« August 2008 | Main | Oktober 2008 »

29.09.08

Die letzte Synagoge von Czernowitz - Reisenotizen Ukraine

czernowitz-rabbi-synagoge.jpg

108 Synagogen und Bethäuser soll es in Czernowitz zur Jahrhundertwende gegeben haben. Einige besonders markante Bauten sind heute noch zu besichtigen. Aber nur eine davon dient auch heute noch als Gotteshaus

Rabbi Noach will gerne mit uns reden. Nur ist er gerade am Handy. Das dauert. Es geht offenbar um eine Reisegruppe, die stecken geblieben ist. In der Ukraine, das haben wir schon nach kurzer Zeit gelernt, können fast alle logistischen Probleme mit dem Handy gelöst werden, vorausgesetzt man kennt die richtigen Leute. Währendem wir warten redet ein hagerer Mann mit jugendlichem Aussehen auf uns ein. Er ist offenbar meschugge.

czernowitz-rabbi.jpg

Nun hat der Rabbi Zeit. Und währenddem im Nebenraum weitere Besucherinnen eintreffen, erklärt er uns einiges aus seiner Geschichte: Sein Vater hat in der Zeit des Zweiten Weltkrieges in der Roten Armee gedient und ist so dem Holocaust entronnen. Viele der hier ansässigen Juden – man spricht von etwas über 1000 – teilen dieses Schicksal. Einige sind auch aus Israel zurückekehrt.

czernowitz-synagoge-besucher.jpg

Die Besucher im Nebenraum – in der überwiegenden Mehrheit Frauen – sind keine Juden. Der Rabbi geniesst erfüllt hier die Funktion eines Lebensberaters und hört den Menschen zu. Gerne hätten wir mehr über die Sorgen erfahren…doch wir lassen den Rabbi seine Arbeit tun…

Posted by dominik at 20:53 | Comments (0)

Czernowitz: Stadt der Jugend - Reisenotizen Ukraine

czernowitz-heute-kids-hinterhof.jpg

Ein Blick in einen Innenhof in Czernowitz: Zwei Burschen, noch keine 20, posieren bereitwillig vor einem bunten Graffiti. Überhaupt: In Czernowitz dominiert die Jugend. Da mögen Wolken und Regen sich noch so trostlos mit dem Grau der Häuser und dem Dreck der Strasse mischen. Wer sich umschaut blickt in junge Gesichter. Ähnliches ist uns übrigens auch anderswo im Osten Europas widerfahren, sei es in Tirgu Mures, Budapest oder Bukarest, in Zagreb ebenso wie in Szeged.

Kurz vor der Turnstunde sprechen wir mit einer Gruppe von Jugendlichen, die sich für die Krankenpflege ausbilden lassen. In sicherer Entfernung vom Radio-Mikrophon des Kollegen bittet ein etwa 17jähriger Jugendlicher um ein Foto: Die Bitte erfüllen wir gerne und seine Breakdance-Pose im städtischen Stadion von Czernowitz ist vom Foto her bestimmt ein Höhepunkt unserer Reise.

czernowitz-heute-kids-breakdance.jpg

Wovon träumen die Jugendlichen: Schwer, unter den strengen Augen der Lehrerin ehrliche Antworten zu kriegen. Alle möchten eine Praxis eröffnen und den Armen in ihrer Stadt helfen. Sie wissen wovon sie sprechen. Unsere Blicke fallen kaum in die Schattenräume der heutigen Ukraine.

czernowitz-heute-maedchen-sport.jpg

Tatsächlich ist es die Armut oder die fehlende Perspektiven, welche viele zur Emigration veranlasst. Die ukrainischen Prostituierten, die in Westeuropa auftauchen, bilden nur die Spitze eines Eisberges. 2005 arbeiteten rund 40 000 Czernowitzer im Ausland; die Männer häufig aus dem Bau, die Frauen meist als private Pflegerinnen in Italien und Spanien, schreibt etwa der hiesige Journalist Bohdan Zahajskij. Zerrissene Familien und Kinder, die zwar Geld aber keine Fürsorge der Eltern hätten, seien das Resultat davon, erklärt uns unsere Führerin Tanja B.

czernowitz-heute-heirat.jpg

Noch eine Beobachtung zum Thema Jugend: Immer wieder sehen wir Hochzeits-Zeremonien. Hier eine festlich geschmückte pompöse Stretch-Limousine, gemietet für diese wichtigen Stunden, dort eine Gruppe von herausgeputzten jungen Leuten, mit dabei riesige, symbolstarke Brote, die eher an Kuchen als an Laibe erinnern. Olga, unsere Lemberger Übersetzerin und Führerin meint lakonisch dazu: „Sie gehen ins Kino, danach heiraten sie. Danach kommt die Scheidung und dann gehen sie wieder ins Kino…“

Posted by dominik at 20:28 | Comments (0)

28.09.08

Beim Wunderrabbi von Sadagora - Reisenotizen Ukraine 6

sadgora-aussen.jpg

Eine Viertelstunde Autofahrt vor Czernowitz – die Industrie-Ruinen sind auch bei Regen keine Augenfreude – liegt der Vorort Sada Gora, auch Sadgora genannt. Hier lebte einst ein chassidischer Wunderrabbi, von seinen Anhänger auch Zaddik genannt. Für uns war der Zaddik nicht mehr zu sprechen. Wir kamen einige Jahrzehnte zu spät. Uns bleibt die Aufgabe, die Spuren zu deuten, Spuren im Gelände, Spuren in der Literatur.

Das Haus des Wunderrabbi von Sadagora liegt gleich neben der Strasse und ist einigermassen erhalten. Ein Backsteinbau mit Türmchen und Erkern, der mehr an einen Bahnhof als an eine Synagoge erinnert. Der Bau musste denn auch mehr profanen als sakralen Bedürfnissen genügen und vor allem Raum für den nicht abreissenden Strom von Besuchern bilden, die der Rabbi empfing.

sadgora-fenster.jpg

Leopold von Sacher Masoch besuchte Sadagora 1857 und beschreibt in seinem Buch „Geschichten aus Galizien“ das das kleine Dorf und das Leben am Hof des Wunderrabbis ganz nüchtern

“Sadagora war damals eine kleine Stadt, die fast nur von Juden und Armeniern bewohnt war. Enge Strassen voll Schmutz, Strassen mit dunklen Winkeln, in die niemals ein Sonnenstrahl drang. Kleine Häuser, aus Holz erbaut, mit Kalk beworfen, mit Schindeln gedeckt… Mitten in der kleinen Stadt ein grosser Platz und auf diesem das Haus des Zadik… Vor dem Haus stand eine Menge von Menschen, die sich alle still verhielt oder ganz leise miteinander sprachen, und eine Anzahl Wagen aller Art, Schlitten mit kostbarer Decken von Pelzwerk….

Endlich wurde ein grosser, schwerer Vorhang beiseite geschoben, und wir traten in das grosse Zimmer, in welchem der Zadik die Bittsteller zu empfangen pflegte. An der Wand gegenüber dem Eingang stand ein alter türkischer Diwan, auf dem der Zadik lag. Neben ihm befand sich ein kleines Tischen, auf dem ein in Leder gebundenes Buch lag. An den anderen Wänden waren noch einige Stühle, ein kleiner Schrank, ein Ofen in dem ein mächtiges Feuer brannte, sonst nichts. Der Zadik war ein kleiner, magerer Mann mit weissem Haar und langem weissem Barte. Sein Gesicht war sanft und intelligent….

sadgora-innen.jpg

Es klingelte, die Wächter stürzten herein, und der Zadik befahl, die Leute der Reihe nach einzulassen, jedes Mal zehn zugleich. Es war interessant, die Bittsteller zu beobachten, welche jetzt vor Ehrfurcht eintraten, den Zadik demütig grüssten und in der Nähe der Türe stehen blieben. Da war ein reicher Jude im Pelz mit seinem kranken Kinde, das erbärmlich schrie. Ein anderer im geflickten Talar, welcher unausgesetzt seufzte, ein dritter, reich gekleidet, sehr dick, mit einem roten Gesicht, das wie der Vollmond glänzte. Zwei polnische Bauern in ihren Schafspelzen, eine Armeniern, ein Soldat in weisser Uniform, ein Mennonit, ein deutscher Kolonist und eine hübsche, furchtsame Frau in jüdischer Tracht, die sich hinter einer anderen versteckte.“

Das Wirken der chassidischen Wunderrabbis wird auch heute nicht überall gleich beurteilt. Die Historikerin Irene Stratenwerth beispielsweise sieht diese als Beleg für Rückständigkeit.

sadgora-friedhof.jpg


Weiter geht’s zum jüdischen Friedhof, wo auch das Grab des Wunderrabbis liegt. Der Regen hat nicht nachgelassen. Die Grabsteine sind versteckt im nassen, hohen Gras, Holundersträuche wachsen wild und Äste beugen sich unter der Last der dunklen Beeren. Niemand pflückt sie, keiner mäht das Gras. Anders als auf dem Czernowitzer Friedhof verstehen wir die Grabinschriften – sie sind in Hebräisch – nicht mehr und begnügen uns mit dem Bewundern der Symbolik und der Ornamente. Fische sind hier öfters zu sehen. Das Grab des Wunderrabbis ist von weit zu sehen – es liegt in einem Haus mit blauem Dach.


sadgora-friedhof-fischdetail.jpg

Posted by dominik at 16:25 | Comments (0)

Geburtsstadt des Tenors Joseph Schmidt - Ukraine Reisenotizen 5

josef-schmitt-stern.jpg

Zu den grossen Künstlern, die mit der Stadt Czernowitz verbunden sind, gehört der Tenor Joseph Schmidt (1904-1942)

Es war im alten Flughafen von Bukarest im Jahr 1990. Ich war dort als IKRK-Delegierter und wartete mit einem Vertreter der rumänischen Armee auf Gäste. Im Lauf des Gesprächs fragte mich der rumänische Offizier, ob ich wüsste, dass der rumänische Tenor Joseph Schmidt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz gestorben sei. Ich wusste es nicht, hatte den Namen bisher noch nie gehört.

kino-aussen-pano.jpg

In Czernowitz erinnert ein Stern – nachts von unten beleuchtet – auf dem Theaterplatz an den grossen Tenor. Und im Kino – in der einstigen Synagoge – ist ein Gedenktafel zu finden.

josef-schmitt-foyer.jpg

josef-schmitt-tafel.jpg

1904 kam Joseph Schmidt in Dawideny bei Czernowitz zur Welt. Als Tenor erlebte er eine triumphale Karriere in den 30er Jahren – nicht zuletzt dank dem Titelsong zum Film „Ein Lied geht um die Welt“. Seine Flucht aus Deutschland führte über mehrere Etappen in die Schweiz, wo er 1942 ankam und ins Internierungslager von Girenbad im Zürcher Oberland verbracht wurde. Eine vermeintlich harmlose Erkältung erwies sich als schwere Erkrankung, die am 16.November 1942 zu seinem Tod führte. Schmidts Grab ist im jüdischen Friedhof Friesenberg in Zürich-Wiedikon.

Posted by dominik at 15:18 | Comments (0)

Czernowitz - einst mehrsprachiger Kosmos - Reisnotizen Ukraine 4

czernowitz-postkarte-trachten-pano.jpg

In Czernowitz wird heute ukrainisch und russisch gesprochen und auch geschrieben. Die einstige Bevölkerung wurde im Zweiten Weltkrieg ermordet, deportiert und vertrieben. Das alte Czernowitz war anders

Ein halbes Dutzend Völkerschaften hat hier gelebt, schreibt der Czernowitzer Literaturhistoriker Peter Rychlo und zitiert Rose Ausländer:“

Der Spiegekarpfen
in Pfeffer versulzt
schwieg in fünf Sprachen.

Um welche Sprachen handelte sich? – Deutsch, Ukrainisch, Rumänisch, Polnisch, Jiddisch. Bei den Zeitungen kam noch eine sechste Sprache, das Hebräische dazu und um das alles zu bewätigen waren drei Schriftsysteme gängig: Lateinisch, Kyrillisch und Hebräisch.
Czernwowitz war – wenn auch nur in der kurzen Zeit seit der Mitte des 19.Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg – die Stadt von Literatur, Musik und Kunst.

Zu den Namen, die mit dieser Stadt verbunden sind zählen neben Paul Celan und Rose Ausländer auch Schriftsteller mit heute weniger bekannten Namen wie etwa Selma Meerbaum-Eisinger, Alfred Margul Sperber, Immanuel Weissglas, Alfred Gong, Alfred Kittner, der Sänger Joseph Schmitt war aus dieser Stadt, der Psychologe Wilhelm Reich aus der Region.

Alfred Gong beschrieb die Stadt rückblickend im 1963 veröffentlichten Gedicht „Topografie“ als Stadt, in der zu Semesterbeginn die jüdischen von den rumänischen Studenten verprügelt wurden. Und weiter:

Sonst war Czernowitz eine gemütliche Stadt;
die Juden sassen im „Friedmann“ bei Fisch und Piroggen
Die Ruthenen gurgelten in Schenken und Schanzen
Die Rumänien tranken vornehmlich im „Lukullus“
(wo, wie man annehmen darf, auch der junge Gregor von
Rezzori ab euben Viertel Cotnar mässig nippte.)
Den Volksgarten nicht zu vergessen, so sich sonn- und
Feiertäglich Soldaten und Dienstmädchen bei vaterländischen
Märschen näherkamen. Wochentags schwänzten hier
Gymnasiasten und –innen ihre Gymnasien.
(Man konnte gelegentlich hier dem Schüler Paul Celan mit Trakl unterm Arm
Zwischen Büschen begegnen.)


Peter Rychlo: Czernowitz als geistige Lebensform. Die Stadt und ihre Kultur. In:Helmut Braun (Hg.): Czernowitz. Die Geschichte einer untergegangenen Kulturmetropole. Berlin 2006. Ch.Links Verlag.

Rose Ausländer: Wir pflanzen Zedern. Gedichte. Frankfurt a.M. 1993.

Posted by dominik at 14:52 | Comments (0)

27.09.08

Czernowitz und Paul Celan - Reisenotizen Ukraine 3

ukraine-08-030-pano.jpg

Cernowitz putzt sich heraus, soweit das mit den bescheidenen Mitteln der Stadt möglich ist. Die Herrengasse, einstige Flanier- und Einkaufsmeile soll schon im Oktober im alten Glanz wieder auferstehen. Viele der Häuser an dieser Strasse sind bereits in den letzten Jahren renoviert worden. In einer Seitengasse liegt das Haus, in dem Paul Celan 1920 zur Welt kam. Wir fotografieren die Gedenktafel und werfen einen Blick ins Treppenhaus. - Paul Celan geboren 1920 in Czernowitz, gestorben 1970 in Paris, gehört zum Mythos Czernowitz.

Wie kann man mit den Mitteln der Sprache, das Unfassbare beschreiben? - Wenn es einen Dichter gibt, der eine Antwort auf diese Frage liefert, dann ist es Paul Celan mit seiner "Todesfuge"

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

In seiner Rede zum Bremer Literaturpreis schrieb beschrieb Paul Celan 1958 seine Heimat mit folgenden Worten:

“Die Landschaft, aus der ich – auf welchen Umwegen! Aber gibt es das denn: Umwege? -, die Landschaft, aus der ich zu Ihnen komme, dürfte den meisten von Ihnen unbekannt sein. Es ist die Landschaft, in der ein nicht unbeträchtlicher Teil jener chassidischen Geschichten zu Hause war, die Martin Buber uns allen auf Deutsch wiedererzählt hat. Es war, wenn ich diese topografische Skizze noch um einiges ergänzen darf, das mir, von sehr weit her, jetzt vor die Augen tritt – es war eine Gegend, in der Menschen und Bücher lebten“.

Paul Celan: Der Meridian und andere Prosa. Frankfurt 2002. Suhrkamp.
Materialien zur Die Todesfuge im Celan-Projekt

Posted by dominik at 20:53 | Comments (0)

Mythos Czernowitz - Reisenotizen Ukraine 2

czernowitz-postkarte-innenstadt-pano.jpg

Warum reisen wir nach Czernowitz, wo liegt diese Stadt überhaupt?

Czernowitz mit 80 00 Einwohnern: Juden, Deutsche, Rumänen, Ruthenen, die sich nahezu alle der deutschen Umgangssprache bedienen, liegt am rechten Ufer des Pruths auf mehreren Hügeln…

Von weitem gesehen, macht Czernowitz infolge seiner Lage mit seinen vielen Kuppeln auf den Fremden den Eindruck einer prächtigen, orientalischen Stadt.

In Czernowitz sind alle Artikel für den täglichen Bedarf, sowie alle Arten von Luxus und sonstigen Gegenständen, wie in jeder anderen Grosstadt zu haben. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass die meisten Geschäfte von Freitag abends bis Samstag abends gesperrt sind. Das Meldewesen und die Fremdenpolizei wird strenge gehandhabt; Die Sicherheitszustände sind gut…

Fremden, die Ausflüge nach Russland unternehmen, wird wärmstens empfohlen, keine Bücher, keine Zeitungen, überhaupt keine Druckschriften und auch keine Waffen mitzuführen, da man durch die Mitnahme von derlei Sachen in sehr unangenehme Lage geraten kann.

Schliesslich wäre noch zu bemerken, dass die Ortszeit in Czernowitz überall Geltung hat, gegen die mitteleuropäische Zeit um 44 Minuten differiert.

Quelle: Illustrierter Führer durch die Bukowina, herausgegeben von Herman Mittelmann, Czernowitz 1907/8

Posted by dominik at 20:39 | Comments (0)

Unterwegs zwischen Lemberg und Czernowitz - Reisenotizen Ukraine

ukraine-08-008-pano.jpg


Ein unscharfes, verwaschenes Bild, fotografiert durch die Frontscheibe unseres Autos auf dem Weg von Lemberg nach Czernowitz.

Wir fahren durch ein Dorf, nach dessen Namen wir wohl nicht mal gefragt haben. Der Regen macht die Fahrbahn spiegelglatt. Am Horizont eine Häuserzeile, dahinter zwei goldene Kuppeln. Kein gutes Foto und doch ein stimmiges Bild – stimmig, weil es die leichte Verwirrung des eben erst Angekommenen spiegelt. Erste Eindrücke sind unscharf, Bilder verwischen sich in der Erinnerung.

ukraine-08-013-pano.jpg

Die Lukoil-Tankstelle in der Einöde, an der wir in der Abenddämmerung Benzin tanken, scheint eigenartig unwirklich. Flaches, dünn besiedeltes Land, schlechte Strassen, LKW’s. Dann fällt die Nacht. Stunden später meldet Tanja, unsere ukrainische Begleiterin, wir hätten nun die Kaffee-Tee-Grenze überquert, die Grenze zwischen Galizien und der Bukowina. Gehört Kaffee zu Galizien und Tee zur Bukowina? – Oder ist es genau umgekehrt?

Posted by dominik at 20:13 | Comments (0)

14.09.08

Hurra ein neues AKW - Gedanken zum Thema Energie

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Welt wird nicht untergehen, wenn die Schweiz ein neues Atomkraftewerk baut. Und die Welt retten wird ein Verzicht auch nicht. Trotzdem: Die Vorstellung, dass nur neue AKW's unser Energie-Problem lösen können, scheint mir etwas mutlos. Mutlos für ein derart reiches Land wie die Schweiz...

Rund 440 AKW’s gibt es heute auf dem ganzen Globus. Nicht wenige davon in Europa, vor allem in Frankreich, das 80 Prozent seines Stroms mit Atomkraft herstellt. Und seitdem das Öl knapp geworden ist, wird offenbar weltweit auf Teufel komm raus geplant: Schon bald könnten es über 1000 sein.

Die Frage ist aber erlaubt: Muss das auch bei uns sein? – Geht es wirklich nicht ohne? – Hat es sich denn nicht herumgesprochen, dass Atomstrom den einen oder anderen Nachteil hat. Bizarr ist etwa die Frage, wie wir unseren Nachkommen mitteilen, dass das Endlager vielleicht auch in zehntausend Jahren noch strahlt. Immerhin ist das eine intellektuelle Herausforderung. Vielleicht ist die Sorge unnötig und bis in zehntausend Jahren gibt’s nur noch Käfer. Insekten sind bekanntlich gegen Radioaktivität resistent.

In der Öffentlichkeit wirft die Frage noch keine allzu hohen Wellen. Da gibt’s mal die Gefälligkeits-Reportagen über Gösgen, Leibstadt und Mühelberg wo uns liebenswürdige Bauern und Hausfrauen erzählen, wie toll und ruhig das benachbarte Atomkraftwerk sei. Ich glaub das gerne. Manchmal erzählt dann auch noch der Gemeindepräsident, wie viel Geld die Gemeinde vom Betreiber jedes Jahr erhält und wie toll die Arbeitsplätze da sein. Sorry, aber da muss ich einfach immer an die Trickfilmfigur Homer Simpson denken, der ewige Verlierer arbeitet doch im Kontrollraum eines Atomkraftwerks. Und irgendwie hat für mich Atomkraft ein Verlierer- Image: Gross, riskant und schwer zu kontrollieren. Technologie von vorgestern.

In der Diskussion taucht oft der Begriff Versorgungslücke auf. Tönt bedrohlich und erinnert irgendwie an eine Zahnlücke. Saublöd, wenn wir in Zukunft nicht genug Energie haben. Da steht dann alles auf dem Spiel: Allen voran unsere wirtschaftliche Zukunft und unsere Arbeitsplätze. Dann schon lieber ein Atomkraftwerk. Dabei ist doch dieses Argument ziemlich durchsichtig. Es tönt für mich fast wie eine Erpressung.

Die Art und Weise der Argumentation kommt mir irgendwie bekannt vor: Wie war das beim Flughafen? – Wenn wir kein neues Terminal bauen, dann verliert der Flughafen seine Bedeutung und wir bald unsere Arbeit und unseren Wohlstand... Und was geschah dann: Als das neue Terminal fertig gebaut war, musste eines der beiden alten still gelegt werden. Ist ja richtig toll. Noch vor einigen Wochen wälzte der Flughafen fette Ausbaupläne. Daraus wird wohl mangels Nachfrage vorläufig nichts. Die hohen Erdölpreise haben auch ihr Gutes. Ganz ähnlich tönte es in den 90er Jahren in den Schulen: Wenn nicht sofort alle Klassenzimmer mit Computern ausgerüstet würden, verlieren wir den Anschluss. Den Anschluss verlieren – der Schweizer Albtraum par excellence und ergo das absolute Killer-Argument. Warum fragte damals niemand wie es mit dem Lesen bestellt ist?

Zurück zur Atomdiskussion. Es gibt tausend andere Möglichkeiten, wie wir das Energie-Problem lösen können, falls es denn eines ist… alte und neue Ideen gibt’s zuhauf. Und sicher wäre hier Innovation gefragt, um eines der Lieblingsworte von Wirtschaftsführern und Politikern zu benutzen. Ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass wir die Sache mit der Energie packen können. Auch ohne Atomstrom. Und ein bisschen Knappheit kann nicht schaden: Es hilft beim Denken…

Der Text erschien am 22.August 2008 im Tösstaler unter der Rubrik "Standpunkt"

Posted by dominik at 17:01 | Comments (0)

Grosses Kino auf dem Land : Roadmovie zeigt Schweizer Film „Der Freund“ in Rikon

movie-der-freund.jpg

Aktuelles Schweizer Filmschaffen im ganzen Land zeigen – das ist das Ziel des Kinoprojektes „Roadmovie“. Am Donnerstag 25.September macht das mobile Kino im Tösstal Station mit seinem Kinotag – eingeladen von der Kulturkommission Zell. Höhepunkt des Tages ist die Vorführung des preisgekrönten Films „Der Freund“ von Micha Lewinsky um 20.15 Uhr im Oberstufenschulhaus Rikon.

Fernsehen, Video und zuletzt die DVD haben zwar den Film in die gute Stube gebracht. Richtiges Kino ist aber doch etwas anderes – vor allem wenn dabei richtiges Zelluloid auf eine grosse Leinwand projiziert wird. Und genau das ist das Rezept des mobilen Kinoprojektes Roadmovie, das übrigens gerade deshalb auch von vielen grossen Kulturinstitutionen wie dem Bundesamt für Kultur oder dem Migros-Kulturprozent gefördert wird.

Höhepunkt des Filmtages im Tösstal ist natürlich die öffentliche Vorführung eines grossen Schweizer Filmes. Die Auswahl fiel der Kulturkommission der Gemeinde Zell nicht schwer: Für den Film „Sternenberg“ hatte Micha Lewinsky das Drehbuch verfasst (Regie führte dort Christoph Schaub) und so war man natürlich gespannt den ersten Film zu sehen, bei dem Lewinsky Regie führt. Sein Film „Der Freund“ ist eben herausgekommen und hat beim Schweizer Filmpreis 2008 den Preis für den besten Spielfilm erhalten, mit Philipp Graber wurde ausserdem das beste schauspielerische Nachwuchstalent ausgezeichnet.

Und darum geht’s: Im wirklichen Leben wären Emil und Larissa wohl nie ein Paar geworden - sie, die von allen umschwärmte Sängerin; er, ein schüchterner Aussenseiter. Eines Tages bittet die junge Frau Emil um einen besonderen Gefallen: er soll sich als ihr Freund ausgeben. Als Larissa einige Tage später stirbt, nimmt Emils Leben einen tragisch-komischen Lauf. An welches Publikum hat der Regisseur dabei gedacht? – „Ich dachte erst, es ist ein Film für junge Leute. Ich habe aber gemerkt, dass auch ältere Leute den Film gerne sehen und von der Geschichte berührt sind. Ich glaube, das ist kein Film für Leute, die im Kino am liebsten ganz viele Explosionen sehen, aber für Leute, die sich gern berühren lassen, die gerne lachen und weinen im Kino.“ – Eine wichtige Rolle spielt im Film die Musik und die junge Schweizer Sängerin Sophie Hunger berührt mit ihrem Titelsong „Very very close to heaven“ sofort das Herz des Publikums. Kostproben davon gibt’s übrigens im Kinotrailer im Internet.

Für die öffentliche Vorführung scheut die Crew von Roadmovie keinen Aufwand: Drei Personen reisen an und bringen eine professionelle, 35mm Projektion mit perfektem Kino-Sound nach Rikon. Und damit die Kino-Atmosphäre im verdunkelten Gemeindesaal im Oberstufenschulhaus perfekt wird, gibt’s eine richtige Kino-Bar geführt von einer Schulklasse.

Kleiner Wermutstropfen bei der ganzen Sache: Allzu gerne hätte man den Regisseur Micha Lewinsky im Tösstal gesehen: Der Sohn des Schriftstellers und Drehbuch-Autors Charles Lewinksy, gehört zu den interessantesten Figuren des Schweizer Kulturlebens. Schon vor seinen Filmprojekten hat er mit originellen Aktivitäten von sich reden gemacht, die schnell ein Publikum gefunden haben: Zu nennen ist hier in erster Linie die CD-Reihe „Ohrewürm“ mit Schweizer Popmusik für Kinder und Erwachsene von Dodo Hug bis Sterneföifi, die wohl den den meistverkauften CD’s gehört. Vor zehn Jahren erfand Micha Lewinsky ein Konzept zur Förderung von jungen Kulturschaffenden: „Kulturbüro“ nannte er die Idee und das Migros-Kulturprozent gab ihm die Chance, die Idee gleich in seiner engeren Heimat, der Stadt Zürich, umzusetzen. Just in diesen Tagen feiert das Zürcher Kulturbüro sein zehnjähriges Jubiläum und mit dem Basler Kulturbüro konnte vor einigen Wochen die vierte derartige Institution eröffnet werden. Und warum kommt Lewinsky nicht ins Tösstal? Er dreht nämlich gerade einen neuen Film – eine romantische Komödie unter dem Titel „Die Standesbeamtin“. Vielleicht erhört der junge Regisseur ja den Ruf aus dem Tösstal und ist im nächsten Jahr einmal Gast an einem Kulturapéro… und wer weiss, vielleicht schafft es doch noch ein Crew-Mitglied und berichtet den filminteressierten Tösstalern bei einem Glas Wein von den Freuden und Leiden des Schweizer Films.

Es bleibt aber nicht beim Abendprogramm, denn die Roadmovie-Crew reist schon am Vormittag an und gestaltet mit rund 100 Schülerinnen und Schülern aus Rikon und Kollbrunn einen richtigen Kino-Nachmittag mit Kurzfilmen und Gesprächen. Zum Hintergrund schreibt Roadmovie: „Die ersten Erfahrungen im Kinosaal sind entscheidend für die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer von heute - denn sie sind das Publikum von morgen und deshalb sind sie für Roadmovie auch besonders wichtig. Wir bieten Primarschülerinnen und -schülern ein lebendiges Kinoerlebnis und führen nicht nur Kurzfilme vor: Eine Begleitperson unterstützt das Gespräch über die Filme und beantwortet Fragen. Und das Surren des 35mm Projektors im Saal regt die Kinder ohnehin schon zu allen möglichen Fragen an, über Filme, Kino und Geräte.“

Dominik Landwehr

Roadmovie-Kinotag in Rikon,
Donnerstag, 25. September 2008 20.15 Uhr Oberstufenschulhaus Rikon
Eintritt frei, Kollekte

www.tösstal.ch – www.derfreund.ch – www.roadmovie.ch

Copyright Bild: www.derfreund.ch


Posted by dominik at 16:55 | Comments (0)

Wie macht man aus Steinen Gold...

kornregen.jpg

Wie macht man aus Steinen Gold? - Ein alter Traum. Die Firma Flumroc in Flums, Herstetller von Dämmaterial hat das geschafft.

Die Firma Dachcom aus Schaan (FL) hat mich eingeladen, zum Thema "sagenhaft" etwas zu sagen. Das Resultat ist hier zu finden. PDF Dokument (640 KB)

Posted by dominik at 15:24 | Comments (0)

01.09.08

Geocaching am Kollbrunner Kohlenloch

geo1.jpg
Familie R. zu Besuch - mit dabei das neue Navi. Wofür ist das gut? - Genau: Zum Geocachen. Und tatsächlich hat es kaum 5 Minuten von unserem Haus einen solchen Cache. Nix wie hin.

Der Ort ist schnell gefunden: Das Kollbrunner Kohlenloch. Noch im 2. Weltktrieg wurde hier offenbar Kohle abgebaut. Naja, viel wirds nicht gewesen sein, das Loch ist kaum einen Meter hoch und wie tief - ich will es gar nicht wissen. Wir suchen die Box mit den Andenken. Sandra findet sie, Irene schreibt ins Logbuch und nimmt einen Travel Bug mit. Zuhause dann die Entdeckung: Der Travel Bug ist von der National Rifle Association. Uhuhi, den wollen wir nicht.

Alles zum Geochachen am Kohlenloch
Und wenn das zu speziell ist: Hier nur zum Geocachen

Posted by dominik at 20:21 | Comments (0)