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29.07.10
Winterthur-Eidberg - 28-Juli 2010
Panaorama Winterthur-Eidberg. Eigentlich war es Test für die neue Funktion der Sony Nex-5 gedacht, aber die Bilder sind so nett geworden, dass ich sie hier publiziere
Posted by dominik at 10:41 | Comments (0)
24.07.10
Ruhrgebiet-Exkursion: Impressionen aus der Kulturhauptstadt 2010
Hier brauchts nur wenig Kommentare: 4 Tage Essen, Duisburg, Bochum - kurz: Eine Exkursion zur Kulturhauptstadt 2010. Mit einer leichten Schlagseite für die Denkmäler der Industriekultur. Gerade hier: Die Kokerei der Zeche Zollverein Essen by night.
Ebenfalls bei der Zeche Zolllverein - Werbung in luftiger Höhe...
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Stahlwerk Heinrichhütte Hattingen. Blick von oben
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Und im Kohlebunker des Stahlwerks..
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Kokerei Zollverein Essen. Ventil bei einem der 301 Koks-Öfen
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Landschaftspark Duisburg Nord - auch hier ein Stahlwerk, Blick vom Hochofen 3
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Hafenkran im Binnenhafen Duisburg
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Treppenhaus im kürzlich eröffneten Ruhrmuseum der Zeche Zollverein Essen
Villa Hügel - der Sitz der Familie Krupp
Posted by dominik at 20:49 | Comments (0)
18.07.10
Hermann Oberth und die Rakete aus Siebenbürgen - Rumänien 2010 (9)
Sonne Mond und Sterne – in der Uhr des mittelalterlichen Turmes von Sighişoara. Die himmlischen Allegorien haben wohl auch den Physiker Hermann Oberth inspiriert, der anfangs des 20.Jahrhunderts hier lebte. Sein 1923 veröffentlichtes Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ gilt als Grundlagenwerk für die Raumfahrt.
Die siebenbürgische Kleinstadt Sighişoara (deutsch Schässburg) - 1280 zum ersten Mal erwähnt und seit 1999 unter Unesco Weltkulturerbe – wird gewöhnlich mit Vlad Tepes in Verbindung gebracht. Der walachische Woiwode gilt gemeinhin als historisches Vorbild für Bram Stokers Romanfigur Dracula. Liegt vieles zum Leben des Woiwoden, der seine Feinde gerne gepfählt haben soll im Dunkeln, so sieht es bei einem anderen ebenfalls historisch verbürgten Bewohner des Städtchens anders aus. Die Rede ist von Hermann Oberth, der seine Jugend hier verbracht hat.
Als Hermann Oberth am 25.Juni 1894 im nahen Hermannstadt – heute Sibiu – geboren wurde, gehört Siebenbürgen zu Österreich-Ungarn, genau so wie das noch weiter östlich gelegene Galizien oder die Bukovina. Nach dem Ersten Weltkrieg war alles anders und Siebenbürgen gehört fortan zum jungen Staat Rumänien. Das sollte für den Physiker Folgen haben…
Die Biographen von Oberth berichten, wie er schon als junger Mann physikalischen Phänomenen nachstudierte. Besonders fasziniert war er offenbar von der Idee, mit einem Hilfsmittel die Erdanziehungskraft zu überwinden. Schon 1907 war ihm klar, dass Jules Vernes Ideen von einer Riesenkanone, die einen Menschen zum Mond schiessen würde, physikalisch unmöglich war.
Aber mit einer Rakete wäre das zu schaffen und genau darum geht es in seinem 1922 unter dem Titel eingereichte Dissertation „Die Rakete zu den Planetenräumen“. Die Uni Heidelberg lehnte die Arbeit ab – es fehlte offenbar an Kompetenz sie beurteilen zu können. Ein Jahr später wurde sie an der Universität Klausenburg angenommen und im gleichen Jahr auch als Buch publiziert.
Seine vorsichtig formulierten Prämissen erwiesen sich bald als wegweisende Gedanken für die Entwicklung der Raumfahrt.
• Prämisse 1: Beim heutigen Stand der Wissenschaft und der Technik ist der Bau von Maschinen, die höher steigen können, als die Erdatmosphäre reicht, wahrscheinlich.
• Prämisse 2: Bei weiterer Vervollkommnung können diese Maschinen derartige Geschwindigkeiten erreichen, dass sie nicht auf die Erdoberfläche zurückfallen müssen und sogar imstande sind, den Anziehungsbereich der Erde zu verlassen.
• Prämisse 3: Derartige Maschinen können so gebaut werden, dass Menschen (wahrscheinlich ohne gesundheitlichen Nachteil) mit emporfahren können.
• Prämisse 4: Unter gewissen wirtschaftlichen Bedingungen kann sich der Bau solcher Maschinen lohnen. Solche Bedingungen können in einigen Jahrzehnten eintreten.
Hermann Oberth war nicht allein – In Russland kam Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski (1857-1935) zu ganz ähnlichen Ergebnissen; In den USA kam diese Rolle Robert Goddard (1872-1944) zu.
Oberth studierte in München und Heidelberg und kam nach dem Studium zurück nach Siebenbürgen. Er lebte in Medias; als Gymnasiallehrer – und widmete sich weiter der Raketenforschung. In den 20er Jahren stiess er zum Verein für Raumschiffahrt und war an Raketenexperimenten am Tegeler See in Berlin beteiligt. Dort dürfte er auch den jungen Wernher von Braun kennengelernt haben.
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(Oberth ist rechts neben der aufgestellten Rakete. Der junge Mann am rechten Bildrand ist Wernher von Braun. Weitere Personen: Klaus Riedel im weissen Kittel, Rudolf Nebel ganz links)
Oberth wirkte damals als Berater für das Ufa-Filmprojekt „Die Frau im Mond“ von Fritz. Er legte grössten Wert auf die physikalische Richtigkeit der Raketen- und Weltraumszenen und hatte den Auftrag für die Lancierung des Filmes eine richtige Rakete steigen zu lassen. Das Projekt misslang – und die Ufa weigerte sich am Schluss gar, die aufgelaufenen Kosten zu bezahlen. Oberth soll sie aus eigenem Sack berappt haben…
Währendem Wernher von Braun sich bald schon in den Dienst der Armee begab – und sich nicht scheute, dazu auch der SS beizutreten – musste der „Ausländer“ Oberth nach Rumänien zurück. 1941 gelang es seinem Schüler Wernher von Braun Oberth ins Raketenforschungszentrum nach Peenemünde an die Ostsee einzuladen. Allerdings war er – aufgrund seines rumänischen Passes – von der kriegswichtigen Forschung an der geheimen Raketenwaffe ausgeschlossen.
Man könnte das auch anders sehen: Sein rumänischer Pass bewahrte ihn vor einer weiteren Kompromittierung und einer Mitarbeit an der Raktenwaffe A4, später V2 für „Vergeltungswaffe“ genannt.. Sein Schüler Wernher von Braun hatte ja zeitlebens alle Mitverantwortung an dieser Waffe abgelehnt. Die V2 war die erste ferngesteuerte Raketenwaffe. Sie wurde von Zwangsarbeitern in Peenemünde und im berüchtigen Konzentrationslager Mittelbau Dora in Thüringen gebaut. Eine Tatsache, die dem ehrgeizigen Ingenieur Wernher von Braun unmöglich entgangen sein kann. Ob Hermann Oberth zeitlebens jemals mit dieser Frage konfrontiert wurde, weiss ich nicht. Auch seinen russischen Biograf der Ingenieur Boris Rauschenbach scheint sie nicht interessiert zu haben.
Die Verbindung mit Wernher von Braun sollte sich später noch einmal auswirken – 1955 bis zu seiner Pensionierung 1958 konnte Oberth im Raketenzentrum Huntsville in den USA arbeiten.
Noch vorher, 1948, soll Hermann Oberth auch eine Zeitlang in der Schweiz gelebt und für die Schweizer Armee Gutachten zum Thema Fernlenkwaffen verfasst haben.
Oberth kehrt nach seiner Pensionierung in den USA nach Feucht bei Nürnberg zurück, wo er sich nach dem Zweiten Weltkrieg niedergelassen hatte. Dort stirbt er 1989 im Alter von 95 Jahren.
Sigishoara hält Oberth in hohen Ehren: Es gibt eine Oberth-Strasse und einen Oberth-Platz und im mittelalterlichen Turm-Museum ist ihm ein kleiner Raum gewidmet. Auf dem Weg zum Turm entdecken wir auch ein in die Wand eingelassenes Denkmal mit einer Hermann Oberth Büste. Auch die Stadt Mediaş gleich neben Sighişoara feiert ihren Bewohner und hat ihm zu Ehren eine Rakete vor seinem Wohnhaus aufgestellt. Oberth konnte hier einige Jahren mit bescheidener Unterstützung des rumänischen Staates forschen. Ermöglicht hatte dies der König selber, der dem jungen Forscher eine Audienz gewährte
Bildnachweis: Alle Bilder Dominik Landwehr Winterthur 2010. Mit folgenden Ausnahmen:
- Das sw-Bild mit Wernher von Braun ist der Monografie "Wernher von Braun" von Johannes Weyer entnommen. Hamburg 2003.
- Buchtitel "Die Rakete zu den Planetenräumen"
- Handschriftlicher Auszug aus Oberths Disseration: Oberth Museum Sigishoara/Feucht
- Ufa- Filmplakate.
Hermann Oberth Museum Feucht
Posted by dominik at 17:49 | Comments (0)
17.07.10
Der polnische Dichter Stasiuk und die Landschaften Rumäniens - Rumänien 2010 (8)
"Die Welt endet nicht mit einem Knall, sie verrostet", schreibt der polnische Dichter Andrzej Stasiuk. Keiner hat Landschaften und Stimmungen dieser Gegenden besseer beschrieben als er. Die folgenden drei Auszüge aus seiner kurzen Erzählung " Grzesiek" haben es mir besonders angetan.
"...oder all diese überflüssig gewordenen Dinge, die hinter den Schuppen in den Brennesseln liegen, diese Emailletöpfe, außen blau und innen weiß, und zwischen den Farbschichten nur noch Rost, vermischt mit Resten Tausender Mahlzeiten aus einer Zeit, als an den Straßen Lattenzäune standen, auf denen Kochtöpfe wie stolze Wohlstands- Beweise aufgespießt waren, im Wettstreit der Nachbarn, aber immer war es ein dunkles Blau, und in der Sonne sahen sie so traurig aus wie verräucherte Stücke Himmel. Oder diese billigen großen Wecker, die niemand reparieren wollte und in deren Messingmechanik die weissen Triebe der Quecke keimten, die durch das zertrümmerte Glas ans Licht drängten, durch ein Zifferblatt, das ein totes Viertel nach drei anzeigte, aber war es nun nachts, am Tage, und in welchem Monat?"
"Auch die Ursus C340 kommen dorthin, und von der Hitze verbrannte Vistula-Mähdrescher, und die weißen Scherben der Syrenas vom Typ Limousine und B0510, und die leeren Hülsen schwarzer Wolgas, bis aufs Skelett abgenagte WFs, vor Erschöpfung ausgemergelte SHLs und all die Mazurkas von Jozek Ciumca, die gnadenlos im Wald liegengelassen wurden, mit gerissenen Raupen und frostgeborstenen Motorblöcken. All die Anhänger von den LPGs, die ihre Schuldigkeit getan hatten und jetzt gehen konnten, Nysas, die Konquistadoren einer vergangenen Zeit transportiert hatten, Zuks, die mit letzter Kraft aus dem Eldorado der Arbeiter und Bauern heimgekehrt waren, anschmiegsame Ural-Fahrräder und Ukraina-Räder mit Sätteln wie für Tatarenpferde, DBT-Trecker wie die Diesel-Versionen gezähmter Elefanten, Stalin-Raupen wie Diesel-Dinosaurier, alles, was bis zum letzten Atemzug, bis zur letzten Umdrehung gedient hat, kehrt jetzt ins wilde Reich der Mineralien zurück. Die Welt endet nicht mit einem Knall, sie verrostet."
"Und aus dem Kosmos sprüht der metallische Glanz des Mondes, als wäre er selbst eine einfache, elegante Maschine und segnete seine irdischen Brüder und bei Gelegenheit den Rest der ein für allemal erstarrten Dinge, die sich in die alluvialen Schichten der Zeit gegraben hatten. Und man weiß nicht, ob die Dinge, die gelebt haben und gestorben sind, erlöst werden, ob jemand sie auferweckt und wieder zusammensetzt, ob da ein eschatologischer Mechaniker ist, der mit dem himmlischen Schraubenzieher in ihnen pult und ihnen einen neuen und ewigen Vorrat an Pferdestärken oder Kilowattstunden einhaucht, oder ob ihre Unendlichkeit die heidnische Form der Rückkehr zu den Urquellen, vielleicht auch des Zerfalls in Elementarteilchen haben wird.*
Der Text stammt aus der Erzählung Grzesiek von Andrzej Stasiuk im Insel-Band Winter. Frankfurt 2009.
Posted by dominik at 11:01 | Comments (0)
Sovata und das Geheimnis der Heliothermie - Rumänien 2010 (7)
Sovata ist ein Heil- und Kurbad bei Tirgu Mures. Das Wasser im kleinen See hat eine merkwürdige Eigenschaft: An der Oberfläche ist es kühl, unten ist es heiss. (1./2.Juli.)
Kühl ist vielleicht etwas untertrieben: Gemäss Tafel im Eingangsbereich des Bades hat das Wasser heute an der Oberfläche bereits 28 Grad. Dann wird’s in schnellen Schritten wärmer: In zwei Metern Tiefe werden bereits 40 Grad gemessen, in drei Metern Tiefe dann 46 Grad. Dahin kommen wir mit unseren Füssen nicht und Tauchen empfiehlt sich hier wohl nicht.
Der See ist eingezäunt, wer baden will, muss die offizielle Badeanstalt benutzen: Sie besteht aus einer Holzkonstruktion, die an die Badeanstalten aus dem 19.Jahrhundert erinnert, ein zweiter Trakt stammt wohl aus den 50er Jahren – beides ist renoviert und macht einen einladenden Eindruck.
Ein merkwürdig paradoxes Schwimmerlebnis – sucht man sonst mit dem Körper möglichst nahe der warmen Oberfläche zu bleiben, ist es hier genau umgekehrt: Immer wieder stochern wir mit den Füssen und geniessen die wohlige Wärme – um uns dann wieder im kühleren Wasser an der Oberfläche treiben zu lassen.
Heliothermie, Wärmegewinn durch Sonnenschein heisst das Stichwort für das Naturphänomen. Das Gestein hier ist äusserst salzhaltig – wenige Kilometer nebenan ist ein 2000 Meter starker Stalzstock. Der See entstand erst im 19.Jahrhundert als die Decke einer Doline einstürzte. Das Wasser in der Senke war salzig – das Regenwasser bildet einen Deckel und Schutzschild und scheint zu verhindern, dass die Wärme wieder nach draussen entweicht. Ähnliche Seen gibt es auch anderswo in Rumänien, so etwa in der Nähe von Sibiu (Ocna Sibiului).
Sovata ist ein alter Kurort – davon zeugen die Holzbauten, die wohl zu Beginn des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Ein Teil wird renoviert, ein Teil scheint dem Verfall preisgegeben zu sein.
Und über allem thronen die Kurhotels der Danube-Gruppe. Hässliche sozialistische Zweckbauten, aber auch sie offenbar renoviert.
Posted by dominik at 10:21 | Comments (0)
12.07.10
Rumänien 2010 (6): Holzkirchen in Maramures
Die Kirchen Siebenbürgens, die weltberühmten Kirchenburgen im Innern des Karpatenbogens sind aus Stein, nur die Dächer sind aus Holz. Die Kirchen der Maramures sind aus Holz. Im Bild die Kirche von Ieut im Iza-Tal.
Kirchen sind aus Stein, gebaut für eine Ewigkeit – oder mindestens eine halbe Ewigkeit. Die Holzkirchen der Maramures sind ganz anders. Sie liegen oft neben den Dörfern und sind von Ferne nicht sofort zu erkennen.
Sie sind ganz anders als alles, was wir von Kirchen kennen und entstanden bereits im 14.Jahrhundert. Die schlanken, fragilen Türme die zum Himmel streben scheinen so zerbrechlich – nicht gebaut für die Ewigkeit, auch nicht für eine halbe Ewigkeit. Ein Blitz, ein Funke und sie könnten verbrennen, verschwinden. Das ist so ein radikal anderer Gestus. Vorsichtig, fragil, fragend. Ein leises Gebet.
Überraschung auch im Innern der Holzkirchen: Der dunkle Innenraum ist klein, fast familiär und bietet Platz für eine Handvoll Leute. Überall erkennen wir eine Dreiteilung: Einen Vorraum, den Hauptraum und dahinter, abetrennt durch die Ikonenwand, die Ikonostase, der heilige Raum, den nur der Pope betreten darf.
Eindrücklich die Malereien, die aufs nackte Holz aufgetragen sind. Immer wieder erkennen wir dieselben Motive aus der Geheimen Offenbarung der Apostels Johannes mit den Engeln der Apokalypse, die am Ende der Zeiten kommen und die Schrecknisse über uns ausgiessen.
Daneben ein Motiv aus dem Alten Testament – die Vision des Elias aus dem Buch des Propheten Jesaias. Er sieht Elias wie er auf einem Wagen fährt in den Himmel fährt Er hat Räder aus Feuer und wird gezogen von beflügelten Pferden. Der Pferdewagen – ein Motiv, das an den Alltag der Menschen hier erinnert.
Wer hat diese Kirchen gebaut? Wer hat sie verziert und bemalt? – Es waren keine Architekten mit klingenden Namen; Wohl eher unbekannte Handwerker.
Die Hölle und der Teufel sind weitere beliebte Motive. In der Kirche von Poienele Izei sogar besondrs drastisch: Die Szenen aus dem Jahr 1783 zeigen wie die Teufel die Menschen in der Hölle unten schinden. Jede Berufsart scheint hier eine speziell grausame Behandlung zu erhalten. Der Höllenschlund empfängt sie mit glühenden Nüstern. Der sündige Schmid wird mit einem Blasbalg a tergo aufgeblasen, eine Engelmacherin wird gewzungen ein Kind zu essen und ein Lügner wird an seiner Zunge aufgehängt. Ein weiterer Mensch wird um einen Pfahl gebogen…
Die detailliertesten Angaben zu den Holzkirchen haben wir übrigens im Führer „Rumänien und die Republik Moldau“ von Joscha Remus und Hans Gerd Spelleken aus der Reihe „Reise Know How“ gefunden. Letzter Stand 2006.
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Aus diesem Buch erfahren wir auch, dass die wohl älteste Holzkirche des Landes nicht in der Maramures Region liegt, sondern in Nadasa, zwischen Reghin und Sovata und der Zufall will es, dass unser Weg genau dort vorbei führt…für ihren Bau soll kein einziger Holznagel verwendet worden sein.
Mehr zum Thema Holzkirchen auf den Seiten des rumänischen Tourismus-Servers.
Posted by dominik at 07:15 | Comments (0)
Rumänien 2010 (5): Das Reiseland der Ostdeutschen
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Rumänien ist auch heute noch ein beliebtes Reiseland bei den Ostdeutschen. Diese Feststellung kriegen wir gelegentlich zu hören und egal ob sie stimmt oder nicht: Das Foto aus Iernut ist eine ironische Illustration dieser Behauptung.
Interessant ist die Argumentation, die zu dieser Feststellung führt: Viele Ostdeutsche hätten vor der Wende in Rumänien ihren Urlaub verbracht und hätten das Land in guter Erinnerung gehalten. Heute, 20 Jahre nach der Wende, wo sie die Welt gesehen und ihre Reisewünsche erfüllt hätten, würden sie wieder an diese guten Erinnerungen denken...
Si non e vero... Ich habe auch gegenläufiges zu hören gekriegt: So hätte Rumänien ausserhalb der Retortenstädte am Schwarzen Meer nur wenig Touristen aus der DDR angezogen und jene, die gekommen waren, hätten aufgrund der katastrophalen Versorungslage mehr schlechte als gute Erinnerungen...
Posted by dominik at 07:04 | Comments (0)
11.07.10
Rumänien 2010 (4): Obcina - der Mann mit der Geige
Der Mann mit der Geige am Zaun – ein Bild, das im Gedächtnis haften bleibt. Eine Musik-Geschichte aus der Maramures.
Wir treffen den Mann mit der Geige auf unserer Wanderung nach Obcina. Eine Alp auf 1000 Meter, hoch über dem Vischau-Tal. Keine Strasse führt zu diesen entlegenen Höfen im äussersten Norden Rumäniens, dahinter ist irgendwo die Grenze zur Ukraine. Strom und fliessendes Wasser gibt’s hier rkeines, nur die Netze der modernen Mobilkommunikation, die reichen bis hierher.
Es ist eine ukrainische Volksgruppe aus Rumänien, die hier den Sommer verbringt: Die Ruthenen. Eine Handvoll Familien lebt in Obcina. Der Mann mit der Geige heisst Ivan Cin und ist hier geboren – seit einer Kinderlähmung ist er leicht behindert und kann die harte Arbeit mit den Tieren, dem Heu, den schweren Lasten nicht leisten. Sein Lehrer erkannte seine Musikalität schon früh und förderte sie mit den Mitteln, die es hier gab. Notenlesen hat Ivan nie gelernt. Er spielt nach Gehör, die melancholischen Weisen, die hier zur Tradition gehören. Nur allzu gerne wäre er ein richtiger Musiker geworden – in der Stadt und hätte so die Welt des Orchesters kennengelernt. Das lag nicht drin, er musste bleiben.
Ivan freut sich sichtlich über den Besuch unserer Gruppe und beginnt sein Konzert mit einigen Maultrommel-Klängen. Eine seiner Spezialitäten. Er soll die kleinsten Maultrommeln weit und breit herstellen und überlässt uns ein paar davon für 5 Leu das Stück. Das ist etwa ein Euro.
Und dann holt er seine Geige und beginnt das Konzert – Tänze sind es, die er uns spielt. Zuerst einen rumänischen, dann einen ruthenischen. Schwer für uns, einen Unterschied auszumachen. Das Instrument hält er nicht am Kinn, sondern an der Brust. Immer wieder dreht sich sein Kopf weg von der Geige, die Augen geschlossen. Und was wir hören, tönt ganz anders als das, was wir glauben als rumänische Volksmusik zu kennen. Auf den oberen Saiten eine Melodie, die unteren Saiten werden immer wieder leer mitgestrichen. Die Fiddel-Tradition der Schweizer Volksmusik klingt hier irgendwie an. Die Hühner neben scheinen die Musik zu kennen und gackern ganz aufgeregt, als er zu spielen beginnt. Ein merkwürdiges und eindrückliches Konzert.
Kristina – eine schwedische Lehrerin mit Schweizer Wurzeln holt ihre Blockflöte und spielt „S Vreneli ab em Guggisberg“. Kein Schweizer Volkslied ist in den letzten Jahrzehnten häufiger interpretiert worden, immer wieder auch von Popmusikern wie Stephan Eicher. Die Volksweise in Moll soll ihre Wurzeln im Balkan haben und ist nach gängiger Auffassung vor langer Zeit mit Zigeunern in die Schweiz gekommen. So schliesst sich der Kreis und das Fremde wird plötzlich zum Bekannten. Genau so wie uns die Bilder der Kinder auf der Bank vor der Hütte an an Fotografien eines Paul Senn und anderer Fotografen an Reportagen aus der Schweiz der 30er Jahre erinnern.
Ivan erzählt von seinem Leben – wie er jeweils zur Weihnachtszeit von Haus zu Haus geht und überall eine Stunde lang zum Tanz aufspielt. In seinen beiden Westentaschen, so berichtet er, hat er jeweils eine Schnapsflasche. Nicht zum Trinken – im Gegenteil: Dorthin schüttet er den Schnaps, der ihm gereicht wird. Betrunken kann er nicht spielen, das sei nicht möglich.
Geld will er nicht für sein Ständchen – Björn Reinhard, unser Gastgeber hat das wohl direkt mit ihm geregelt. Und ihm einen Film in seinem Maramures-Filmarchiv gewidmet.
Wir verabschieden uns und setzen unsere Wanderung fort. Aber die Klänge der Violine gehen mit uns – nicht nur im Kopf: Ivan begleitet uns eine Stück durch die Blumenwiese und bleibt schliesslich am Zaun stehen. Ein Bild, das nicht zu vergessen ist.
Möchten Sie auch dorthin? - Fragen Sie Björn Reinhard! Direkt mit diesem Link
Posted by dominik at 09:13 | Comments (0)
06.07.10
Rumänien 2010 (3): Die Wassertalbahn
Mit der Dampfbahn ins Wassertal - auf den Spuren von Holzfällern und Waldjuden
Sie verdankt ihre Rettung dem Berner Fotografen Michael Schneeberger verdankt. Er hat sich in den frühen 90er Jahren in die Rettung dieser Bahn regelrecht festgebissen hat und die Besitzer – eine Holzfirma im Ort – überzeugt, die Transportbahn weiterzuführen und nebenbei als Touristenattraktion zu nutzen. Die Bahn dürfte mittlerweile Dutzende von Arbeitsplätzen geschaffen haben – nicht nur für Betrieb und Unterhalt, sondern auch für Beherbergung und Verpflegung der Touristen, die vor allem im Sommer zahlreich in die Gegend kommen.
So präsentieren wir uns um halb ach am Kartenschalter und nehmen zwei Tickets in Empfang. Im Hintergrund eine Fototapete mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Und aus der Schweiz stammt auch ein Teil des Rollmaterials. WAB heisst es auf den Wagen – die Abkürzung steht nicht etwa für Wassertal-Bahn sondern für Waldenburger Bahn, was eine Regionalbahn im Kanton Baselland ist. Kaffee gibt’s gleich nebenan. Die Bilder an der Wand erinnern uns an etwas – es sind Kopien aus Roman Vishniacs epochalem und traurigen Fotoband „A lost world“ – der letzten Dokumentation jüdischen Alltags, gut möglich, dass Vishniac auch in Oberwischau war.
Pünktlich um halb neun fährt der Zug ab oder besser: ruckelt er davon. Lange im Schrittempo, später ein wenig schneller. Vorsicht ist angezeigt. Die Geleise sind in einem schlechten Zusand. Man hörts auch und wer die Gleise näher anschaut sieht mehre krumme als gerade Linien.
Wir staunen über die vielen Häuser, Siedlungen und Pensionen uns nach dem Dorfausgang begegnen. Waldwirtschaft und Tourismus scheinen sich hier gut zu ergänzen. Später wird es einsamer. Mit dem Wasser ist im Wassertal nicht zu spassen, das ist uns bald klar: Immer wieder stossen wir auf Spuren von früheren Überschwemmungen. Seit dem letzten Unwetter ist erst ein Jahr vergangen und wer die Schäden an den Gleisen sah und davon hört, kann kaum glauben, dass dieses Jahr wieder Züge rollen. Schlimm wars auch 2008 – und wohl auch davor.
Nur etwa die Hälfte der einstigen Strecke ist nach dem jüngsten Umwetter noch befahrbar. So ist denn in Paltin Schluss uns nach einem Picknick kehrt der Zug um, die Lok wird vorgefahren und nun geht’s talabwärts. Der Zug hat keine hydraulischen Bremsen, dafür auf jedem Wagen einen Bremser. Dass es ihn braucht werden wir bald heftig erfahren.
Plötzlich geht ein Ruck durch den Wagen, ein infernalisches Geräusch ist zu hören und wir werden durchgeschüttelt wie auf einer Jahrmarkt-Attraktion. Doch warum fährt der Zug immer noch weiter? – Nach einer Schrecksekunde ist klar: Ein Wagen – offenbar der unsere – ist entgleist. Die heftigen Schüttelbewegungen stammen von den Eisenrädern, die auf die Holzschwellen schlagen.
Es gelingt den Zug zum Halten zu bringen. Wir reiben uns die Augen – unsere Begleiter sind ganz ruhig und holen einen grossen, kurbelbetriebenen Heber. Eine halbe Stunde dauert die Aktion und offenbar gehört die Aktion zur Routine der Bahnangestellten.
Und hier gehts zur Wasertalbahn
Posted by dominik at 20:38 | Comments (0)
05.07.10
Rumänien 2010 (2) - Ein fernes Land
Eine Reise nach Rumänien ist auch heute – 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus – „nach der Revolution“, wie man hier sagt – eine Reise in ein fernes Land.
Für unsere Reise in den Norden des Landes wählen wir dieses Mal einen Flug via München nach Cluj. Die Industrie- und Universitätsstadt am Rand von Siebenbürgen empfängt uns mit einer brandneuen und fast vollkommen unbelebten Ankunftshalle. Pfützen am Boden weisen darauf hin, dass der Neubau noch einige Mängel hat. Das alte Flughafengebäude nebenan – es stammt wohl aus den 50er oder 60er Jahren und ist baugleich im Tirgu Mures, Timisoara und wohl auch anderswo zu finden – scheint zur Zeit unbenutzt. Unsere Lufthansa-Maschine aus München ist das einzige Flugzeug, später landet noch ein Maschine aus Palma. Wer reist hierher: Rumänen, die im Ausland leben; im Gespräch lässt eine ältere Frau erkennen, dass sie wohl zu den Siebenbürger Sachsen gehört und für einige Tage zurück in die alte Heimat kommt.
Das Mietauto scheint uns auf den ersten Blick etwas gross – aber das ist auf den hiesigen Strassen mehr Vor- als Nachteil. Danch geht’s zum Zentrum: In der Innenstadt ein Treffen mit Bianca B; sie lehrt an der hiesigen Universität deutsche Literatur. Ihr Interesse gilt offenbar den rumänischen Dichtern deutscher Sprache und so reden wir bald über Eginald Schlatter und sein Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Siebenbürger Sachsen; Herta Müller wird offenbar erst seitdem sie 2009 den Literaturnobelpreis erhalten hat, auch als rumänische Autorin gefeiert. Und natürlich landen wir auch bei Florescu, dessen Buch „Der blinde Masseur“ wir kennen. Biancas spezielle Aufmerksamkeit gilt Paul Celan – auch er wird in Rumänien offenbar wenig gelesen. Dessen Heimatstadt Czerrnowitz war einst Teil von Österreich-Ungarn, später Teil der fragwürdigen Blüte von Gross-Rumänien, heute liegt es in der Ukraine. Staatszugehörigkeiten und Landesgrenzen sind schnell kompliziert in Mitteleuropa. Von Grossrumänien träumen auch noch – oder heute wieder – die Nationalisten. Dass einer der unseligsten Exponenten der ultranationalen Partei Romania Mare – Grossrumänien, ein gewisser Herr Funar – nach dem Umsturz ausgerechnet in der weltgewandten Universitätsstadt Cluj zum Bürgermeister gewählt wurde, erstaunt uns.
Was hat das Riesenhandy auf dem Platz der Einheit verloren? - Die Antwort erfahren wir später...
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Der grosse Platz vor der Michaels-Kathedrale von Cluj wird gerade als Ankunfts-Platz für ein Auto-Rally benutzt. Viel Publikum vermag das laute Spektakel aber nicht anzuziehen und die Hochzeitsgäste aus der Kirche verlassen nach einem raschen Fotohalt fluchtartig den Platz. Der Regen macht die Stadt, mit der österreichisch-ungarischen Vergangenheit nicht gemütlich, auch wenn es mittlerweile Dutzende von Kaffehäusern und Bierschenken gibt.
Zwei Tassen Kaffee später geht’s auf den Weg, wir möchten bis gegen Abend in Viseu de Sus ankommen. Stundenlanger Dauerregen ist unser Begleiter. Man hat uns gewarnt vor dem „Karpatenregen“. Wenige Kilometer nach dem Ortsausgang von Cluj bleibt unser Blick an einem Schild hängen, das den Weg zu einem Nokia-Werk weist. Jetzt verstehen wir auch den Sinn einer merkwürdigen Skulptur auf dem Platz der Einheit: Ein Nokia-Handy zusammengesetzt aus lauter alten Mobiltelefonen. Tatsächlich hat Nokia vor ein oder zwei Jahren seine Zelt in Deutschland abgebrochen und ist – unter lautem Protest – nach Rumänien gezogen. Das Glas ist immer halbleer oder halbvoll, alles eine Sache der Perspektive.
Für die Rumänen in diesem Fall ein Segen und warum dies so ist wird uns gleich einige Kilometer weiter vorgeführt: Wir passieren eine riesigen, zerfallenden Industriebau. Was hier hergestellt wurde ist nicht mehr ersichtlich. Und gleich nebenan passieren wir ein landwirtschaftliches Kombinat von dem nur noch der unterste Teil der Mauern zu sehen ist.
Nach einer Stunde verlassen wir die Hauptstrasse und biegen in eine Passtrasse ein, die uns von Siebenbürgen nach Maramures bringt. Nun wird’s richtig ländlich. Die Bauernhäuser erinnern uns an den Besuch des Freilicht-Museums von Lemberg vor einem Jahr. Die meisten der Bauernhäuser stammten aus Transkarpatien. So heisst diese Gegend von Maramures jenseits der Grenze zur Ukraine…
Um sieben Uhr treffen wir in Viseu de Sus – zu Deutsch Oberwischau – ein. Der Ort war einst ein Schnittpunkt der Kulturen. Hier lebten Rumänen, Ungaren, Zipser-Deutsche, Ruthenen und viele Juden. Dazu kamen die Huzulen – ein mythischer (oder mystifzierter?) ukrainischer Stamm und die nicht minder sagenumwobenen Waldjuden, unter ihnen offenbar etliche Räuber und Wegelagerer.
Der rumäniendeutsche Volkskundler Claus Stephani hat in den 70er und 80er Jahren des 20.Jahrhunderts die Bewohner dieser Gegend befragt und ihre Geschichten festgehalten. Eines seiner Themen war auch das Verschwinden der jüdischen Kultur, der Holocaust. Eines seiner Bücher war auch der Auslöser unserer Reise. 1990 konnte ich für ein halbes Jahr für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Siebenbürgen, genauer in Tirgu Mures (heute Targu Mures…) arbeiten. Claus Stephanis dtv-Bändchen „Frauen im Wassertal“ war damals eines der wenige Bücher, das auf dem Buchmarkt zu kaufen gab. Stephani befragte Frauen aus verschiedenen Generationen und zeichnet ein einmaliges Bild des Alltags in diesem entlegenen Ort am Ostrand der Karpaten auf. Seitdem sind mir Oberwischau und das Wassertal ein Begriff.
20 Minuten Fahrt über einen holprigen Feldweg zum Gästehaus „Poarta Muntilor“ von Florentina und Björn. Ihre Geschichte ist bewegend und gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte im besten Sinn: Björn, ein Bühnenbildner aus der ehemaligen DDR, kam als Kind jeweils in diese Gegend. Nach der Wende zog es ihn, diesmal für etwas länger, wieder zu seinen Kindheitserinnerungen. Im Weintal – Val Vinului bei Oberwischau lernte er seine Florentina kennen. Seit zehn Jahren führen die zwei ein Gästehaus, das seinesgleichen sucht: Eine sorgfältig renovierte Gruppe von einfachen Häusern, Bauernkaten haben sie umgebaut. In einem Obstgarten steht ein Holzpavillon.
Wir bewohnen eine stattliche Wohnung mit einem Balkon und Sicht auf Pavillon und Obstgarten und gleich nebenan plätschert ein Bach uns sanft in den Schlaf und würde der Regen wirklich tagelang anhalten, liesse es sich hier ganz trefflich auch ohne Spaziergänge und Ausflüge sein. Florentina kocht auf Wunsch Frühstück und Abendbrot. „Leicht modernisierte rumänische Küche“ hab ich das nach unserem ersten Besuch genannt, der Begriff hat den beiden so gut gefallen, dass sie ihn offenbar nun in ihren Wortschaft aufgenommen haben. Wein gibt’s im Weintal keinen eigenen. Dafür jede Menge Schnaps: Zuica, selbstgebrannter Zwetschenschnaps, Rumäniens Universal-Lebensmittel für gute und vor allem weniger gute Zeiten. Eine bauchige Vorratsflasche unter dem Tisch lässt erahnen, dass Bedarf gross ist und bis im Herbst noch einige Gäste erwartet werden.
Unter den Gästen ist ein hiesiges Geschwisterpaar. Die beiden Kinder stammen aus einer ruthenischen Bauernfamilie die den Sommer jeweils in Obcina, einer Alp über dem Tal verbringt. Ihr Vater ist vor kurzem von einem Zug überfahren worden, als er auf der falschen Seite ausstieg, er wurde gevierteilt, erzählt Björn. Unsere Gastgeber unterstützen Mutter und Grossmutter und nehmen die beiden in den Sommerferien zu sich. Der 11jährige Junge träumt von einem Fahrrad und Björn möchte ihm gern eines beschaffen. In Frage kommt aber nur ein besonders robustes Mountain Bike, denn von hier nach Obcina hats im besten Fall einen holprigen Waldweg. Ein Schweizer Informatiker – auch er ein Gast – sei vom Schicksal der beiden so berührt gewesen, dass er für die beiden regelmässig einen Geldbetrag überweist.
Posted by dominik at 07:22 | Comments (0)
04.07.10
Rumänien-2010 (1) - Unterwegs
Unterwegs in Siebenbürgen: zwischen TÎrnaveni und Iernut in Siebenbürgen.
Fotografiert am 3.Juli 2010. Später mehr
Posted by dominik at 22:10 | Comments (0)
