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20.02.08

Turi Honegger: Verdingbub, Journalist, Erfolgsautor im Kulturapero in Kollbrunn

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Er kommt von ganz unten: »Du bist das Kind einer Hure« hat man ihm als Bub gesagt, von seiner Mutter getrennt und als Verdingkind weg gegeben. Immer wieder hat er darüber geschrieben: Der Schmerz über das erlittenes Unrecht, so hat er gelernt, geht nicht weg, wenn man darüber schreibt. Aber er kriegt einen Namen. Turi Honegger erzählt am nächsten Kulturapero am Sonntag 2.März im Sonnenhof in Kollbrunn aus seinem Leben, liest aus seinen Büchern und stellt auch sein neuestes Werk »Der rote Huber« vor.

Wer kennt ihn nicht: Den 1924 geborenen Schriftsteller aus dem Zürcher Oberland, der 1974 mit seinem Buch ?Die Fertigmacher? zum ersten Mal über seine Kindheit als Verdingbub geschrieben hat. Das Thema hat ihn nie mehr losgelassen. 2004 wurde es auch zum Mittelpunkt im bewegenden Filmdokument ?Turi? der Sirnacher Journalistin und Filemacherin Lotti Wohlwend. Sein Buch von 1974 gilt heute als Klassiker der neueren Schweizer Literatur und würde kürzlich von Charles Linsmayer neu herausgegeben.

Im neusten Buch zeigt sich der Autor aber von einer anderen Seite. Unter dem Titel ?Der rote Huber? sind im Verlag Huber Frauenfeld eine Reihe von Reportagen und Erinnerungen von Honegger erschienen. Die Geschichten und Reportagen decken die Zeit zwischen den 30er und den 70er Jahren dar und sind ein bewegendes Stück Schweizer Geschichte. Da gibt es die kleine Anekdote von Henry, dem Berliner Bub mit dem geschliffenen Mundwerk, der eine Zeitlang bei Turi und seinen Pflegeeltern in Rüti wohnte und der Familie zuerst einen Hauch der weiten Welt und später von der Hitler-Begeisterung mitbrachte und eines Tages mit sanfter Gewalt vom Schulhausdach entfernt werden muss? Die Geschichte von den neuen Glocken der katholischen Kirche zeigt etwas über die Feindschaft, mit der sich Katholiken und Protestanten vor noch nicht allzu langer Zeit gegenüberstanden und man fragt sich unwillkürlich, ob uns die Diskussionen zwischen Christentum und Islam in 50 Jahren nicht ebenso überholt erscheinen mögen?.

Berufslehre oder Studium gabs für Turi Honegger nicht. Umso eindrücklicher erscheint deshalb eine Begegnung des Autors ? es dürfte in den 50er Jahren gewesen sein ? mit dem grossen Schauspieler Heiri Gretler, der den damaligen Bauernknecht Honegger ermunterte, die Schauspielerei zu betreiben. Später gelingt dem sprachbegabten jungen Mann der Einstieg in den Journalismus, ausgerechnet beim frisch gegründeten Boulevardblatt Blick. Schlitzohrig und witzig gibt?s hier reichlich gemischte Kost, etwa zu einem Berlin-Besuch mitten im Kalten Krieg zu hören. Die Flugzeugtkatastrophe von Dürrenäsch, die am 4.September 1963 einen Viertel der erwachsenen Dorfbevölkerung von Humlikon auslöschte, erschütterte die Schweiz und auch den jungen Reporter, der viele Leute im Dorf persönlich kannte. Honegger schreibt damals wie heute nicht distanziert-sachlich, sondern engagiert, persönlich, mit-betroffen, egal ob er über den Sechstagekrieg in Israel berichtet oder über den Selbstmord einer jüdischen Frau in Zürich. Als mitdenkender und mitfühlender Zeitgenosse, der etwas zu sagen hat, nicht zuletzt weil er auch selber einiges mitgemacht hat.

Dominik Landwehr

Der Anlass in Kollbrunn wird von der Kulturkommission Zell organisiert und von der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich mitunterstützt.

Sonntag, 2.März 2008 ? 11.15 ? 13.00 Restaurant Sonnenhof
Eintritt: Erwachsene Fr. 25.00 / Jugendliche Fr. 15.00
(inkl. 1 Kaffee und 1 Gipfeli) Bücherverkauf im Anschluss an den Anlass. Der Autor signiert auf Wunsch gerne seine Bücher.
Das im Text erwähnte neue Buch von Arthur Honegger ?Der Rote Huber? erschien 2007 im Verlag Huber Frauenfeld und ist über den Buchhandel erhältlich

www.toesstal.ch

Kontakt:
Dominik Landwehr: Email dlandwehr@bluewin.ch ? Mobiltelefon 079 411 59 17

Posted by dominik at 21:34 | Comments (0)

14.02.08

Dominik's Privatradio als Podcast

Etwas scherzhaft nenne ich meine Audio-Aktivitäten "Dominik's Privatradio". Das ist natürlich leicht ironisch gemeint und soll darauf hinweisen, wie leicht es geworden ist, eigene Audio-Inhalte via Internet zu verbreiten oder neudeutsch zu broadcasten. Genau genommen ist das natürlich nicht broad sonndern narrow-cast, weil eben sehr wenige Hörer sich einklinken. Und so funktioniert es:

Am einfachsten ist es, unsere Podcast bei iTunes zu abonnieren. Dieser Link führt direkt in den iTunes Shop, wo man den digital brainstorming Podcast kostenlos abonnieren kann. Unsere Podcast-Liste wird bei jedem Öffnen von iTunes aktualisiert. Heruntergeladen wird aber nur, was ausdrücklich markiert und auch gewünscht wird.

Hier gehts zum Podcast Abo von digital brainstorming im iTunes Shop.

Es gibt auch einen RSS-Feed zu unserem Podcast: Neuere Browser finden ihn direkt und wir werden diesen Link in Zukunft auch prominent auf unserer Seite platzieren.

Was gibts denn zu hören: So kann zum Beispiel das Referat von Claus Pias zur Geschichte des Computerspiels oder ein Interview mit dem Science Fiction Autor Herbert W.Franke gehört werden. Weiterhin möglich ist natürlich, die Files direkt als mp3 Audios herunterzuladen - ohne RSS Feed oder iTunes Shop. Hier gehts zu den Files von Herbert W.Franke , zu Claus Pias und der Geschichte der Computerspiele . Wir werden in Zukunft noch vermehrt Gespräche und Aufnahmen anbieten, die nicht im Kontext der Veranstaltungsreihe digital brainstorming entstanden sind. Zu nennen ist hier etwa ein Interview mit dem österreichischen Künstler und Wort-Verdreher Jörg Piringer.
Nicht als mp3 gibts die schöne Sendung mit Bruno Stanek und Bruno Spoerri, dafür kann die CD der Radiosendung gratis bestellen.

Posted by dominik at 10:10 | Comments (0)

12.02.08

Bührles Bildeer sind weg - doch woher stammte das Geld des Stifters

Bührles Bilder sind weg. Verschwunden. Geraubt aus einer Villa im Seefeld. Grosse Betroffenheit und doch wagte in den ersten Moment keiner zu sagen, was allgemein bekannt ist. Das Geld des edlen Stifters stammte aus Waffenverkäufen in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die besten Geschäfte machte Bührle mit Nazi-Deutschland.

Nur soviel: An diesen Bildern klebt Blut. Immerhin hats das 10vor10 heute abend ausgesprochen. Denn die Fakten sind längst bekannt, Historiker wie Jakob Tanner oder Thomas Buomberger traten denn auch vor die Kamera und tatsächlich ist diese Geschichte längst kein Skandal mehr, jedenfalls nicht im reichen Zürich. Die Kanonen, die Bührle so erfolgrerich verkaufte, kamen wohl auch an der Ostfront zum Einsatz. Damit wären wieder bei Wassili Grossman und seinem Roman "Leben und Schicksal".


Expertenkommission Schweiz Zweiter Weltkrieg

Speziell Band 11 zum Thema Rüstungsindustrie

Posted by dominik at 23:17 | Comments (0)

Fotokommentar zu Charlie Wilson's War

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Charlie Wilsons Krieg - zur Zeit in den Kinos zu sehen. Der Film spielt zwischen 1980 und 1988, zur Zeit des Afghanistan Krieges und zeigt mit wie blind und blauäugig die USA in diesen Krieg gezogen sind - mit bekannten Folgen.

Das Bild entstand 1988 im IKRK Spital von Quetta. Hier ist es in ganzer Grösse zu sehen.

Zur Entstehung des Bildes: Ich war in jener Zeit als IKRK Delegierter in Peshawar stationiert und jeden Tag im Spital für Kriegsverletzte. Meist mit Besuchern. Das Bild entstand aber nicht in Peshawark, sondern in Quetta. In jenem Sommer 1988 nahm ich mir einen ganzen Tag Zeit und verbrachte viele Stunden mit den Patienten und ihren Angehörigen im IKRK Spital von Quetta, übrigens ohne Übersetzer. Die Afghanen hatten keine Scheu vor der Kamera, im Gegenteil, sie liebten es, fotografiert zu werden. Bei meinen Fotos ging es mir nicht darum, Kriegsfolgen, Verstümmelungen und Verletzungen zu dokumentieren. Ich habe das zwar auch gemacht und diese Fotos berührten mich nicht. Was ich zeigen wollte, war menschliche Zuwendung. Als ich die Szene mit dem riesigen Mann im Turban, der dem schwerverletzten Buben zu essen gibt gesehen hatte, wusste ich: Das ist mein Bild.

Zur Geschichte: Der Junge stammt aus der Gegend von Kandahar. Beim Schafe Hüten berührte er einen Gegenstand am Boden. Es war eine Landmine. Sie riss ihm beide Hände ab und zerstörte sein Augenlicht. Der Mann neben ihm, ist sein Onkel. Ich kenne weder den Namen des Jungen, noch den seines Onkels. Der Bub von damals muss heute um die 30 Jahre alt sein. Was hat er seither erlebt? Ist er überhaupt noch am Leben?

Dieses Foto ist für mich das beste Bild, das ich je gemacht habe. Vielleicht das einzige wirklich gute Foto, das mir überhaupt gelungen ist.

Siehe auch: "Zeindlers Agentroman von 1993" und "Im Versteck von Osama bin Laden"

Posted by dominik at 22:56 | Comments (0)

10.02.08

Kalenderbilder aus Mon bei Savognin

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Posted by dominik at 12:43 | Comments (0)

Alp Flix

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Licht, Weite, Himmel, Schnee. Alp Flix. Und keine Spur vom Skizirkus.

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Posted by dominik at 12:34 | Comments (0)

Begegnung am Julier - 8.2.2008 - 15.00 Uhr

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Posted by dominik at 12:27 | Comments (0)

Eva Horn: Der Geheime Krieg

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Wie untersucht man das Wesen des Nachrichtendienstes, Konspiration, geheime Kriege? - Als Historiker, anhand von minutiösen Recherchen oder aber als Kulturwissenschafter anhand der Phantasmata und Fiktionen. Diesen Weg hat die in Basel lehrende Germanistin Eva Horn gewählt. Ihr Sachbuch liest sich über weite Strecken fast wie ein Thriller und enthüllt weit mehr über ihre Fragen, als eine konventionelle, historische Analyse je könnte.

Das liegt an der Natur ihres Zugangs. Kostprobe aus dem Werk der scharfsinnigen Kulturwissenschafterin:

"Geheimdienste spähen nicht nur Geheimnisse aus, sondern produzieren selbst ein Wissen, das geheim ist. Die Exklusivität dieses geheimen Wissens ist aber zugleich die epistemische Bürde von Intelligenz. Denn wo die Krönung wissenschaftlicher Forschung in der Veröffentlichung besteht und mithin in der Kritik durch andere Perspektiven seine Bestätigung oder Korrektur erfährt, ist Intelligence 'blind'. Geheimdienstliche Daten, Hyptothesen und Theorien entstehen, zirkulieren und vergehen in der Abgeschlossenheit nachrichtendienstlicher Frageinteressen, Auswertungsgepflogenheiten und leider nicht selten auch interner Machtspiele. Soe wird der Gegenstand geheimdienstlichen Wissens, der Feind, ganz besonders im Kalten Krieg, zu einem imaginären Bild, das möglikcherweise nichts ist als das eigene Spiegelbild - oder jedenfalls immr nur das, was man schon gesucht hat.. Der Feind ist unsere eigene Frage als Gestalt, zitiert Carl Schmitt Theodor Däubler mitten im Kalten Krieg. "

"Eine Beobachtung zweiter Ordnung, die es ermöglichen würde, die blinden Flecke der eigenen Ergebnisse in Rechnung zu ziehen, ista usgeschlossen oder jedenfalls systematisch erschwert. Ein Wissen, das keine Möglichkeit der reflexiven Selbstkorrektur hat, ist darum so sehr auf seinen Wirklichkeitsgehalt bedacht, dass es ihn ständitg bezweifelt und bearbeitet..."

Eva Horn: Der geheime Krieg. Frankfurt 2007. Fischer TB

Zusammenfassung des Aufsatzes von Eva Horn in "Lettre International"; Portrait der Autorin Blogeintrag aus "We make money not art" anlässlich der Konferenz an der Transmediale 2008 in Berlin

Homepage von Eva Horn an der Universität Basel

Und hier gibts das Buch von Eva Horn: In Dominiks Bookshop

Posted by dominik at 11:00 | Comments (0)

Meduoteran: Traum-Klänge aus dem Balkan

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Meduoteran - das sind zwei Musiker aus Winterthur, mit Wurzeln in Serbien und Anatolien. Tiefsinnig, melancholisch, virtuos. Zu hören gestern an unerwartetem Ort: In einer stilligelegten Fabrik im Tösstal, in der Loft von Kollbrunn

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Das Konzert im Rahmen des Programms der Kulturkommission Zell war das Produkt einer wirklich zufällig Begegnung mit der umtriebigen Kreuzlinger Kulturagentin Susanne Gisin im Intercity zwischen Paris und Basel. Susanne Gisin ist alles andere als kontaktscheu und bringt es fertig, ihre Begeisterung schnell auf andere zu übertragen. Trotzdem bin ich zurückhaltend - immerhin verspreche ich mir die CD, die sie mir zusteckt, zu hören. Und das mach ich dann auch und bin sofort elektrisiert von dieser Musik. Und ein bisschen lokalpatriotischer Stolz - die beiden Musiker haben in Winterthur ihr Musikstudium vollendet - schwingt auch mit.

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Nur: Wer will sich in Kollbrunn ein Konzert von Meduoteran anhören? - Von zwei Musikern, deren Namen wir nur mit grösster Mühe aussprechen können: Srdjan Vukasinovic und Taylan Arikan heissen die beiden. Srdjan stammt aus Serbien und spielt Akkordeon, Taylan aus Anatolien, er spielt das traditionelle Saiteninstrument Saz, das er übrigens im Lauf des Konzerts laufend umstimmt.

Nun denn: es hat funktioniert: Die Loft in Kollbrunn war abends um halb neun bis zum letzten Platz besetzt von einem wunderbar gemischten Publikum: Leute aus dem Dorf, Angehörigen der Musiker, Profis aus der Musikszene, welche die beiden Newcomer mit Argusaugen beobachten...

Ein beglückender Abend - mit unbekannter Musik, unverbrauchten Klängen, mit zwei jungen, frischen Gesichtern. Man wird noch von den beiden hören.

Mehr Fotos

Pressetext: Meduoteran Kollbrunn 9.2.08

Meduoteran Website
Appassionate Kulturmanagement - Susanne Gisin Kreuzlingen

Posted by dominik at 08:55 | Comments (0)

05.02.08

Wassili Grossman und die Schweiz - Reflexe vom 7.2.08 mit Martin Heule

grossman-buch-engl.jpgHinweis zum Reflexe auf DRS 2 vom 7.2.2008:Der russische Autor Wassili Grossman wird wieder entdeckt: Sein epochales Werk "Leben und Schicksal" ist 2007 in einer überarbeiteten Fassung vom Claassen Verlag neu herausgekommen. Grossmans Buch zum Zweiten Weltkrieg wird mit Tolstois "Krieg und Frieden" vergichen und gehört vielleicht zu den wichtigsten Werken der russischen Nachkriegsliteratur. Warum aber, wurde es erst 1980 zum ersten Mal gedruckt, warum ausgerechnet in der Schweiz?

Eine Antwort dazu verspricht die Sendung "Reflexe" von Radio DRS 2 am 7.Februar. Martin Heule unterhält sich darin mit dem Verleger von Grosman, dem Besitzer des Verlages "Editions l'age de l'htomme" in Lausanne. Der Verleger gelangte in den späten 70er Jahren in den Besitz des Manuskripts, das Freunde von Grossman in Russland versteckt hatten. Erlaubt sei die Frage, ob diese offzielle Version stimmt. Könnte es nicht auch sein, dass der KGB selber das Werk im Westen gedruckt haben wollte?

Das Bild oben zeigt übrigens die Titelseite der Notizen von Grossman, als Einstieg in diesen Autor vielleicht besser geeignet als der über 1000seitige Roman.

Mehr zu Grossman im Blog Eintrag "Als embedded journalist" in Stalingrad

Und hier gibts die Bücher von Grossman: In Dominiks Bookshop

Hier gehts zum Verlag "Editions l'age de l'homme in Lausanne"

Posted by dominik at 14:08 | Comments (0)