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18.04.10

Industrie-Kultur und Familiegenschichte: Sulzer-Rüti

Noch in den 80er Jahre war jeder 2.Webstuhl weltweit mit Technologie aus dem Zürcher Oberland ausgerüstet und der Name Rüti ein Begriff. Die Fabrik ging später in den Besitz von Sulzer über und existiert heute nicht mehr. Fast ein Wunder, dass die umfangreiche Webmaschinen-Sammlung gerettet werden konnte. Ein Besuch weckt auch Familien-Erinnerungen

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Spinnerei Neuthal - ein historisches Fabrikgebäude an einem Nebenarm der Töss - hier ist die einstweilen letzte Ruhestätte dieser Zeugen aus dem Zeitalter der Maschinen. Über 2.5 Millionen hat der Kanton Zürich für diese Arbeit aufgewendet. Notwendig, unbedingt, gerade in dieser gespreizten Gegenwart, wo wir glauben alles wissen zu müssen über die letzten 100 Tage und nichts über die letzten 100 Jahre, geschweige denn über den Rest.

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Rüti - einstmals Caspar Honegger. So hiess die Fabrik wohl einst. Und selber kenn ich noch einen weiteren namen: Joweid. So hiess die Fabrik in den 60er Jahren und Rüti ZH ist der Ort, wo mein Vater 1926 geboren wurde. Und in der Webmaschinen-Fabrik arbeitete damals das ganze Dorf, so auch mein Grossvater, der schon früh starb und von dem ich deshalb auch nichts weiss. Und auch mein Götti arbeitete in der Joweid.

Es muss wohl Ende der 60er Jahre gewesen sein, als er uns einmal zu einem Tag der offenen Tür einlud. Ich glaube, dass ich zuvor noch nie in einer Fabrik gewesen war. Der Besuch hat sich tief in mein Gedächtnis eingegraben. Ich sehe die Eisenspäne vor mir, das Öl, das über die Maschinen läuft, die Zahnräder schneiden. Und ein grosses Schild in der Werkhalle "82 Tage ohne Unfall". Nein, die Zahl weiss ich nicht mehr. Josef, mein Götti, war hier Werkmeister. Was das heisst, weiss ich bis heute nicht. Im Keller seines kleinen Hauses hatte er ein Werkstatt. Dort zeigte er dem Zahnjährigen wie man eine Schublehre abliest.

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Besichtigung des neuen Mueseums in der Spinnerei Neuthal. Eigentlich sind es zwei Säle: Ein Schaulager und ein Raum, mit funktionsfähigen Maschinen. Welche Maschinen kannte mein Grossvater? - Welche Arbeit hat er geleistet? - Wie war es damals, als er nach dem Ersten Weltkrieg nach Rüti kam? - Wie hat er seine Frau kennengelernt? - Was hat er verdient? - Was konnte er davon kaufen? - War er glücklich? - Warum ist er so früh gestorben? -

Eine Geschichte ist in unserer Familie überliefert: Nur in letzter Minute gelang es der Familie, für den ältesten Bruder das Schweizer Bürgerrecht zu erwerben. Wäre das gescheitert, so wäre er wohl in die Wehrmacht eingezogen worden.

Und wieder zurück zu den Maschinen. Sie üben eine Faszination aus, auch wenn sie keine Geschichten erzählen

Warum geben uns diese alten Maschinen den Eindruck, wir verstünden, wofür sie gemacht worden sind. Bis ins Detail? - Aber je genauer ich hinschaue, desto weniger versteh ich. Und werde stattdessen von brachialen Sinnlichkeit der Konstruktion, der Zahnräder und ihren Farben, ihrem Geruch, ihrem matten Glanz weggetragen...

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Die Website der Webmaschinen Sammlung NZZ vom 19.4.2010 in Zürcher Kultur: Caspar Honegger trifft Adolf Guyer-Zeller

Zur abstrakten Schönheit der Maschinen


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Posted by dominik at 17:33 | Comments (0)

Die abstrakte Schönheit der Museums-Maschinen

Kein Geheimnis - es sind historische Webmaschine, die eigentlich hier zu sehen sind. Sie wurden hergestetllt von der Maschinenfabrik Rüti und ausgestellt im neueröffneten Museum in Neuthal bei Bauma.

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Posted by dominik at 17:24 | Comments (0)

10.04.10

Flashback: Telekommunikation 1970, 1988 und heute

Vor ein paar Tagen hab ich mit David, einem Freund in Neuseeland telefoniert. Dabei ist „telefonieren“ eigentlich nicht das richtige Wort: Ich hab mich vor meinen kleinen Laptop gesetzt und mit David ein Video-Telefongespräch geführt. Sein Bild gross auf dem Monitor und unten klein meine Wenigkeit. Hopla. Nasenbohren während dem Telefongespräch geht da schlecht. Videotelefon? – Unsere Computer haben beide eine kleine Kamera eingebaut. Teuer? – Nein, mein Mini-Laptop kostet 400 Franken und das Telefon nach Neuseeland gar nichts. Möglich dank Skype.

Schnee von gestern ? – Das machen wir seit Jahren, sagen Sie jetzt vielleicht. Ich nicht. Und auch unsere Bekannten in Übersee haben sich nicht alle an die neuen Telekommunikations-Technologien gewöhnt. Wundern Sie sich auch über das rasante Tempo der Entwicklung in dieser Branche? – Oder haben Sie aufgehört sich zu wundern und sich ans Tempo gewöhnt?

Bei mir ist es beides. Ich finde es toll und wundere mich. Und frage mich, wie war das früher? – David zum Beispiel habe ich unter etwas ungewöhnlichen Umständen vor 22 Jahren kennengelernt: Wir arbeiteten damals beide für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mit kambodschanischen Flüchtlingen an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha. Dank tropischem Klima und unzähligen Angestellten fehlte uns an nichts, auch wenn die Post nur dreimal die Woche gebracht wurde.

Das Fernsehprogramm war thailändisch und damit unverständlich. Zum Telefonieren musste ich eine Viertelstunde zur Tankstelle im nächsten Ort fahren. Im Büro stand ein VHF-Funkgerät für kurze Distanzen und ein Kurzwellengerät für längere. Das Kurzwellengerät bnutzten wir in den zweieinhalb Jahren unseres Aufenthaltes nur einmal. Jeden zweiten Tag telefonierte ich mit vom Tankstellen-Telenfon mit Beat, meinem Vorgesetzten, der drei Autostunden weiter südlich lebte. Dringende Botschaften kamen mit dem VHF-Funk und wurden von Leuten unterwegs wie in einer Staffette weiter gegeben. Sie waren meist einfach: Bitte Beat anrufen. Tempi passati. Auch im Fernen Osten. In Thailand funktioniert das Handy fast überall. Und für Orte ohne Empfang gibt’s ein Satellitentelefon.

Und wie war es denn noch früher – zum Beispiel 1970? – Ich erinnere mich an die Anekdote die mir Cédric, ein anderer, mittlerweile leider verstorbener IKRK-Freund aus jener Zeit erzählt hat: Damals waren auch in grösseren Orten Übersee-Verbindungen per Telefon unzuverlässig und teuer. Das wichtigste Kommunikationsmittel war der Telex. – Jene überdimensionierte Schreibmaschinen, die gelegentlich vor sich hin knatterte und Botschaften ausspuckte. Diese Maschinen waren übrigens bei unseren Einsätzen 1988 noch wacker in Betrieb und produzierte nächstens meterlange Schlangen, die tagsüber fein säuberlich zerlegt, den Kolleginnen und Kollegen zum Bearbeiten verteilt wurden.

Man habe sich in jener Zeit schon mal erlaubt, das Telexkabel für ein paar Tage – Tage, nicht Stunden – raus zu ziehen. Natürlich, Übermittlungsstörungen waren an der Tagesordnung. Nach ein paar Tagen habe man sich dann zurück gemeldet mit dem Hinweis „Wir arbeiten daran, die Störung zu beheben“.

Und was wollte ich mit dieser kleinen Geschichte sagen? – Dreimal dürfen Sie raten….

Dieser Text erschien im Tössthaler vom Samstag 10.April 2010 in der Rubrik "Standpunkt"

Posted by dominik at 10:48 | Comments (0)