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30.01.08
Kybernetik, Bomben, Computergames
Die Geschichte von Computer und Krieg ist eng miteinander verwoben - die ersten Computer entstanden zur Berechnung von Geschossbahnen aber auch im Kontext der Entwicklung der ersten Atombombe. Dass auch die Computergames eine unfriedliche Vorgeschichte hat, erstaunt denn nicht. Eines der Themen des brillanten Medienwissenschafters Claus Pias. Im Kontext der Ausstellung "Pong" vom letzten Jahr hat er dies in einem spannenden Referat dargelegt, das wir hier vollständig online dokumentieren. Das Referat ist ca 45 Minuten lang und 45 MB gross.
Weitere Infos zum Thema gibts auf der entsprechenden Seite von digitalbrainstorming
Posted by dominik at 08:47 | Comments (0)
27.01.08
Wort-Verdreher Jörg Piringer zu Gast bei Dominiks Privatradio
Wort-Verdreher ist eigentlich ein Schimpfwort: "Du verdrehtst mir die Worte im Munde" sagen wir gelegentlich, wenn wir uns missverstanden fühlen. Beim österreichischen Künstler Jörg Piringer ist es anders. Er dreht und verdreht die Wörter nämlich wirklich. Und zwar in alle Richtungen. Schlimmer noch: Er dehnt sie - optisch und akustisch und verschmutzt sie. Ja, richtig gelesen. "Verschmutzen" heisst eine Funktion in einem seiner Computerprogramme. Grund also, um weiterzulesen. Wie das genau geht, erklärt er in unserem 20minütigen Gespräch
Jörg Piringer weilte zu einem Workshop mit Kindern und Jugendlichen in Zürich - eingeladen vom Migros-Kulturprozent und zeigte, was man unter Textverarbeitung auch noch verstehen könnte: Sprachspiele der besonderen Art, viele davon ganz einfach: Etwa dann, wenn ein kleines Programm Buchstabenfolgen "verschmutzt" indem er zufällige Buchstaben einfügt.
Piringer bietet auf seiner Webpage eine Vielzahl von Programmen und Beispielen aus seiner Tätigkeit an. Und hier hat er eine Reihe von Ressourcen und Links zusammengestellt, zu dem auch sein selber entwickeltes Wort-Verdrehungsprogramm gehört.
Der vielseitige Österreicher ist übrigens nicht nur Sprachkünstler, sondern auch Mitglied des Gemüse-Orchesters: Eine Formation, die mit selbst geschnitzten Gemüse-Instrumenten zeitgenössische Musik macht.
Zur Zeit ist Piringer übrigens Atelier-Gast in der Stadtmühle Willisau.
In Zürich entstand auch das rund 20minütige Gespräch mit dem Künstler, das Dominik Landwehr führte.
Posted by dominik at 10:01 | Comments (0)
17.01.08
Das Herz der Finsternis
Im vergangenen Jahr wurde der 150 Geburtstag des britisch-polnischen Schrifstellers Joseph Conrad gefeiert. Grund einmal seine Novelle "Herz der Finsternis" zu lesen und sich mit dem Autor zu befassen.
Nur ein Gedanke: Wenn eine britische Zeitung im Kontext schreibt "Switzerland: Europe's Heart of Darkness" dann ist das vielleicht auch eine Anspielung auf dieses Werk, das ja den Plot für Apocalpyse Now von Coppola liefert.
Noch eine Assoziation: Joseph Conrad stammt aus dem gleichen Ort - damals Polen, heute Ukraine - wie Wassili Grosman: Berdichev
Letzte Bemerkung: Das stilbildende Werk kann verschieden gelesen werden - und wird von afrikanischen Autoren seit den 70er Jahren als Dokument des Rassismus und Eurozentrismus gesehen. Als Projektion des Westens...
Deutscher Wikipedia Eintrag zu Joseph Conrad
Englischer Wikipedia Eintrag
Und hier gehts zu Sternenjägers Bookshop
Posted by dominik at 18:28 | Comments (0)
10.01.08
Schweizerischer Verband für das Idiotenwesen
Kein Witz - sowas hats mal gegeben. Zuschrift meines Freundes Aldo aus Washington.
Habe eben bei einer Luhmann-Recherche dieses gefunden:
???? 1865: Schweizer Personal nimmt an der ersten Tagung der ?Gesellschaft zur Förderung der Schwach- und Blödsinnigenbildung? in Hannover teil
???? 1889: erste ?Schweizerische Konferenz für das Idiotenwesen? (heutige Schweizerische heilpädagogische Gesellschaft)
Posted by dominik at 19:55 | Comments (0)
08.01.08
Schafft das Sechseläuten ab
Bürgerliche Zürcher Gemeinderäte wollen den 1.Mai als Feiertag abschaffen. Begründung: Es sei ein alter Zopf und nur noch Anlass für Randale. Wer sich mit derart dummen Ideen aufs Eis wagt, muss damit rechnen, mit den eigenen Waffen geschlagen zu werden. Weit mehr Gründe zur Abschaffung gibts nämlich beim erzbürgerlichen Sechseläuten.
Und zwar mit der genau gleichen Begründung: Es ist ein alter Zopf und gehört nicht mehr in die heutige Zeit. Und wer noch mehr stichhaltige Gründe braucht, bitte: Noch heute haben Frauen nichts verloren und bis vor kurzem waren Katholiken und Juden ausgeschlossen von einer Teilnahme und einer Aufnahme in die Zünfte. Da haben wir es: Antimodern, sexistisch, antisemitistisch. Eigentlich müsste man sich schämen, einen solchen Feiertag überhaupt noch im Kalender zu haben.
Ach ja: Tierquälerisch: Jeder, der etwas von Pferden versteht wird das bestätigen: Im Galopp um diesen brennenden und knallenden Böög zu rennen ist reiner Stress für die Tiere.Ja - und dann kommen noch die nächtlichen Alkoholexzesse der Zünfter dazu, die nicht angetan sind, als Vorbild zu dienen.
Wikipedia Eintrag zum Sechseläuten
Posted by dominik at 09:11 | Comments (0)
05.01.08
Medienkünstler Glenn Gould
Es ist für einen Laien schwer festzustellen, was von den zahlreichen Geschichten um den kanadischen Musiker und Bach Interpreten Glenn Gould Mythos und was Wahrheit ist. Vielleicht ist es auch nicht so wichtig. Der schon 1984 verstorbene Glenn Gould passt wie kein zweiter klassischer Musiker ins Internet- und Computerzeitalter und das Netz hält phantastische Ressourcen über den ungewöhnlichen Mann bereit.
1932 geboren, 1982 verstorben, 1964 hat Glenn Gould aufgehört Konzerte zu geben und hat nur noch Aufnahmen gemacht; Aufnahmen, die er selber mit den damaligen Mitteln der Tonbandverarbeitung veränderte, zusammenschnitt, optimierte. Mathematisch, sachlich, kalt hat man sein Spiel genannt. Wer heute etwa seine berühmte Interpretation der Goldberg Variationen von Bach hört, kommt zu einem anderen Schluss: Emotionalität durch Analyse, könnte man sagen. Mir scheint, als würde man in seinem Spiel die Musik sehen.
Es passt zur Figur dieses Musikers, dass sich die NASA entschied, an Bord der Raumsonde Voyager eine seiner Aufnahmen eines Stücks aus dem Wohltemperierten Klavier von Bach (Präludium und Fuge in C-Dur) mitzugeben. Verwandt mit dieser Geste, wenn auch ungleich umfangreicher, ist seine Hinterlassenschaft im Netz, gesammelt im Glenn Gould Archiv. Hier finden sich zwar nicht seine grossen Interpretationen von Bach, dafür aber seine letzte Einspielung mit den Balladen und Rhapsodien von Brahms sowie eine Reihe von scheinbar zufälligen Neben und Abfallprodukten - etwa das Ausprobieren eines Flügels vor dem Konzert mit verschiedenen kleinen Musikstücken.
Inspiriert zu diesem Eintrag hat mich eine Sendereihe mit einer dreiteiligen Hörspielproduktion zu Glenn Gould, welche Radio DRS "zwischen den Jahren" ausgestrahlt hat. Anlass war der 75. Geburts- und 25. Todestag des Pianisten. Das Radio-Feature von Michael Stegemann gibt es bei Sony BMG zu kaufen. Zu finden in Sternenjaegers Bookshop.
Glenn Gould Foundation
Glenn Gould Archive
Englischer Wikipedia Eintrag zu Glenn Gould
Deutscher Wikipedia Eintrag zu Glenn Gould
Und hier gehts zu Sternenjägers Bookshop
Posted by dominik at 16:53 | Comments (0)
03.01.08
Als Notfall im Kantonsspital Chur
Ein banaler Sturz auf einem vereisten Spazierweg am 30.12.2007. Schmerzen und die groteske Form des Armes lassen nichts Gutes vermuten. Auf ins Kantonsspital Chur.
Kaum zu glauben, welche Schmerzen ein gebrochener Arm verursachen kann. Ich versuch mir trotzdem ein paar Sprüche und Witze auszudenken. Nur funktioniert das heute irgendwie schlecht. Zudem ist mir der ganze Unfall extrem peinlich. Plötzlich dreht sich alles nur noch darum. Schön: die angeblich so unmenschliche Spitzenmedizin stellt sich hier in Chur als eine hochpräzise arbeitende Institution mit wunderbar einfühlsamen Leuten dar. Nein, es macht nichts, wenn ich weine, erklärt mir zum Beispiel die Röntgenassistentin. Ob der absurden Situation krieg ich gleichzeitig noch einen Lachanfall.
Trotzdem muss eine Vielzahl von Formularen aussgefüllt und unterschrieben werden. Geht nur links und sieht aus wie die Unterschrift eines Analphabeten. Bin ich allgemein, privat oder halbprivat gegen Unfall versichert? - Ein Telefon bringt Klärung. Ob ich Vollnarkose wünsche oder lokale Anästhesie? - Komische Frage: Was dient denn der Sache besser? - Nun, wir entscheiden für Lokalanästhesie. Toll, dann kann ich zuschauen. Schade hab ich meinen Fotoapparat nicht dabei. Ist vielleicht besser so...das würde wohl nicht so geschätzt hier.
Im Gipszimmer wird der Arm "reponiert", wieder in die usprüngliche Form gebracht....Autsch. Mein Begleiter und Freund R, selber auch Arzt, weist mich darauf hin, dass das Schmerzmittel, das mir gerade verabreicht wird, 50mal so stark ist wie Morphium. Toll. Ich spüre gar nix mehr.
Und schon im OP. Mein Herzklopfen wird elektronisch verstärkt. Peinlich. Jetzt kann jeder hören, dass ich Angst habe. Absurde Vorstellung, dass ich hören könnte, wenn man Herz aufhören würde zu schlagen. Mors in tabula heisst sowas glaub ich. Ist heute aber nicht auf dem Plan.
Nix mit zuschauen. Die letzte freie Hand ist gerade mit Infusionen belegt. Und jetzt bauen sie ein grünes Zelt um meinen Kopf. Es herrscht ein Kommen und Gehen. Dann werden Stromimpulse durch meine Hand gejagt, trotz Betäubung zuckt es dann und wann deutlich...Man testet, ob alle Nerven noch richtig funktionieren, die brauch ich ja später noch.
Frage: Wieviele Leute sind eigentlich in diesem Raum? - Vier, sagt mir jemand. Um Gottes Willen, alles meinetwegen. Ist mir wirklich nicht Recht.
Wenig später ist der Spuk vorbei. Chefchirurg Sommer sagt, es sei alles gut gegangen. Ich kriege ein kleines Erinnerungsfoto (siehe oben). Wenig später im Krankenzimmer. Das Ganze scheint überstanden. Ich habe einen Bärenhunger. Typisch, höre ich meine Familie sagen....
Am nächsten Tag wird klar, was hier eigentlich los ist: Vor dem Haus liegen zwei Heli-Landeplätze. Ständig fliegen Rega-Helis an - und wieder weg. Am 29.12. sollen insgesamt 79 Notfälle behandelt worden sein.
Und jetzt wieder ganz ernst: Liebe Spital-Crew. Ich war einer von vielen an diesen hektischen Tagen. Und hatte keinen Moment den Eindruck, es herrsche Stress hier. Ihr wart alle ganz wunderbar. Vielen Dank.
Posted by dominik at 06:47 | Comments (0)
