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28.10.07
In der Hortobagy Steppe im Nordwesten Ungarns
Die Hortobagy Steppe vor Sonnenuntergang - die Pferde weideten erst einige 100 Meter von uns entfernt und kaum hatten wir zweimal geguckt kam Bewegung in die Gruppe: Feierabend, von der Weide in den Stall - Fotografenglück des Zufalls...
Oben und unten in der Hortobagy Steppe, im Nordwesten Ungarns. Was von der Strasse aus wie eine Touristenfalle aussieht - mit Imbiss und Souvenir-Ständen - entpuppt sich beim zweiten und dritten Hinsehen und vor allem bei einem ausgedehnen Spaziergang als Naturschönheit erster Güte...Wir besuchen die erst die ausgedehnten Pferdestallungen - man entrichtet einen kleinen Obulus - dafür darf man danach überall hineingehen.
Danach gehts ganz nach draussen. Welche Weite hier herrscht - unterbrochen nur hie und da von Hecken oder einer ausgetrockneten Bachsenke. Genau diese Unregelmässigkeiten, so weiss Doris, machten diese Steppe als Lebensraum so kostbar. Sprachs - und guckt wieder ins riesige Swarosky-Fernglas. Atemberaubend...
In der Zwischenzeit sinkt die Sonne immer mehr zum Horizont, der in waagrechter Linie vor uns liegt. Und in der Dämmerung sehen wir sie noch besser: Die Kraniche. Erst entdecken wir sie nur am Horizont, wenig später überall. in ungleichmässigen V-Formationen; sie verlangsamen ihren Flug und gehen zu Boden. Hier im Schutz der kargen Steppenpopulation finden sie Schutz und Nahrung auf ihrem erstaunlichen Zug in den Süden.
Hier gehts übrigens zur Homepage des Parkes, der sich eigentlich korrekterweise mit einem Akzent schreibt: So: Hortobágy
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Posted by dominik at 18:58 | Comments (0)
Ungarn-Reisenotizen: Minarett mit Kreuz
Man staunt: Ein Minarett als Wahrzeichen einer christlichen Stadt. Gesehen in der ungarischen Stadt Eger, etwa ein Autostunde nordöstlich von Budapest. Das Minarett statt aus der Zeit der türkischen Herrschaft. Überraschend bei allem, dass es stehen geblieben ist. Und es inspiriert woh jede Generation wieder aufs Neue.
Einsam steht es da, das Minarett in Eger. Wer schwindelfrei ist kann sich durch die schmale Wendeltreppe im Innern des Turmes nach oben zwängen - oben angekommen gibts nur einen Gedanken: Schnell wieder runter, denn hier der Turm kaum noch einen Meter dick und die Plattform auf der wir stehen misst vielleicht 20 Zentimeter.
Reivzoll ist er trotzdem, der kleine Turm, dem man sicherheitshalber ein Kreuz verpasst hat. Nur damit keiner auf die Idee kommt....Kontrast zum idiotischen Schweizer Wahlkampf im Herbst 2007. Die dümmste Parole hab ich in diesen Tagen in Basel gefunden: Rot-Grün will Minarette.
Zurück zum Minarett von Eger: im Jahr 1596 wurde die Stadt von den Türken erobert und bliebt dannach fast 100 Jahre unter osmanischer Herrschat. In dieser Zeit wurde eifrig gebaut und es entstanden Moscheen und Bäder. Das Minarett dürfte der letzte noch erhaltene Bau aus dieser Zeit sein. Er gilt als das das nördlichste historische Bauwerk der Osmanen.
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Posted by dominik at 17:55 | Comments (0)
27.10.07
Reisenotizen Rumänien: Schlaflos in Maramures
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Tut einer eine weite Reise, so erzählt er gerne einmal, er sei am Ende der Welt gewesen. Und wer in Viseu de Sus - Oberwischau in der rumänischen Maramures Region war, verfällt nur allzu gerne auf diese Formel. Zu den letzten Ufern aufzubrechen ist einer der Mythen der Moderne, denn vielleicht gibts diese letzte Ufer längst nicht mehr. Kein Ort, wo Google-Earth nicht hinguckt, kein Ort, wo das Handy nicht funktioniert...oder doch mindestens ein Satellitentelefon, das der gewiefte Reisende stets mit sich führt...
Björn Reinhard, der seit anfang 90er Jahre mit seiner Frau dort lebt und eine höchst ungewöhnliche Pension führt, mag den Vergleich vom Ende der Welt nicht mehr hören. Ein Blick auf die Karte zeigt schnell: Maramures ist genau so wie Lemnberg oder Tschernowitz in der geografischen Mitte von Europa. Und trotzdem....
Trotzdem ist es weit nach Oberwischau. Eine Tagreise zum nächsten grossen Flughafen - Budapest oder Bukarest - reicht nicht, es sei denn, man ist ein robuster (Miet)-Autofahrer. Alle anderern nehmen sich besser zwei Tage Zeit, zumal es unterwegs auch einiges zu sehen gibt. Und man lasse sich nicht von Strassenkarten täuschen: In den Karpaten kommt man kaum mehr als 50 Kilometer pro Stunde vorwärts, was immerhin eine sehr genaue Kalkulation erlaubt.
Wie kommt jemand darauf, hier Fuss zu fassen? - Die neugierige Frage ist erlaubt und die Antwort eine schöne (Liebes)Geschichte: Björn stammt aus dem ehemaligen Ostdeutschland und hat als Kind hier immer Ferien gemacht. Das dürfte - Irrtum vorbehalten - auch nicht gerade die populärste Ferienregion des Ostens gewesen sein. Wer damals hierher kam, muss auch schon seine Gründe gehabt haben und gerne eigene Wege gegangen sein. Jene Zeit ist ihm noch sehr präsent und gerne berichtet er auch, wie man mit Kaffee, Zigaretten und Pfeffer sein Reisebudget aufbesseern und sogar eines der begehrten und teuren Flugtickets kaufen konnte.
Nach der Wende zog es den Mecklenburger wieder hierher - hat er seine Florentina schon als Kind gekannt? - Man möchte es fast meinen. Jedenfalls sind die zwei ein Paar und führen die vielleicht ungewöhnlichste Pension, die ich jemals besucht habe. Denn kein Wegweiser zeigt den Weg hierher - aber seine Internetseite gibt erschöpfend Auskunft. Wer die Unterkünfte im Tal gesehen hat, wird nicht viel erwarten.
Und dann die grosse Überraschung: Drei Häuser, umzäunt von einem grossen Gartenzaun, und man wähnt sich im Paradies. Eine perfekte Wohnung, behaglich eingerichtet, erwartet uns. Bücher und BIlder sind im Überfluss vorhanden und dass ein Fernsehgerät samt DVD Spieler bereit steht, hat einen besonderen Grund: Björn Reinhard ist ein passionierter Videofilmer mit einem ethnografischen Blick, mit vielen Geschichten im Kopf, die nur darauf warten, erzählt zu werden. Und er hat etwas, wovon alle träumen: Zeit. Seine Filme sind ethnografische Studien, die vlelleicht nicht allen filmografischen und wissenschaftlichen Kriterien stand halten mögen - aber gerade dadurch unverwechselbar sind.
Noch etwas: Übernachten kann man im Weintal mit oder ohne Verpflegung: Die Küche von Florentina sollte man sich nicht entgehen lassen. Traditionelle rumänische Kost, ganz sanft modernisert und nicht ganz so schwer wie anderso. Und mit etwas Glück gibts Palatschinken von der Grossmutter, die nur einige Schritte entfernt wohnt. Ruhe ist hier garantiert. Gut zu Fuss sollte man sein - und keine Angst vor Wanderungen ohne Wegweiser. Wenn plötzlich zwei zähnefletschende Hunde vor einem stehen, hat man möglicherweise doch den falschen Weg erwischt...
Links und rechts des Weges immer wieder Zäune aus geflochtenen Weiden. Sie sehen solide aus und dürften mehr
als einen Winter überdauern. Immer wieder dieses Staunen, diese wilde Exotik. Das ist der urbane Blick, wer hier lebt, empfindet das bestimmt nicht so.
Und Björn zeichnet seine Dokumente in einer Zeit des Wandels auf: Denn nach dem Eintritt des Landes in die Europäische Union dürfte sich auch hier im Norden des Landes manches bald ändern. Wie lange werden die wenigen Ruthenen-Familien mit ihren Schafen noch Jahr für Jahr auf ihre Alp nach Opcina ziehen oder dort gar überwintern? - Wie lange wird das Pferd noch das wichtigste Transportmittel der Talbewohner sein? - Und wann beginnt der Alternativ-Tourismus die Gegend noch mehr zu entdecken?
Trotzdem: So schnell wirds wohl nicht gehen - denn noch ist der Weg dorthin weit. Und wer es trotzdem versuchen will findet auf den Seiten von Björn reichlich Informationen
Mehr Infos auch von dlandwehr at bluewin.ch
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Posted by dominik at 17:51 | Comments (0)
Rumänien-Reisenotizen: Ungleichzeitigkeiten
Ungleichzeitigkeiten - man könnte es auch Widersprüche, Kontraste nennen. Unser ständiger Reisebegleiter in Rumänien. Längst ist die Moderne im hintersten Ecken dieses Landes angekommen. Auto und Handy sind das Symbol davon.
So etwa hier in Ernei im Val Lapusna bei Reghin (Sächscih-Regen): Es gibt eine Kirche, eine Schule und ein Magazin Mixt für jene Lebensmittel, die man nicht selber herstellt. Denn Milch, Fleisch, Gemüse und Früchte hat hier jeder selber, auch wenn die Auswahl nicht riesig und saisonal schwankend ist. Aber es gibt einen Vodafone-Laden wie in fast jedem Dorf und nicht selten hats dort eine lange Schlange von Leuten.
Pferdefuhrwerke und Handy - warum ist das in unseren Augen ein Widerspruch? - Vielleicht einfach, weil wir das Pferdefuhrwerk mit der Vergangenheit, mit Tradition und das Handy mit Gegenwart, Zukunft, mit technischem Fortschritt verbinden. Man könnte vielleicht sagen, wir laden diese Dinge mit zusätzlichen Bedeutungen auf.
Die Leute hier sehen es wohl wesentlich nüchterner: Das Pferdefuhrwerk ist immer noch das günstigste Nahverkehrsmittel, zudem zweckmässig und auch geeignet um grosse Lasten zu transportieren. Das Handy ist ein mobiles Telefon, das im Gegensatz zum maroden rumänischen Telefonnetz immer funktioniert.
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Posted by dominik at 13:39 | Comments (0)
Rumänien-Reisenotizen: Aufgemalte Turmuhren
Beobachtung in zwei kleinen Dörfern in der Nähe von Reghin (Sächsisch-Regen) im rumänischen Siebenbürgen. Beide Ortschaften besitzen stattliche Kirchen mit einer kleinen Turmuhr. Beim näheren Hinsehen stellt sich heraus, dass nicht nur die Turmuhr gemalt ist, sondern auch deren Zeiger. Die Uhr erfüllt also ihre eigentliche Funktion gar nicht. Warum ist das wohl so? Und erfüllt die Uhr ihre Funktion wirklich nicht?
Aufgemalte Turmuhren - das Bild ist so schön, dass man unwirklich an Walter Benjamins Denkbilder erinnert wird. Einfach Erklräungen sind schnell zur Hand: Armes Dorf, wenig Geld, Wunsch es anderen gleich zu tun. Möglich. Frage an einen Bewohner der Gegend: Warum ist da keine richtige Uhr drin. Antwort: Weil die genaue Zeit irrelevant ist. Auch das ein möglicher Ansatz. Aber warum dann die Uhr, dann könnte man es auch lassen - schliesslich gibt es auch Kirchen ohne Uhren, man denkt etwa an die Holzkirchen in der Maramures Region.
Vielleicht gibts noch eine andere Erklärung: Die Turmuhr ist ein kulturelles Muster - ein Zeichen. Es besteht aus einem Kirchturm und einer Uhr und das Zeichen hat seine Bedeutung unabhängig vom mechanischen Funktionieren der Uhr. Denn vielleicht dient die Turmuhr nicht nur zum Anzeichen der genauen Zeit sondern ist vielmehr eine Erinnerung an das ständige Verfliessen der irdischen Zeit im Kontrast zu einer anderen Zeit.
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Posted by dominik at 12:37 | Comments (0)
26.10.07
Rumänien-Reisenotizen: Das Geburtshaus von Elie Wiesel in Sighet
Der weite Rückweg von Viseu de Sus nach Budapest führt über Sighet, heute Sighetu-Marmatiei. Wir parken das Auto im Stadtzentrum und machen uns auf die Suche nach dem Geburtshaus von Elie Wiesel. Es ist schnell gefunden: Ein stattliches, eingeschossiges Bürgerhaus, wie es hier Dutzende gibt. Was soll man an einem solchen Ort denken?
Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Vielleicht muss man Orte wie diesen hier zunächst einfach einmal besuchen, verweilen, anschauen. Das Wenige, was hier ist, zur Kenntnis nehmen. In diesem Fall ein einfaches Haus, mit bescheidensten Mitteln in eine Gedenkstätte umgewandelt. Draussen eine Tafel, die mehr verbirgt als enthüllt. Nicht der Nobelpreis macht diesen Ort wichtig. Aber muss das gesagt werden?
In diesem Haus wurde der Schriftsteller Elie Wiesel am 30.September 1928 geboren - im ganzen Distrikt lebten damals 30 000 Juden, allein in Siget über 3000. 1944 - so spät, ist man versucht zu sagen - begannen die Nazis die Juden aus dem damalige Ungarn, zu dem auch Siget gehörte, zu deportieren. Elie Wiesel überlebte die Konzentrationslager der Nazis und legt in seinen Büchern Zeugnis ab von der Vernichtung der europäischen Juden.
Man muss solche Orte besuchen. Auch wenn man die Bilder von Roman Vishniac kennt, so fällt es doch schwer, sich das Leben in dieser ungarischen Stadt in den 30er Jahren vorzustellen. Und zu begreifen, was hier passiert ist, warum es passiert ist, was wäre, wenn es nicht geschehen wäre.
Woher die Scheu darüber nachzudenken, darüber zu reden? - Es gibt Gründe: Die Furcht, nicht die angemessenen Worte zu finden. Geschichte lebt aber nur, wenn sie immer wieder neu erzählt wird, in unserer Sprache, mit eigenen Worten.
Holocaust-Überlende aus Rumänien. Texte und Bilder von Dominik Landwehr aus dem Jahr 1997
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Posted by dominik at 21:45 | Comments (0)
24.10.07
Rumänien-Notizen: Die dunkle Seite Europas
Notizen von einer Reise durch Ungarn und Rumänien - mit dem Ziel Maramures, jene Grenzregion in den nördlichen Karpaten. Landschaften, Traumlandschaften. Sind das nur Projektionsflächen für unsere Sehnsüchte? - Zeit und Raum zum Nachdenken. Es gibt nicht nur urbane Landschaften, es gibt auch ein ländliches Europa, das nichts mit dem Tösstal, dem Jura oder dem Engadin zu tun hat... Zum Auftakt einfach ein Zitat des österreichsischen Autors Rüdiger Wischenbart.
"Manchmal wird ein Professor in die Karpaten geschickt, bis ins hintere Transylvanien, um nachzusehen, was es mit dem Wesen der Nacht auf sich hat. Er soll sie erforschen, sich erkundigen und schliesslich Holzpflöcke anspitzen, um die Brut zu bändigen. Aber wir wissen, dass einer dabei auch immer der Schönen verfällt, die sich in der beglückenden Nacht über ihn beugt und ihre Zähne in ihn schlägt, so dass er, ohne zu ahnen wie ihm geschieht, den Keim Transylvaniens zurück in seine, in unsere Welt trägt. " Rüdiger Wischenbart: Die Karpaten. Die dunkle Seite Europas. Wien 1992.
Im Bild zu sehen: Rund um die Siedlung Obcina bei Viseu de Sus im rumänischen Maramures Distrikt. Hier leben vorwiegend Ruthenen, ein ukrainischer Volksstamm.
Mehr dazu auf den Seiten von Bjorn Reinhard
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Posted by dominik at 21:17 | Comments (0)
