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30.11.07

Das Buch - am Ende?

Ist das Buch am Ende? - Natürlich nicht, das sagen alle. Aber ein richtig gutes Gefühl hat keiner bei dieser Aussasge. Denn etwas passiert zur Zeit und wissenschaftliche Bibliotheken geben schon heute mehr Geld aus für digitale Quellen als für Bücher. Also ein Grund, mehr zu erfahren. Möglich ist dies am 20.Dezember in Basel an einer Veranstaltung der Uni.

Organisiert und durchgeführt wird der Anlass vom Historiker Peter Haber und hier nun alle wichtigen Detail-Infos aus der Ankündigung:

Kurzinfo
Die westliche Kultur ist stark geprägt vom Medium Buch. Seit dem Aufkommen des World Wide Web mehren sich jedoch Stimmen, die das Ende des Buches kommen sehen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Medium Buch. Buchgeschichte(n) aus Basel» des Instituts für Medienwissenschaft und des Historischen Seminars diskutieren Buchexperten über Überlebenschancen des Mediums Buch in einer digitalen Gesellschaft und über Nutzen und Nachteil einer interdisziplinären Buchwissenschaft.

Diskussionsteilnehmer

Dr. Urs Breitenstein, bis Ende November Verleger des Schwabe Verlages und Präsident
des Schweizer Buchhändler- und Verleger Verbandes SBVV | Hannes Hug, Direktor der
Universitätsbibliothek Basel | Dr. Uwe Jochum (Konstanz), Bibliothekar und Autor
zahlreicher Bücher zur Buch- und Bibliotheksgeschichte | Martin Kluge, Leiter Abteilung
Wissenschaft im Schweizerischen Papiermuseum Basel und Lehrbeauftragter am
Historischen Seminar der Universität Basel | Prof. Dr. Christoph Tholen, Vorsteher
Institut für Medienwissenschaft der Universität Basel.

Datum

Donnerstag | 20. Dezember 2007 | 16:15 bis 18:00

Ort
Kollegiengebäude der Universität Basel | Hörsaal 119

Organisation und Moderation

Dr. Peter Haber | peter.haber@unibas.ch

Infos

Download Ankündigung als PDF

http://www.hist.net/peter-haber/lehrveranstaltungen/medium-buch


Und hier gehts zu Sternenjägers Bookshop



Posted by dominik at 08:49 | Comments (0)

28.11.07

La Romandie n'existe pas

Die Romandie gibts nicht - La Romandie n'existe pas. Fertig.

Das sagt Martin Heule, Westschweiz-Korrespondent von Schweizer Radio DRS-2 - er lebt seit Jahren in Lausanne. Sein Text - exklusiv beim Sternenjäger - ist gleichzeitig amüsant und klug. Beobachtungen aus dem Alltag jenseits des Rösti-Grabens.

Download file

Posted by dominik at 20:55 | Comments (0)

24.11.07

Sternenjägers Bookshop: Spannende Web 2.0 Anwendung

Dank dem Partnerprogramm von Amazon kommt der Sternenjäger zu einem eigenen Bookshop. Das ist zunächst einmal einfach ziemlich nützlich und deshalb mal einen Eintrag wert. In diesem Blog werden nun mal öfters Bücher erwähnt, kommentiert, vorgestellt und all die erwähnten Bücher auf einen Blick zu sehen macht Spass.

Die Anwendung zeigt, dass Web 2.0 doch mehr ist als nur ein Schlagwort: Eine intelligente Anwendung, welche die enorme Datenbank des Internet-Buchhändlers verbindet mit den Interessen und dem Know-How von Einzelnen. Kein Thema, wenn das nur einmal geschieht. Aber die Anwendung von Amazon ist derart einfach einzubinden, dass sie wohl bereits heute zehn- und hundertausendfach benutzt wird.

Für mich hat diese kommerzielle Anwendung einen hohen Nutzen - sie erlaubt mir auf einfache Weise die Bücher, die ich hier vorstelle zu gruppieren und dem Leser einen Zusatznutzen anzubieten. Für mich als Blog-Autor gibts kaum Arbeit.

Schade, dass es keinen Schweizer Buchhändler mit diesem Angebot gibt.

Und hier gehts zu Sternenjägers Bookshop

Posted by dominik at 10:14 | Comments (0)

23.11.07

Gegen Novembergrau: Karpis witzige Kurzfilme

karpi.jpg

Vor 30 Jahren fragte Mani Matter "Werum sid ihr so truurig?" (Warum seid ihr so traurig?) - und vielleicht gibt es heute noch mehr Antworten als gestern. Zum Glück ist gegen den November-Blues ein Kraut gewachsen - eins davon: Die schrägen Kurzfilme von Karpi

Mein persönlicher Favorit: "Warum sich Kurt in den Schrank sperrt und nicht mehr raus will ". Zum Inhalt gibts nicht mehr zu sagen als dieser Titel. Absurd, dunkel, hintergründig - ich kann nicht anders als an die Filme der Marx Brothers zu denken.

Wer ist Karpi? - Ohne Zweifel ein junges Talent, Absolvent der Zürcher Filmschule und last but not least in ganz jungen Jahren Preisträger beim Internet-Wettbewerb ThinkQuest. Dort haben wir uns kennengelernt.

Hier gehts zu den Filmen von Karpi

Posted by dominik at 18:08 | Comments (0)

18.11.07

Besuch im Roboterlabor

robo-oben.jpg

Atelierbesuch bei Daniel Imboden: Seit Jahren baut der Techniker unmögliche Maschinen, seit kurzem auch Roboter. Und hier hat er schon einiges zu bieten: Seine Kreationen sprechen für sich...

Die Robos sind schon ziemlich High-Tech. Langsam aber sicher lernen sie Musik zu machen. Sehr selbständig gehts noch nicht, dafür zieht Daniel im Hintergrund die Strippen und hantiert mit allerlei Gerät. Besonders reizvoll ist ein kleiner Monitor - er zeigt ihm, was der Robo gerade "sieht" und ermöglicht so eine gezielte Interaktion mit dem Zuschauer. Alles make-believe, denn der Roboter ist nicht autonom. Noch nicht...

imboden.jpg

Aber er kann auch anders uns bastelt aus Elektroschrott witzige Dinge: Zum Beispiel das Sirr-Insekt, in dessen Herz ein Handy-Summer steckt.

robo-insekt.jpg

Hier die Koordinaten von Daniel Imboden und seiner Dim-Tech in Emmenbrücke

Posted by dominik at 21:16 | Comments (0)

Google's Jagd auf Blogs

Wie lange dauert es, bis Google einen Blog-Eintrag indexiert hat? - Machen wir die Probe aufs Exempel. Wer will raten: Tage? - Stunden? - Minuten? - Nein. Man möge ins Bild klicken und genau hinsehen....

google-1.jpg

Die korrekte Antwort ist: Sekunden. Beim ersten Abspeichern schon geht ein Signal an Google - weiss der Teufel wie das technisch läuft - und Google verarbeitet das Signal offenbar in Echtzeit.

Toll. Schöne Neue Welt.

Oder doch nicht so?

Posted by dominik at 20:58 | Comments (0)

Rumänische Schweine und die EU

romania-07-154.JPG

Den rumänischen Schweinen gehts an Weihnachten an den Kragen. Das ist hierzulande nicht anders, wie man anhand der Wirtshausschilder, die für "Metzgete" werben, sieht. Als EU-Mitglied hat Rumänien nun ein Problem: Es muss sicherstellen, dass die Schweine EU-konform geschlachtet werden. Ein Ding der Unmöglichkeit....

4.5 Millionen Kleinbauern soll es in Rumänien geben - bei einer Gesamtbevölkerung von rund 20 Millionen. Entsprechend hoch die Anzahl der zu schlachtenden Schweine: 1.5 Millionen, so schätzt der oberste Veterinär des Landes. Und entsprechend gross ist offenbar auch die Aufregung, wie der ECONOMIST vom 17.November unter dem vielsagenden Titel "A dissertation on Romanian pork" berichtet. Gemäss EU Regeln müssen auch jene Tiere, die für den Hausgebrauch geschlachtet werden, tierschutzgerecht vom Leben in den Tod gebracht werden. Das heisst, sie müssen mit einem speziellen Gerät betäubt werden.

Pikant: Rumänien hat offenbar versucht, das Unheil von seinen Kleinbauern abzuwenden - mit dem Hinweis, dass die EU für jüdische und muslimische Bräuche auch Ausnahmen kenne. Njet hiess es aus Brüssel. Quid licet Iovi not licet Bovi - Was Juppiter darf, ist einem Ochsen noch lange nicht erlaubt. Hm, müsste es nicht heissen Schwein...Egal: Brüssel befand: Religiöse Bräuche und traditionelle Bräuche seien dann doch nicht in denselben Topf zu werfen.

So long. Keine Angst. Auch in Brüssel denkt man offenbar nicht daran, das Land deswegen abzustrafen. Es gäbe da noch ein paar andere kleinere Probleme...

PS: Apropos: Mir schmeckt eine Wurst von einem nicht Eu-konform geschlachteten rumänischen Schwein immer noch besser als ein holländischer oder deutscher Billig-Artikel aus dem Supermarkt von Tirgu Mures, Wielange war das Schwein unterwegs: Als es noch lebte - und als es tot war...

Wohl bekomms and Craciun fericit - rumänisch für Frohe Weinacht

Posted by dominik at 20:28 | Comments (0)

Geschichten aus dem Krieg:Guggenheim und Grossman

grossmann.jpg

guggenheim-m.jpg

Zwei Bücher liegen auf meinem Tisch: "Wilder Urlaub" des Schweizer Autors Kurt Guggenheim aus dem Jahre 1941 und "Leben und Schicksal", das 1959 entstandene Kriegsepos des russischen Autors Wassili Grossman. Dass es zwischen der kleinen Erzählung und dem monumentalen Roman und deren AUtoren Unterschiede gibt, liegt auf der Hand. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten...

Eine vielleicht etwas verwegene Idee - zu gross die Differenzen, die einem sofort ins Auge springen: Dort der Autor Wassili Grossman, der den Krieg der Roten Armee bis in die letzte Konsequenz verfolgt und das Leben von Soldaten aber auch Zivilisten geteilt hat, dessen Manusrkript unmittelbar rnach der Fertigstellung beschlagnahmt wurde. Hier Kurt Guggenheim dessen Land - die Schweiz - vom Krieg nur gestreift wurde, der seine Erzählung mitten im Krieg 1941 auch veröffentlichen konnte, nur bei der filmischen Umsetzung hatte die Zensur ernsthafte Bedenken....

Und da tönen aber auch schon Gemeinsamkeiten an: Beide Autoren stammen aus der selben Generation: Grossmann (1905 - 1964), Kurt Guggeneim (1896 - 1983) - beide Autoren waren als Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Und beide Autoren sind jüdisch. Was hätten die beiden sich erzählt, wären sie sich einmal begegnet?

Noch etwas: Beide Bücher wurden in der Schweiz publiziert: Guggenheims Erzählung noch während des Krieges im Jahr 1941. Das Epos von Grossman gelangte nach seinem Tod in die Schweiz und wurde hier erst 1980 zum ersten Mal in russischer Sprache gedruckt - vom Lausanner Verlag Edition l'Age d'Homme

Nun gehts an die Lektüre - vergleichende Lektüre könnte man die skizzierte Methode nennen - als Schärfung der Wahrnehmung.

Wassili Grossmanns Roman bei Perlentaucher

Informationen zu Kurt Guggenheim vom Herausgeber und Literaturwissenschafter Charles Linsmayer

Bücher im Sternenjägers Bookshop ansehen und kaufen

Uebrigens: Grossman schreibt man wirklich nur mit einem M. Hab das noch korrigieren müssen. Aber welche Regeln gelten überhaupt beim Umschreiben kyrillischer Buchstaben?

Posted by dominik at 08:04 | Comments (0)

16.11.07

Historischer Code-Knacker Event: Ein Deutscher knackt das Geheimnis

Das Geheimnis ist keines mehr - einem Deutschen ist als ersten gelungen, das neue Geheimnis der Lorenz-Maschine zu knacken. Hier die Mitteilung von Norbert Ryska vom Heinz Nixdorf Forumsmuseum Paderborn

Hier die geknackte Botschaft

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Achtung: Wer nur Bahnhof versteht möge zuerst den vorgängigen Eintrag lesen.

Oder den Artikel im COMPUTER BILD

Und hier die Mitteilung im Wortlaut

Dear David, lieber Dominik

Hat doch glatt ein Deutscher (!) als erster die Lorenz SZ42 gestern geknackt mit einer selbst programmierten Krypto-Software,die er in ADA geschrieben hat (Ry: gut geeignet für Parallelverarbeitung). Will er demnächst veröffentlichen. See below

Cordially,
Norbert
Norbert Ryska
Geschäftsführer
____________________________
Tel.: +49-5251-306910
Fax: +49-5251-306919
E-Mail: mailto:nryska@hnf.de
http://www.hnf.de
____________________________


______________________________________________________
HNF Heinz Nixdorf MuseumsForum GmbH
Fürstenallee 7
33102 Paderborn
Sitz der Gesellschaft: Paderborn
Registergericht Paderborn, HRB 2190
Geschäftsführer: Norbert Ryska, Dr. Kurt Beiersdörfer
______________________________________________________
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Joachim Schueth [mailto:jo@schlaupelz.de]
Gesendet: Donnerstag, 15. November 2007 19:48
An: tony.sale@tnmoc.org; Ryska, Norbert
Betreff: Decrypt of 18:00 UTC transmission


Hello Tony and Mr. Ryska,

with practice, I am getting faster...

Decrypt of the 18:00 UTC transmission:

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Wheel settings at beginning of text shown:

26 10 23 11 10 27 37 27 33 11 10 54

Again, these settings will be somewhat out of phase relative to the official starts and correspond to the start of the shown plaintext.

It was somewhat confusing that the AFSK shift is reversed when transmission switches from plain to cipher.

The crypto part is in fact the shortest operation in the overall reception and decihering process. The runtime of the program that revealed the above settings was less than 46 seconds on a 1.4 GHz CPU. But I fully acknowledge the fact that Colossus was an ingenious construction and a powerful machine at its time. It may be a bit unfair to put it in a competition with modern computers...

I will put the software I am using (written in Ada) on my homepage soon for anybody who may be interested.

Thanks for a nice day,
best regards,
Joachim

Posted by dominik at 08:50 | Comments (0)

14.11.07

Historisches Code-Knacker Event: Colossus knackt Lorenz

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Ein historischer Code-Knacker Event findet in diesen Tagen in England und Deutschland statt - der Anlass erinnert an eine der grossen Leistungen der britischen Abwehr im Zweiten Weltkrieg und feiert die Rekonstruktion des Computer-Vorläufers "Colossus" aus tausenden von Elektronenröhren. Als Operations-Basis dienen nicht ganz zufälligerweise das Heinz Nixdorf ForumMuseum in Paderborn und die historische Stätte Bletchley Park zwischen Oxford und Cambridge. Dort ist übrigens die rekonstruierte Colossus-Maschine auch zu besichtigen wer jetzt findet, das Ganze sei auch etwas schräg, etwas spleenig, der hat wohl nicht Unrecht...

Ein Ziffern-Rallye nennen die Briten diesen Anlass und er läuft folgendermassen: In Paderborn werden eine Reihe von Funksprüchen mit der Lorenz Schlüsselzusatzmaschine SZ 42 verschlüsselt und per Amateurfunk gesendet. In Bletchley Park, werden die Funksprüche abgefangen und mit Hilfe der Colossus-Maschine entschlüsselt. Männiglich ist gespannt wie lange das dauert.

Das Ganze ist technisch nicht ganz banal: Hier geht es für einmal nicht um das Entschlüsseln eines Funkspruchs aus einer Rotor-Maschine wie der Enigma. Die Lorenz-Maschine war vielmehr ein Verschlüsselungsgerät für einen Fernschreiber der im so genannten Baudot-Code arbeitete, einem 8bit Code.

Hintergrund des kleinen Events ist die Rekonstruktion der Colossus-Maschine durch den britischen Ingenieur Tony Sale. Ein Unternehmen, das sich über mehr als 10 Jahre hinzog und an sich schon eine historische Leistung darstellt: Denn die Colossus-Maschine läuft jeden Tag und ist auch zu besichtigen.

Die Chiffriergeräte-Ausstellung im Heinz Nixdorf Museumsforum von Paderborn ihrerseits ist eine der weltweit schönsten ausgestellten Sammlungen dieser Art und das Kind des dortigen Direktors Heinz Ryska, der ein besonderes Herz für solche Maschinen besitzt und es immer wieder fertig bringt, Codeknacker und Historiker von Weltrang nach Paderborn zu bringen.

Der Schreibende hat selber einen langen Aufsatz über die Rekonstruktion von Colossus verfasst

Alle Infos zum historischen Anlass sind in diesem Papier zusammengefasst.

Hier gehts zum britischen Computer-Museum und hier zum Heinz Nixdorf Forumsmuseum in Paderborn

Posted by dominik at 07:19 | Comments (0)

08.11.07

Rumänien-Reisenotizen: Das einsame Karussell

IMG_6144.JPGWie ein Bote aus vergangenen Zeiten steht es noch da: Das Karussel beim Zoo von Tirgu Mures. Es gehört zu den Kinder-Attraktionen des Erholungsgebietes auf dem Cornesti-Plateau, so wie die stillgelegte Eisenbahn. Wir staunen, es auch 17 Jahre nach dem Umsturz und unserem Aufenthalt hier noch vorzufinden.

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Das einsame Karussell - woher kommt dieser eigenartige, melancholische Charme? - Die Hilflosigkeit des handgemalten Schriftzuges der rumänischen Fluggesellschaft TAROM; die Hand versucht nicht einmal die Gestalt des wirklichen Schriftzuges nachzuahmen, der Begriff allein muss genügen. Die Vorstellungskraft wird ohnehin gefordert.

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Die Helden des Karussels tragen russische Namen: Gagarin 1961 lesen wir hier an der Seite und hier war offenbar eine andere, eine geschicktere Hand am Werk. Er strahlt, der russische Kosmonaut, auch heute noch.Das Karusell hat die Wirren der Umbruchzeit überstanden und trotzt den Versuchungen der neuen Konsumwelt.


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Denn weit draussen vor der Stadt entstehen plötzlich Einkaufszentren von amerikanischem Zuschnitt mit ganz neuen Attraktionen. Noch bleiben die Besucher dort aus, es fehlt am Geld um an jener Welt wirklich partizipieren zu können. Und dann und wann an schönen Sommernachmittagen dreht das Karussell seine Runden, hoch oben auf dem Plateau von Cornesti über der rumänischen Kleinstadt Tirgu Mures.


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Posted by dominik at 08:49 | Comments (0)

03.11.07

Reisenotizen Rumänien: Die orthodoxe Kirche von Tirgu Mures und der Nationalismus

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Eine bemerkenswerte Darstellung aus dem Passionsweg von Christus in der orthodoxen Kathedrale des siebenbürgischen Tirgu Mures. Der sakrale Bau gehört wohl nicht zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Siebenbürgen. Die Codes der Bilder zu lesen erfordert jedoch eine grosse Vertrautheit mit der Geschichte der Region und der zufällige Gast übersieht das Bild im Eingangsbereich des Sakralbaus schnell.

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Die Häscher von Jesus tragen Kostüme, die sie als Ungaren ausweisen, Jesus demgegenüber ist im Kleid des rumänischen Bauern dargestellt. Damit erhält das Bild in der Eingangshalle der Kirche eine klare nationalistische Dimension - ausgerechnet in einer Gegend, in der die Spannungen zwischen ungarischen und rumänischen Volksgruppen nach dem Umsturz eine gefähliche Dimension annahmen. Bei einem unserer wenigen Besuche in jener Zeit wurden wir auch Zeuge einer nationalistischen Kundgebung, angeführt durch einen orthodoxen Popen.

Der Nationalismus hat hier tiefe Wurzeln und auf Transylvanien ist nicht nur durch die Donaumonarchie auch mit der Geschichte Ungarns tief verbunden. Aber die Ursachen reichen tiefer: Anders als weite Teile des Balkans war Tranylvanien nie unter ottomanischer Herrschaft und die Region nahm teil an der europäischen Aufklärung.

Die religiöse Freiheit, die damals proklamiert wurde, war allerdings relativ, wie Robert D.Kaplan bemerkt: Die grosse Masse der rumänischen, orthodoxen Bauern, kamen nicht in den Genuss der Auswirkungen der neuen Ideen: Sie waren ganz unten im sozialen System, dessen Spitze von Ungaren und den seit dem Mittelalalter hier ansässigen Siebenbürger Sachsen eingenommen wurde.

Es darf darum nicht erstaunen, dass Rumänien nicht so beeindruckt ist von der "Fortschrittlichkeit" Transylvaniens, bemerkt Kaplan. Er mag da Recht haben.

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Dass die orthodoxe Kirche keine architektonische Perle ist hat ebenfalls seine Gründe: Transylvanien ging erst nach dem Ersten Weltkrieg und den Verträgen von Trianon an Rumänien. Zu den deutschen und ungarischen Namen der Städte gesellten sich nun die rumänischen und Tirgu Mures - einst Neumarkt und Marosvasarhely - trägt seinen Namen noch keine 100 Jahre. Die neuen Herren setzten nun alles daran, Kirchen zu bauen, welche die ungarischen und deutschen übertrafen.

Und heute: Zu sagen, der Nationalismus - einst auf beiden Seiten gehegt und gepflegt - sei kein Thema mehr, wäre wohl etwas verfrüht optimistisch. Immerhin: Bei unserem flüchtigen Besuch ist er kein Thema mehr, mindestens kein Top-Thema. Und dass die Kinder unserer Bekannten von damals gerade beide einen Partner in der anderen Volksgruppe gefunden haben, freut uns besonders. Gerade diese gemischten Heiraten haben eine Tradition.


Robert D.Kaplan: Balkan Ghosts. A Journey trough History.New York 1993. St.Martins Press. S.150/151



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Posted by dominik at 19:33 | Comments (0)

02.11.07

Reisenotizen Rumänien: In der Teleki Bibliothek in Tirgu Mures

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Wer um Himmels Willen war Teleki? - Und wie kommt diese enorme Biblothek mit Literatur aus Barock und Aufklärung in die siebenbürgische Kleinstadt?

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Zunächst bleibt einfach mal festzustellen: Allein die Bibliothek und die andauernden Bemühungen um Erhaltung und Erschliessung sind eine Reise nach Transylvanien wert und die Vorstellung mehr als ein halbes Jahr hier gelebt zu haben - 1990 gleich nach dem Umsturz - ohne die Bibliothek und ihre Forscherinnen und Forscher kennengelernt zu haben, schmerzt etwas. Noch ist Zeit, Versäumtes Nachzuholen. Und vielleicht ist die Vorstellung, damals etwas versäumt zu haben, nichts anderes als ein grossartiger Vorwand, immer wieder hierher zu reisen.


Zu finden ist sie einfach, denn gross ist Tirgu Mures nicht und das Stadtzentrum ist in 20 Minuten auch bei grossen Fussgängermassen leicht durchquert. Nur wenig ausserhalb des engsten Stadtkerns befindet sich die Bibliothek und Besucher und Forscher werden mit offenen Armen empfangen und nicht ohne Stolz durch die gut erhaltenen und gepflegten Räume geführt. Einige Bücher liegen aufgeschlagen hier, das eine oder andere kennen wir: Georgius Agricola: De re metallica libri XII zum Beispiel, 1556 ein Jahr nach dem Tod des Naturwissenschafters erst erschienen. Viele andere bekannte Namen, darunter Erasmus von Rotterdam - aber auch viel uns unbekannte Namen in ungarischer Sprache.


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Rückfrage beim Leiter der Bibliothek: Haben SIe ein Werk von Ludwig Lavater - den Zürcher Pfarrer, dessen Gespenstergeschichten der Harry Potter des 16. und 17.Jahrunderts sind. Er holt sichtlich tief Luft, der Bibliothekar: Ein Buch von Lavater, fragt er in bestem Deutsch: 30 Werke haben wir hier und wir haben alle Titel schon vor Jahren nach Genf gemeldet. Nun, wir interessieren uns nicht für die gelehrten theologischen Ausführungen des Zwingli-Nachfolgers, sondern eben nur für dessen Gespenstergeschichten. Und sie sind hier, in einer lateinischen Ausgabe vertreten. Wunderbar.

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Bleibt noch die Klärung, wer Teleki war: Sámuel Teleki de Szék (1739-1822) gehörte zur gebildeten Oberschicht und war Kanzler des damaligen Transylvaniens. Seine ursprüngliche Sammlung umfasste 40 000 Bände - die Bibliothek wuchs später mit anderen Beständen zu den heutigen 200 000 Bänden. Verbunden mit der Bibliothek ist ein weiterer Name: János Bolyai (1802 - 1860), der dem nahegelegenen ungarischsprachigen Gymnasium den Namen gab und an den eine kleine Ausstellung in der Bibliothek erinnert. Bolyai war Mathematiker und machte einige bemerkenswerte Entdeckungen auf dem Gebiet der nicht-euklidischen Mathematik. Wenn Mathematik die zweidimensionale Ebene verlässt, gelten andere Regeln...

Mehr Infos zur Teleki Bibliothek
...und zu Janos Bolyai in der Encyclopedia Britannica und in der Wikipedia

Und mehr zu Ludwig Lavater über den ich 1983 meine Lizentiats (Magister) Arbeit verfasst habe. In Gedenken an meinen 1995 verstorbenen Professor und Lehrer Rudolf Schenda



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01.11.07

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Posted by dominik at 09:03 | Comments (0)