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18.10.08
Venedig - Spiegelungen und Träume
Venedig - ein Ort scheint mehr Traum als Wirklichkeit und in der Dämmerung verstärkt sich dieser Eindruck. Und nach der Reise sind es unscharfe Fotos, die diesen Eindruck weit besser spiegeln als die detailgetreuen, scharfen Bilder.
Dämmerung am Canal Grande
Und vielleicht passt auch das C.F.Meyers Venedig-Gedicht hierher
Auf dem Canal Grande
Auf dem Canal grande betten
Tief sich ein die Abendschatten,
Hundert dunkle Gondeln gleiten
Als ein flüsterndes Geheimnis.
Aber zwischen zwei Palästen
Glüht herein die Abendsonne,
Flammend wirft sie einen grellen
Breiten Streifen auf die Gondeln.
Eine kleine, kurze Strecke
Treibt das Leben leidenschaftlich
Und erlischt im Schatten drüben
Als ein unverständlich Murmeln.
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San Stae - eine Anlege-Station des Vaporetto am Canal Grande.
Nochmals Canal Grande
Am Bahnhof von Venedig.
Abschied von Vendig - nicht ohne einen Blick zurück mit Rilke
Spätherbst in Venedig
Nun treibt die Stadt schon nicht mehr wie ein Köder,
der alle aufgetauchten Tage fängt.
Die gläsernen Paläste klingen spröder
an deinen Blick. Und aus den Gärten hängt
der Sommer wie ein Haufen Marionetten
kopfüber, müde, umgebracht.
Aber vom Grund aus alten Waldskeletten
steigt Willen auf: als sollte über Nacht
der General des Meeres die Galeeren
verdoppeln in dem wachen Arsenal,
um schon die nächste Morgenluft zu teeren
mit einer Flotte, welche ruderschlagend
sich drängt und jäh, mit allen Flaggen tagend,
den großen Wind hat, strahlend und fatal.
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Alle Fotos Dominik Landwehr
dlandwehr at bluewin.ch
Posted by dominik at 09:44 | Comments (0)
04.10.08
Lemberger Stadtrundfahrt mit der Strassenbahn - Reisenotizen Ukraine
Die Stadtrundfahrt mit der Lemberger Strassenbahn hat bei Regenwetter einen eigenen Reiz.
Nicht alles kann gelingen und nicht jeder "gute Tipp" aus dem Reiseführer hät der Realität stand. Die Stadtrundfahrt aus der Lemberrger Strassenbahn hält nicht, was sie verspricht. Dafür gibt sie Zeit und Raum für eine kleine Reise-Meditation. Zum Beispiel darüber, was wir von einer solchen Reise erwarten? - Bestätigung der Tipps aus dem Reiseführer? - Dafür lohnt sich die Reise nicht, es reicht, den Fernseher anzuschalten. Wenn es aber darum geht, den Kopf mit neuen Bildern und Vorstellungen zu füllen, dann ist auch eine Stadtrundfahrt bei Regenwetter und beschlagenen Fenstern erstklassig.
Posted by dominik at 19:44 | Comments (0)
Am Bahnhof von Lviv - Lemberg - Reisnotizen Ukraine
Die Zeit wird kommen, wo man Kataloge von sowjetischen Baudenkmälern erstellt. Dieser Pavillon am Hauptbahnhof vom Lviv - Lemberg wäre ein guter Kandidat.
Wenn man in die andere Richtung blickt, gibts allerdings eine Überraschung
Denn der Hauptbahnhof von Lemberg ist ein Juwel aus der Zeit der Donaumonarchie. Gut erhalten und gepflegt, fast als wäre er wiederauferstanden.
Warum nur ist der Bahnhof dieser Millionenstadt so klein. Eine Handvoll Gleise nur? -Zu klein? - Zu peripher? - A propos Peripherie. Von wo aus gesehen? - Aus der Sicht der (ehemaligen) Sowjetunion? - Aus der Sicht des heutigen Russland? - Aus der Sicht der Ukraine? - Aus der Sicht Europas?
Wir verabschieden uns vom Bahnhof durch das Prachtstor.
Posted by dominik at 19:24 | Comments (0)
03.10.08
Im Zug von Czernowitz nach Lemberg - Reisenotizen Ukraine
Zurück nach Lemberg – oder wenn man will Lviv, gesprochen Liviv. Tanja kauft mit uns ein ganzes Abteil. Das Ganze ist mir etwas peinlich, aber vielleicht war es doch keine schlechte Idee.
Kein Verkehr am frühen Morgen in Czernowitz, schon gar nicht am Sonntag. Am Bahnhof wartet genau ein Zug und etwa 20 Passagiere. Personal hats genug und die Schaffnerin lässt sich bereitwillig vor dem blauen Zug fotografieren. Hier wird Kohle verbrannt, man riecht es deutlich. Aber nicht zum Fahren, nur zum Heizen der Wagen – Erinnerungen an eine nächtliche Bahnfahrt von Bukarest nach Tirgu Mures werden wach.
Wir beziehen unser Abteil. Bevor der Zug sich in Bewegung plärrt Marschmusik über die Banhofs-Lautsprecher. War das so zu Sowjetzeiten? – Oder während der Donau-Monarchie? – Langsam setzt der Zug sich in Bewegung. 07.30 Uhr Sonntagmorgen. Wir werden um 13.30 in Lemberg eintreffen. Es sind vielleicht 350 km dorthin.
„Unter Menschlichkeit verstehe ich die Gabe, sich unvermittelt zu öffnen und selbst im Fremden, den Nächsten zu erkennen. Eine Entfernung von 400 oder 500 Kilometern, die unsere Intercities in nicht einmal vier Stunden überwinden, wird von den hiesigen Zügen auf bis zu dreizehn Stunden gedeht. Dafür aber breiten die Menschen in ihren unbequemen und wie absichtlich engen Abteilen Essen und Trinken aus, lernen sich kennen, teilen jedes Stück Brot, erzählen sich sehr wichtige, manchmal absolut persönliche Dinge. Das Leben ist sowieso zu kurz – warum hetzen? Jene Augenblicke tiefer emotionaler Bewegung, in denen sich unverhofft die blosse, schnapsselig herzliche Wahrheit offenbart, sind viel wichtiger als offiziele, geschäftige Eile und verschlossene, falsche Höflichkeit, hinter denen sich nur Leer und Gleichgültigkeit verbergen. Es gefällt mir, dass sie manchmal wie eine reisige und unendlich verzweigte Familie wirken. Sollte man übrigens versuchen, ihr Essen und ihren Schnaps abzulehnen, werden sie meist furchtbar aufdringlich. Der Grund dafür ist wohl nicht, dass Essen und Schnaps hier ehreblich billiger sind als bei uns. Vielmehr sind diese Leute wirklich viel grossherziger und freigieber als wir..“
Jur iAndruchowitsch. Zwölf Ringe. Frankfurt 2007. Suhrkamp. S.20.
Schade, wir können zuwenig Russisch und schon gar kein Ukrainisch, also bleiben wir allein, ohne Wodka, dafür mit ukrainischem Käse. Kleine, geräucherte Käsespaghetti zu einem Zopf verwoben. Sehr lustig so was zu essen.
Freue mich auf Bilder der Landschaft. Aber die Landschaft erscheint nur durch ein schmutziges Fenster. Und die Fotos kriegen dadurch einen merkwürdigen, melancholischen Reiz.
Die Zeit vergeht mit Dösen, Lesen und Plaudern. Pünktlich um 13.30 treffen wir in der Millionenstadt Lemberg ein. Die Fahrt hätte noch lange dauern können.
Posted by dominik at 20:41 | Comments (0)
