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26.11.08

Mit Stasiuk unterwegs nach Babadag

Wintermorgen aus dem behaglichen Zugsabteil - draussen liegt Schnee, das Thermometer zeigte am frühen Morgen -8 Grad. Leichter Nebel liegt über der Landschaft zwischen Winterthur und Zürich. Zum zweiten Mal bin ich mit Andrjej Stasiuk unterwegs nach Babadag. Und bleibe schon nach 2 Seiten bei einem seiner Bilder hängen.

"Wir waren nach Nagykallo gekommen, weil hier unserem Reiseführer zufolge „am Endes des langen und gespenstisch leeren Platzes“ ein psychiatrisches Krankenhaus stehen sollte. Ich dachte, das könnte eine Metapher für den Osten Europas sein, die körperliche Gestalt angenommen hat. Die Vorstellung suggerierte das Bild eines grossen, staubigen Platzes, den verfallene Häuser säumten. Über den Platz ziehen von Zeit zu Zeit Truppen in verschiedensten Uniformen, die jedoch nie länger bleiben, als Raub und Vergewaltigung das erforderlich machen. Dann ziehen sie ab, und der heisse Staub der Ebene verhüllt die Reiter gleich wieder. Aus den Fenstern des Spitals blicken ihnen die Irren sehnsüchtig nach, weil in diesen östlichen Regionen die Staatsmacht, die Gewalt und der Wahnsinns schon immer miteinander lebten, in einer Verbindung, die einem Konkubinat gleicht, manchmal auch einer Ehe."

Andrzej Stasiuk: Unterwegs nach Babadag. Im Kapitel: Beschreibung einer Reise über Ostungarn in die Ukraine. Frankfurt 2005. Suhrkamp. S.59


Posted by dominik at 11:22 | Comments (0)

10.11.08

Fialka - die Chiffriermaschine, die aus der Kälte kam

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Die legendäre Chiffriermaschine Enigma – von Nazi-Deutschland benutzt, von den Briten geknackt – wurde auch in der Sowjetunion kritisch analysiert. Fialka hiess die russische Weiterentwicklung. Eine erste Version dieser Maschine wurde bereits 1965 eingesetzt. Der Ingenieur Paul Reuvers aus Eindhoven (NL) gehört weltweit zu den beschlagensten Kennern dieser Verschlüsselungsmaschine und ist im digital brainstorming Podcast zu hören.

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Die ersten Fialka-Chiffriermaschinen tauchten erst relativ spät im Westen auf: Reuvers begründet dies damit, dass die Abwicklung der NVA in der ehemaligen DDR sehr geordnet über die Bühne gegangen ist. Die meisten Maschinen, die auf dem Sammlermarkt zu finden sind, stammen denn auch aus Polen.

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Reuvers besitzt eine russische Fialka und schaut sie mit den Augen eines Ingenieurs an. Er weist zunächst auf die einfache, aber raffinierte Bauweise hin: Die Maschine hat eine grössere Anzahl Rotoren als die Enigma, die Fortbewegung dieser Rotoren geschieht unregelmässig. Anstelle eines Steckerbrettes besitzt sie eine Art Kartenlese-Gerät. Die Fialka kann drucken und lässt sich wie ein Fernschreiber bedienen.

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Paul Reuvers hat die Maschine nicht nur analysiert, sondern zusammen mit seinem Kollegen Marc Simons ein eigenes Manual dafür geschrieben. Das umfangreiche und auch ästhetisch ansprechende Werk kann via Internet zu einem verünftigen Preis bestellt werden.

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Den beiden Ingenieuren blieb kein Detail verborgen. So weisen die beiden auch auf ein kleine elektronische Schaltung hin, die in der Fialka steckt: Eine Handvoll Germanium-Transistoren - Made in the Sovjet Union – sorgten für zusätzliche kryptografische Raffinesse.


Interview von Dominik Landwehr mit Paul Reuvers. Aufgezeichnet am Enigma-Tag vom 8.Nov.2008 im [plug.in] Basel

Download Audio File (20 MB) - Interview mit Paul Reuvers

Links

Fialka-Page von Paul Reuvers und Marc Simons
Wikipedia Eintrag zu Fialka mit weiteren Links


Posted by dominik at 22:34 | Comments (0)

Mythos Enigma: Peter Zeindler und die Geheimnisse

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Geheimnisse sind gewissermassen das Kerngeschäft der Spionage - und der Spionage-Romane. So war es auch naheliegend der Schweizer Thriller-Autor Peter Zeindler zum Basler Enigma-Tag einzuladen. Sternenjäger dokumentiert seine 20minütige Rede als Podcast.

Konrad Sembritzki, Peter Zeindlers Held, hat natürlich Erfahrung mit Verschlüsseln und Entschlüsseln. Aber Zeindler packte das Thema nicht von einer technischen, sondern von einer philosophischen Ebene an. Viele Agenden haben so genannte Legenden. Ausgedachte Lebensgeschichten, in denen sie sich einniten, die sie mit Leben füllen. Vielleicht sogar eine Partnerin haben in ihrem neuen Leben, das eigentlich ein ausgedachtes Leben ist. Wie lebt es sich mit einem solchen Menschen? - Man zögert von wahr und falsch zu reden, denn ist nicht auch unser so genannt wahres Leben ein ausgedachtes?


Audio-File zum Download (20 Minuten - 20 MB)
Audio File in Flash-Player (Nur hören)

Posted by dominik at 06:55 | Comments (0)

07.11.08

Czernowitz am Radio

Um Czernowitz gehts nicht nur auf dem Sternenjäger Blog, sondern auch in einer Sendung von Radio DRS 2: Zu hören ist der Beitrag von Martin Heule heute Freitagabend im Rahmen von Passage 2 - und zum Glück auch im Internet forever, hoffentlich jedenfalls.

Hier gehts zur Sendung - und hier zur Fotostrecke mit den bereits auf diesem Blog publizierten Fotos.

Kurzinfos zur Sendung aus dem Pressetext:

Der Spiegelkarpfen/ in Pfeffer versulzt/ schwieg in fünf Sprachen» erinnert sich Rose Ausländer, die Zeitungen erschienen in sechs Sprachen, in drei Schriften, die Menschen beteten in Dutzenden Kirchen, in über 70 Synagogen und Bethäusern. Czernowitz war polyglott und multikulturell. Jetzt wird die Stadt im Südwesten der Ukraine 600 Jahre alt und blickt mit Wehmut auf die glorreichen Zeiten, blickt weniger gern zurück auf den totalen Niedergang der Stadt - 1946 standen die unzerstörten Häuser wie eine Theaterkulisse, in der kein Stück mehr spielt, denn es war keiner mehr da.

Welche Zukunft hat nun das ukrainische Tscherniwzi vor Augen? Kann die Stadt an der Vergangenheit aus k.u.k.-Zeiten anknüpfen? Wie entwickelt sich die Stadt in einem Land, das zwischen Russland und Europäischer Union hin- und hergezogen wird? Martin Heule hat sich in Tscherniwzi umgesehen und umgehört.


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Posted by dominik at 14:25 | Comments (0)