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30.09.07

DIY Kamikaze Orchestra

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Eine mehr als ungewöhnliche Vorstellung im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Thema Home Made und Do-it-yourself. Die ad hoc Gruppe "DIY Kamikaze Orchestra" tritt auf mit einer Gruppe von Leuten, die während einer Stunde live vor den Augen des Publikums eine Installation zusammenlötet. So chaotisch es aussieht: Jeder weiss genau was er zu tun hat und es gibt sogar einen Plan für alles. Und alles tönt ganz wunderbar und nach exakt einer Stunde ist das Kunstwerk fertig, der Spuk beendet. Verdienter Applaus. Wann gibts die nächste Vorführung?

Das Publikum ist begeistert - und bleibt keine Sekunde auf den Stühlen sitzen, man steht rund um den Tisch der lötenden Gesellen - und Gesellinnen: Mindestens eine Frau unter den Bastlern wurde gesichtet. Zunächst mal ist gar nichts zu hören, aber schon nach einigen Minuten: Der Taktgeber der Installation - ein kontinuierliches Tropfen des Wassers, aufgefangen von einem Tonauabnehmer.

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Später mischen sich dann allerlei andere Töne darein - und es entsteht eine einigermassen wilde Mischung von Geräuschen und Klängen. Mit grösster Ernsthaftigkeit und Konzentration löten derweil die einzelnen Mitglieder - hier ensteht ein Schwingkreis, dort gar ein Sender.

Ein Teammitglied macht sich mit einem Telefonbuch und Alufolie zu schaffen. Frage: Was gibt das. Antwort: Ich bastle mir gerade einen Kondensator. Aha. Woher hast Du das originelle Rezept? - Aus dem Internet.

Aha.

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Wunderbar, hier von ganz nah zu sehen, der Plan für das Ganze. Geordnetes Chaos. Strukturiertes Vorgehen. Der Plan für die Performance umfasst mehrere Seiten - schön von Hand gezeichnet. Schön analog. Nix Computer und so. Könnte allein schon als Kunstwerk durchgehen. Schade, dass ich kein Exemplar mitgenommen habe.

Mehr dergleichen: www.homemade-labor.ch Dort bloggt Miss Gunst noch viel ausführlicher zu diesem Thema.

Posted by dominik at 11:09 | Comments (1)

Nahreisen: Nächtliche Klangreise durch eine hyperreale Stadt

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Eine nächtliche Klangreise durch eine hyperreale Stadt: Daniel Keller, Freiraumplanung Grün Stadt Zürich, und Andres Bosshard, Klangkünstler, führen durch Zürich-West in eine hyperreale, nächtliche Welt voller Geräusche und Leben. Eine Akvittät im Rahmen der Veranstaltungsreihe Nahreisen.

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Die Exkursion beginnt unter der Hardbrücke-Unterführung, einst ein postindustrielles Niemandsland und Denkmal aus den 60er Jahren, heute Kulisse für das Ausgehpublikum am Samstagabend mit Kinos wie Abaton, Schiffbau-Theater, Mucsical-Hall, Clubs und Restaurants in Gehweite. Eine dynamische Gegend, dieses Zürich-West und hier wird vielleicht die Zukunft der Stadt gemacht: In den nächsten Jahren wird (weiter) gebaut, was das Zeug hält: 30 000 Arbeitsplätze sollen am Schluss hier zu finden sein, dazu Wohnungen für Tausende von Menschen.
Aber noch ist das Zukunftsmusik und wir stehen auf dem Gelände der einstigen Maschinenfabrik Maag. Die Werkgeräusche sind verstummt und nur ein markantes Gebäude mit runden Kanten wie ein Schiffsbug soll stehen bleiben.

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Dann gehts durch abenteuerliche Wege weiter, über Gleise, vorbei durch ein Niemandsland - kontinuierlich verändern sich die Geräusche: Der Bass-Booster der Party von eben wird leiser, hin und wieder flitzt ein Zug vorbei, darunter das Grundrauschen der Stadt, hin und wieder ein Flugzeug.

Und doch kling sie nicht überall gleich, die nächtliche Stadt - und erstaunlich, wie plötzlich das Ohr vor einer mächtigen Hauswand ein wenig Ruhe findet - kein Surround-Sound mehr, jetzt schon mehr Amphitheater, man blickt nach vorn.

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Abschluss im nächtlichen Technopark mit einer kleinen Klanginstallation von Christian Weber am Kontrabass und Andres Bosshard mit einem Sputnik-Satelliten, gezogen von drei überdimensionierten Ballonen schickt er sein Piepsen aus der Höhe...

Nahreisen
Andres Bosshard

Posted by dominik at 10:08 | Comments (0)

28.09.07

Zum Sputnik-Jubiläum: Radiosendung mit Bruno Spoerri und Bruno Stanek

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Eigentlich ist es ein Zufall: Im Frühjahr kurvten wir in der Veranstaltungsreihe digital brainstorming mit dem Duopack Bruno Spoerri und Bruno Stanek durch die Schweiz, redeten über die Geschichte der Raumfahrt und die Entwicklung der elektronischen Musik in der selben Zeit. Unser Gespräch setzte beim Sputnik-Jubiläum ein - ein Datum, das natürlich beiden Gesprächspartnern in Erinnerung geblieben war. Thomas Adank von Radio DRS produzierte aus unserer kleinen Show eine Radiosendung und die passt natürlich nun bestens in Sputnik-Jubiläum. Zu hören am 3. Oktober, 22.35-24.00 auf DRS 2j. Und. Wer mag kann bei uns auch eine Gratis-CD der Radiosendung bestellen.

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Die Idee zu dieser Produktion entstand zufällig: Im Sommer 2005 besuchte der Schreibende den Musiker Bruno Spoerri in seinem Studio in Oetwil am See - eine wahre Fundgrube in Sachen Geschichte der elektronischen Musik. Bruno Spoerri hat einige alte Synthesizers "Vintage" Geräte sorgfältig aufbewahrt und so lassen sie sich heute auch noch spielen - daneben auch das eine oder andere Gerät, das er im Lauf seiner langen Karriere als Musiker angertigt hat oder hat anfertigen lassen.

Daneben jede Menge Platten, fein säuberlich geordnet und sortiert. Und da fiel unser Auge auf die Produktion "Mars einfach - 1.Klasse bitte" aus dem Jahre 1972. Spoeri hatte damals für eine Sprechplatte mit dem Weltraum-Publizisten Bruno Stanek Musik gemacht. Raumfahrt, Science Fiction und elektronische Musik gehören einfach zusammen!

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Dort dann also die Idee: Man müsste die beiden heute zusammenbringen - die Idee wurde im Frühjahr 2007 umgesetzt und hat auch beim Radio Anklang gefunden. Enstanden ist eine 80minütige Zeitreise, die mit dem Sputnik Schock im Jahre 1957 beginnt.

Von der Produktion gibts übrigens eine CD, die man hier bestellen kann: dominik.landwehr at mgb.ch

Alle weiteren Infos Infos


Zur Mars-Illustration:

Ludek Pesek (1919-1999), international bekannter Space Artist mit Wohnsitz in der Schweiz, hatte diese Illustration unter dem Titel ?Anflug über einer Mars-Stadt im Abendlicht? speziell für die Platten-Produktion von 1972 gemalt.
Weitere Infos auf der Seite Spacearts

Posted by dominik at 11:31

27.09.07

Bitbug - Michael Gianfreda - der Küchenbastler

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Wenn es eine Person in der Schweiz gibt, welche die Person des schrägen und leicht introviertierten Bastlers verkörpert, dann ist es Michael Gianfreda mit seinen Bitbug Projekten. Der Künstler baut seit Jahren kleinste, elektronische Geräte, die merkwürdige Töne von sich geben und manchmal auch in der Lage sind via TV Bilder zu machen.

Fast alles ist Zufall - aber der Zufall bei Michael Gianfreda liegt in menschlicher Hand - da gibts eine sanfte Steuerung. Wunderbare kleine, absurde Geräte. Sie sind nicht mal aufwendig und teuer und eigentlich könnte fast jeder sowas bauen, wenn er denn wollte. Michael Gianfreda will und wir hoffen, dass er noch lange die Energie dazu hat und auch ein Publikum für seine Kleinkunst findet.

Seine Projekte erlebt man am besten live - und wenns dann dazu nicht reicht, dann lohnt sich ein Blick auf seine Website immer:

http://www.bermuda.ch/bataais/

Zudem gibts bei Youtube neuerdings einen Video mit dem bitbug Projekt. Wunderschön zu sehen, wo der Künstler arbeitet: Nämlich in der Küche. Bitbug ist, wenn man so will, ein Küchenprojekt.

Posted by dominik at 09:20 | Comments (0)

22.09.07

Voltige Schweizermeisterschaft 07: Das Glück auf Erden...

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Das Glück auf Erden liegt auf dem Rücken der Pferde - das tönt vielleicht platt und abgegriffen, aber wer die Begeisterung und Ausdauer von Kindern und Teenagern für den fast unbekannten Pferdesport Voltige kennt und miterlebt, der wird mir Recht geben. Bestätigt hat sich dies einmal mehr an der Schweizermeisterschaft, die am Samstag und Sonntag 22./23.September in Turbenthal im Tösstal stattfindet.

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Rund 500 Kinder und Jugendliche - 99 Prozent Mädchen - treffen sich dieses Wochenende für die Schweizermeisterschaft in diesem so wenig bekannten Sport. Die Meisterschaft ist nur einer von rund einem halben Dutzend Wettkämpfen, welche die Mädchen in der warmen Jahreszeit (die oft genug saukalt ist) absolvieren.

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Wettkampf heisst: Am Vorabend bis spät das Pferd vorbereiten. Aufstehen um vier Uhr, Pferd in den Transporter (will manchmal nicht). Abfahren. Warten, warten, warten. Warmlaufen. Dann fünf Minuten Vorführung - Pflicht, Kür. Oft genug geht etwas schief - ein Fehler passiert, jemand fällt runter oder das Pferd lahmt - und dann ist der Wettkampf zu Ende und es gibt Tränen.

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Und das nicht ein paar Wochen oder Monate. Viele der Kinder, die wir kennen machen das über Jahre, zehn Jahre und länger sind keine Seltenheit. In der späteren Pubertät, so ab 17 wirds dann schwierig...

Mehr Fotos zur Voltige Schweizermeisterschaft 2007Hier gehts zur organisierenden Voltige Gruppe Garten
Und hier zum Schweizer Voltige Portal

By the way: Copyright für alle Fotos beim Sternenjaeger

Posted by dominik at 22:01 | Comments (0)

Internet als Massenmedium

Es ist noch nicht lange her, da war die Aussage "Das Internet ist kein Massenmedium" von allen Medien-Auguren zu hören. Sie haben nicht Recht erhalten, diese Propheten. Harte Zahlen liefert die jüngst erschienene Ausgabe der Media-Perspektiven von ARD/ZDF mit einer Reihe von Studien. Ob allerdings das so genannte Web 2.0 hält, was es verspricht, ist offen.

63 Prozent der Deutschen über 14 sind regelmässig online - in der Schweiz ist der Anteil sogar noch etwas höher. Die grössten Zuwachsraten werden im Moment bei den älteren Menschen und bei den Frauen beobachtet. Besonders wichtig: Multimediale Inhalte, also Audio und Video, werden immer beliebter, wenn auch vorab bei den Jüngeren. Das zeigen die neusten Zahlen von ARD und ZDF

Die Zeitungen in der Schweiz melden gleichzeitig leicht gestiegene Leserzahlen. Paradox. Aber der Zuwachs geht zu Lasten der neuen Gratiszeitungen. Damit ist etwas Interessantes passiert: Zwar haben sich Leser und Inhalte nicht einfach sang und klanglos ins Internet verschoben - aber das Internet prägt eine neue Konsumhaltung: Schnell, umsonst und kurz muss Information sein.

Wie gehts weiter - was ist die Zukunft von Radio und TV? - Es braucht nicht viel Phantasie um die Antwort zu finden: Die Zukunft der elektronischen Medien liegt im elektronischen Internet - dort können diese Medien ihren grössten Wettbewerbsnachteil wettmachen, ihren flüchtigen Charakter.

Aber auch sie werden nicht lange allein bleiben: Ein interessanter Hinweis kommt aus unerwarteter Ecke: Das Verbier Festival hat dieses Jahr erstmals - mit Millonenaufwand seine Konzerte online übertragen. Neue Player haben problemlos Zugang zum Medium und auch zum Hörer. Umsonst ist es allerdings nicht, hier präsent zu sein - der Aufwand für diese profesionelle Übertragung soll eine Million Franken betragen haben und die Künstler haben auf zusätzliche Entschädigungen verzichtet...

Und was ist mit Web 2.0: Blogs, Podcast, Mitmachseiten, Wiki undsofort. Zunächst einmal ist der Begriff ein Etikettenschwindel, denn das Web war auch vor der Erfindung von Web 2.0 ein "Mitmach-Medium". Nur ist es dank einer Reihe von neuen Applikationen wie Blogs, und Wikis noch einfacher geworden.

Als Blog-Autor bin ich natürlich Partei: Aber mir scheint doch, dass hier etwas passiert, das ein genaueres Hinschauen lohnt. Es war vielleicht noch nie so einfach, eine Vielzahl von Stimmen zu hören. Nur brauchts dazu auch Musikgehör. Oder konkret: Es braucht nicht nur Zeit, sondern auch etlichen kritischen Verstand die Spreu vom Weizen zu trennen.

Schöne neue Medienwelt. Oder um es im Jargon des Tages-Anzeigers zu sagen: Wir bleiben dran...

Posted by dominik at 08:10 | Comments (0)

13.09.07

Dutti der Riese - oder die Liebe zur Geschichte

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Filmpremiere des Dokfilmes "Dutti der Riese" von Martin Witz. Ein Film über den Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Ein längst fälliges Portrait des übermächtigen, charismatischen Migros-Gründers. Das Portrait kommt in bewegter Zeit.

Keine Filmkritik - das gibts anderswo. Ein persönlicher Kommentar: Ein wuchtiger, wichtiger Film, der mehr kritische Untertöne hat, als die Kritik wahrhaben (werden) will. Aber vielleicht haben die Kritiker es verlernt, Filme als komplexe Kunstwerke anzusehen.

Was mich beschäftigt: Die Hinwendung zur (Schweizer) Geschichte - nach der Aufregung in den 90er Jahren um die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg jetzt endlich Zeit auch für leisere Töne, für Themen, die nicht Weltgeschichte geschrieben haben, wie eben Paul Burkhard oder Gottlieb Duttweiler.

Ein neuer Blick auf die Gegenwart - aus der Sicht der dieses zerrissenenen 20.Jahrhunderts - etwas, das gerade im Film "Dutti der Riese" aufscheint. Der charismatische Migros-Gründer hat bis zum Höhenflug mit seiner Migros mehr Misserfolge einstecken müssen, als allgemein bekannt ist. Erinnert sei an seine Teilhabe im Handelshaus Pfister & Sigg (später Pfister & Duttweiler), an seine gescheiterte Brasilien-Auswanderung oder an die Expansion mit Migros-Berlin. Scheitern war für ihn auch immer wieder ein Thema, über das er geredet hat. Was ist davon übrig geblieben? Aber Achtung: Duttweiler war auch zu seiner Zeit die grosse Ausnahme - mit Schauern sieht man im Film etwa wie der dynamische Duttweiler an einem Bankett mit Militär- und anderen Betonköpfen sitzt, sitzen muss...solcherlei Menschen, sorry Männer, haben die Schweiz auch geprägt. Leider.

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Die Hinwendung zur Geschichte: Ein Rezept in Zeiten der Ratlosigkeit - und eine solche Zeit erleben wir heute ohne Zweifel. Tut man es rückwärtsgewandt dann ist darin zwar Trost, aber allemal nur ein schwacher. Vorwärtsgewandt, so wäre es zu tun: Welche Impulse vermitteln uns diese beiden charismatischen Persönlichkeiten mit ihren überreichen Lebensläufen?

Ich versuch es mal mit Dutti: Mut zum Wagnis in schwierigen Zeiten. Keine Angst vor dem Scheitern. Siehe Samuel Becket: Try - fail - try again - fail bettter. Und noch was. Bekenntnis zu den Werten der Gemeinschaft - mit Leidenschaft und Vehemenz!

Und noch etwas: Duttweiler wollte vor seinem Tod das «Forum Humanum» gründen - eine Friedensoffensive, er schlug auch die Umwandlung des Militärdienstes in einen zivilen (kaufmännischen !!) Dienst im Ausland vor.

Wer nimmt den Gedanken auf?


Und hier gehts zum Film "Dutti der Riese" von Martin Witz

PS: Das Bild mit dem schwimmenden Strohut-Mann ist zur Ikone geworden. Es entstand offenbar - so berichtet der Film - anlässlich eine runden Geburtstages an dem Duttweiler seine Gäste, die per Schiff nach Rüschlikon kamen um ihm zu gratulieren, im Wasser schwimmend begrüsste.

Posted by dominik at 07:53 | Comments (0)

08.09.07

Oh mein Papa: Hommage an Paul Burkhard - Uraufführung des Filmes in Zell

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Die Kälte und Nässe des Spätsommers 2007 ergeben zusammen mit den schrillen Wahlkampf-Tönen der Blocher-Partei eine Kakophonie, die einen schon mal in depressive - oder dann vielleicht doch besser - wütende Stimmungen treiben kann. Und darin mischt sich nun - bedingt durch die Gnade des Zufalls - ein ganz anderer Ton: Weich, warm, versöhnlich und etwas melancholisch: "Oh mein Papa" - der Start des Filmes von Felice Zenoni, eines Filmes, der eine Hommage an diesen grossen Musiker ist, eine Portrait, das mit viel Zuneigung entstanden ist. Paul Burkhard (1911 - 1977), das wird klar, hat mit seinen oftmals einfachen Liedern und Chansons, Bleibendes geschaffen. Premiere des Filmes fand in Zell statt - eine schöne Geste, dass die Bevölkerung der Gemeinde zu einer eigenen Gratisaufführung geladen wurde.

Geladen ware Einwohner der Gemeinde Zell - und sie kamen in Scharen und füllten den Gemeindesaal im Nu. Der Saal liegt gleich der Kirche Zell, in der 1960 die Zeller Wienacht von Burkhard uraufgeführt wurde und nur wenige 100 Meter Haus entfernt, in dem Paul Burkhard von 1959 bis zu seinem Tod im Jahr 1977 gelebt hatte und hier im Tösstal die nötige Ruhe und Abgeschiedenheit zum Komponieren fand.

Und so sieht man Paul Burkhard hier im Tösstal mit ganz eigenen Augen und etwas Stolz gehört wohl auch zu den Gefühlen. "Er hat uns etwas zum Schneggenloch" herausgeholt, meinte Gemeindepräsident Ernst Huggler denn auch - die Weinbergschnecke, das muss man wissen, ist das Gemeindewappen von Zell und nach dem Film hat sich wohl der eine oder andere eine Träne der Rührung aus den Augen gewischt...

Eindrücklich zunächst einmal einfach die Fülle des Materials, das Regisseur Zenoni vor unseren Augen ausbreitet - dazu zählen unbekannte und nie gesehene 16mm Aufnahmen des Künstlers, Filmrollen, die sich erst kürzlich im Nachlass fanden. Ja - Burkhard ist der Komponist des Chansons "Oh mein Papa", der "kleinen Niederdorfoper" und der "Zeller Wienacht" - aber er war auch ein unermüdlicher Kapellmeister, komponierte und musizierte jahrelang fürs Zürcher Schauspielhaus, schrieb Musik für Brechts Dreigroschenoper, die 1941 am Zürcher Schauspielhaus ihre Uraufführung erlebte (Brecht mochte sie nicht, diese Musik...)* , auch für Theater vom Friedrich Dürrenmatt; schliesslich wandte er sich gegen Ende des Lebens ganz seiner mystischen Seite zu und schrieb auch Werke für die orthodoxe Liturgie, zu der er sich offenbar besonders hingezogen fühlte, konvertierte sichliesslich sogar zum Katholizismus.

"Oh mein Papa" ist mehr als ein gewöhnlicher Dokumentarfilm sondern eine Hommage von Schweizer Künstlern an diesen grossen Mann: Zu sehen sind u.a. Michael von der Heide, Dodo Hug, Vera Kaa oder Lys Assia und singen Werke von Paul Burkhard im stimmungsvollen Rahmen seines Musikzimmers, das die Nachlassverwalterin Ursula Schellenberg seit seinem Tod erhalten hat.

Der Film zeichnet mit viel Zuneigung das Portrait eines grossen Musikers, Schweizers und Weltbürgers - hinter seinen einfachen Melodien verbarg sich nicht Kalkül, sie waren Ausdruck einer empfindsamen Seele; Wie kaum ein anderer konnte Paul Burkhard auch Melancholie in seiner Musik ausdrücken: Man denkt an das Lied "De Heiri hät es Chalb verkauft" aus der kleinen Niederdorfoper - unvergesslich interpretiert von Ruedi Walter, oder ans Lied "Kei Mueter weiss" aus der Zeller Wienacht.

Mein Eintrag soll mit einer heiteren Note schliessen: Im Film sieht man eine wunderbare Modelleisenbahn und eine Puppenstube, beide stehen offenbar im Burkhard-Haus in Zell. Der Kommentar verschweigt, was man sich heute noch im Dorf erzählt, dass nämlich der Komponist und seine Schwester Lisa auch als Erwachsene noch damit gespielt haben sollen. Si not e vero e ben trovato...es wäre doch schön, wenn es so wäre und würde beide noch sympathischer machen!

Und noch etwas: Das Lied "Giorgio vom Laog Maggiore" gehört wohl nicht zu den besten Leistungen des Komponisten - zu stark nimmt es das Klischee vom rustikalen Ticino auf. Aber es sei an dieser Stelle erinnert, dass das Lied während Monaten oder Jahren von Radio DRS nicht mehr gespielt wurde, ja sogar mit einem Bann belegt war. Der Grund war einfach: Es gab in den frühen 80er Jahren einen Anarchisten namens Giorgio Bellini, der im Knast einsass. Seine Sympathisanten schickten nun dem Radio-Wunschkonzert immer wieder diesen Wunsch, was irgend einmal auffallen musste....

* Hier wäre etwas Klärung von Nöten: Wie war das nun genau. Paul Burkhard hat für Brecht Musik komponiert, die diesem nicht gefiel. Mit welcher Musik wurde dann die Dreigroschenoper 1941 in Zürich aufgeführt?


Offzielle Homepage des Paul-Burkhard Filmes "Oh mein Papa" von Felice Zenoni
Homepage Paul Burkhard
Eintrag zu Paul Burkhard im Historischen Lexikon der Schweiz
Wikipedia-Eintrag Paul Burhkard


Posted by dominik at 12:20 | Comments (1)