbi Noach will gerne mit uns reden. Nur ist er gerade am Handy. Das dauert. Es geht offenbar um eine Reisegruppe, die stecken geblieben ist. In der Ukraine, das haben wir schon nach kurzer Zeit gelernt, können fast alle logistischen Probleme mit dem Handy gelöst werden, vorausgesetzt man kennt die richtigen Leute. Währendem wir warten redet ein hagerer Mann mit jugendlichem Aussehen auf uns ein. Er ist offenbar meschugge.
Nun hat der Rabbi Zeit. Und währenddem im Nebenraum weitere Besucherinnen eintreffen, erklärt er uns einiges aus seiner Geschichte: Sein Vater hat in der Zeit des Zweiten Weltkrieges in der Roten Armee gedient und ist so dem Holocaust entronnen. Viele der hier ansässigen Juden – man spricht von etwas über 1000 – teilen dieses Schicksal. Einige sind auch aus Israel zurückekehrt.
Die Besucher im Nebenraum – in der überwiegenden Mehrheit Frauen – sind keine Juden. Der Rabbi geniesst erfüllt hier die Funktion eines Lebensberaters und hört den Menschen zu. Gerne hätten wir mehr über die Sorgen erfahren…doch wir lassen den Rabbi seine Arbeit tun…
Posted by dominik at 20:53 | Comments (0)
Czernowitz: Stadt der Jugend - Reisenotizen Ukraine
Ein Blick in einen Innenhof in Czernowitz: Zwei Burschen, noch keine 20, posieren bereitwillig vor einem bunten Graffiti. Überhaupt: In Czernowitz dominiert die Jugend. Da mögen Wolken und Regen sich noch so trostlos mit dem Grau der Häuser und dem Dreck der Strasse mischen. Wer sich umschaut blickt in junge Gesichter. Ähnliches ist uns übrigens auch anderswo im Osten Europas widerfahren, sei es in Tirgu Mures, Budapest oder Bukarest, in Zagreb ebenso wie in Szeged.
Kurz vor der Turnstunde sprechen wir mit einer Gruppe von Jugendlichen, die sich für die Krankenpflege ausbilden lassen. In sicherer Entfernung vom Radio-Mikrophon des Kollegen bittet ein etwa 17jähriger Jugendlicher um ein Foto: Die Bitte erfüllen wir gerne und seine Breakdance-Pose im städtischen Stadion von Czernowitz ist vom Foto her bestimmt ein Höhepunkt unserer Reise.
Wovon träumen die Jugendlichen: Schwer, unter den strengen Augen der Lehrerin ehrliche Antworten zu kriegen. Alle möchten eine Praxis eröffnen und den Armen in ihrer Stadt helfen. Sie wissen wovon sie sprechen. Unsere Blicke fallen kaum in die Schattenräume der heutigen Ukraine.
Tatsächlich ist es die Armut oder die fehlende Perspektiven, welche viele zur Emigration veranlasst. Die ukrainischen Prostituierten, die in Westeuropa auftauchen, bilden nur die Spitze eines Eisberges. 2005 arbeiteten rund 40 000 Czernowitzer im Ausland; die Männer häufig aus dem Bau, die Frauen meist als private Pflegerinnen in Italien und Spanien, schreibt etwa der hiesige Journalist Bohdan Zahajskij. Zerrissene Familien und Kinder, die zwar Geld aber keine Fürsorge der Eltern hätten, seien das Resultat davon, erklärt uns unsere Führerin Tanja B.
Noch eine Beobachtung zum Thema Jugend: Immer wieder sehen wir Hochzeits-Zeremonien. Hier eine festlich geschmückte pompöse Stretch-Limousine, gemietet für diese wichtigen Stunden, dort eine Gruppe von herausgeputzten jungen Leuten, mit dabei riesige, symbolstarke Brote, die eher an Kuchen als an Laibe erinnern. Olga, unsere Lemberger Übersetzerin und Führerin meint lakonisch dazu: „Sie gehen ins Kino, danach heiraten sie. Danach kommt die Scheidung und dann gehen sie wieder ins Kino…“
Posted by dominik at 20:28 | Comments (0)
28.09.08
Beim Wunderrabbi von Sadagora - Reisenotizen Ukraine 6
Eine Viertelstunde Autofahrt vor Czernowitz – die Industrie-Ruinen sind auch bei Regen keine Augenfreude – liegt der Vorort Sada Gora, auch Sadgora genannt. Hier lebte einst ein chassidischer Wunderrabbi, von seinen Anhänger auch Zaddik genannt. Für uns war der Zaddik nicht mehr zu sprechen. Wir kamen einige Jahrzehnte zu spät. Uns bleibt die Aufgabe, die Spuren zu deuten, Spuren im Gelände, Spuren in der Literatur.
Das Haus des Wunderrabbi von Sadagora liegt gleich neben der Strasse und ist einigermassen erhalten. Ein Backsteinbau mit Türmchen und Erkern, der mehr an einen Bahnhof als an eine Synagoge erinnert. Der Bau musste denn auch mehr profanen als sakralen Bedürfnissen genügen und vor allem Raum für den nicht abreissenden Strom von Besuchern bilden, die der Rabbi empfing.
Leopold von Sacher Masoch besuchte Sadagora 1857 und beschreibt in seinem Buch „Geschichten aus Galizien“ das das kleine Dorf und das Leben am Hof des Wunderrabbis ganz nüchtern
“Sadagora war damals eine kleine Stadt, die fast nur von Juden und Armeniern bewohnt war. Enge Strassen voll Schmutz, Strassen mit dunklen Winkeln, in die niemals ein Sonnenstrahl drang. Kleine Häuser, aus Holz erbaut, mit Kalk beworfen, mit Schindeln gedeckt… Mitten in der kleinen Stadt ein grosser Platz und auf diesem das Haus des Zadik… Vor dem Haus stand eine Menge von Menschen, die sich alle still verhielt oder ganz leise miteinander sprachen, und eine Anzahl Wagen aller Art, Schlitten mit kostbarer Decken von Pelzwerk….
Endlich wurde ein grosser, schwerer Vorhang beiseite geschoben, und wir traten in das grosse Zimmer, in welchem der Zadik die Bittsteller zu empfangen pflegte. An der Wand gegenüber dem Eingang stand ein alter türkischer Diwan, auf dem der Zadik lag. Neben ihm befand sich ein kleines Tischen, auf dem ein in Leder gebundenes Buch lag. An den anderen Wänden waren noch einige Stühle, ein kleiner Schrank, ein Ofen in dem ein mächtiges Feuer brannte, sonst nichts. Der Zadik war ein kleiner, magerer Mann mit weissem Haar und langem weissem Barte. Sein Gesicht war sanft und intelligent….
Es klingelte, die Wächter stürzten herein, und der Zadik befahl, die Leute der Reihe nach einzulassen, jedes Mal zehn zugleich. Es war interessant, die Bittsteller zu beobachten, welche jetzt vor Ehrfurcht eintraten, den Zadik demütig grüssten und in der Nähe der Türe stehen blieben. Da war ein reicher Jude im Pelz mit seinem kranken Kinde, das erbärmlich schrie. Ein anderer im geflickten Talar, welcher unausgesetzt seufzte, ein dritter, reich gekleidet, sehr dick, mit einem roten Gesicht, das wie der Vollmond glänzte. Zwei polnische Bauern in ihren Schafspelzen, eine Armeniern, ein Soldat in weisser Uniform, ein Mennonit, ein deutscher Kolonist und eine hübsche, furchtsame Frau in jüdischer Tracht, die sich hinter einer anderen versteckte.“
Das Wirken der chassidischen Wunderrabbis wird auch heute nicht überall gleich beurteilt. Die Historikerin Irene Stratenwerth beispielsweise sieht diese als Beleg für Rückständigkeit.
Weiter geht’s zum jüdischen Friedhof, wo auch das Grab des Wunderrabbis liegt. Der Regen hat nicht nachgelassen. Die Grabsteine sind versteckt im nassen, hohen Gras, Holundersträuche wachsen wild und Äste beugen sich unter der Last der dunklen Beeren. Niemand pflückt sie, keiner mäht das Gras. Anders als auf dem Czernowitzer Friedhof verstehen wir die Grabinschriften – sie sind in Hebräisch – nicht mehr und begnügen uns mit dem Bewundern der Symbolik und der Ornamente. Fische sind hier öfters zu sehen. Das Grab des Wunderrabbis ist von weit zu sehen – es liegt in einem Haus mit blauem Dach.
Posted by dominik at 16:25 | Comments (0)
Geburtsstadt des Tenors Joseph Schmidt - Ukraine Reisenotizen 5
Zu den grossen Künstlern, die mit der Stadt Czernowitz verbunden sind, gehört der Tenor Joseph Schmidt (1904-1942)
Es war im alten Flughafen von Bukarest im Jahr 1990. Ich war dort als IKRK-Delegierter und wartete mit einem Vertreter der rumänischen Armee auf Gäste. Im Lauf des Gesprächs fragte mich der rumänische Offizier, ob ich wüsste, dass der rumänische Tenor Joseph Schmidt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz gestorben sei. Ich wusste es nicht, hatte den Namen bisher noch nie gehört.
In Czernowitz erinnert ein Stern – nachts von unten beleuchtet – auf dem Theaterplatz an den grossen Tenor. Und im Kino – in der einstigen Synagoge – ist ein Gedenktafel zu finden.
1904 kam Joseph Schmidt in Dawideny bei Czernowitz zur Welt. Als Tenor erlebte er eine triumphale Karriere in den 30er Jahren – nicht zuletzt dank dem Titelsong zum Film „Ein Lied geht um die Welt“. Seine Flucht aus Deutschland führte über mehrere Etappen in die Schweiz, wo er 1942 ankam und ins Internierungslager von Girenbad im Zürcher Oberland verbracht wurde. Eine vermeintlich harmlose Erkältung erwies sich als schwere Erkrankung, die am 16.November 1942 zu seinem Tod führte. Schmidts Grab ist im jüdischen Friedhof Friesenberg in Zürich-Wiedikon.
Posted by dominik at 15:18 | Comments (0)
Czernowitz - einst mehrsprachiger Kosmos - Reisnotizen Ukraine 4
In Czernowitz wird heute ukrainisch und russisch gesprochen und auch geschrieben. Die einstige Bevölkerung wurde im Zweiten Weltkrieg ermordet, deportiert und vertrieben. Das alte Czernowitz war anders
Ein halbes Dutzend Völkerschaften hat hier gelebt, schreibt der Czernowitzer Literaturhistoriker Peter Rychlo und zitiert Rose Ausländer:“
Der Spiegekarpfen
in Pfeffer versulzt
schwieg in fünf Sprachen.
Um welche Sprachen handelte sich? – Deutsch, Ukrainisch, Rumänisch, Polnisch, Jiddisch. Bei den Zeitungen kam noch eine sechste Sprache, das Hebräische dazu und um das alles zu bewätigen waren drei Schriftsysteme gängig: Lateinisch, Kyrillisch und Hebräisch.
Czernwowitz war – wenn auch nur in der kurzen Zeit seit der Mitte des 19.Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg – die Stadt von Literatur, Musik und Kunst.
Zu den Namen, die mit dieser Stadt verbunden sind zählen neben Paul Celan und Rose Ausländer auch Schriftsteller mit heute weniger bekannten Namen wie etwa Selma Meerbaum-Eisinger, Alfred Margul Sperber, Immanuel Weissglas, Alfred Gong, Alfred Kittner, der Sänger Joseph Schmitt war aus dieser Stadt, der Psychologe Wilhelm Reich aus der Region.
Alfred Gong beschrieb die Stadt rückblickend im 1963 veröffentlichten Gedicht „Topografie“ als Stadt, in der zu Semesterbeginn die jüdischen von den rumänischen Studenten verprügelt wurden. Und weiter:
Sonst war Czernowitz eine gemütliche Stadt;
die Juden sassen im „Friedmann“ bei Fisch und Piroggen
Die Ruthenen gurgelten in Schenken und Schanzen
Die Rumänien tranken vornehmlich im „Lukullus“
(wo, wie man annehmen darf, auch der junge Gregor von
Rezzori ab euben Viertel Cotnar mässig nippte.)
Den Volksgarten nicht zu vergessen, so sich sonn- und
Feiertäglich Soldaten und Dienstmädchen bei vaterländischen
Märschen näherkamen. Wochentags schwänzten hier
Gymnasiasten und –innen ihre Gymnasien.
(Man konnte gelegentlich hier dem Schüler Paul Celan mit Trakl unterm Arm
Zwischen Büschen begegnen.)
Peter Rychlo: Czernowitz als geistige Lebensform. Die Stadt und ihre Kultur. In:Helmut Braun (Hg.): Czernowitz. Die Geschichte einer untergegangenen Kulturmetropole. Berlin 2006. Ch.Links Verlag.
Rose Ausländer: Wir pflanzen Zedern. Gedichte. Frankfurt a.M. 1993.
Posted by dominik at 14:52 | Comments (0)
27.09.08
Czernowitz und Paul Celan - Reisenotizen Ukraine 3
Cernowitz putzt sich heraus, soweit das mit den bescheidenen Mitteln der Stadt möglich ist. Die Herrengasse, einstige Flanier- und Einkaufsmeile soll schon im Oktober im alten Glanz wieder auferstehen. Viele der Häuser an dieser Strasse sind bereits in den letzten Jahren renoviert worden. In einer Seitengasse liegt das Haus, in dem Paul Celan 1920 zur Welt kam. Wir fotografieren die Gedenktafel und werfen einen Blick ins Treppenhaus. - Paul Celan geboren 1920 in Czernowitz, gestorben 1970 in Paris, gehört zum Mythos Czernowitz.
Wie kann man mit den Mitteln der Sprache, das Unfassbare beschreiben? - Wenn es einen Dichter gibt, der eine Antwort auf diese Frage liefert, dann ist es Paul Celan mit seiner "Todesfuge"
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz
In seiner Rede zum Bremer Literaturpreis schrieb beschrieb Paul Celan 1958 seine Heimat mit folgenden Worten:
“Die Landschaft, aus der ich – auf welchen Umwegen! Aber gibt es das denn: Umwege? -, die Landschaft, aus der ich zu Ihnen komme, dürfte den meisten von Ihnen unbekannt sein. Es ist die Landschaft, in der ein nicht unbeträchtlicher Teil jener chassidischen Geschichten zu Hause war, die Martin Buber uns allen auf Deutsch wiedererzählt hat. Es war, wenn ich diese topografische Skizze noch um einiges ergänzen darf, das mir, von sehr weit her, jetzt vor die Augen tritt – es war eine Gegend, in der Menschen und Bücher lebten“.
Paul Celan: Der Meridian und andere Prosa. Frankfurt 2002. Suhrkamp.
Materialien zur Die Todesfuge im Celan-Projekt
Posted by dominik at 20:53 | Comments (0)
Unterwegs zwischen Lemberg und Czernowitz - Reisenotizen Ukraine
Ein unscharfes, verwaschenes Bild, fotografiert durch die Frontscheibe unseres Autos auf dem Weg von Lemberg nach Czernowitz.
Wir fahren durch ein Dorf, nach dessen Namen wir wohl nicht mal gefragt haben. Der Regen macht die Fahrbahn spiegelglatt. Am Horizont eine Häuserzeile, dahinter zwei goldene Kuppeln. Kein gutes Foto und doch ein stimmiges Bild – stimmig, weil es die leichte Verwirrung des eben erst Angekommenen spiegelt. Erste Eindrücke sind unscharf, Bilder verwischen sich in der Erinnerung.
Die Lukoil-Tankstelle in der Einöde, an der wir in der Abenddämmerung Benzin tanken, scheint eigenartig unwirklich. Flaches, dünn besiedeltes Land, schlechte Strassen, LKW’s. Dann fällt die Nacht. Stunden später meldet Tanja, unsere ukrainische Begleiterin, wir hätten nun die Kaffee-Tee-Grenze überquert, die Grenze zwischen Galizien und der Bukowina. Gehört Kaffee zu Galizien und Tee zur Bukowina? – Oder ist es genau umgekehrt?
Posted by dominik at 20:13 | Comments (0)
14.09.08
Hurra ein neues AKW - Gedanken zum Thema Energie
Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Welt wird nicht untergehen, wenn die Schweiz ein neues Atomkraftewerk baut. Und die Welt retten wird ein Verzicht auch nicht. Trotzdem: Die Vorstellung, dass nur neue AKW's unser Energie-Problem lösen können, scheint mir etwas mutlos. Mutlos für ein derart reiches Land wie die Schweiz...
Rund 440 AKW’s gibt es heute auf dem ganzen Globus. Nicht wenige davon in Europa, vor allem in Frankreich, das 80 Prozent seines Stroms mit Atomkraft herstellt. Und seitdem das Öl knapp geworden ist, wird offenbar weltweit auf Teufel komm raus geplant: Schon bald könnten es über 1000 sein.
Die Frage ist aber erlaubt: Muss das auch bei uns sein? – Geht es wirklich nicht ohne? – Hat es sich denn nicht herumgesprochen, dass Atomstrom den einen oder anderen Nachteil hat. Bizarr ist etwa die Frage, wie wir unseren Nachkommen mitteilen, dass das Endlager vielleicht auch in zehntausend Jahren noch strahlt. Immerhin ist das eine intellektuelle Herausforderung. Vielleicht ist die Sorge unnötig und bis in zehntausend Jahren gibt’s nur noch Käfer. Insekten sind bekanntlich gegen Radioaktivität resistent.
In der Öffentlichkeit wirft die Frage noch keine allzu hohen Wellen. Da gibt’s mal die Gefälligkeits-Reportagen über Gösgen, Leibstadt und Mühelberg wo uns liebenswürdige Bauern und Hausfrauen erzählen, wie toll und ruhig das benachbarte Atomkraftwerk sei. Ich glaub das gerne. Manchmal erzählt dann auch noch der Gemeindepräsident, wie viel Geld die Gemeinde vom Betreiber jedes Jahr erhält und wie toll die Arbeitsplätze da sein. Sorry, aber da muss ich einfach immer an die Trickfilmfigur Homer Simpson denken, der ewige Verlierer arbeitet doch im Kontrollraum eines Atomkraftwerks. Und irgendwie hat für mich Atomkraft ein Verlierer- Image: Gross, riskant und schwer zu kontrollieren. Technologie von vorgestern.
In der Diskussion taucht oft der Begriff Versorgungslücke auf. Tönt bedrohlich und erinnert irgendwie an eine Zahnlücke. Saublöd, wenn wir in Zukunft nicht genug Energie haben. Da steht dann alles auf dem Spiel: Allen voran unsere wirtschaftliche Zukunft und unsere Arbeitsplätze. Dann schon lieber ein Atomkraftwerk. Dabei ist doch dieses Argument ziemlich durchsichtig. Es tönt für mich fast wie eine Erpressung.
Die Art und Weise der Argumentation kommt mir irgendwie bekannt vor: Wie war das beim Flughafen? – Wenn wir kein neues Terminal bauen, dann verliert der Flughafen seine Bedeutung und wir bald unsere Arbeit und unseren Wohlstand... Und was geschah dann: Als das neue Terminal fertig gebaut war, musste eines der beiden alten still gelegt werden. Ist ja richtig toll. Noch vor einigen Wochen wälzte der Flughafen fette Ausbaupläne. Daraus wird wohl mangels Nachfrage vorläufig nichts. Die hohen Erdölpreise haben auch ihr Gutes. Ganz ähnlich tönte es in den 90er Jahren in den Schulen: Wenn nicht sofort alle Klassenzimmer mit Computern ausgerüstet würden, verlieren wir den Anschluss. Den Anschluss verlieren – der Schweizer Albtraum par excellence und ergo das absolute Killer-Argument. Warum fragte damals niemand wie es mit dem Lesen bestellt ist?
Zurück zur Atomdiskussion. Es gibt tausend andere Möglichkeiten, wie wir das Energie-Problem lösen können, falls es denn eines ist… alte und neue Ideen gibt’s zuhauf. Und sicher wäre hier Innovation gefragt, um eines der Lieblingsworte von Wirtschaftsführern und Politikern zu benutzen. Ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass wir die Sache mit der Energie packen können. Auch ohne Atomstrom. Und ein bisschen Knappheit kann nicht schaden: Es hilft beim Denken…
Der Text erschien am 22.August 2008 im Tösstaler unter der Rubrik "Standpunkt"
Posted by dominik at 17:01 | Comments (0)
Grosses Kino auf dem Land : Roadmovie zeigt Schweizer Film „Der Freund“ in Rikon
Aktuelles Schweizer Filmschaffen im ganzen Land zeigen – das ist das Ziel des Kinoprojektes „Roadmovie“. Am Donnerstag 25.September macht das mobile Kino im Tösstal Station mit seinem Kinotag – eingeladen von der Kulturkommission Zell. Höhepunkt des Tages ist die Vorführung des preisgekrönten Films „Der Freund“ von Micha Lewinsky um 20.15 Uhr im Oberstufenschulhaus Rikon.
Fernsehen, Video und zuletzt die DVD haben zwar den Film in die gute Stube gebracht. Richtiges Kino ist aber doch etwas anderes – vor allem wenn dabei richtiges Zelluloid auf eine grosse Leinwand projiziert wird. Und genau das ist das Rezept des mobilen Kinoprojektes Roadmovie, das übrigens gerade deshalb auch von vielen grossen Kulturinstitutionen wie dem Bundesamt für Kultur oder dem Migros-Kulturprozent gefördert wird.
Höhepunkt des Filmtages im Tösstal ist natürlich die öffentliche Vorführung eines grossen Schweizer Filmes. Die Auswahl fiel der Kulturkommission der Gemeinde Zell nicht schwer: Für den Film „Sternenberg“ hatte Micha Lewinsky das Drehbuch verfasst (Regie führte dort Christoph Schaub) und so war man natürlich gespannt den ersten Film zu sehen, bei dem Lewinsky Regie führt. Sein Film „Der Freund“ ist eben herausgekommen und hat beim Schweizer Filmpreis 2008 den Preis für den besten Spielfilm erhalten, mit Philipp Graber wurde ausserdem das beste schauspielerische Nachwuchstalent ausgezeichnet.
Und darum geht’s: Im wirklichen Leben wären Emil und Larissa wohl nie ein Paar geworden - sie, die von allen umschwärmte Sängerin; er, ein schüchterner Aussenseiter. Eines Tages bittet die junge Frau Emil um einen besonderen Gefallen: er soll sich als ihr Freund ausgeben. Als Larissa einige Tage später stirbt, nimmt Emils Leben einen tragisch-komischen Lauf. An welches Publikum hat der Regisseur dabei gedacht? – „Ich dachte erst, es ist ein Film für junge Leute. Ich habe aber gemerkt, dass auch ältere Leute den Film gerne sehen und von der Geschichte berührt sind. Ich glaube, das ist kein Film für Leute, die im Kino am liebsten ganz viele Explosionen sehen, aber für Leute, die sich gern berühren lassen, die gerne lachen und weinen im Kino.“ – Eine wichtige Rolle spielt im Film die Musik und die junge Schweizer Sängerin Sophie Hunger berührt mit ihrem Titelsong „Very very close to heaven“ sofort das Herz des Publikums. Kostproben davon gibt’s übrigens im Kinotrailer im Internet.
Für die öffentliche Vorführung scheut die Crew von Roadmovie keinen Aufwand: Drei Personen reisen an und bringen eine professionelle, 35mm Projektion mit perfektem Kino-Sound nach Rikon. Und damit die Kino-Atmosphäre im verdunkelten Gemeindesaal im Oberstufenschulhaus perfekt wird, gibt’s eine richtige Kino-Bar geführt von einer Schulklasse.
Kleiner Wermutstropfen bei der ganzen Sache: Allzu gerne hätte man den Regisseur Micha Lewinsky im Tösstal gesehen: Der Sohn des Schriftstellers und Drehbuch-Autors Charles Lewinksy, gehört zu den interessantesten Figuren des Schweizer Kulturlebens. Schon vor seinen Filmprojekten hat er mit originellen Aktivitäten von sich reden gemacht, die schnell ein Publikum gefunden haben: Zu nennen ist hier in erster Linie die CD-Reihe „Ohrewürm“ mit Schweizer Popmusik für Kinder und Erwachsene von Dodo Hug bis Sterneföifi, die wohl den den meistverkauften CD’s gehört. Vor zehn Jahren erfand Micha Lewinsky ein Konzept zur Förderung von jungen Kulturschaffenden: „Kulturbüro“ nannte er die Idee und das Migros-Kulturprozent gab ihm die Chance, die Idee gleich in seiner engeren Heimat, der Stadt Zürich, umzusetzen. Just in diesen Tagen feiert das Zürcher Kulturbüro sein zehnjähriges Jubiläum und mit dem Basler Kulturbüro konnte vor einigen Wochen die vierte derartige Institution eröffnet werden. Und warum kommt Lewinsky nicht ins Tösstal? Er dreht nämlich gerade einen neuen Film – eine romantische Komödie unter dem Titel „Die Standesbeamtin“. Vielleicht erhört der junge Regisseur ja den Ruf aus dem Tösstal und ist im nächsten Jahr einmal Gast an einem Kulturapéro… und wer weiss, vielleicht schafft es doch noch ein Crew-Mitglied und berichtet den filminteressierten Tösstalern bei einem Glas Wein von den Freuden und Leiden des Schweizer Films.
Es bleibt aber nicht beim Abendprogramm, denn die Roadmovie-Crew reist schon am Vormittag an und gestaltet mit rund 100 Schülerinnen und Schülern aus Rikon und Kollbrunn einen richtigen Kino-Nachmittag mit Kurzfilmen und Gesprächen. Zum Hintergrund schreibt Roadmovie: „Die ersten Erfahrungen im Kinosaal sind entscheidend für die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer von heute - denn sie sind das Publikum von morgen und deshalb sind sie für Roadmovie auch besonders wichtig. Wir bieten Primarschülerinnen und -schülern ein lebendiges Kinoerlebnis und führen nicht nur Kurzfilme vor: Eine Begleitperson unterstützt das Gespräch über die Filme und beantwortet Fragen. Und das Surren des 35mm Projektors im Saal regt die Kinder ohnehin schon zu allen möglichen Fragen an, über Filme, Kino und Geräte.“
Dominik Landwehr
Roadmovie-Kinotag in Rikon,
Donnerstag, 25. September 2008 20.15 Uhr Oberstufenschulhaus Rikon
Eintritt frei, Kollekte
www.tösstal.ch – www.derfreund.ch – www.roadmovie.ch
Copyright Bild: www.derfreund.ch
Posted by dominik at 16:55 | Comments (0)
Wie macht man aus Steinen Gold...
Wie macht man aus Steinen Gold? - Ein alter Traum. Die Firma Flumroc in Flums, Herstetller von Dämmaterial hat das geschafft.
Die Firma Dachcom aus Schaan (FL) hat mich eingeladen, zum Thema "sagenhaft" etwas zu sagen. Das Resultat ist hier zu finden. PDF Dokument (640 KB)
Posted by dominik at 15:24 | Comments (0)
21.07.08
Basler Zeitung:Aktenzeichen Enigma gelöst
Die Basler Zeitung berichtet am 17.Juli ausführlich über das Buch "Mythos Enigma".
Vielen Dank Natalie Baumann. Und für alle jene, die die BAZ nicht haben, gibts hier den Artikel Download file
Posted by dominik at 11:15 | Comments (0)
17.07.08
Kant und die Astronomie - zum Tag der Astronomie am 6.September 2008
Am 6.September ist der Schweizerische Tag der Astronomie. Anlass für etwas Philosophie.
Nachdenken über das wunderbare Zitat von Kant
"Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir"
http://www.astroinfo.ch/
http://www.astronomie.ch/
Posted by dominik at 20:42 | Comments (0)
16.03.08
Herbert W.Franke: Science Fiction auf der Puppenbühne
Science Fiction und Puppenspiel. Geht das zusammen? - Um es vorwegzunehmen: Es geht und sogar wunderbar. Der Beweis liefert das Puppentheater von Bad Tölz, das seit einigen Monaten ein exklusives SF-Stück auf dem Spielplan hat: Der Kristallplanet von Herbert W.Franke.
Exklusiv und nur einmal im Monat - dafür ist der Autor gleich selber dabei. So auch am vergangenen Freitag: Der liebenswürdige Herbert W.Franke trägt zuerst zwei seiner Kurzgeschichten vor - das macht mit der Welt dieses Science Fiction Autor etwas vertrauter und erhöht die Spannung.
Die Inszenierung ist superb: Susanne Päch, Partnerin von Franke und gleichzeitig auch Initiatorin dieses Experiments freut sich. Darin steckt ziemlich viel High-Tech. Video-Animationen und jede Menge Mix-Media.
Herbert W.Franke und Susanne Pech erzählen im Sternenjäger-Gespräch, wie es zum Theater kam. Audio mp3: 12 Minuten, 10 MB
Mehr Infos zu Herbert W.Franke und dem Tölzer Puppentheater auf der Seite von art-meets-science:
Posted by dominik at 21:37 | Comments (0)
Wolkenkuckucks-Heim
Gesehen am 15.3.2008 in Bad Tölz
Posted by dominik at 17:19 | Comments (0)
07.03.08
In Memorian: Joseph Weizenbaum (1923 - 2008)
Am Radio erreicht uns heute die Botschaft, dass der Computer Pionier Joseph Weizenbaum kürzlich verstorben ist. Weizenbaum war ein High-Tech Dissident. Ich hatte Gelegenheit, ihn im letzten Sommer an der ETH Zürich zu treffen. Zum ersten und letzten Mal.
"Kurs auf den Eisberg" hiess sein Buch, das uns 1987 (!) beschäftigte. Computer waren damals trotz allem noch kein wirklich grosses Thema, das Internet schon gar nicht, es trat erst 5 Jahre später in mein persönliches Blickfeld.
Die Begegnung mit ihm vor einem Jahr: Quicklebendig, witzig. Seine Ansichten fand ich allerdings etwas überholt: Stimmt es wirklich, dass auch heute noch die grössten Computerprojekte im Dienste der Rüstung stehen? - Ich glaube nicht. Trotzdem, ein grosser Moment.
Beim Mittagessen dann sassen wir einander gegenüber und ich habe - mit seinem Einverständnis und wohl auch seiner Freude - ein paar Fotos aus nächster Nähe machen dürfen. Der Gelehrte erhielt vom Veranstalter - der ETH Zürich - einen schönen, silbernen Caran d'Ache Kugelschreiber und stellte fest, dass dies bereits das zweite derartige Schreibgerät in seinem Besitz war...und zum Beweis hielt er die beiden Kugelschreiber hoch!
Weitere Fotos von Prof. Joseph Weizenbaum. Fotografiert am 10.Juli 2007 an der ETH Zürich.
Reproduktion bitte mit folgendem Hinweis:
Foto Dominik Landwehr Migros-Kulturprozent Zürich
Wikipedia-Eintrag zu Weizenbaum
Und hier gehts zum Nachruf in der ZEIT vom 14.3.2008
Posted by dominik at 10:02 | Comments (0)
27.01.08
Wort-Verdreher Jörg Piringer zu Gast bei Dominiks Privatradio
Wort-Verdreher ist eigentlich ein Schimpfwort: "Du verdrehtst mir die Worte im Munde" sagen wir gelegentlich, wenn wir uns missverstanden fühlen. Beim österreichischen Künstler Jörg Piringer ist es anders. Er dreht und verdreht die Wörter nämlich wirklich. Und zwar in alle Richtungen. Schlimmer noch: Er dehnt sie - optisch und akustisch und verschmutzt sie. Ja, richtig gelesen. "Verschmutzen" heisst eine Funktion in einem seiner Computerprogramme. Grund also, um weiterzulesen. Wie das genau geht, erklärt er in unserem 20minütigen Gespräch
Jörg Piringer weilte zu einem Workshop mit Kindern und Jugendlichen in Zürich - eingeladen vom Migros-Kulturprozent und zeigte, was man unter Textverarbeitung auch noch verstehen könnte: Sprachspiele der besonderen Art, viele davon ganz einfach: Etwa dann, wenn ein kleines Programm Buchstabenfolgen "verschmutzt" indem er zufällige Buchstaben einfügt.
Piringer bietet auf seiner Webpage eine Vielzahl von Programmen und Beispielen aus seiner Tätigkeit an. Und hier hat er eine Reihe von Ressourcen und Links zusammengestellt, zu dem auch sein selber entwickeltes Wort-Verdrehungsprogramm gehört.
Der vielseitige Österreicher ist übrigens nicht nur Sprachkünstler, sondern auch Mitglied des Gemüse-Orchesters: Eine Formation, die mit selbst geschnitzten Gemüse-Instrumenten zeitgenössische Musik macht.
Zur Zeit ist Piringer übrigens Atelier-Gast in der Stadtmühle Willisau.
In Zürich entstand auch das rund 20minütige Gespräch mit dem Künstler, das Dominik Landwehr führte.
Posted by dominik at 10:01 | Comments (0)
10.12.07
Ziemlich durchgeknallt: Die Erbschaft von Duttweiler
Innovationsmanagement - ein staubtrockenes Wort. Wie füllt man den Begriff mit Leben? - Zum Beispiel mit Geschichten und Beispielen aus der Praxis. Der Text enstand auf Einladung einer Wirtschaftspublikation, die von der Zürcher Kommunikationsberaterin Manuela Stier herausgegeben wird.
Artikel allein (2 Seiten
Download file
Gesamte Publikation zum Thema Innovationsmanagement
Download file
Und hier gehts zu den Seiten der Herausgeberin Manuela Stier
Posted by dominik at 11:48 | Comments (0)
09.12.07
Werum syt Ihr so trurig: Gedanken zur Weihnachtszeit
Es war in den frühen Siebzigerjahren als ich zum ersten Mal mit den Liedern von Mani Matter in Berührung kam. Wir hörten sie uns immer und immer wieder an, die Platten mit diesen hintersinnigen Texten, die so harmlos daher kamen und gar nicht harmlos waren.
Das Lied von Mani Matter hat mich zur Weihnachtskolumne im Tössthaler inspiriert, die am Samstag 8.Dezember 2007 erschienen ist.
Posted by dominik at 09:34 | Comments (0)
08.12.07
Reinhören: Science Fiction mit Herbert W.Franke
Er ist der bekannteste Science Fiction Autor deutscher Sprache. Zu seinem 80.Geburtstag organisierte sich der Autor eine Lesereise und machte auch in der Schweiz Halt. Sternenjäger dokumentiert diesen Anlass mit ausführlichen Tonbeispielen
Herbert W.Franke ist ein Mensch mit einer erstaunlichen Vielseitigkeit, denn er hat sich nicht nur als Schriftsteller einen Namen gemacht, sondern auch als Physiker und Höhlenforscher. Zudem besitzt er eine der umfassendsten Sammlungen zur Geschichte der Computergrafik. Und er hat einen langen Atem mit seiner rund 50jährigen Präsenz in der Öffentlichkeit. In einer Zeit, wo andere Autoren allenfalls ein Gesamtwerk herausgeben schreibt er neue Bücher.
Die Audiobeispiele belegen eindrücklich, die Präsenz, Aktualität und Frische dieses erstaunlichen Mannes. Zu hören sind hier vier Kurzgeschichte à je 10 Minuten sowie ein Interview von rund 45 Minuten Länge.
Die Aufnahmen enstanden im Rahmen der Veranstaltungsreihe "digital brainstorming", welche das Migros-Kulturprozent seit rund zehn Jahren in verschiedenen Schweizer Städten veranstaltet. Moderator ist Dominik Landwehr alias Sternenjäger. Die Urheberrechte liegen beim Autor.
Hier gehts zur Übersichtsseite mit allen Audio-Files von Herbert W.Franke sowie allen weiteren Links
Tages-Anzeiger vom 7.12.2007 Titel: Lieber schreibt er über Roboter als über intergalaktische Krieger
Und hier gehts zu Sternenjägers Bookshop
Posted by dominik at 11:10 | Comments (0)
08.11.07
Rumänien-Reisenotizen: Das einsame Karussell
Wie ein Bote aus vergangenen Zeiten steht es noch da: Das Karussel beim Zoo von Tirgu Mures. Es gehört zu den Kinder-Attraktionen des Erholungsgebietes auf dem Cornesti-Plateau, so wie die stillgelegte Eisenbahn. Wir staunen, es auch 17 Jahre nach dem Umsturz und unserem Aufenthalt hier noch vorzufinden.
Das einsame Karussell - woher kommt dieser eigenartige, melancholische Charme? - Die Hilflosigkeit des handgemalten Schriftzuges der rumänischen Fluggesellschaft TAROM; die Hand versucht nicht einmal die Gestalt des wirklichen Schriftzuges nachzuahmen, der Begriff allein muss genügen. Die Vorstellungskraft wird ohnehin gefordert.
Die Helden des Karussels tragen russische Namen: Gagarin 1961 lesen wir hier an der Seite und hier war offenbar eine andere, eine geschicktere Hand am Werk. Er strahlt, der russische Kosmonaut, auch heute noch.Das Karusell hat die Wirren der Umbruchzeit überstanden und trotzt den Versuchungen der neuen Konsumwelt.
Denn weit draussen vor der Stadt entstehen plötzlich Einkaufszentren von amerikanischem Zuschnitt mit ganz neuen Attraktionen. Noch bleiben die Besucher dort aus, es fehlt am Geld um an jener Welt wirklich partizipieren zu können. Und dann und wann an schönen Sommernachmittagen dreht das Karussell seine Runden, hoch oben auf dem Plateau von Cornesti über der rumänischen Kleinstadt Tirgu Mures.
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 08:49 | Comments (0)
03.11.07
Reisenotizen Rumänien: Die orthodoxe Kirche von Tirgu Mures und der Nationalismus
Eine bemerkenswerte Darstellung aus dem Passionsweg von Christus in der orthodoxen Kathedrale des siebenbürgischen Tirgu Mures. Der sakrale Bau gehört wohl nicht zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Siebenbürgen. Die Codes der Bilder zu lesen erfordert jedoch eine grosse Vertrautheit mit der Geschichte der Region und der zufällige Gast übersieht das Bild im Eingangsbereich des Sakralbaus schnell.
Die Häscher von Jesus tragen Kostüme, die sie als Ungaren ausweisen, Jesus demgegenüber ist im Kleid des rumänischen Bauern dargestellt. Damit erhält das Bild in der Eingangshalle der Kirche eine klare nationalistische Dimension - ausgerechnet in einer Gegend, in der die Spannungen zwischen ungarischen und rumänischen Volksgruppen nach dem Umsturz eine gefähliche Dimension annahmen. Bei einem unserer wenigen Besuche in jener Zeit wurden wir auch Zeuge einer nationalistischen Kundgebung, angeführt durch einen orthodoxen Popen.
Der Nationalismus hat hier tiefe Wurzeln und auf Transylvanien ist nicht nur durch die Donaumonarchie auch mit der Geschichte Ungarns tief verbunden. Aber die Ursachen reichen tiefer: Anders als weite Teile des Balkans war Tranylvanien nie unter ottomanischer Herrschaft und die Region nahm teil an der europäischen Aufklärung.
Die religiöse Freiheit, die damals proklamiert wurde, war allerdings relativ, wie Robert D.Kaplan bemerkt: Die grosse Masse der rumänischen, orthodoxen Bauern, kamen nicht in den Genuss der Auswirkungen der neuen Ideen: Sie waren ganz unten im sozialen System, dessen Spitze von Ungaren und den seit dem Mittelalalter hier ansässigen Siebenbürger Sachsen eingenommen wurde.
Es darf darum nicht erstaunen, dass Rumänien nicht so beeindruckt ist von der "Fortschrittlichkeit" Transylvaniens, bemerkt Kaplan. Er mag da Recht haben.
Dass die orthodoxe Kirche keine architektonische Perle ist hat ebenfalls seine Gründe: Transylvanien ging erst nach dem Ersten Weltkrieg und den Verträgen von Trianon an Rumänien. Zu den deutschen und ungarischen Namen der Städte gesellten sich nun die rumänischen und Tirgu Mures - einst Neumarkt und Marosvasarhely - trägt seinen Namen noch keine 100 Jahre. Die neuen Herren setzten nun alles daran, Kirchen zu bauen, welche die ungarischen und deutschen übertrafen.
Und heute: Zu sagen, der Nationalismus - einst auf beiden Seiten gehegt und gepflegt - sei kein Thema mehr, wäre wohl etwas verfrüht optimistisch. Immerhin: Bei unserem flüchtigen Besuch ist er kein Thema mehr, mindestens kein Top-Thema. Und dass die Kinder unserer Bekannten von damals gerade beide einen Partner in der anderen Volksgruppe gefunden haben, freut uns besonders. Gerade diese gemischten Heiraten haben eine Tradition.
Robert D.Kaplan: Balkan Ghosts. A Journey trough History.New York 1993. St.Martins Press. S.150/151
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 19:33 | Comments (0)
02.11.07
Reisenotizen Rumänien: In der Teleki Bibliothek in Tirgu Mures
Wer um Himmels Willen war Teleki? - Und wie kommt diese enorme Biblothek mit Literatur aus Barock und Aufklärung in die siebenbürgische Kleinstadt?
Zunächst bleibt einfach mal festzustellen: Allein die Bibliothek und die andauernden Bemühungen um Erhaltung und Erschliessung sind eine Reise nach Transylvanien wert und die Vorstellung mehr als ein halbes Jahr hier gelebt zu haben - 1990 gleich nach dem Umsturz - ohne die Bibliothek und ihre Forscherinnen und Forscher kennengelernt zu haben, schmerzt etwas. Noch ist Zeit, Versäumtes Nachzuholen. Und vielleicht ist die Vorstellung, damals etwas versäumt zu haben, nichts anderes als ein grossartiger Vorwand, immer wieder hierher zu reisen.
Zu finden ist sie einfach, denn gross ist Tirgu Mures nicht und das Stadtzentrum ist in 20 Minuten auch bei grossen Fussgängermassen leicht durchquert. Nur wenig ausserhalb des engsten Stadtkerns befindet sich die Bibliothek und Besucher und Forscher werden mit offenen Armen empfangen und nicht ohne Stolz durch die gut erhaltenen und gepflegten Räume geführt. Einige Bücher liegen aufgeschlagen hier, das eine oder andere kennen wir: Georgius Agricola: De re metallica libri XII zum Beispiel, 1556 ein Jahr nach dem Tod des Naturwissenschafters erst erschienen. Viele andere bekannte Namen, darunter Erasmus von Rotterdam - aber auch viel uns unbekannte Namen in ungarischer Sprache.
Rückfrage beim Leiter der Bibliothek: Haben SIe ein Werk von Ludwig Lavater - den Zürcher Pfarrer, dessen Gespenstergeschichten der Harry Potter des 16. und 17.Jahrunderts sind. Er holt sichtlich tief Luft, der Bibliothekar: Ein Buch von Lavater, fragt er in bestem Deutsch: 30 Werke haben wir hier und wir haben alle Titel schon vor Jahren nach Genf gemeldet. Nun, wir interessieren uns nicht für die gelehrten theologischen Ausführungen des Zwingli-Nachfolgers, sondern eben nur für dessen Gespenstergeschichten. Und sie sind hier, in einer lateinischen Ausgabe vertreten. Wunderbar.
Bleibt noch die Klärung, wer Teleki war: Sámuel Teleki de Szék (1739-1822) gehörte zur gebildeten Oberschicht und war Kanzler des damaligen Transylvaniens. Seine ursprüngliche Sammlung umfasste 40 000 Bände - die Bibliothek wuchs später mit anderen Beständen zu den heutigen 200 000 Bänden. Verbunden mit der Bibliothek ist ein weiterer Name: János Bolyai (1802 - 1860), der dem nahegelegenen ungarischsprachigen Gymnasium den Namen gab und an den eine kleine Ausstellung in der Bibliothek erinnert. Bolyai war Mathematiker und machte einige bemerkenswerte Entdeckungen auf dem Gebiet der nicht-euklidischen Mathematik. Wenn Mathematik die zweidimensionale Ebene verlässt, gelten andere Regeln...
Mehr Infos zur Teleki Bibliothek
...und zu Janos Bolyai in der Encyclopedia Britannica und in der Wikipedia
Und mehr zu Ludwig Lavater über den ich 1983 meine Lizentiats (Magister) Arbeit verfasst habe. In Gedenken an meinen 1995 verstorbenen Professor und Lehrer Rudolf Schenda
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 20:54 | Comments (0)
28.10.07
In der Hortobagy Steppe im Nordwesten Ungarns
Die Hortobagy Steppe vor Sonnenuntergang - die Pferde weideten erst einige 100 Meter von uns entfernt und kaum hatten wir zweimal geguckt kam Bewegung in die Gruppe: Feierabend, von der Weide in den Stall - Fotografenglück des Zufalls...
Oben und unten in der Hortobagy Steppe, im Nordwesten Ungarns. Was von der Strasse aus wie eine Touristenfalle aussieht - mit Imbiss und Souvenir-Ständen - entpuppt sich beim zweiten und dritten Hinsehen und vor allem bei einem ausgedehnen Spaziergang als Naturschönheit erster Güte...Wir besuchen die erst die ausgedehnten Pferdestallungen - man entrichtet einen kleinen Obulus - dafür darf man danach überall hineingehen.
Danach gehts ganz nach draussen. Welche Weite hier herrscht - unterbrochen nur hie und da von Hecken oder einer ausgetrockneten Bachsenke. Genau diese Unregelmässigkeiten, so weiss Doris, machten diese Steppe als Lebensraum so kostbar. Sprachs - und guckt wieder ins riesige Swarosky-Fernglas. Atemberaubend...
In der Zwischenzeit sinkt die Sonne immer mehr zum Horizont, der in waagrechter Linie vor uns liegt. Und in der Dämmerung sehen wir sie noch besser: Die Kraniche. Erst entdecken wir sie nur am Horizont, wenig später überall. in ungleichmässigen V-Formationen; sie verlangsamen ihren Flug und gehen zu Boden. Hier im Schutz der kargen Steppenpopulation finden sie Schutz und Nahrung auf ihrem erstaunlichen Zug in den Süden.
Hier gehts übrigens zur Homepage des Parkes, der sich eigentlich korrekterweise mit einem Akzent schreibt: So: Hortobágy
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 18:58 | Comments (0)
Ungarn-Reisenotizen: Minarett mit Kreuz
Man staunt: Ein Minarett als Wahrzeichen einer christlichen Stadt. Gesehen in der ungarischen Stadt Eger, etwa ein Autostunde nordöstlich von Budapest. Das Minarett statt aus der Zeit der türkischen Herrschaft. Überraschend bei allem, dass es stehen geblieben ist. Und es inspiriert woh jede Generation wieder aufs Neue.
Einsam steht es da, das Minarett in Eger. Wer schwindelfrei ist kann sich durch die schmale Wendeltreppe im Innern des Turmes nach oben zwängen - oben angekommen gibts nur einen Gedanken: Schnell wieder runter, denn hier der Turm kaum noch einen Meter dick und die Plattform auf der wir stehen misst vielleicht 20 Zentimeter.
Reivzoll ist er trotzdem, der kleine Turm, dem man sicherheitshalber ein Kreuz verpasst hat. Nur damit keiner auf die Idee kommt....Kontrast zum idiotischen Schweizer Wahlkampf im Herbst 2007. Die dümmste Parole hab ich in diesen Tagen in Basel gefunden: Rot-Grün will Minarette.
Zurück zum Minarett von Eger: im Jahr 1596 wurde die Stadt von den Türken erobert und bliebt dannach fast 100 Jahre unter osmanischer Herrschat. In dieser Zeit wurde eifrig gebaut und es entstanden Moscheen und Bäder. Das Minarett dürfte der letzte noch erhaltene Bau aus dieser Zeit sein. Er gilt als das das nördlichste historische Bauwerk der Osmanen.
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 17:55 | Comments (0)
27.10.07
Reisenotizen Rumänien: Schlaflos in Maramures
![]()
Tut einer eine weite Reise, so erzählt er gerne einmal, er sei am Ende der Welt gewesen. Und wer in Viseu de Sus - Oberwischau in der rumänischen Maramures Region war, verfällt nur allzu gerne auf diese Formel. Zu den letzten Ufern aufzubrechen ist einer der Mythen der Moderne, denn vielleicht gibts diese letzte Ufer längst nicht mehr. Kein Ort, wo Google-Earth nicht hinguckt, kein Ort, wo das Handy nicht funktioniert...oder doch mindestens ein Satellitentelefon, das der gewiefte Reisende stets mit sich führt...
Björn Reinhard, der seit anfang 90er Jahre mit seiner Frau dort lebt und eine höchst ungewöhnliche Pension führt, mag den Vergleich vom Ende der Welt nicht mehr hören. Ein Blick auf die Karte zeigt schnell: Maramures ist genau so wie Lemnberg oder Tschernowitz in der geografischen Mitte von Europa. Und trotzdem....
Trotzdem ist es weit nach Oberwischau. Eine Tagreise zum nächsten grossen Flughafen - Budapest oder Bukarest - reicht nicht, es sei denn, man ist ein robuster (Miet)-Autofahrer. Alle anderern nehmen sich besser zwei Tage Zeit, zumal es unterwegs auch einiges zu sehen gibt. Und man lasse sich nicht von Strassenkarten täuschen: In den Karpaten kommt man kaum mehr als 50 Kilometer pro Stunde vorwärts, was immerhin eine sehr genaue Kalkulation erlaubt.
Wie kommt jemand darauf, hier Fuss zu fassen? - Die neugierige Frage ist erlaubt und die Antwort eine schöne (Liebes)Geschichte: Björn stammt aus dem ehemaligen Ostdeutschland und hat als Kind hier immer Ferien gemacht. Das dürfte - Irrtum vorbehalten - auch nicht gerade die populärste Ferienregion des Ostens gewesen sein. Wer damals hierher kam, muss auch schon seine Gründe gehabt haben und gerne eigene Wege gegangen sein. Jene Zeit ist ihm noch sehr präsent und gerne berichtet er auch, wie man mit Kaffee, Zigaretten und Pfeffer sein Reisebudget aufbesseern und sogar eines der begehrten und teuren Flugtickets kaufen konnte.
Nach der Wende zog es den Mecklenburger wieder hierher - hat er seine Florentina schon als Kind gekannt? - Man möchte es fast meinen. Jedenfalls sind die zwei ein Paar und führen die vielleicht ungewöhnlichste Pension, die ich jemals besucht habe. Denn kein Wegweiser zeigt den Weg hierher - aber seine Internetseite gibt erschöpfend Auskunft. Wer die Unterkünfte im Tal gesehen hat, wird nicht viel erwarten.
Und dann die grosse Überraschung: Drei Häuser, umzäunt von einem grossen Gartenzaun, und man wähnt sich im Paradies. Eine perfekte Wohnung, behaglich eingerichtet, erwartet uns. Bücher und BIlder sind im Überfluss vorhanden und dass ein Fernsehgerät samt DVD Spieler bereit steht, hat einen besonderen Grund: Björn Reinhard ist ein passionierter Videofilmer mit einem ethnografischen Blick, mit vielen Geschichten im Kopf, die nur darauf warten, erzählt zu werden. Und er hat etwas, wovon alle träumen: Zeit. Seine Filme sind ethnografische Studien, die vlelleicht nicht allen filmografischen und wissenschaftlichen Kriterien stand halten mögen - aber gerade dadurch unverwechselbar sind.
Noch etwas: Übernachten kann man im Weintal mit oder ohne Verpflegung: Die Küche von Florentina sollte man sich nicht entgehen lassen. Traditionelle rumänische Kost, ganz sanft modernisert und nicht ganz so schwer wie anderso. Und mit etwas Glück gibts Palatschinken von der Grossmutter, die nur einige Schritte entfernt wohnt. Ruhe ist hier garantiert. Gut zu Fuss sollte man sein - und keine Angst vor Wanderungen ohne Wegweiser. Wenn plötzlich zwei zähnefletschende Hunde vor einem stehen, hat man möglicherweise doch den falschen Weg erwischt...
Links und rechts des Weges immer wieder Zäune aus geflochtenen Weiden. Sie sehen solide aus und dürften mehr
als einen Winter überdauern. Immer wieder dieses Staunen, diese wilde Exotik. Das ist der urbane Blick, wer hier lebt, empfindet das bestimmt nicht so.
Und Björn zeichnet seine Dokumente in einer Zeit des Wandels auf: Denn nach dem Eintritt des Landes in die Europäische Union dürfte sich auch hier im Norden des Landes manches bald ändern. Wie lange werden die wenigen Ruthenen-Familien mit ihren Schafen noch Jahr für Jahr auf ihre Alp nach Opcina ziehen oder dort gar überwintern? - Wie lange wird das Pferd noch das wichtigste Transportmittel der Talbewohner sein? - Und wann beginnt der Alternativ-Tourismus die Gegend noch mehr zu entdecken?
Trotzdem: So schnell wirds wohl nicht gehen - denn noch ist der Weg dorthin weit. Und wer es trotzdem versuchen will findet auf den Seiten von Björn reichlich Informationen
Mehr Infos auch von dlandwehr at bluewin.ch
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 17:51 | Comments (0)
Rumänien-Reisenotizen: Ungleichzeitigkeiten
Ungleichzeitigkeiten - man könnte es auch Widersprüche, Kontraste nennen. Unser ständiger Reisebegleiter in Rumänien. Längst ist die Moderne im hintersten Ecken dieses Landes angekommen. Auto und Handy sind das Symbol davon.
So etwa hier in Ernei im Val Lapusna bei Reghin (Sächscih-Regen): Es gibt eine Kirche, eine Schule und ein Magazin Mixt für jene Lebensmittel, die man nicht selber herstellt. Denn Milch, Fleisch, Gemüse und Früchte hat hier jeder selber, auch wenn die Auswahl nicht riesig und saisonal schwankend ist. Aber es gibt einen Vodafone-Laden wie in fast jedem Dorf und nicht selten hats dort eine lange Schlange von Leuten.
Pferdefuhrwerke und Handy - warum ist das in unseren Augen ein Widerspruch? - Vielleicht einfach, weil wir das Pferdefuhrwerk mit der Vergangenheit, mit Tradition und das Handy mit Gegenwart, Zukunft, mit technischem Fortschritt verbinden. Man könnte vielleicht sagen, wir laden diese Dinge mit zusätzlichen Bedeutungen auf.
Die Leute hier sehen es wohl wesentlich nüchterner: Das Pferdefuhrwerk ist immer noch das günstigste Nahverkehrsmittel, zudem zweckmässig und auch geeignet um grosse Lasten zu transportieren. Das Handy ist ein mobiles Telefon, das im Gegensatz zum maroden rumänischen Telefonnetz immer funktioniert.
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 13:39 | Comments (0)
Rumänien-Reisenotizen: Aufgemalte Turmuhren
Beobachtung in zwei kleinen Dörfern in der Nähe von Reghin (Sächsisch-Regen) im rumänischen Siebenbürgen. Beide Ortschaften besitzen stattliche Kirchen mit einer kleinen Turmuhr. Beim näheren Hinsehen stellt sich heraus, dass nicht nur die Turmuhr gemalt ist, sondern auch deren Zeiger. Die Uhr erfüllt also ihre eigentliche Funktion gar nicht. Warum ist das wohl so? Und erfüllt die Uhr ihre Funktion wirklich nicht?
Aufgemalte Turmuhren - das Bild ist so schön, dass man unwirklich an Walter Benjamins Denkbilder erinnert wird. Einfach Erklräungen sind schnell zur Hand: Armes Dorf, wenig Geld, Wunsch es anderen gleich zu tun. Möglich. Frage an einen Bewohner der Gegend: Warum ist da keine richtige Uhr drin. Antwort: Weil die genaue Zeit irrelevant ist. Auch das ein möglicher Ansatz. Aber warum dann die Uhr, dann könnte man es auch lassen - schliesslich gibt es auch Kirchen ohne Uhren, man denkt etwa an die Holzkirchen in der Maramures Region.
Vielleicht gibts noch eine andere Erklärung: Die Turmuhr ist ein kulturelles Muster - ein Zeichen. Es besteht aus einem Kirchturm und einer Uhr und das Zeichen hat seine Bedeutung unabhängig vom mechanischen Funktionieren der Uhr. Denn vielleicht dient die Turmuhr nicht nur zum Anzeichen der genauen Zeit sondern ist vielmehr eine Erinnerung an das ständige Verfliessen der irdischen Zeit im Kontrast zu einer anderen Zeit.
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 12:37 | Comments (0)
26.10.07
Rumänien-Reisenotizen: Das Geburtshaus von Elie Wiesel in Sighet
Der weite Rückweg von Viseu de Sus nach Budapest führt über Sighet, heute Sighetu-Marmatiei. Wir parken das Auto im Stadtzentrum und machen uns auf die Suche nach dem Geburtshaus von Elie Wiesel. Es ist schnell gefunden: Ein stattliches, eingeschossiges Bürgerhaus, wie es hier Dutzende gibt. Was soll man an einem solchen Ort denken?
Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Vielleicht muss man Orte wie diesen hier zunächst einfach einmal besuchen, verweilen, anschauen. Das Wenige, was hier ist, zur Kenntnis nehmen. In diesem Fall ein einfaches Haus, mit bescheidensten Mitteln in eine Gedenkstätte umgewandelt. Draussen eine Tafel, die mehr verbirgt als enthüllt. Nicht der Nobelpreis macht diesen Ort wichtig. Aber muss das gesagt werden?
In diesem Haus wurde der Schriftsteller Elie Wiesel am 30.September 1928 geboren - im ganzen Distrikt lebten damals 30 000 Juden, allein in Siget über 3000. 1944 - so spät, ist man versucht zu sagen - begannen die Nazis die Juden aus dem damalige Ungarn, zu dem auch Siget gehörte, zu deportieren. Elie Wiesel überlebte die Konzentrationslager der Nazis und legt in seinen Büchern Zeugnis ab von der Vernichtung der europäischen Juden.
Man muss solche Orte besuchen. Auch wenn man die Bilder von Roman Vishniac kennt, so fällt es doch schwer, sich das Leben in dieser ungarischen Stadt in den 30er Jahren vorzustellen. Und zu begreifen, was hier passiert ist, warum es passiert ist, was wäre, wenn es nicht geschehen wäre.
Woher die Scheu darüber nachzudenken, darüber zu reden? - Es gibt Gründe: Die Furcht, nicht die angemessenen Worte zu finden. Geschichte lebt aber nur, wenn sie immer wieder neu erzählt wird, in unserer Sprache, mit eigenen Worten.
Holocaust-Überlende aus Rumänien. Texte und Bilder von Dominik Landwehr aus dem Jahr 1997
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 21:45 | Comments (0)
24.10.07
Rumänien-Notizen: Die dunkle Seite Europas
Notizen von einer Reise durch Ungarn und Rumänien - mit dem Ziel Maramures, jene Grenzregion in den nördlichen Karpaten. Landschaften, Traumlandschaften. Sind das nur Projektionsflächen für unsere Sehnsüchte? - Zeit und Raum zum Nachdenken. Es gibt nicht nur urbane Landschaften, es gibt auch ein ländliches Europa, das nichts mit dem Tösstal, dem Jura oder dem Engadin zu tun hat... Zum Auftakt einfach ein Zitat des österreichsischen Autors Rüdiger Wischenbart.
"Manchmal wird ein Professor in die Karpaten geschickt, bis ins hintere Transylvanien, um nachzusehen, was es mit dem Wesen der Nacht auf sich hat. Er soll sie erforschen, sich erkundigen und schliesslich Holzpflöcke anspitzen, um die Brut zu bändigen. Aber wir wissen, dass einer dabei auch immer der Schönen verfällt, die sich in der beglückenden Nacht über ihn beugt und ihre Zähne in ihn schlägt, so dass er, ohne zu ahnen wie ihm geschieht, den Keim Transylvaniens zurück in seine, in unsere Welt trägt. " Rüdiger Wischenbart: Die Karpaten. Die dunkle Seite Europas. Wien 1992.
Im Bild zu sehen: Rund um die Siedlung Obcina bei Viseu de Sus im rumänischen Maramures Distrikt. Hier leben vorwiegend Ruthenen, ein ukrainischer Volksstamm.
Mehr dazu auf den Seiten von Bjorn Reinhard
Mehr Reisefotos aus Ungarn und Rumänien
Posted by dominik at 21:17 | Comments (0)
30.09.07
Nahreisen: Nächtliche Klangreise durch eine hyperreale Stadt
Eine nächtliche Klangreise durch eine hyperreale Stadt: Daniel Keller, Freiraumplanung Grün Stadt Zürich, und Andres Bosshard, Klangkünstler, führen durch Zürich-West in eine hyperreale, nächtliche Welt voller Geräusche und Leben. Eine Akvittät im Rahmen der Veranstaltungsreihe Nahreisen.
Die Exkursion beginnt unter der Hardbrücke-Unterführung, einst ein postindustrielles Niemandsland und Denkmal aus den 60er Jahren, heute Kulisse für das Ausgehpublikum am Samstagabend mit Kinos wie Abaton, Schiffbau-Theater, Mucsical-Hall, Clubs und Restaurants in Gehweite. Eine dynamische Gegend, dieses Zürich-West und hier wird vielleicht die Zukunft der Stadt gemacht: In den nächsten Jahren wird (weiter) gebaut, was das Zeug hält: 30 000 Arbeitsplätze sollen am Schluss hier zu finden sein, dazu Wohnungen für Tausende von Menschen.
Aber noch ist das Zukunftsmusik und wir stehen auf dem Gelände der einstigen Maschinenfabrik Maag. Die Werkgeräusche sind verstummt und nur ein markantes Gebäude mit runden Kanten wie ein Schiffsbug soll stehen bleiben.
Dann gehts durch abenteuerliche Wege weiter, über Gleise, vorbei durch ein Niemandsland - kontinuierlich verändern sich die Geräusche: Der Bass-Booster der Party von eben wird leiser, hin und wieder flitzt ein Zug vorbei, darunter das Grundrauschen der Stadt, hin und wieder ein Flugzeug.
Und doch kling sie nicht überall gleich, die nächtliche Stadt - und erstaunlich, wie plötzlich das Ohr vor einer mächtigen Hauswand ein wenig Ruhe findet - kein Surround-Sound mehr, jetzt schon mehr Amphitheater, man blickt nach vorn.
Abschluss im nächtlichen Technopark mit einer kleinen Klanginstallation von Christian Weber am Kontrabass und Andres Bosshard mit einem Sputnik-Satelliten, gezogen von drei überdimensionierten Ballonen schickt er sein Piepsen aus der Höhe...
Posted by dominik at 10:08 | Comments (0)
28.09.07
Zum Sputnik-Jubiläum: Radiosendung mit Bruno Spoerri und Bruno Stanek
Eigentlich ist es ein Zufall: Im Frühjahr kurvten wir in der Veranstaltungsreihe digital brainstorming mit dem Duopack Bruno Spoerri und Bruno Stanek durch die Schweiz, redeten über die Geschichte der Raumfahrt und die Entwicklung der elektronischen Musik in der selben Zeit. Unser Gespräch setzte beim Sputnik-Jubiläum ein - ein Datum, das natürlich beiden Gesprächspartnern in Erinnerung geblieben war. Thomas Adank von Radio DRS produzierte aus unserer kleinen Show eine Radiosendung und die passt natürlich nun bestens in Sputnik-Jubiläum. Zu hören am 3. Oktober, 22.35-24.00 auf DRS 2j. Und. Wer mag kann bei uns auch eine Gratis-CD der Radiosendung bestellen.
Die Idee zu dieser Produktion entstand zufällig: Im Sommer 2005 besuchte der Schreibende den Musiker Bruno Spoerri in seinem Studio in Oetwil am See - eine wahre Fundgrube in Sachen Geschichte der elektronischen Musik. Bruno Spoerri hat einige alte Synthesizers "Vintage" Geräte sorgfältig aufbewahrt und so lassen sie sich heute auch noch spielen - daneben auch das eine oder andere Gerät, das er im Lauf seiner langen Karriere als Musiker angertigt hat oder hat anfertigen lassen.
Daneben jede Menge Platten, fein säuberlich geordnet und sortiert. Und da fiel unser Auge auf die Produktion "Mars einfach - 1.Klasse bitte" aus dem Jahre 1972. Spoeri hatte damals für eine Sprechplatte mit dem Weltraum-Publizisten Bruno Stanek Musik gemacht. Raumfahrt, Science Fiction und elektronische Musik gehören einfach zusammen!
Dort dann also die Idee: Man müsste die beiden heute zusammenbringen - die Idee wurde im Frühjahr 2007 umgesetzt und hat auch beim Radio Anklang gefunden. Enstanden ist eine 80minütige Zeitreise, die mit dem Sputnik Schock im Jahre 1957 beginnt.
Von der Produktion gibts übrigens eine CD, die man hier bestellen kann: dominik.landwehr at mgb.ch
Zur Mars-Illustration:
Ludek Pesek (1919-1999), international bekannter Space Artist mit Wohnsitz in der Schweiz, hatte diese Illustration unter dem Titel ?Anflug über einer Mars-Stadt im Abendlicht? speziell für die Platten-Produktion von 1972 gemalt.
Weitere Infos auf der Seite Spacearts
Posted by dominik at 11:31
13.04.07
Ein Atomkraftwerk für das Tösstal!
Das Tösstal hat ein Imageproblem, das schleckt nicht einmal die SVP-Geiss Zottel weg. Zuerst waren es die Messingkäfer ? ein ganz gemeiner Schädling, der angeblich eine ganze Fabrik unbrauchbar gemacht hat. Dann gibt?s seit einigen Jahrhunderten Probleme mit den Stündelern, die sich hier offenbar bevorzugt einnisten. Neuerdings machen Kokainfunde im Durchgangsheim für Asylbewerber von sich reden. Nur wenig Gemeinde haben so viel Sozialhilfe-Empfänger wie die Tösstaler Gemeinde? Kurz und bündig: Wir haben ein Problem. Schon der Zürcher Stapi Sigi Widmer wusste: Die Medien schreiben zu viel Negatives. Und das geht nicht weiter so. Was bleibt einem anders übrig, als einen Berater zu befragen. Wir gehen gleich zum Besten nämlich zum Zürcher Star-Berater John B. Rülpser ? bekannt aus Funk und Fernsehen.
Tössthaler: Ähhm. Tschuldigung die Störung. Dürfen wir sie was fragen:
Rülpser: Fragen darf jeder. Kommt drauf an ob sie eine Antwort wollen. Zuerst aber: Was zahlen sie überhaupt!
Tössthaler: Sorry, wir haben kein Geld. Das ist ja ein Teil unseres Problems. Wir sind schon im kantonalen Finanzausgleich und da können wir uns keine Extra-Ausgaben leisten. Die würde der Regierungsrat glatt aus der Rechnung streichen. Vielleicht machen sie ja auch mal eine Gratis-Beratung. Sie können so was sicher von den Steuern absetzen?
Rülpser: Tja, da bleibt mir ja nichts Anderes übrig. (rülpst laut und vernehmlich).
Tössthaler: Wie sie ja wissen haben wir im Tösstal ein Imageproblem. Und wenn das nicht wäre?
Rülpser: Imageproblem. Ist doch egal. Schon Tucholsky hat gesagt: ?Ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt es sich ganz ungeniert?. Schauen sie doch die Stadt Zürich an: Die hat fast ebenso viele Sozialhilfe-Bezüger pro Kopf wie sie, dazu noch die höchste Rate an Wirtschaftskriminellen und die unanständigsten Preise für Wohnen und Essen. Und trotzdem wird sie Jahr für Jahr zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität der Welt gewählt.
Tösstaler: Dann könnten die das nächste Mal ja uns wählen? Die Wirtschaftskriminellen, sind doch auch ihre Kunden, oder?
Rülpser: Frech müssen sie nicht werden, auch wenn sie nicht bezahlen können. Und über meine Kunden rede ich nicht.
Tösstaler: Sorry, ich hab sie unterbrochen. Uns stinkt?s trotzdem, wir möchten etwas tun. Was schlagen sie vor
Rülpser: Lassen sie ein Atomkraftwerk in ihrem Tal bauen. Dann werden erst recht alle vom Tösstal reden.
Tösstaler: Sie sind von allen guten Geistern verlassen. Meinen sie das ernst?
Rülpser: Die Frage ist nicht, ob ich das ernst meine oder nicht. Die Frage ist, ob so was funktioniert.
Tösstaler: Das müssen sie erklären
Rülpser: Die Oberwalliser Gemeinde Oberwil war vor 50 Jahren die erste Gemeinde in der Schweiz, die das Frauenstimmrecht einführte. Meinen sie, die konservativen Oberwalliser hätten plötzlich Kreide gefressen? Sie waren nur klug und dachten sich: Das Frauenstimmrecht kommt wohl früher oder später, wenn wir aber die ersten sind, dann reden alle von uns und das beflügelt den Tourismus. Und schauen sie, es hat funktioniert: Die Gemeinde ist in die Geschichte eingegangen?
Tössthaler: Leuchtet mir ein, aber wenn ich das öffentlich schreibe, dann werde ich geköpft, vor allem von der Kupfer-Wolle-Bast-Fraktion, die hier stark ist?
Rülpser: Politiker und Journalisten brauchen ein dickes Fell. Seien sie mal nicht so wehleidig.
Tössthaler: Aber einen Kühlturm in unserem engen Tal, das kann ich mir jetzt wirklich nicht vorstellen. Und das wenige Wasser in der Töss, das würde unmöglich reichen?
Rülpser: Nicht so schnell. Das könnte eine Machbarkeits-Studie klären. Das hält die Diskussion jahrzehntelang warm. Schauen sie nur das Theater um das Endlager für radioaktive Abfälle in der Schweiz an. Ein Riesengestürm mit einem Resultat: Heute wissen alle wo der Wellenberg ist.
Tössthaler: Trotzdem. Ein Atomkraftwerk im Tösstal. Das ist doch etwas platt.
Rülpser: Mit etwas Phantasie wird das ganz schön. Sie könnten zum Beispiel einen grossen Architekten mit der Gestaltung beauftragen: Calatrava zum Beispiel, der hat die Bunker-Unterführung im Zürcher Bahnhof Stadelhofen gebaut. Libeskind, der macht nicht nur die neuen Türme von New York sondern ein Einkaufszentrum oder Botta, der baut alles, egal ob Museum, Kirche oder Einfamilienhaus. So könnte das Tösstal zur Pilgerstätte für Architektur-Fans werden.
Tössthaler: Gut. Was könnten sie sonst noch im Rahmen ihrer Gratis-Beratung für uns tun?
Rülpser: Ich hätte da noch eine Idee ? eine Resozialisierungs-Einrichtung für abzockende Manager.
Tössthaler: ?die könnten wir dann wieder aus ihrem Kundenkreis rekrutieren. Das ist wieder so eine Schnapsidee.
Rülpser: Jetzt hören sie doch einfach zu. Es gibt doch auf dem Sitzberg diese ehemalige Raketen-Abschuss-Station. Schön abgelegen und weit weg von Börse und Internet?dort könnten so eine Resozialisierungs-Einrichtung eingerichtet werden.
Tössthaler: Und dort sollen dann Vasella und Ospel Kurse geben?
Rülpser: Sie müssen ja nicht gleich mit den hoffnungslosen Fällen anfangen. Nehmen sie zum Beispiel diesen Thomas Limberger. Der verzichtet freiwillig auf einen Teil seines Lohns und nimmt statt 23 nur 7 Millionen Franken. Ihn könnten sie zum Beispiel als ersten Lehrbeauftagten engagieren.
Tössthaler: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut?. Und was sollen die tun?
Rülpser: Durch einfache Aufgaben in Familien und Gemeinde werden diese Leute wieder langsam an das normale Leben herangeführt. Wanderwege bauen, Fluss putzen, aber auch Fremdsprachen unterrichten und hin und wieder ähnlich wie bei einem Sprachaufenthalt auch ganz normale Familien besuchen und ihren Alltag teilen?
Tössthaler: Was ist wenn die Manager wegen des Fluglärms nicht schlafen können und beginnen, mit den übrig gebliebenen Raketen auf die Flugzeuge zu schiessen?
Rülpser: Das werden die nicht tun. Denn an der Goldküste lärmt?s ja wegen den Südanflügen genauso.
Tössthaler: Fragt sich wie lange noch. Und für die Kinder besteht keine Gefahr? Rülpser: Man könnte die Frage auch umgekehrt stellen: Wer garantiert, dass die Abzocker nicht weg gemobbt werden. Eine Portion Feingefühl gehört da wohl schon dazu?
Tössthaler: Ich weiss nicht ? aber ihre Zeit ist jetzt wohl um. Danke jedenfalls mal für ihre Ideen!
Erschienen im Tössthaler vom Samstag 14. April 2007
Posted by dominik at 22:35 | Comments (0)
16.12.06
Die Himmelsscheibe von Nebra
Die Himmelsscheibe von Nebra - eine der wichtigsten archäologischen Funde der letzten Zeit - und die Sternwarte Eschenberg Winterthur haben mich kürzlich zu einer Betrachtung inspiriert, die im Tössthaler vom 16.Dezember abgedruckt wurde.
Es ist schon einige Jahre her, dass ich die Sternwarte auf dem Winterthurer Eschenberg besucht habe. Kalt war es an jenem Winterabend im Januar ? gut verpackt standen wir auf der Beobachtungsplattform dieses Gebäude, das viel mehr an ein Einfamilienhaus als an eine Sternwarte erinnert. Zwei Instrumente standen uns zur Verfügung ? ein traditionelles Fernrohr mit Okular ? hier konnte ich die Ringe des Saturn mit eigenen Augen sehen ? und daneben ein modernes Gerät, dessen Bilder auf dem Bildschirm eines Laptops zu sehen waren. Mit diesem Gerät macht sich Markus Griesser, Leiter der Sternwarte nächtens auf die Jagd ? seine Spezialität sind Kleinplaneten, Asteroiden. Der Besuch hat mich nachhaltig beeindruckt und seither gehöre ich zu den Gönnern der Sternwarte Eschenberg. Und jedes Mal, wenn Markus Griesser und seine nächtliche Arbeit wieder in der Presse erwähnt werden ? und das ist gar nicht so selten der Fall ? bin ich auch ein klein bisschen stolz; nur meine weiteren Besuche auf dem Eschenberg lassen noch auf sich warten.
Die Suche nach Kleinplaneten und weiteren Himmelserscheinungen beeindruckt mich, aber ist nicht der wichtigste Grund für meine Sympathie für diese Winterthurer Institution. Sie wurzelt vielmehr in der Bewunderung für die Sternengucker, die Astronomen. Mit ihnen teile ich das Staunen über Himmel, Mond und Sterne. Und vielleicht bedauern auch sie, dass sich dieses Staunen heute nur noch selten einstellt. Am ehesten noch bei einem winterlichen Spaziergang in den Bergen, wo man dann ganz ohne Instrumente nicht nur Mond und Sterne, sondern vielleicht auch noch die Milchstrasse sehen kann.
Eine ganz ähnliches glückliches Staunen erlebte ich kürzlich beim Besuch der Ausstellung "Der geschmiedete Himmel ? Religion und Astronomie vor 3600 Jahren", im Historischen Museum von Basel. Nicht nur die gezeigten Funde sind spektakulär, auch die Präsentation im Keller des Museums: Hier herrscht natürliches Dunkel ? nur die Objekte in ihren Vitrinen werden beleuchtet. Und der Besucher wird nicht durch eine Überfülle von Exponaten erschlagen, stattdessen zeigt man ihm ausgewählte Stücke, versehen mit den notwendigen Erklärungen. Im Zentrum der Ausstellung steht der bedeutendste archäologische Fund der letzten Zeit, die so genannte Himmelsscheibe von Nebra: Ein Bronzescheibe von 32 Zentimeter Durchmesser und zwei Kilo Gewicht, darauf sind Sonne, Mond und eine Hand voll Sterne zu sehen, ganz unten zudem zwei Bögen. Die Sterne, so erfahren wir, sind wohl die Plejaden, das Siebengestirn. Astronomen und Archäologen haben Gründe zur Annahme, dass das bronzezeitliche Fundstück den Bauern geholfen hat, den richtigen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte zu bestimmen. Die goldenen Bögen symbolisierten vielleicht Barken. Diese Schiffe, so spekuliert man heute, hätten nach der bronzezeitlichen Auffassung die Sonne in der Nacht über den Ozean zurück zu ihrem Ausgangspunkt transportiert.
Zur Himmelsscheibe von Nebra gehört eine Entdeckungsgeschichte, die sich liest wie ein Krimi: Die Bronzescheibe wurde nämlich 1999 von Amateuren auf dem Mittelberg bei Nebra in der Nähe von Halle gefunden und auf dem Schwarzmarkt angeboten. In Hilton Hotel von Basel gelang es der Polizei die Verkäufer in eine Falle zu locken und das kulturhistorisch einmalige Fundstück zu beschlagnahmen. So kommt die Ausstellung heute an einen Ort zurück, der mit der Geschichte dieses Objekts eng verbunden ist!
Beim Besuch der Ausstellung gehen mir ähnliche Gedanken durch den Kopf wie bei der Sternwarte: Ich empfinde eine grosse Hochachtung für die kulturellen und vorwissenschaftlichen Leistungen der Menschen in der Bronzezeit, deren Schlüsse einzig auf Beobachtung basierten. Und eine merkwürdige Verbundenheit: Himmel und Erde, Sonne Mond und Sterne waren dieselben wie heute, 3600 Jahre später. Und wer sich Instrumente wie Dolche und Messer oder Schmuck- und Kultstücke ? zum Beispiel eine Bernsteinkette, die im bündnerischen Savognin gefunden wurde genauer anschaut kommt nicht umhin zu sagen: Formen und Farben sprechen uns auch heute an. Vielleicht waren die Menschen jener Zeit gar nicht so anders als wir. Vielleicht gibt es doch so etwas wie Ideen und Empfindungen, die allen Menschen zu allen Zeiten gemeinsam waren!
Die Ausstellung von Basel und die Sternwarte Eschenberg vermitteln neben Information auch Inspiration und geben vielleicht Motivation für eine kleine Exkursion in der nächsten Zeit. Die Sternwarte Eschenberg ist jeweils am Mittwochabend für das Publikum geöffnet (19.30 ? 21.30 Uhr). Mit etwas Glück lässt sich dort am 3./4. März eine totale Mondfinsternis beobachten. Spektakuläres gibt es gemäss Website der Sternwarte auch am 7.August: Da bedeckt der noch fast halbvolle, abnehmende Mond die Plejaden. Mehr dazu gibt?s im Internet unter www.eschenberg.ch
Die Ausstellung "Der geschmiedete Himmel" im Historischen Museum Basel in der Barfüsserkirche ist noch bis zum 29.Januar zu sehen. Der grossformatige Katalog mit dem gleichen Namen? ein richtiger Prachtband mit grossen Bildern und leicht verständlichen Erläuterungen ? kann an der Ausstellung oder via Buchhandel bezogen werden. Preis 34.90 CHF. Nähere Infos zur Ausstellung gibt?s auch da im Internet unter www.hmb.ch. Eine umfangreiche Darstellung zum Thema der Sternenscheibe von Nebra findet sich übrigens auch in der deutschsprachigen Wikipedia.
BILDLEGENDE
Hortfund von Nebra (D), Nachstellung der Fundsituation: Himmelsscheibe, Schwerter, Armringe, Beile um 1600 v. Chr. Foto: J. Lipták, Landesmuseum für Vorgeschichte Halle
Posted by dominik at 19:27 | Comments (0)
03.11.06
Der Blogger als Text Jockey (TJ) - Interventionen zur SGKW Tagung
3.November 2006. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Kulturwissenschaft. Der Sternenjäger ist eingeladen, die Themen zu kommentieren. Vorgestellt und eingeführt vom Kulturvermittler Heinz Nigg: Der Blogger als TJ - als Text-Jockey. Und er war nicht allein...
Vor den Texten einige kurze Erklärungen: Die Schweizerische Gesellschaft für Kulturwissenschaft ist eine lose Gruppe von Geistes- und Sozialwissenschaftern jener Disziplinen, die mit dem Begriff der Kulturwissenschaft belegt werden. Zu diesem (weiten) Feld gehören unter anderem Geschichte, Literatur(en), Soziologie, Ethnologie, Volkskunde, Medienwissenschaften etc. Die Jahrestagung 2006 fand im Cabaret Voltaire im Zürcher Niederdorf statt und war dem Thema Wissenskulturen gewidmet.
Schön, dass gerade zwei Blogger kommentierend anwesend waren - neben dem Sternenjäger auch Stefan M.Seydel ("SMS"), der mit seinem rebell.tv immer wieder interessante Akzente setzt und von der NZZ auch schon der "originelleste Mediendissident" genannt wurde.
Die untenstehenden Interventionen müssen auf dem Hintergrund der Referate respektive der Zusammenfassungen (siehe oben) gelesen werden.
INTERVENTION 1 Kunst und Raum
Shopping als Kulturvermittlung. Wie unterscheiden sich Einkaufszentrum und Museum? ? Man kann das Einkaufszentrum doch auch als Museum und das Museum als Shopping-Meile erleben.
Die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem verschieben sich. Auch im urbanen Raum. Weil der öffentliche Raum von Werbung und Marketing dominiert wird, verweigern sich Künstler sich zunehmend. Tun sie das wirkklich? Oder gibt es nicht gerade eine neue Generation von Künstlern, die solche Zusammenhänge geradezu suchen?
Warum diese Schwierigkeit? Shopping als kommerzielle Aktivität wird offenbar als Gegensatz zur künstlerischen Aktivität empfunden.
Ein ähnliches Feld bildet Kunst und Tourismus: Es gibt Berührungsängste und Missverständnisse. Aber umgekehrt ist Kunst ja längst ein Standortfaktor im Tourismus-Marketing.
Künstlerische Inverventionen können auch in anderen Systemen als im Kunst-Kontext funktionieren. Denn längst gibt eine Symbiose von Kunst und Tourismus: Kirchner in Davos, Segantini im Engadin?Dada in Zürich (?!)
Zum Thema Kunst und Öffentlichkeit gehört auch der Umgang mit den Medien. Öffentlichkeit wird über Medien hergestellt. Deshalb muss man viele Anlässe auch nicht mehr besuchen. Man hat?s ja am TV gesehen. Publikumsschwund ist deshalb nur ein scheinbarer Schwund.
Referate:
Philipp Meier/Adrian Notz
Das Cabaret Voltaire und der Dadaismus
Michael Hiltbrunner
Kunst und Öffentlichkeit
Peter Spillmann
Kunst und Tourismus
INTERVENTION 2: Wissen als Speicher ? Wissen als Prozess ? Wissen wird ausgehandelt
Ein Blick auf zwei zentrale Aspekte der Wissensvermittlung: Einmal über die Schulbuchillustration und einmal via architektonische Gestaltung. In beiden Fällen werden nonverbal Werte und Konzepte vermittelt.
Schulbuchillustration: Werte: Dankbarkeit, Grossmut, Hilfe, Respekt etc.
Referent: Diese Werte waren wohl gar nicht so schlecht und würden sich auch heute gut machen.
Verhältnis von Text und Bild hat sich verändert. Von der traditionellen Literatur-Illustration bis zu einer starken Eigenständigkeit, erst ab 80er Jahren.
Wissensräume ? Bibliotheks-Architektur: Die Ordnung des Wissens macht Wissen erst möglich. Anordnungen im Raum bilden Struktur und Speicher und schaffen so einen nicht-diskursiven Rahmen. Zentrale Referenz Borges: Die Bibliothek von Babylon.
Die Wissensproduktion einer traditionellen Enzyklopädie: Das Internet spielt eine wachsende Rolle. Rückkoppelungsprozess. Die digitale Herausforderung ? Wikipedia, Google, Digitalisierung von Bibliotheken. Eine mögliche Antwort: Wir sind fasziniert, überrascht, überfordert ? aber wir wissen es nicht. Kaum haben wir eine Entwicklung begriffen, müssen wir uns mit der nächsten befassen.
Fritz Franz Vogel
Die Schweizerische Schulbuchillustration
Wissensspeicher und Enzyklopädie
Andras Schwab und Peter Erismann
INTERVENTION 3: Kollektiv/Wissen 2
Was leistet Medium Ausstellung? ? Im Museum werden aus Objekten Sehenswürdigkeiten. Dahinter verbirgt sich ein komplexer Akt der Herstellung.Objekte sind zwar Zeugnisse ? sie sind auch Generatoren und Akteure. Sie sind nicht nur einer Erzählung untergeordnet sondern Ausgangspunkt einer eigenen Erzählung. Eine Ausstellung bietet die Chancen, diese Geschichten mit Objekten zu erzählen. Beispiel ist ein Objekt der Schmerz-Ausstellung Berlin: Eine Meditations-Figur von Christus, die sich öffnen lässt und Blick auf die Eingeweide frei gibt.
Fun Studies. Fiktionalität als Prinzip. Die Parodie auf den Wissenschafts-Jargon zeigt wie stark auch im Feld der Kulturwissenschaften ein Jargon zur lästigen Attitüde werden kann. Zu fragen wäre, wo ist der Fachjargon notwendig zur Beschreibung? Welche Bedeutung hat er sonst noch? Er wirkt auch als identitätsstiftendes Merkmal.
Was verbindet die beiden Referate? Sprachkritik zum Beispiel. Oder das Interesse an den Objekten der Gründerin der Fun-Studies, der verehrten Sarah Fessel. Die Brille der Sarah Fessel erzielte Höchspreise an einer Versteigerung bei Sotheby?s.
Referenten
Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp
Wissen und Zeigen
Sonja Keller
Fun Studies. Parodie im Feld der Kulturwissenschaften.
INTERVENTION 4: Tanz/Film/Praktiken
Nicht nur die Tanzwissenschaft war bisher ein marginales Gebiete, auch andere Wissenschaften, die sich mit performativen Praktiken befassen. Das ändert sich zunehmend ? mit dem Erstarken von performativen Praktiken, sprich der (Neu)Entdeckung des Tanzes, des Filmes, dem Siegeszug des Pop seit den 70er Jahren. Die Auseinandersetzung mit diesen performativen Praktiken bedingt auch eine Reflektion auf das Medium Sprache. Sprache kann auch als performativer Akt verstanden werden.
Barfusstanz: Einblicke in Motivationen und die inneren Bilder dieser (urbanen) Tanz-Praxis. Für diese Analyse bedient sich die Autorin aber wieder des Mediums der Sprache. Tiefenhermeneutische Methode.
Rochade-Video: Video-Arbeit mit Jugendlichen. Es wäre interessant die unterschiedliche Bedeutung des Mediums Sprache im Unterschied zum letzten Projekt anzuschauen: Sprache ist auch das Medium der Reflektion aber auch das Medium, in welchem das Video ausgehandelt wird.
Schräge Schweiz: low Budget Produktion ?Schweigen der Männer? von 1997. Betrachtung von sprachlicher und bildlicher Ebene ? souveräner Umgang mit (Bild) Zitaten und schrägen Dialogen. Die Selbst-Bezogenheit, Umgang mit der Identität ist dominant im Schweizer Film.
ReferentInnen
Silvia Heinzmann
Tanz als soziale Interaktion
André Affentranger
Rochade. Ein prozessorientiertes Videoprojekt an Basler Schulen
Marcy Goldberg
Die schräge Schweiz. Ein selbstkritisches Bild der Schweiz im Film.
Posted by dominik at 09:51 | Comments (0)
08.02.06
Chamosch besucht den chinesischen Taikonauten E-cho Ho Hi
Eine absurde Weltraum-Story flimmert in diesen Tage über Bildschirm und Netze: Die internationale Weltraumstation setzt einen ausgedienten Weltraumauszug aus und verwandelt ihn in einen temporärern Satelliten. Der Schweizer Klangkünstler Andres Bosshard schreibt dazu diese kleine Szene.
In astrophysischer Wildbahn, Chamosch besucht den chinesischen Taikonauten E-cho Ho Hi
A
Asteroiden sweeps und Kometensirren im radiophonen Vordergrund
Klangumgebung: Solarwinde und Radiopulsarfelder durch die der Hörer mit Beinahe-lichtgeschwindigkeit hinurchfliegt
B
Die Stimme von Palizdar Umram Chamosch gibt seinem beglückten Erstaunen Ausdruck:
heute morgen klingen die Kometen aber besonders schön!!!?
Die akustische Raumtiefe kommt kurz ins Spiel, wir hören Chamosch?s fliegenden Raumgleiter eine Kurve fliegen
C
Chamosch:Herr E-cho Ho Hi, als chinesischer Taikonat untersuchen sie hier in 24 Lichtjahren Entfernung im extrasolaren Orbit t-366 klingende Sonnenwinde, sirrende Kometenschweifs und die beschleunigenden Rthythmen von fernen Pulsaren?
...Astrosonophile Umgebung mit schnurzend pfeifenden glirrkilsibilischem Klangfeld
D
E-cho Ho Hi:Die Astrosonotelamatik wiederlegt die allgemeine Vorstellung eines stillen unendlich schwarzen Weltalls, meine Damen und Herren hier ist echt was los!?....astrosonosche Konvulsionen...
E
Unterbrechung
.....gemorphtes Handyklingeln....
Chamosch nimmt den Hörer ab: ?Palizdar Umram Chamosch.....???
.....astroakustisches Flüstern aus dem Handy, entfernt an Sprache erinnernd....
Chamosch erkennt plötzlich seine eigene Stimme (etwa doppelt so schnell aber nicht gepitched) ??Herr E-cho Ho Hi, als chinesischer Taikonat untersuchen sie hier in 24 Lichtjahren Entfernung im extrasolaren Orbit t-366?? .
F
Chamosch zum chinesischen Taikonauten E-cho Ho Hi:? es ist unglaublich! Aber wie kann meine Stimme mir selber anrufen??
E-cho Ho Hi: ?Bitte werfen sie das Handy sofort nach hinten, wir rasen sonst in den emergenen Zeitstrudel der uns schon fast vollständig erreicht hat!.....????
Seine Stimme spiralmorpht und verechohundertfacht sich
G
Chamosch zum Radiohörer: Oh! unser Taikonaut wird immer transparenter!
Lassen wir ihn in seiner astrophonen Forscherruhe alleine ?
ich hoffe sie bald wieder begrüssen zu dürfen, Ihr sehr ergebener Palizdar Umram Chamosch, genannt Jean-Jacques le bruiteur auch Hans-Jakob der Stille.?
......astrotelepatische sounds, entweder Fade oder Abspann: Kometensirren
-----
Und hier gehts zur Seite www.suitsat.org, denn die Geschichte mit dem Raumanzug als Satellit ist nicht erfunden...
Posted by dominik at 22:44 | Comments (0)
06.11.05
Im Sturzflug zum Mond

Wer kennt schon die Namen der Mondtopografie - der Krater, der Berge, der trockenen Ozeane. Auf der Vorderseite - und auf der abgewandten Seite des Mondes? - Ich jedenfalls nicht, aber das könnte sich bald ändern.
Grund dafür ist eine neue Software: Mit ihr rücken wir dem Traum vom Flug auf den Mond für Jedermann ein Stück näher. Entwickelt hat das Programm die Nasa und natürlich hab ich es gleich ausprobiert. Runterladen, installieren und los gehts. Weil ich nur einen einzigen Ort kenne, hab ich gleich den angesteuert: Das Mare Tranquilitatis. Dort wo Neil Armstrong und Buzz Aldrin am 20.Juli 1969 den ersten Mondspaziergang gemacht hatten...
Download der Software, die den klangvollen, romantischen Titel: Worldwind trägt - und übrigens ähnliche Flüge auch auf den blauen Planeten zulässt, ganz ähnlich wie Google Earth...
Posted by dominik at 16:30 | Comments (0)
