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30.09.06

Schule, Robotik, Kreativität

workshop-mi-119-robos-m.jpg Robotik und Schule hiess ein Workshop, der am Samstag 30.9.in Bern stattfand und von rund 50 Lehrkräften besucht wurde. Die Organisatoren hat auch uns eingeladen, weil sie die Aktivitäten die wir im Rahmen des Migros-Kulturprozents veranstalten, vorstellen wollte. Hier nun die Präsentation als etwas grosses (3 MB) PDF Dokument

Technik und Krerativität - Projekte des Migros Kulturprozent.

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Dazu auch den Text vom 11.9.2005: Von der Notwendigkeit Roboter zu bauen.

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Posted by dominik at 18:35 | Comments (0)

28.09.06

PR-Menschen und Blogger

"Muss ich mich jetzt auch noch mit Amateur-Journalisten befassen", seufzte in diesen Tagen die Kommunikations-Chefin einer grossen Schweizer Firma. Und meinte: Nein, das geht zu weit. Hat sie recht?

Als Sternenjäger-Blogger, so würde man erwarten, müsste ich diese Frage eindeutig beantworten: Ja natürlich soll sie sich auch um die Gemeinschaft der Blogger kümmern. Aber so einfach ist es nicht: Selbstverständlich würde ich mir als PR-Leiter einer Firma ganz ähnliche Gedanken machen und möglicherweise zu ähnlichen Schlüssen kommen. Als bloggender Zeitgenosse liegt es mir ausserdem fern, mich bei PR-Leuten und Firmensprechern wichtig zu machen.

Trotzdem regt mich die Äusserungen zum Nachdenken an. Zum Beispiel über den Begriff des "Amateur-Journalisten". Dem Amateur steht der Profi, der professionelle Journalist gegenüber. Nun bin ich von den Leistungen ebendieser Profis in den letzten Jahren immer weniger beeindruckt.

Kostprobe: "Guten Tag, ich bin von Radio Energy. Sie machen doch das Projekt xy. Erzählen Sie doch mal, worum es da geht?". Nun, vielleicht sind solche idiotischen Nicht-Interviews sehr professionell, denn sie füllen genau die Sprechblasen zwischen der plätschernden Musik und sind billig in der Herstellung. Eine runde Sache also.

Zweites Beispiel zum Thema Professionalität: Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia weckt das Misstrauen vieler Journalisten. Gewiss, es finden sich viele Fehler, Irrtümer, Halb- und Unwahrheiten darin. Nur müsste man folgendes bedenken: Wieviel davon finden sich denn in der Presse, in Radio und Fernsehen. Es ist einfacher, den Splitter im Auge des Anderen zu sehen, als den Balken im eigenen...

Könnte es nicht sein, dass die Begriffe Amateur und Profi in der rasant ändernden Medienwelt neue Bedeutungen erhalten: Dass die professionellen Medien mehr und mehr von Amateuren besetzt werden und die Amateur-Medien, wie eben Blogs und Community-Sites, von Profis?

Diese Entwicklung hat einen medienökonomischen Hintergrund: Je spezifischer und genauer eine Information, desto kleiner ihr potentielles Publikum. Umgekehrt: Je allgemeiner und ungenauer, desto breiter das Potential.Der Kulturwissenschafter Hartmut Böhme drückt das so aus:

..."je differenzierter, trennschärfer und dichter die Informationseinheit, um so geringer seine Verbreitung; je größer die Verbeitung, um so größer das Rauschen. Mit dem Index steigender Verbreitung nimmt das Rauschen zu, mit dem Index komplexer Information nimmt die Verbreitung ab. Dieses Gesetz ist mit dem des ökonomischen Mehrwerts verbunden. Je größer die Verbreitung, je geringer die Information, um so höher die Rentabilität. Und umgekehrt: Um so höher die Information, um so geringer die Verbreitung, um so geringer die Rentabilität....Man kann auch sagen: je mehr die mit dem höchsten Einsatz von technischer, ökonomischer und journalistischer Intelligenz erzeugte Informationsrate gegen Null tendiert, um so höher ihre Chance auf optimale Vermarktung. Und noch einmal anders gesagt: je dümmer und leerer, um so erfolgreicher und ertragreicher. "

Was heisst dies nun für die Ausgangsfrage unserer Kommunikationschefin. Ganz einfach: Die Medienwelt wird unübersichtlicher. Möglicherweise sind die interessantesten und spezifischten Informationen bald in Blogs und anderen Medienformen zu finden. Nur ändert das nichts, dass sie wohl auch in Zukunft nicht von den grossen Massen gelesen werden. Es gibt also auch weiterhin keine einfach Lösung. Aber erfolgreiche Kommunikationsprofis haben ja auch einen guten Instinkt ...

Hartmut Böhme: Medialer Machiavellismus
In: Fohrmann, Jürgen / Orzessek, Arno (Hg.): Zerstreute Öffentlichkeiten.
Zur Programmierung des Gemeinsinns; München 2002, S. 161-168.

Posted by dominik at 20:02 | Comments (1)

Von Menschen und Mäusen, von Kühen und Frauen

Ein Parlamentarier der rechtsbürgerlichen Schweizerischen Volkspartei SVP vertat sich in diesen Tagen in der Wahl der Worte und erklärte, eine Kuh würde man nach ihren Proportionen beurteilen, ganz ähnlich wie eine Frau. Er schuf damit einen kleinen Skandal - und die entsprechende Aufmerksamkeit. So what!

Seine Aussage ist zuerst einmal ein Verstoss gegen die "political correctness", was an sich schon amüsant ist. Wer das aber wirklich schlimm findet, möge sich einmal in einem Kuhstall umschauen - wie heissen denn die Tiere? -Cora, Elsa, Ella, Dana, Frederike? - Der Parlamentarier - übrigens selber Bauer - sieht das vielleicht selber auch ganz anders. Wahrscheinlich mag er seine Tiere.

Nochwas: Wie blöd sind denn Kühe wirklich? - Immerhin nicht so blöd, dass sie sich gegenseitig abknallen. Und es gibt meines Wissens auch keine muslimo-faschistischen Kühe, keine christo-und-was-weiss-ich-für-abartige Kühe. Und was kann eine Kuh dafür, dass sie sich nicht so gut ausdrücken kann wie ein SVP-Parlamentarier?

Posted by dominik at 19:45 | Comments (1)

24.09.06

Asylgesetz-Ja ist keine Tragödie

Die Schweiz sagt Ja zum verschärften Asylgesetz. Mit einem deutlichen Mehr, das keine Zweifel erlaubt. Auch in meiner Gemeinde (Zell) - wo eines der grössten Durchgangsheime für Asylbewerber ist und wo vor wenigen Wochen 1.2 Kilo Kokain sichergestellt wurden, laut NZZ bei zwei 21jährigen Bewohnern aus Liberia und Nigeria. Das deutliche Ja zum Asylgesetz ist keine Tragödie, auch wenn die Gegner dies anders sehen. Allerdings ist das Asylgesetz auch kein Lösungsansatz. Das Problem ist zu gross...

Was kümmert ein zur Auswanderung entschlossener in Liberia oder Nigeria - um gleich bei den beiden Staaten zu bleiben - ein mehr oder weniger scharfes Asylgesetz in der Schweiz? - Ich vermute, dass ihm das ziemlich egal ist. Zudem ist das Gesetz auch nicht für Leute wie ihn gemacht - er hat ja ausser der wirtschaftlichen Perspektivelosigkeit keine Gründe zum Weggehen.

Wirtschaftliche Perspektivelosigkeit? - Waren das nicht just die Gründe, welche die Europäer in den vergangenenen Jahrhunderten zu Millionen ausser Landes trieben: In die USA, nach Südamerika und oh Wunder, sogar nach Russland?

Könnte es also sein, dass wir den Sack (Begriff des Asyls) schlagen und den Esel (Migration) meinen. Dann sollten wir doch aufhören, über das Asylwesen zu rätseln und stattdessen über Migration zu reden Über die Millionen von Afrikanern, die darauf warten zu gehen, oder die bereits gegangen sind, und die Nacht für Nacht jämmerlich absaufen irgendwo im Atlantik draussen...oder meinetwegen auch im Mittelmeer.

Was wir bräuchten wäre eine mit den anderen europäischen Staaten abgestimmt Migrationspolitik. Das meinte auch der ehemalige Direktor des Bundesamtes für Flüchtlinge, Max Hadorn. Das Interview ist leiter - courtesy to the Tamedia - nicht online, weil die Tamedia AG das Internet immer noch nicht begriffen hat...

Etwas klüger machts der Spiegel - er schaltet die guten Stories im Lauf der Zeit online. Und just im Spiegel hab ich einen der allerbesten Berichte zum Thema Migration auch gelesen.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,438742,00.html

Der Spiegel-Journalist zeichnet in diesem Bericht minutiös die Geschichte um die Flucht - oder müsste man sagen Emigration - des Liberianers John Ekow Ampan nach. Sie dauerte fünf Jahre!


Posted by dominik at 16:36 | Comments (0)

09.09.06

Home Made Soundelectronics - Buch erschienen

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"Home Made Sound Electronics" heisst unser Buch, das zu unserem Projekt mit dem gleichen Namen erschienen ist. Herausgekommen ist es anfangs August im Christoph Merian Verlag im Basel und am 8.September gabs die erste ausführliche Besprechung davon in der Neuen Züricher Zeitung

"Virtuosen des Lötkolbens" ist der Titel der NZZ Besprechung - tatsächlich ist man ja etwas befangen, wenns um die Vorstellung eines eigenen Werkes geht. Deshalb hier als erstes Mal den Link zum NZZ-Artikel

Und in der Ankündigung des Verlages heisst es zum Buch:

Hardware Hacking ist die Kunst banale Alltags-Elektronik in Geräte umzubauen, die überraschende Geräusche produzieren. Dahinter steckt die Do-it-yourself Methode als ein künstlerisches Prinzip, das immer mehr Anhänger findet. Im Buch kommen wichtige Exponenten dieser Methode zu Wort, darunter der aus Chicago stammende Musiker und Autor Nicolas Collins oder der Schweizer Künstler Norbert Möslang. Der Elektronik-Musik-Pionier Bruno Spoerri erklärt in seinem Beitrag die Bedeutung des Do-it-yourself Prinzips in der Geschichte der elektronischen Musik.

Eine Reihe von Projekten können mit wenig Aufwand nachgebaut werden: So etwa der Klanggarten von Andres Bosshard, bekannt vom Klangturm der Schweizer Landesausstellung expo.02. Das Buch vermittelt Laien und Profis gleichermassen Hintergründe für das Verständnis zeitgenössischer Musik und gibt Anregungen zu eigenen Experimenten. Auf der beiliegenden DVD öffnen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler Einblick in ihre Klangwelten

Posted by dominik at 10:12 | Comments (0)

03.09.06

Zeindlers Agentroman "Der Schläfer" von 1993: Ein aktuelles Buch!

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1993 erschien im Zürcher Arche Verlag der Thriller "Der Schläfer" von Peter Zeindler. Das Buch ist vergriffen, vergessen und auch antiquarisch nur sehr schwer erhältlich. Schade. Geschrieben im scheinbaren Vakumm nach dem Endes des Kaltens Krieges - Thriller-Autoren sahen schon ihre Felle davon schwimmen - ist es auf eine beklemmende Weise aktuell. Oder waren die Informationen im Buch zu wenig verschlüsselt? - Tatsächlich hat sich der Autor wenig Mühe gemacht Namen, Orte und Geschehnisse zu verändern. Nur die Geschichte selber ist erfunden.

Ich habe dem Autor Peter Zeindler nach meiner Rückkehr vom IKRK 1990 ausführlich Bericht erstattet; er wurde plötzlich hellhörig und interessierte sich dann sehr genau für meine Erzählungen. So habe ich ihn auch dokumentiert, habe ihm Fotos gezeigt, Lokalitäten geschildert. Als ich sein Buch 1993 erschien war ich selber überrascht: Er schilderte vieles so, als hätte er es mit eigenen Augen gesehen.

Die Farben, die geschilderten Orte und auch die Menschen - sie sind real. Nur die Geschichte ist erfunden. Aber sie könnte wahr sein. Es hat mich im Nachhinein überrascht, dass nie jemand Bezug auf diese Dinge genommen hat.

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Darum geht es: Ein Zürcher Journalist wird als IKRK-Delegierter an die pakistanisch-afghanische Grenze geschickt. Er gerät in eine Drogengeschichte und findet sich eines Tages im Gefängnis von Peshawar wieder. Ein US Diplomat arrangiert seine Freilassung - aber nun schuldet er ihm etwas. Der Journalist und IKRK-Delegierte ist zum Schläfer geworden. Immer wieder taucht im Buch die Beschreibung des wilden, afghanischen Reiterspiels Buskashi auf. Zeindler hatte nur meine Bilder - eines davon das nebenstehende - gesehen. Es zeigt den US Konsul Mike Malinowski bei der Übergabe der Ehrenpreise, eines traditionellen Turbans. Das US Konsulat hatte dieses Spiel arrangiert, man darf auch sagen "gesponsert".

Niemand konnte ahnen, dass nicht einmal zehn Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches solche Schläfer auftauchen würden - allerdings nicht im Solde des CIA sondern eines Mannes, der sich in eben diesem Peshawar lange aufgehalten hat: Osama bin Laden. Gut möglich, dass er nur wenige hundert Meter von uns entfernt ein und ausgegangen ist. Und wer es genau wissen möchte: Wir lebten damals an der Khushal Khan Khattak Road in University Town, einem Vorort der pakistanischen Grenzstadt Peshawar. Links und rechts von uns eine fast unüberschaubare Anzahl von anderen Nichtregierungsorganisationen. Viele davon aus der islamischen Welt, namentlich aus Kuweit und Saudi-Arabien. Auffällig jeweils ihre Mitshubishi-Pajeros mit getönten Scheiben, auffällig auch immer die grosse Anzahl von bis an die Zähnen bewaffneten Leibwächtern.

Hier nun die ersten zwei Seiten aus Peter Zeindlers Roman.

Peshawar, Januar 1989

»jetzt«, sagte Malinowski und preßte seinen weichen Mund fest zusammen.

Martin Lanker schaute den fünfzigjährigen Amerikaner, auf dessen Kindergesicht sich frohe Erwartung spiegelte, von der Seite an. Seine Hände umklammerten die Knie. Die Knöchel waren weiß, und der kugelrunde Stein auf dem plumpen Siegelring sah aus wie ein drittes Auge. Die Gläser seiner randlosen Brille blitzten.

Er spürte, wie der Boden unter ihm bebte, und bemerkte gleichzeitig, daß sich Malinowskis Stiefelspitzen auf dem dunkelroten Teppich voneinander wegbewegten, als ob sich die Füße eine solidere Basis suchten.

Kehlige Schreie lösten sich aus dem fernen Grollen, das schlagartig zu explodieren schien. Die Reiter kamen im Schutz dichter Staubwolken aus allen Himmelsrichtungen herangestürmt, und als sie aufeinanderprallten, stieg eine quirlende Säule steil in den Himmel, quoll auseinander, formte sich zum Pilz, löste sich auf und sank in flimmernden Partikeln nieder.

»Fieber?«

Lanker zuckte zusammen. Daß der Amerikaner so genau über den Verlauf seiner Krankheit Bescheid wußte, ärgerte ihn. Seine Malaria war nicht lange zwischen ihm und seinem Arzt geheim geblieben.

»Malaria quartiana triplicata«, murmelte Malinowski scheinbar beiläufig und wandte sich wieder dem Geschehen auf dem Sportplatz zu. Schließlich fühlte er sich in gewisser Hinsicht zuständig für das, was sich da unten abspielte.

jetzt wurde der weiße leuchtende Kreis sichtbar, in dessen Zentrum das tote schwarze Lamm lag. Die Pferde tänzelten ängstlich an der Peripherie, doch ihre Reiter trieben sie mit Peitschen in immer neuen Attacken aufeinander zu, versuchten schreiend, den magischen Zirkel zu sprengen und sich die Beute zu krallen.

Lanker hatte die Regeln dieses Reiterspiels, das die Männer aus den afghanischen Flüchtlingslagern vorführten, nie durchschaut. Wenn sie aus allen Ecken der Arena auf den weißen Kreis zupreschten, wo der Tierkadaver lag, um ihn in einer akrobatischen Zirkusnummer, bei der sie kopfüber an ihren Pferden hingen, an sich zu reißen. Nur einem konnte dies gelingen. Verfolgt von der ganzen Horde, galoppierte dieser dann auf einen zweiten Kreis zu, in dessen Zentrum ein Fähnchen in den Farben des Propheten flatterte. Dort wagten die geschlagenen Verfolger nicht mehr einzudringen.

»Gefällt es Ihnen, Martin?« fragte Malinowski, ohne den Blick von dem Geschehen abzuwenden. »Ihr Abschiedsfest! «

Lanker überhörte den spöttischen Unterton nicht. Malinowski hatte ihn in der Hand. Er hatte seine Krankheit kaltblütig ausgenutzt. Und wenn Lanker auch am nächsten Tag nach Zürich zurückflog, würde das nichts an seiner Beziehung zu dem amerikanischen Diplomaten ändern.

»Hallo, Martin.«

Lanker rückte wortlos näher an Malinowski heran, um Chalid, seinem Kollegen vom türkischen Halbmond, der überraschend aufgetaucht war, Platz zu machen.

Chalid war Saudi. Mindestens behauptete er das von sich, auch wenn seine schieferblauen Augen nicht so recht in das Bild passen wollten, das man sich von einem Saudi macht.

»Ihr letzter Tag in Peshawar, Martin?« fragte Chalid.

Sie musterten einander, ihre Gesichter blieben ausdruckslos.

»Ein kurzer Aufenthalt. Drei Monate?«

Lanker nickte. »Vielleicht komme ich zurück, wenn die Ärzte zu Hause meine Malaria in den Griff bekommen haben.«

Chalids Pupillen zogen sich zusammen. Auch er wußte also Bescheid.

»Jeder sucht sich die Krankheit, von der er denkt, daß sie ihm Zuflucht bedeutet. Sie hätten nicht nach New Delhi reisen sollen!«

Lanker machte eine wegwerfende Handbewegung. Er war ärgerlich, aber Chalid war nun einmal eine Instanz, an der Lanker in seiner täglichen Arbeit nicht vorbeikam.

Chaild war Pressechef des Türkischen Halbmonds, der Parallelorganisation zum IKRK, für das Lanker tätig war. Allerdings vertrat er den autonomen, etwas undurchsichtigen saudiarabisch-kuweitischen Ableger des Türkischen Halbmondes, der in manchem ganz andere Ziele verfolgte als sein grösserer Bruder.

Lesen Sie auch "Besuch im Versteck von Osama bin Laden"

Posted by dominik at 18:34 | Comments (1)

02.09.06

9/11 - im Versteck von Osama bin Laden

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Fünf Jahre seit 9/11. Einige merkwürdige persönliche Bezüge: An einem 11.September 1958 bin ich geboren, 9/11 ist also mein Geburtstag. Und die Gegend, wo Osama bin Laden sich verstecken soll, ist mir bestens bekannt: Süd-Waziristan, im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Auch genannt wird das weiter nordwestlich gelegene Chitral. 1987/88 habe ich als IKRK - Delegierter in Peshawar ein Jahr verbracht. Ein denkwürdiges Jahr. Dass aber die Erlebnisse und Gespräche damals auch noch mehr als 15 Jahre später so wichtig sein würden, ahnte ich damals nicht.

1987/88 lebte ich für ein Jahr in Peshawar - jener legendären Stadt am Fuss des Khyber Passes in Pakistan, nahe der afghanischen Grenze. Als IKRK-Delegierter hatte ich mich unter anderem mit den Kontakten zur Presse zu befassen. Zu meinen Aufgaben gehörte es aber auch, einmal im Monat einen unserer vorgelagerten Posten im Grenzgebiet zu besuchen - in jener berühmt-berüchtigter "Tribal Zone". Ein merkwürdiges Überbleibsel aus der Kolonialzeit, ein Gebiet, in dem die dort lebenden Stämme weitgehend nach ihren eigenen Regeln und Gesetzen leben durften.

Meist musste ich in ein Gebiet namens South-Waziristan, im dortigen Wana hatten wir einen Ersthilfe-Posten eingerichtet; von dort wurden Kriegsverletzte mit IKRK-Ambulanzen ins Spital nach Peshawar transportiert. Eine lange und äusserst beschwerliche Autofahrt, die einen Tag oder länger dauern konnte.

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Unsere Besuche dort musten gut vorbereitet sein und angemeldet werden. Die Reisen zählten für mich zum bizarrsten, was ich je erlebt habe: An der Grenze dieser Stammesgebiete angekommen, musste man zuerst eine bewaffnete Eskorte abwarten. Normalerweise war die Information respektive die Bewilligung dafür nicht bis zum zuständigen Beamten durchgedrungen, was wiederum stundenlanges Warten zur Folge hatte. Dann gings aber, meist am späteren Morgen, los. Unser Landcruiser, dahinter oder davor ein Pick-Up mit einer Gruppe abenteuerlich aussehender Pasthunen, allesamt bewaffnet mit altertümlichen Gewehren. Naivität oder Instinkt - ich fühlte mich auf diesen Fahrten nie auf das Geringste unwohl oder bedroht. Waffentragende Menschen gehörten in den Stammesgebieten zum Alltag und kein erwachsener Mann zeigte sich ohne seine Waffe in der Öffentlichkeit. Frauen waren ohnehin nicht sichtbar.

Unsere Besuche verliefen stets nach dem selben Ritual: Besuch in "unserem" Ersthilfe-Posten, dann zusammen mit dem Leiter desselbigen einige Höflichkeitsbesuche. Übernachtet wurde meistens in einer ehemaligen britischen Militär-Garnison, dort im so genannten "Guest House"; meist entschädigten die angehemen Temperaturen - man war auf rund 1000 Meter Höhe über Meer - und die Aussicht für die mangelhaften hygienischen Verhältnisse. Überhaupt - diese Landschaften in ihrer Kargheit, die kleinen Dörfer mit ihren ärmlichen Bazaren, hat sich tief in meine Erinnerung geprägt. Ich träume heute noch regelmässig von diesen Landschaften.

In den Tagen des Aufenthaltes in jenen Gebieten wurden dann die regionalen Hauptquartiere der afghanischen Widerstandesgruppen besucht. Immer mit der selben Frage: Gibt es Kriegsgefangene, die wir besuchen können. Die Antwort war stets dieselbe: Nein, wir haben keine Gefangene. Oder: Wir haben welche, aber die sind weit weg im Innern des Landes. Zu unserer Zeit war ein Besuch dort nicht möglich.

Dazwischen blieb Zeit. Viel Zeit. Ich habe in dieser Zeit leidenschaftlich fotografiert. Einen Teil der Bilder kann man sehen....

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Wir waren nie allein - immer war mindestens ein Fahrer und ein Übersetzer, ein so genannter Field Officer mit uns. Das waren in der Regel gut ausgebildete Afghanen, nicht wenige von ihnen hatten einen Universitäts-Abschluss. Unsere Gespräche erscheinen mir auch heute noch befremdlich - aber die Themen erscheinen heute, nach dem Ende des Kalten Krieges, nach zwei Irak-Kriegen, nach einem weiteren sinnlosen Waffengang in Israel und vor allem nach dem Trauma des 11.Septembers in einem anderen Licht.

Der Westen, so hörten wir immer wieder von unseren gebildeten Field Officers, der Westen ist dekadent. Dabei gibt es kaum Unterschiede zwischen dem Kommunismus der Sowjetunion (die damals Afghanistan besetzt hielt) und dem Kapitalismus, verkörpert durch die USA. Beide Systeme würden keine spirituellen Werte kennen. Der Islam ist beiden Systemen überlegen, mussten wir immer wieder hören. Am irritierendsten von allem die Aussagen über Hitler und die Verbrechen des Nazi-Regimes: Hitler, so meinten unsere Angestellten, hätte etwas Gutes gemacht, nämlich die Juden bekämpft.

Immer wieder kam unser angeblich mangelnde Respekt gegenüber den Frauen aufs Tapet. Das sei im Islam anders. Unseren Einwand, weshalb dann die Stimme einer Frau vor Gericht nur zur Hälfte zähle wurde abgeschmettert: Frauen sind schwächer, da sie ja einmal im Monat Blut verlieren würden.

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Ich habe diese Aussagen nie vergessen können. Auch den enormen Druck nicht, der auf uns lastete und uns die landesüblichen religiösen Regeln - etwa in der Kleidung -aufzwang. Eine Genfer Kollegin in Sandalen musste sich eines Morgens sagen lassen, der Anblick ihrer Füsse verletze die religiösen Gefühle (der Männer).

Und dann waren diese Erlebnisse plötzlich wieder da - und mir scheinen sie heute wie ein Prolog auf den Terror. Ich kann diese Aussagen nicht vergessen und die Irritation ist mehr als eine oberflächliche. Mir scheint in diesem kleinen Erlebnis der ganze Irrsinn dieseer Gegenwart eingefangen zu sein.

Lesen Sie auch: Zeindlers "Schläfer" von 1993 - ein aktuelles Buch

Posted by dominik at 23:10 | Comments (0)

Das Fernsehen ist tot. Wirklich?

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Wieder einmal ist das Ende von etwas da. Diesmal das Ende des Fernsehens. Der Spiegel schreibt "Das Fernsehen ist tot" und das renommierte Magazin Technology Review widmet der Frage gleich eine ganze Titelstory - dort heisst es dann ziemlich kryptisch: "IP - TV: Die Neu-Erfindung des Fernsehens". Man neigt in solchen Fragen zur Vorsicht, nicht erst seitdem Francis Fukuyama anfangs der 90er Jahre etwas voreilig das Ende der Geschichte verkündet hat. Nun, was ist dahinter. Sternenjäger betreibt Forschung im Familienkreis.

Es ist noch nicht allzu lange her, da war die Frage nach dem Fernseh-Konsum gewissermassen die Gretchenfrage und wer intellektuell und bildungsmässig etwas auf sich hielt, schaute kein TV, ja besass nicht einmal ein derartige Teufelskiste. In der Postmoderne dürfen auch Gebildete fernsehen. So auch Sternenjägers Familie.

Beginnen wir mal mit den Alten, wo am wenigsten Aufregendes zu erwarten ist. So ist es. Sternenjäger-Vater zappt gestern und heute. Hin und wieder schiebt er eine DVD rein. Und hat einen Harddisk-Video-Rekorder angeschafft. Ein tolles Teil. Aber so richtig integriert ist es nicht. Schön aber, dass man von Pferdewettkämpfen DVD brennen kann. Sternenjäger-Gattin guckt wenig TV. Zappt nicht. Dafür schiebt sie noch lieber eine DVD rein. Was denn? - Zum Beispiel "Pride and Prejudice".

Jetzt zu den Teenagern: Sternenjäger-Tochter guckt, was Teenager halt so gucken: Zum Beispiel "Verliebt in Berlin". Oder am Samstagabend "Asterix und Obelix". Sternenjäger-Sohn: Er braucht keinen TV. Denn er hat seinen PC. Den nutzt er immer weniger häufiger für Spiele und immer mehr für Filme. Die werden an LAN-Parties "rübergezogen" oder aus dem Netz heruntergeladen. Das dann regelmässig zu einer Internet-Breakdown im Haus führt.

Fazit oder ein bisschen verallgemeinert: Erstens spielt der Konsum von DVD wohl eine grössere Rolle als früher der Konsum von Video-Kassetten. Das merken auch die Kinos. Kein Wunder - bei den Kinopreisen in der Schweiz. Zweitens könnten die neuen Harddisk-Videorekorder das Fernseh-Verhalten arg verändern. Zum Beispiel indem der Konsument die Werbung überspringt. Falls er denn nicht zu faul dazu ist. Drittens werden immer mehr Filme am PC geschaut und auch via Internet heruntergeladen. Und was ist mit live-TV, oder eben IP-TV? - Da hab ich eine Mattscheibe. Im Moment noch nicht so relevant, mindestens in unserem Haushalt.

Und was heisst das für die Zukunft des Fernsehens, wie wir es kennen - vor allem für das hochsubventionierte öffentlich-rechtliche Fernsehen? - Mir scheint, es tut sich was. Aber man darf die Trägheit des Gewohnten nicht unterschätzen.

Ach ja - Wolfgang Coy, Kulturwissenschafter und Informatiker kam in etwas anderem Kontext schon mal zu einem ähnlichen Schluss: "Dass etwas geschieht, ist unbestritten. Was geschieht, wird allerdings sehr verschieden interpretiert." Und: "So wie es aussieht, müssen wir uns also auf lange Zeit in einer Folge von Beta-Versionen der Informationsgesellschaft einrichten. Wir können und wollen nicht zurück, und wir wissen doch nicht wirklich wo es hingeht. Und wir wissen nicht einmal sicher, ob das Ganze die Mühe wert ist. Henry David Thoreau hat vort 150 Jahren in Walden eine ähnliche Situation beschrieben. "We are in greate haste to construct a magnetic telegraph from Maine to Texas; but Main and Texas, it may be, have nothing important to communicate."

Wolfgang Coy: Internetgesellschaft Version 0.9 Beta. In: Peter Gendolla. Wissensprozesse in der Netzwerkgesellschaft. Frankurt 2005. Transcript Verlag.

Fernsehen ist tot. Spiegel Online vom 31.8.2005

Technology Review 09/2006 : Die Neuerfindung des Fernsehens.

Posted by dominik at 21:05